9783423134224
merken
Antonio Tabucchi

Träume von Träumen

Zwanzig Traum-Capriccios in Miniaturformat

Vom uralten Menschheitstraum eines Dädalus bis zur Vision Freuds, dem Traumexperten schlechthin – heiter, elegisch, düster oder ironisch, aber immer pointiert.

Antonio Tabucchi Ob Toulouse-Lautrec davon träumt, dass er lange Beine hat und mit Jane Avril Cancan tanzen kann, der 15jährige Stevenson davon, dass er auf einer Südseeinsel das Buch ›Die Schatzinsel‹ findet, oder ob Goya im Traum versucht, die Schreckensbilder seiner späteren Jahre allesamt mit dem Pinsel zu vertreiben – nach dem Motto »Jedem seinen eigenen Traum« erfindet Tabucchi für seine illustren Lieblingsgestalten aus Musik, bildender Kunst, Literatur und Geschichte die entsprechenden Traumgebilde.

Stets wird der Kern eines Lebens angesprochen, aber eben in der Manier eines Traums: immer leicht schräg, immer indirekt. Durch den Kontrast mit den Lebensgeschichten der Träumenden verlieren die literarischen Luftgespinste ihre Harmlosigkeit und werden zu Interpretationen der Biographien – eine wahre Prophetie ihrer Zukunft.

Inhalt:

- Der Traum des Dädalus, Architekt und Flieger

- Der Traum des Ovidius Publius Naso, Dichter und Höfling

- Der Traum des Lucius Apuleius, Schriftsteller und Zauberer

- Der Traum des Cecco Angioleri, Dichter und Lästerer

- Der Traum des François Villon, Dichter und Übeltäter

- Der Traum des François Rabelais, Schriftstelle r und ehemaliger Mönch

- Der Traum des Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio, Maler und jähzorniger Mensch

- Der Traum des Francisco Goya y Lucientes, Maler und Visionär

- Der Traum des Samuel Taylor Coleridge, Dichter und Opiumsüchtiger

- Der Traum des Giacomo Leopardi, Dichter und Freund des Mondes

- Der Traum des Carlo Collodi, Schriftsteller und Theaterzensor

- Der Traum des Robert Louis Stevenson, Schriftsteller und Reisender

- Der Traum des Arthur Rimbaud, Dichter und Vagabund

- Der Traum des Anton Tschechow, Schriftsteller und Arzt

- Der Traum des Achille-Claude Debussy, Musiker und Ästhet

- Der Traum des Henri de Toulouse-Lautrec, Maler und unglücklicher Mensch

- Der Traum des Fernando Pessoa, Dichter und Verstellungskünstler

- Der Traum des Wladimir Majakowski, Dichter und Revolutionär

- Der Traum des Federico García Lorca, Dichter und Antifaschist

- Der Traum des Doktor Sigmund Freud, der die Träume anderer deutete

Erhältlich als
  Taschenbuch
9783423134224
1. Februar 2006
978-3-423-13422-4
8,00 € [D]
inkl. MwSt., versandkostenfrei in D, A, CH, weitere Infos
in den Warenkorb
Oder beim
lokalen Buchhändler bestellen.
Auch erhältlich bei:

Details

EUR 8,00 € [DE], EUR 8,30 € [A]
dtv Literatur
Aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl
96 Seiten, ISBN 978-3-423-13422-4
1. Februar 2006

Autorenporträt

Antonio Tabucchi

Antonio Tabucchi

Antonio Tabucchi, am 23. September 1943 in Vecchiano bei Pisa geboren, verstorben am 25. März 2012 in Lissabon, promovierte an der Universität Pisa in moderner Literatur. Er war Ordinarius für portugiesische Sprache und Literatur an der Universität Genua sowie Leiter des italienischen Kulturinstituts in Lissabon. Lehrtätigkeiten an den Universitäten Pisa und Siena. Er schrieb Romane und Kurzgeschichten, Essays und Bühnenstücke. Sein Werk wurde in mehr als 40 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Premio Campiello, dem Premio P.E.N. Club, dem Prix Médicis Etranger und dem Österreichischen Staatspreis für Literatur. Tabucchi war Mitglied und Mitbegründer des International Parliament of Writers.

Preise und Auszeichnungen

Österreichischer Staatspreis für europäische Literatur

1997

Pressestimmen

Hanns-Josef Ortheil, Die Zeit
»… geschickt und raffiniert gemacht, wie es sich für einen so manieristischen Autor wie Tabucchi gehört.«

