Celeste Ng über ihren Roman

›Was ich euch nicht erzählte‹ ist die Geschichte der Lees, einer chinesisch-amerikanischen Familie, die in den 1970er Jahren in einer kleinen Stadt in Ohio lebt. Marylin und James wünschen sich von ganzem Herzen, dass Lydia – ihr mittleres Kind und ihr Liebling – die Träume verwirklichen kann, die sie sich selbst nie erfüllen konnten. Für Marylin bedeutet das, dass ihre Tochter Ärztin wird. Für James, dass Lydia beliebt in der Schule ist, ein Mädchen mit regem Sozialleben und der Mittelpunkt jeder Party.

Als man Lydias Leiche im nahe gelegenen See findet, wird das empfindliche Gleichgewicht, das die Familie Lee zusammenhielt, zerstört. James, geplagt von Schuldgefühlen, schlägt einen leichtsinnigen Weg ein und setzt damit seine Ehe aufs Spiel. Marylin, am Boden zerstört und rachsüchtig, versucht verzweifelt und um jeden Preis, einen Schuldigen zu finden. Lydias älterer Bruder Nathan ist sich sicher, dass der berüchtigte Jack aus der Nachbarschaft etwas mit Lydias Tod zu tun hat. Doch schließlich ist es die Jüngste der Familie – Hannah –, die weit mehr mitbekommt, als alle anderen ahnen, und die die Einzige sein könnte, die weiß, was in Wahrheit passiert ist.

Obwohl die Geschichte in den 1970er Jahren spielt, sind viele Themen und Probleme der Charaktere auch heute noch genauso relevant. Wer sich in Aussehen, Kultur oder auf eine andere Art von der Masse unterscheidet, steht immer noch unter Druck, jemand sein zu müssen, der er nicht ist. Frauen stehen heutzutage zwar viel mehr Türen offen, besonders was Medizin und Wissenschaft anbelangt, doch ist es für sie immer noch ein Balanceakt zwischen Karriere und Familienleben, der Versuch, die Bedürfnisse ihrer Familie mit den eigenen unter einen Hut zu bekommen – ganz zu schweigen von den Erwartungen, die die Gesellschaft an Frauen, Ehefrauen und Mütter stellt. Und natürlich streben Eltern danach, ihren Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen, während sich die Kinder selbst oft von den Träumen der Eltern bestimmt (und eingeschränkt) fühlen.

Während ich ›Was ich euch nicht erzählte‹ schrieb, war ich sehr überrascht, als mir auffiel, wie unterschiedlich manche Dinge vor ein oder zwei Generationen noch waren – und wie wenig sie sich gleichzeitig verändert haben. Warum haben wir so viele Geheimnisse, selbst vor denen, die wir am meisten lieben? Wie gut kennen wir einander wirklich? Welche Erwartungen haben wir an unsere Kinder, welche an unsere Eltern? Und was hält Familien zusammen, sogar im Angesicht undenkbarer Tragödien?

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