Zu Besuch bei … Ruth Ware

Was es bedeutet, wenn die Hand dem Kopf hinterherrennt, wie Laptops den Rücken ruinieren oder warum das Gedächtnis trotz einem gewissen Siebfaktor das beste Notizbuch ist, erfahrt Ihr hier: Herzlich willkommen bei Ruth Ware!

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?
Ich habe Kinder im Schulalter. Das heißt mein Tag beginnt erstmal damit, dass ich sie für die Schule fertig mache und endet damit, dass ich sie von dort wieder abhole. Das Schreiben findet dazwischen statt, in der kleinen Zeitspanne von 9.30 bis 14.30 Uhr. Manchmal fühlt sich das unglaublich kurz an, vor allem wenn sich eine Deadline anbahnt. Manchmal fühlt es sich wie ein langer Gewaltmarsch an, wenn die zündenden Ideen einfach nicht kommen wollen. Aber ich glaube es ist generell gut für mein Schreiben eine Art selbst auferlegte Routine zu haben. Ich schreibe am Computer in meinem Büro. Vor vielen Jahren war ich es gewöhnt handschriftlich zu schreiben, aber ich habe es verlernt und habe das Gefühl, dass meine Hand anfängt sich zu verkrampfen, wenn ich etwas Längeres als eine Einkaufsliste schreibe. Meine Gedanken eilen meinen Fingern voraus und das frustriert mich unglaublich. Ich kann fast so schnell tippen, wie ich denken kann und ich bin zu ungeduldig um auch nur ein bisschen langsamer voranzukommen als ich muss.

Haben Sie dabei feste Rituale? 
Nein, ich bin eine sehr pragmatische Schreiberin. Bücher schreiben ist mein Beruf und wie bei jedem anderen Beruf auch muss ich es machen, komme, was da wolle. Ich schreibe allerdings immer am gleichen Schreibtisch, am gleichen Computer. Früher habe ich auf einem Laptop geschrieben und ihm überall mithingenommen.: Ich schrieb im Bett, auf dem Sofa, in Hotelzimmern… Allerdings hat mir das Schreiben in diesen ungesunden Haltungen leider meinen Rücken ruiniert. Deshalb achte ich jetzt sorgfältig darauf, nur an einem richtigen Tisch, mit einem passenden ergonomischen Bürostuhl und meinem Bildschirm etc. mit der korrekten Höheneinstellung zu schreiben. Ich ziehe das durch, indem ich ausschließlich an meinem Computer in meinem Büro arbeite. Wenn ich arbeiten will, muss ich dort arbeiten. Das ist gut, denn sobald ich im Büro sitze weiß mein Kopf: »Es ist Zeit zu arbeiten!«. Und das versetzt mich in die richtige Stimmung. Es ist kein glamouröses Zimmer – es ist sehr klein und recht kühl, weshalb ich auch einen elektrischen Heizkörper unter meinem Schreibtisch habe. Aber es hat einen hübschen Ausblick – nicht besonders interessant, aber ein beruhigender Ort, um die Augen ab und an für ein paar Minuten zwischen den Textabschnitten auszuruhen.

Arbeiten Sie mit einem Notizheft, einer Pinnwand o.Ä.?
Abgesehen von ein paar Notizen zu Terminen und wichtigen Details (zum Beispiel Namen und Alter) behalte ich alles im Kopf. Ich plotte bis zu einem gewissen Punkt, das heißt, bis ich ein ausgeprägtes Gefühl dafür habe, wo die Geschichte hinführt sowie eine Vorstellung von einigen Schlüsselmomenten. Aber ich bevorzuge es, meine Notizen nicht aufzuschreiben – sie im Kopf zu behalten hält sie lebendig und funktioniert als eine Art Vorselektion: Die interessanten Dinge bleiben hängen und den weniger erfolgreichen Ideen, ist es erlaubt wegzurutschen.

Was wollten Sie als Kind werden?
Eine Autorin! Schon immer, seit ich ungefähr fünf war und verstand, dass Bücher nicht einfach auf Bäumen wachsen, sondern jemand bezahlt wurde sie zu machen. Aber ich hätte nie gedacht, dass das jemandem so Normalen wie mir passieren könnte.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Mit ungefähr sechs oder sieben habe ich anfangen kleine Geschichten zu schreiben und von da an hab ich geschrieben und geschrieben und geschrieben. Die Geschichten wurden länger und länger, bis aus ihnen letztendlich ordentliche Manuskripte in Buchlänge wurden. Aber ich hatte nie den Mut sie an Agenten oder Verlage zu schicken. Und so landeten sie für viele Jahre alle unter dem Bett. Erst als ich Kinder bekam realisierte ich, dass ich mit diesem Hobby endlich Geld verdienen sollte. Also setze ich mich hin und versuchte ernsthaft ein Buch veröffentlicht zu bekommen. Es brauchte mehrere Jahre, und ich bekam etliche Absagen, aber ich bin froh, dass ich drangeblieben bin.

Welcher Autor/welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?
Diese Liste wäre so lang wie mein Arm, aber wenn es um das Schreiben geht, würde ich sagen Agatha Christie ist vermutlich die Person, der ich die meiste Inspiration zu verdanken habe. Sie war eine der ersten Krimiautorinnen, die ich gelesen habe (nach Arthur Conan Doyle, ich kann mich daran erinnern, wie meine Mutter mir ›The Speckled Band‹ vorlas, als ich sieben oder acht und völlig entsetzt davon war). Agatha Christie prägte meine Vorstellung davon, wie der perfekte Krimiplot aussehen muss, wenn es um die Ausführung und Auflösung geht.

Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?
Das letzte Buch, das ich verschlungen habe war ›Our House‹ von Luise Candlish. Es ist so unglaublich verzwickt und hat ein Wahnsinns-Ende.

Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?
Mir wurde kürzlich die erste Kurzgeschichtensammlung von Kristen Roupenian zugeschickt. Sie hat die Kurzgeschichte ›Cat Person‹ geschrieben, die vor einigen Monaten auf den Sozialen Netzwerken viral ging und die ich liebe. Ich lese nicht oft Kurzgeschichten, deshalb kann ich es kaum erwarten mich in die Sammlung zu vergraben. Sie heißt ›You know you want this‹.

Was lesen Sie zurzeit?
Es ist Weihnachten, also lese ich wieder mal ›The Dark is Rising‹ von Susan Cooper – die perfekte Weihnachtslektüre und ideal um in Festtagsstimmung zu kommen. Es war schon als Kind eins meiner Lieblingsbücher und ich liebe es, es alle paar Jahre wieder aufs Neue zu lesen.

Wo lesen Sie am liebsten?
Im Bett!

Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?
Abendessen. Unsere Hausregel: Keine Bücher oder Handys am Tisch.

 

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