Zu Besuch bei … Leonie Below

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Wie wird aus dem Traumjob Pferdewirtin der einer Autorin? Und wie arbeitet eigentlich eine Kinderbuch-Autorin an ihren Geschichten? Willkommen in der Schreibwerkstatt von Leonie Below, in der ihr auf diese und viele weitere Fragen antworten findet!

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?
Da ich nicht nur als Autorin von Kinderbüchern, sondern auch von Hörspielen, Hörbüchern und Drehbüchern arbeite, schreibe ich so gut wie jeden Tag – einen richtigen Schreiballtag habe ich trotzdem nicht. Je nach Motivation, Inspiration und Deadline-Druck schaffe ich an manchen Tagen sehr viel und an anderen so gut wie gar nichts. Im Moment bin ich Teil eines Autor*innenteams und habe viele Online-Konferenzen mit meinen Kolleg*innen, weil wir die Handlung eines neuen Projekts entwickeln. Dadurch gerät das eigentliche Schreiben in den Hintergrund. Bald folgt dann aber wieder die Schreibphase, in der ich höchstwahrscheinlich mehrere Stunden am Tag schreiben werde. Normalerweise kann ich frei entscheiden, wann und wo ich arbeite und das finde ich ziemlich gut.

Haben Sie dabei feste Rituale?
Ich bin morgens oft schon früh auf den Beinen. Dann meditiere ich erstmal eine Runde und wenn ich ganz motiviert bin, mache ich auch noch ein bisschen Yoga ;) Danach frühstücke ich – meistens Müsli, das ich mir aus gefühlt hundert einzelnen Zutaten selbst zusammen mixe – und danach geht es an den Schreibtisch. Nachmittags gehe ich oft eine Runde spazieren oder Rad fahren, um den Kopf durchzulüften. Außerdem achte ich darauf, so oft es geht, meine Freund*innen zu treffen, um nicht irgendwann aus Versehen (Selbst-)Gespräche mit meinen Figuren zu führen ;)

Ein richtiges Ritual, wie den Kaffee dreimal linksherum rühren bevor ich anfange zu schreiben, habe ich aber nicht.

Arbeiten Sie mit einem Notizheft, einer Pinnwand o.Ä.?

Ich habe mehrere Notizbücher, z.B. eins für neue Ideen und eins für persönliche Anekdoten und Erlebnisse. Die ersten Kapitel von „Grüße aus der pinken Hölle“ habe ich übrigens handschriftlich in einem Notizbuch begonnen, um wirklich ins Tagebuch-Feeling reinzukommen und mich besser in meine Hauptfigur Lisa hineinversetzen zu können. Eigentlich schreibe ich aber hauptsächlich am Laptop. Teilweise arbeite ich mit digitalen Pinnwänden, besonders wenn ich noch in der Entwicklungsphase einer Geschichte bin.

Was wollten Sie als Kind werden?

Pferdewirtin. Ich war ein totaler Pferde-Fan. Schuld daran war vermutlich das große Spielzeugpferd, das bei meiner Cousine im Spielzimmer stand. Oder waren es die Pferde-Comics, die meine Oma mir mitbrachte? Jedenfalls nahm ich irgendwann Reitunterricht und wollte unbedingt später einen eigenen Reiterhof haben. Mit der Zeit merkte ich jedoch, dass ich mir lieber Geschichten über Pferde ausdachte, als auf ihrem Rücken durch die Gegend zu hoppeln. Ich schrieb Kurzgeschichten und nahm Hörspiele auf, die auf dem Reiterhof spielten. Als Teenie fiel mir dann die Videokamera meines Vaters in die Hände. Von da an wollte ich für eine lange Zeit Regisseurin werden und Filme drehen. Das tue ich heute zwar nicht, aber als Drehbuchautorin bin ich trotzdem irgendwie ins Filmemachen eingebunden.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Meine allererste Geschichte schrieb ich mit 6 Jahren. Sie handelte von einem Bären namens Pompo, der umziehen musste. Viel mehr passierte nicht, aber ich war unglaublich stolz darauf und las sie in der Schule vor. Meine Mitschüler*innen lachten mich aus und von da an behielt ich das, was ich schrieb, lieber für mich. Irgendwann hörte ich komplett auf zu schreiben. Warum genau, weiß ich nicht mehr. Erst als ich nach meinem Bachelor-Studium ein Praktikum bei einer Zeitung in Argentinien machte und einen Blog über meinen Auslandsaufenthalt schrieb, merkte ich wieder, wieviel Spaß mir Schreiben macht. Und plötzlich hatte ich den Wunsch, das Schreiben zum Beruf zu machen.

Welcher Autor/welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?

Die Bücher von Cornelia Funke habe ich als Kind wahnsinnig gerne gelesen. „Die wilden Hühner“ mochte ich besonders, aber auch in ihren fantastischen Geschichten wie „Drachenreiter“ und „Gespensterjäger“ bin ich regelrecht versunken. Ich bin mir sicher, dass sie meine Fantasie befeuert haben.

Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden? (Warum?)

Meine liebe Freundin und Kollegin Sarah M. Kempen, deren Debütroman im Frühjahr 2021 erscheint – weil sie nicht nur sehr hilfsbereit, sondern auch wahnsinnig kreativ ist und toll schreiben kann.

Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?

„Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky fand ich toll. Eine schöne und warmherzige Geschichte, die dazu anregt, sich darüber Gedanken zu machen, wozu man eigentlich hier ist und was man in die Welt bringen möchte.

Auch „Wir von der anderen Seite“ von Annika Decker hat mich begeistert. Packend, emotional und unheimlich witzig geschrieben, hat mich das Buch zum Lachen und zum Weinen gebracht. Vor allem, weil ich mich in der Hauptfigur sehr oft wiedergefunden habe.

Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?

„Big Magic“ und „City of Girls“ von Elizabeth Gilbert. Neulich habe ich ein Interview mit der Autorin gesehen. Eine mega inspirierende Frau!

Was lesen Sie zurzeit?

Gerade bin ich wieder auf dem Fantasy-Trip und lese „Der unsterbliche Alchemyst“ von Michael Scott.

 Wo lesen Sie am liebsten?

Im Bett, im Zug oder an einem schönen Ort in der Natur.

Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?

Um zu diesem schönen Ort zu radeln, und dort dann weiterzulesen. Für gute Gespräche. Für eine spannende Serie. Und für Schokotorte.

 

Mehr zu Leonie Below und ihrem neuen Buch ›Grüße aus der pinken Hölle – Lisas verrücktes Tagebuch‹

 

Leonie Below
Grüße aus der pinken Hölle − Lisas...

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