Zu Besuch bei … Linus Geschke

Kaffee gegen 9 Uhr , ein Blick in die sozialen Medien und zum meist sehr braven Hund…der leider immer noch nicht auf seinen Namen hört. Manchmal ist es kurz still, aber an guten Tagen hört man fast ohne Unterbrechung frenetische Tippgeräusche aus der Küche. Dies lässt erahnen: Hier ist jemand am Werk, der womöglich gänzlich dem Schreiben verfallen ist. Herzlich willkommen in der Thrillerschmiede von Linus Geschke!

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?
Nach dem Aufstehen (meist so gegen 09 Uhr) brauche ich erst einmal Kaffee, viel Kaffee! Dann eine Runde Facebook und Instagram, anschließend kurz die E-Mails lesen. Mein Computer steht in der Küche – der einzige Raum, in dem ich wirklich konzentriert schreiben kann -, und meist sitze ich ab 10 Uhr davor. Vier Stunden am Stück, dann eine Pause, anschließend geht´s weiter. Läuft es gut, bin ich konzentriert, bleibe ich die ganze Zeit bei den Manuskripten, ansonsten durchbreche ich die Routine und schreibe nachmittags eine Tauch- oder Reisereportage.

Haben Sie dabei feste Rituale? 
Wenn »Stille« kein Ritual ist, habe ich keins. Ich kann nicht schreiben, wenn Musik läuft, nicht in Cafés und nicht auf Reisen. Da darf nichts anderes sein; nur ich und die Geschichte. Der einzige, der dabei geduldet wird, ist Paul, der »Tastaturhund«. Ein kleiner Plastikhund, sehr gut erzogen: Er bellt nicht und muss nur äußerst selten Gassi gehen.

Arbeiten Sie mit einem Notizheft, einer Pinnwand o.Ä.?
Ich habe ein Notizheft, in dem ich manchmal meine Gedanken oder Ideen festhalte – eine gute Szene, ein knackiger Dialog. Mehr nicht. Ich plotte auch nur den Anfang der Story, die Personen und das Ende, ansonsten lasse ich mich treiben. Hätte ich die gesamte Handlung von Anfang an im Kopf und müsste sie nur noch niederschreiben, würde mich dies langweilen.

Was wollten Sie als Kind werden?
Autorennfahrer, Boxweltmeister oder Pilot. Zu den ersten beiden Berufen hat mir das Talent gefehlt, der Pilotenwunsch rückte in der Jugend in den Hintergrund. Ansonsten wollte ich immer nur Autor werden – Geschichten im Kopf entstehen lassen, die ich dann anderen Menschen mittels meiner Worte in den Kopf pflanzen kann; das hat mich immer fasziniert. Dass ich heute vom Schreiben leben kann, ist ein unfassbares Geschenk.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Ich habe schon in der Schule gerne Aufsätze geschrieben, später dann Reportagen für Tauchmagazine oder Medien wie Spiegel Online oder die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Irgendwann sollten die Texte auch mal länger werden, das erste Manuskript entstand. Danach ist alles einfach … passiert. Nichts, was ich bewusst gesteuert habe. Heute ist das Schreiben zu einer Sucht geworden: Ein paar Tage ohne Textprogramm und ich werde unruhig.

Welcher Autor/welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?

Das kann ich gut festmachen: In der Jugend sicherlich Stephen King und ›Es‹. King ist ein so unfassbar guter Erzähler, dieses Buch bedient so unglaublich viele Ebenen: Es geht natürlich um Horror, um Pennywise, den Clown – es ist aber auch ein wunderbares Werk über Freundschaft, über Zusammenhalt und über das Leben in einer amerikanischen Kleinstadt.

Jetzt, als Autor, beeindrucken mich Dennis Lehane und Don Winslow am meisten: Beide schaffen es, eine Geschichte gerade herunter zu erzählen, kaum Abschweifungen, sehr lebendig. Ich liebe ihre Sprache, weil sie einen eigenen Sound hat, ohne eitel zu wirken. Bei ihnen hat selbst die Gewalt eine Größe, die den Werken Tiefe verleiht. 

Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden? (Warum?)
Simone Buchholz! Ihre Krimis sind sprachlich ausgefeilt, dabei rotzig und rau. Fantastische Protagonisten. Vor ein paar Tagen erst habe ich ihre eher durchwachsenen Rezensionen bei einem großen Onlineanbieter gelesen und die Welt nicht mehr verstanden – vielleicht ist sie schon zu gut, zu weit weg des üblichen 08/15-Mainstreams, um dem Massengeschmack noch gerecht zu werden. Das Gleiche gilt übrigens auch für Zoran Drvenkar, dessen ›Still‹ und ›Du‹ einfach großartig sind.

Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?
Nicht jüngst, aber ›Tage der Toten‹ von Don Winslow beeindruckt mich jedes Mal aufs Neue. Ist das der beste Thriller, der jemals geschrieben wurde? Für mich schon! Eine wahrhaft große Geschichte rund um den mexikanischen Drogenkrieg, blutig und brutal und erschreckend dicht an der Realität. Ich habe das Buch sicherlich fünf Mal gelesen und mich kein einziges Mal auch nur eine Seite lang gelangweilt.

Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?
›Schuld und Sühne‹ von Dostojewski. Bis jetzt fehlt mir noch der Mut dazu.

Was lesen Sie zurzeit?
›Der Tod in mir‹ von Paul Cleave. Aktuell bin ich auf bei Seite 223 und ziemlich begeistert.

Wo lesen Sie am liebsten?
Am Strand, im Bett und auf dem Sofa; Hauptsache, ich habe genug Zeit und Ruhe, um mich vollständig in die Geschichte hineinziehen zu lassen.

Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?
Für Fußballspiele des 1. FC Köln. Für Sauerbraten mit Klößen. Für ein paar Sachen, die jetzt unter FSK18 fallen würden.

 

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