Zu Besuch bei…Ulrike Rylance

Bei welchen Buch hat Ulrike Rylance Tränen gelacht? Was kann man auf ihren Notizzetteln außer Ideen zu ihren Büchern noch nachlesen? Und welche Rolle spielen ihre Hunde in ihrem Schreiballtag? Die Antwort auf diese und weitere Fragen erfahrt ihr hier: Herzlich willkommen in der Schreibwerkstatt von Ulrike Rylance!

 

Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?
Ich stehe sehr zeitig auf, meistens bin ich um 5.00 Uhr einfach wach. Und deshalb schreibe ich immer in den frühen Morgenstunden, da habe ich die meiste Energie und die besten Ideen. Meistens habe ich irgendein Pensum, das ich mir vornehme, sechs Seiten oder so. Klappt manchmal, manchmal auch nicht. Wenn es nicht klappt, bin ich ein bisschen unleidlich und mache erst mal was anderes. Mit zwei Hunden, Familie und Haushalt wird es einem ja nicht langweilig. Meistens schreibe ich dann über den Tag verteilt kleckerweise weiter, mal hier eine Seite neu, mal da was umschreiben. Nur abends geht schreibtechnisch gar nichts mehr. Da will ich nur noch netflixen und lesen.

Haben Sie dabei feste Rituale?
Gar keine. Ich schreibe auch oft unterwegs, ich muss nicht an meinem Schreibtisch sitzen. Wenn ich da also immer erst mit meinen Ritualen herumfummeln müsste, käme ich ja nie in die Gänge.

Arbeiten Sie mit einem Notizheft, einer Pinnwand oder Ähnlichem?
Nein ich habe nur unendlich viele Zettel mit Notizen und Ideen zu laufenden oder geplanten Romanen, die überall herumliegen und sich manchmal auch mit den To-do-Listen und Einkaufszetteln vermischen. Da steht dann oft so was wie: »Charakter von B. vertiefen. Zahnarzt anrufen. Kapitel 2 evtl. an anderer Stelle einfügen? Mandelmilch und Butter. Gefrierschrank abtauen. Dystopie? Kinderbuch mit sprechendem Gemüse? Winterreifen.«

Was wollten Sie als Kind werden?
Pianist. Naja, Schwamm drüber.

Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?
Das war ein schleichender Prozess, etwas, das schon immer in mir geköchelt hat, wie wohl bei allen Leuten, die viel und gern lesen. Irgendwann hatte ich endlich einen eigenen Laptop und war sozusagen nicht mehr an Raum und Zeit gebunden und konnte schreiben wann und wo ich wollte. In dem Sommer habe ich mit Kurzgeschichten angefangen und von da an gab es kein Zurück.

Welcher Autor oder welches Buch hat Sie nachhaltig geprägt?
Das war ›Büroroman‹ von Walter E. Richartz, ist schon ein etwas älteres Werk, ich habe es bereits als Jugendliche gelesen. Das hat mich schwer beeindruckt, wie dort minutiös und fies und gleichzeitig rührend und urkomisch der absolut tödliche Mikrokosmos im Bürogebäude einer großen Firma beschrieben wurde. Das war grandios. Ich habe nie zuvor und nie danach wieder etwas Derartiges gelesen.

Welcher Autor sollte unbedingt noch entdeckt werden?
Hm. Also die meisten, die ich gern lese, sind ja schon entdeckt. Aber ein Buch, das, wie ich finde, mehr Aufmerksamkeit und vielleicht auch einen Film verdient hätte, heißt ›Kinderland‹ von Mawil, eine Graphic Novel über die Kindheit in der DDR. Ganz große Klasse!

Welches Buch hat Sie jüngst begeistert?
Das war ›Unsterblichkeit ist auch keine Lösung‹ von Christian Tielmann. Darin müssen der unsterbliche Goethe und der ebenfalls unsterbliche Schiller auf Lesereise durch Schulen ziehen und sich immer wieder denselben idiotischen Fragen der desinteressierten Schülerschaft stellen. Das war alles so charmant, witzig und herrlich beschrieben, ich habe Tränen gelacht.

Wen oder was wollen Sie unbedingt noch lesen?
Das neue Buch von TC Boyle – ›Das Licht‹. Es liegt schon startbereit hier, aber es ist nichts, was ich so nebenbei weglesen kann, da will ich mich richtig konzentrieren und jeden Satz genießen. Also muss es wohl noch bis zum Urlaub warten.

Was lesen Sie zurzeit?
Im Moment lese ich ›Rückwärtswalzer‹ von Vea Kaiser, das hat mir meine Freundin geschenkt. Es gefällt mir sehr gut, so schön bissig und ironisch.

Wo lesen Sie am liebsten?
Ist mir egal, überall. Bett, Couch, Sessel, Liegestuhl, im Auto auf dem Parkplatz oder wenn ich überhaupt irgendwo warten muss und meine Umgebung ausblenden will.

Wofür legen Sie jedes Buch beiseite?
Für meinen Mops. Wenn er mich mit seinem kleinen Quetschgesicht so tragisch und anklagend anguckt, dann kann ich ihn einfach nie ignorieren.

 

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