Cover: Die Eisläuferin

Katharina Münk: Die Eisläuferin

»Liebes, da ist etwas, das du wissen musst: Du bist Regierungschefin.«

 

Der Hippocampus hat Schuld. Der ist zuständig für das Gedächtnis, das ausgerechnet einer Regierungschefin während ihrer Urlaubsreise mit der Transsibirischen Eisenbahn abhanden kommt. Ein alter, rostiger Nagel an einem lockeren Bahnhofsschild gibt den Anstoß, das Schild fällt der Unglücklichen aufs Haupt und stiehlt ihr fortan zwanzig Jahre ihres Lebens und jeden Tag aufs Neue ihre Erinnerungen.

Mangels alternativer Kandidaten für das Amt erfährt die Öffentlichkeit vorerst nichts von dieser Unpässlichkeit, und die Chefin wird vom engsten Stab Tag für Tag neu »auf Schiene« gesetzt – allerdings mit einigen Nebenwirkungen: Sie regiert plötzlich, als gäbe es kein Morgen, mit einer bemerkenswerten Spontaneität, recht unvoreingenommen, ja geradezu leidenschaftlich.

Auf der Suche nach ihrem Gedächtnis kennt sie kein Pardon, weiß jede gelebte Sekunde zu schätzen, wenn diese Aussicht auf Erinnerung verheißt. Dies gestaltet sich nicht ganz unproblematisch ...

 

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Was ist der Wahlspruch der »vergesslichen« Kanzlerin?

»Leben, als gäbe es kein Morgen«, würde ich sagen. Fatalerweise gilt das im Falle meiner Protagonistin nicht nur so schön allgemein und unverbindlich für das Leben, sondern vor allem fürs Regieren, eine Tätigkeit, mit der sie ja einen Großteil ihres Lebens verbringt. Dieser Wahlspruch ist bittere Wahrheit (sie verliert ja jeden Tag neu ihr Gedächtnis), aber auch Chance zugleich. Denn jenseits eines Charakters, der bis dato für »fest installiert« gehalten wurde, entdecken die Regierungschefin an sich selbst und der Leser an ihr völlig neue Seiten, die ein russischer Therapeut im Rahmen der »Gedächtnis-Ambulanz« sehr professionell, aber mit etwas unkonventionellen Mitteln aus ihr herausholen kann. Es kommt darauf hin zu relativ ungewöhnlichen Verhaltensweisen der Dame. Sie wird etwas sprunghaft, könnte man behaupten. Einer aus dem engsten Kreis wird nachher sagen: »Die geht über Leichen für ihr Gedächtnis.«

Warum der Titel ›Die Eisläuferin‹?

Ich denke, alle Politiker müssen gute Eisläufer sein. Sie begeben sich ja jeden Tag aufs Glatteis und liefern sich ihre Piouretten und Spreizsprünge, mit Millionen von Punktrichtern vor den Bildschirmen beim heute-journal, nicht wahr? Im Falle der Dame, an die man denken mag, wenn man mein Buch liest, stimmt dies im doppelten Sinne. Denn es ist bekannt, dass sie, nach ihrem Kindheitstraum befragt, in der Regel »Eiskunstläuferin« sagt. Ich befürchte, sie meint das noch nicht einmal im übertragenen Sinne, und das finde ich herrlich. In meinem Buch darf sie auf der Suche nach ihrer Erinnerung dann auch tatsächlich aufs richtige Eis.

Was ist Ihr Kindheitstraum, Frau Münk?

Ich wollte Meeresbiologin werden, rein ins große Blau. Aber im Gegensatz zu meiner Protagonistin halten sich meine naturwissenschaftlichen Talente in Grenzen. Mein Drang, den Dingen auf den Grund zu gehen und mitunter dafür auch im Schlamm zu wühlen, hat sich allerdings gehalten und findet wohl auch in den Büchern seinen Niederschlag. Zumindest bin ich Hobbytaucherin geworden, denn die dicken Fische unter Wasser sind mir immer noch die liebsten.

 

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