Leserstimmen

Ihre Meinung

Timo Brandt, März 2012
»"Meiner Tochter Teresa, die mir das Heft geschenkt hat, in dem dieses Buch entstanden ist." Widmung des Buches. Antonio Tabucchi ist tot. Er starb vorgestern in seiner Wahlheimat Lissabon; gebürtiger Italiener, war er doch fast ein Leben lang Portugals Weltschriftsteller Nummer 1. Mit ihm verliert die literarische Welt einen vielfach interessierten, schöpferischen Geist, der sich, wie kaum ein anderer für die Lektüre interessierte, für das Leben von Dichtern und Denkern und ihrer Werke. Es ist nun also spätestens an der Zeit, auch sein Werk wieder zu lesen, anstatt es abschließend zu beurteilen. Egal ob man zu dem Erfolgsroman "Erklärt Pereira" greift, ein bis heute wunderbarer Text, ganz individuell und eigen, wie es die besten Romane sind, oder aber noch andere Facetten des Werkes entdeckt, so die Erzählungen z.B. 2010 erschienen: "Die Zeit altert schnell", oder einen der unbekannteren Romane. Oder vielleicht sogar dieses kleine Werke, was ich trotz allem, persönlich, immer noch für sein schönstes halte. Nicht für das Größte, das Vollendetste, oder Beste. Aber dennoch für das Schönste. "Ich habe oft das Bedürfnis verspürt zu erfahren, was die Künstler, die ich liebe, geträumt haben." Wenn man die knappe Einleitung liest, die Tabucchi dem Buch voranstellt und in der er beschreibt, wie gerne er gewusst hätte, was die Dichter und Komponisten geträumt haben, die er bewunderte, meint man Jorge Luis Borges sprechen zu hören. In der Tat hätte diesem das kleine Buch sicherlich gefallen, hat er doch selbst einmal eine Sammlung von Träumen, herausgesucht aus der Weltliteratur, herausgegeben ("Buch der Träume"). Hätte Tabucchi zu seiner Zeit gelebt, bestimmt hätte Borges einen der Träume aus diesen Buch mit in seine Sammlung aufgenommen, vermutlich den von/über Robert Louis Stevenson. Dieses Buch ist etwas für diejenigen, die wie ich, das Spiel mit der Literatur lieben, es ist eine Hommage an alles was Kunst beinhalten kann und was sie auf wunderbare oder schmerzliche Art aus unserem Leben macht und gleichsam ist es ein Lobgesang auf die, bei denen sie entsteht. Tabucchi hat sich mit diesem Werk, gestand er einmal in einem Interview ein, eine Art privaten kleinen Traum erfüllt: Seine liebsten - oder zumindest die Auffälligsten der Liebsten - Literaten, Musiker und Maler einmal in Szene zu setzten, einmal sie nicht nur zu zitieren, wie er es oft tat, sondern wahrlich mit der Fantasie über etwas zu schreiben, was Teil ihres Lebenswerkes würde, wenn auch nur fiktiv. Allerdings hat er sich Gestalten ausgesucht, deren Leben oft eh halbe Fiktion war, weil ganz Kunst und Leben für die Kunst. "In einer Januarnacht im Jahr 16 nach Christus, einer kalten und stürmischen Nacht in Tomi am schwarzen Meer, träumte der Dichter und Höfling Publius Ovidius Naso, er sei ein Dichter geworden, der vom Kaiser geliebt wurde. Und als solcher hatte er sich durch ein göttliches Wunder in einen großen Schmetterling verwandelt." Viele der "Träume" beginnen auf ähnliche Weise. Datum und Person plus Bezeichnung ihres Berufs/ihrer Lebensaufgabe. Und dann die Träume, die alle recht unterschiedlich, dabei aber alle in der gleichen einfachen Sprache geschrieben sind und auf sehr unterschiedliche Weise enden, meistens mit einer Art von Pointe, Symbol oder mit einem offenen Ende. Die meisten sind 3 Seiten lang, keiner länger als 5, keiner kürzer als 2. Inhaltlich spielt Tabucchi mit den Werkinhalten der Personen, mit ihren Vorlieben, Ängsten, ihren Lebensentscheidungen und -leistungen; teilweise geben die Träume den Schriftstellern scheinbar ihre großen Werke ein, oder aber es sind einfach glückliche Phantasien, Märchen, die sich nicht wirklich als Träume ausgeben lassen (Was aber nicht zu kümmern braucht. Das Wort Träumen, es hat mittlerweile als "dream" schon auf der ganzen Welt zwei Bedeutungen inne: Schlafend wachen und wachend schlafen.) Auch das Datum der Träume ist oft präzise gewählt. Hinten im Buch finden sich deswegen kurze Biographien der einzelnen Träumer aufgelistet, mit Lebensgeschichte, aber auch mit einer näheren Erklärung der Umstände in dem Zeitraum des Traumes, falls dies notwendig erscheint oder über die Bedeutung der Symbole die vorkommen. Man hat das Buch sehr schnell durch - langwidrig oder vertiefend ist es nicht. Aber es hat den Glanz ungetrübter Leselust, der einen für alles entschädigt. Es ist Tabucchis persönlichstes Buch und als solches sollte man es lesen, als eine Hommage von einem Schriftsteller an das, was ihn im Leben fasziniert und begleitet hat. "Träume sind die Antwort des Menschen auf das Universum" Fernando Pessoa Es sind harte Zeiten für Portugal. Nach Jose Saramago (2010), verliert das Lans nun seine zweite Weltseele und Nobelpreiskapazität, wobei Saramago diesen immerhin noch erhalten durfte, was Tabucchi leider versagt bleiben wird. Gewiss, es gibt viele die diesen Preis verdient hätten und alle können ihn nicht bekommen. Und nicht von allen die ihn bekommen haben oder bekommen sollten, kann man etwas lesen. Aber ich glaube es wird sich für jeden lohnen, sich eine Stunde Zeit für dieses Buch zu sehen. Man bekommt Anregungen, man ist begeistert von so mancher Wendung, man ist erfüllt von der bewegenden, leichten Kraft von Kunst und Traum. Träume von Träumen ist ein Buch für Leser die gerne ein Buch zuklappen und sagen: Mensch, das war schön.«
ANTWORTEN
Ihre Leserstimme wird nach Prüfung durch den dtv - ohne Angabe Ihrer E-Mail-Adresse - hier veröffentlicht. Im Text sind keine HTML-Formatierungen und URLs erlaubt.
Bitte die zwei gleichen Bilder auswählen:

merkzettel (0)

Es befinden sich keine Artikel in Ihrem Merkzettel


zum Merkzettel

warenkorb (0)

Es befinden sich keine Artikel in Ihrem Warenkorb


Gesamtbetrag:
0,00 €
inkl. MwSt. zzgl. Versand

My dtv


Jetzt registrieren