Zu Besuch bei … Knut Krüger

»Und so viele Schätze in der Vergangenheit noch zu heben sind, so viel Neues wächst ständig nach – es ist ein lustvolles Hinterherhecheln.«

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Eigentlich wünscht sich Henry nichts sehnlicher als einen eigenen Hund. Doch seine Eltern haben tausend und einen Grund parat, warum er keinen haben darf. Da stolpert Henry zu Beginn der Osterferien über ein zotteliges Urzeitwesen mit kleinen Ohren und gelben Stoßzähnen. ›Nur mal schnell das Mammut retten‹ – die Geschichte einer wunderbaren Freundschaft. Im Interview erzählt der Kinderbuchautor Knut Krüger über seinen Schreiballtag und über Bücher, die ihn umtreiben.

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?
Wenn ich mich an einen Roman setze, dann nehme ich mir vor, zwei bis drei Seiten am Tag zu schreiben. Die sollen dann aber so formuliert sein, dass später keine große stilistische Überarbeitung mehr nötig ist. Vage vorformulieren kann ich nicht. Wenn mir partout nichts einfällt, gehe ich erst mal eine Runde joggen – das bringt die Gedanken in Schwung.

Haben Sie feste Rituale?
Ich gehe immer rückwärts zum Schreibtisch, bevor ich mich hinsetze, lasse meine Finger knacken und zähle auf Bulgarisch von eins bis zehn – nein, ganz so schlimm ist es nicht!
Zeitungslektüre vor dem Schreiben hilft der eigenen Formulierungsfähigkeit auf die Sprünge. Und natürlich halte ich viel von einer Belohnungsschokolade nach getaner Arbeit. Man muss nur aufpassen, dass nicht immer eine ganze Tafel draus wird.

Arbeiten Sie mit einem Notizheft, einer Pinnwand o.Ä.?
In der Regel habe ich vorher ein Exposé geschrieben, in dem die Handlung sowie die Romanfiguren schon ziemlich genau ausgearbeitet sind. Doch im Zuge des Schreibens entwickelt sich vieles anders als geplant. Davon zeugen die unzähligen kleinen Zettel auf meinem Schreibtisch, die mit Hinweisen, Anmerkungen, Ergänzungen, Warnungen, Fragezeichen etc. vollgekritzelt sind. Sieht chaotisch aus, ist es auch!

Was wollten Sie als Kind werden?
Als kleiner Junge wollte ich Fußballprofi werden, als großer Junge Feuilletonchef der ›ZEIT‹. Hat zum Glück für den Profifußball und die ›ZEIT‹ beides nicht geklappt.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Jahrelang habe ich ausschließlich als Übersetzer gearbeitet, was eine hervorragende Übung ist, um sich mit dramaturgischen und stilistischen Fragen zu beschäftigen. Der Wunsch, nicht nur Bücher anderer Autoren ins Deutsche zu übertragen, sondern selbst zu schreiben, wurde im Laufe der Zeit immer größer. Inzwischen tue ich beides.

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Welcher Autor/welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?
Als ich zehn Jahre alt war, habe ich ›Behalt das Leben lieb‹ des niederländischen Autors Jaap ter Haar gelesen. Das Buch handelt von einem 13-jährigen Jungen, der aufgrund eines Unfalls sein Augenlicht verliert und dennoch »das Leben lieb« behält. Geschenkt hatten es mir meine Eltern, da ich mit einer akuten Augenerkrankung im Krankenhaus lag und selbst in Gefahr war, zu erblinden – was ich damals allerdings nicht wusste. Erst viele Jahre später habe ich begriffen, dass mich meine Eltern auf ein mögliches Schicksal als Blinder vorbereiten wollten. Von daher wird dieses Buch immer einen besonderen Stellenwert für mich haben.

Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden?
Nicht entdeckt, sondern wiederentdeckt sollte unbedingt ›Reise nach Tripiti‹ werden, ein wunderbares und großartig illustriertes Bilderbuch des Karikaturisten, Malers und Autors H.U.Steger. Es erzählt die Geschichte von Theodor, dem weggeworfenen einäugigen und einohrigen Bären, der, einem Traum folgend, zu einer abenteuerlichen Reise nach Tripiti aufbricht.

Welches Buch hat sie jüngst begeistert?
›Die souveräne Leserin‹ von Alan Bennett. Ein hintergründiges Porträt des britischen Staatsoberhaupts und eine Ode an das Lesen selbst: Die Queen, der drögen Amtsgeschäfte müde, wird zur begeisterten, ja fanatischen Romanleserin. Das Ende ist ebenso überraschend wie folgerichtig.
Wer sich für lesebegeisterte Staatsoberhäupter interessiert, der sollte auch das bemerkenswerte Interview mit Barack Obama lesen, das am 18.1.2017 in der ›Süddeutschen Zeitung‹ publiziert wurde.

Sommerschreibtisch
Knut Krügers Sommerschreibtisch

Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?
Die Menge dessen, was ich noch lesen möchte, ist quasi unendlich groß. Zum einen lese ich immer wieder meine Lieblingsautoren, z.B. Kafka und Wolfgang Herrndorf. Und so viele Schätze in der Vergangenheit noch zu heben sind, so viel Neues wächst ständig nach – es ist ein lustvolles Hinterherhecheln.

Was lesen Sie zurzeit?
Zurzeit lese ich einen zweisprachigen deutsch-italienischen Krimi, weil ich mir in den Kopf gesetzt habe, Italienisch zu lernen, im Wechsel mit ›Wer wir waren‹, dem letzten Buch des so früh verstorbenen Roger Willemsen: Eine melancholisch-pessimistische Zeitdiagnose sowie ein Aufruf an die nächste Generation, sich mit den gegenwärtigen Zuständen nicht abzufinden.

Wo lesen Sie am liebsten?
Am Strand! Wozu ich leider viel zu selten komme. Aber es geht doch nichts über eine tolle Lektüre mit den Füßen im Sand, der Sonne auf der Haut und dem Plätschern der Wellen in den Ohren.

Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?
Für einen Teller Spaghetti Vongole oder ein kleines Schläfchen, natürlich auch am Strand!

 

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