Die Geschichte der Torstraße 1

Torstraße 1Vom Kaufhaus über Hitlerjugend und Politbüro zum Club-Hotel

 
 

Die Geschichte des Gebäudes in der Torstraße 1 in Berlin beginnt in den Jahren 1928/29. Die jüdischen Kaufmänner Hugo Halle und Hermann Golluber ließen auf dem Gelände eines ehemaligen Exerzier- und Reithauses das Kreditwarenhaus ›Jonass & Co‹ im Stil der Neuen Sachlichkeit errichten.

Auf 15.000 m² bot das Kaufhaus seine Waren an. Die Kunden konnten Waren mit einem Kaufschein erwerben: Ein Viertel des Warenwerts wurde angezahlt, der Rest in drei Monatsraten abgezahlt. Dies war besonders für die ärmere Bevölkerung des Berliner Ostens attraktiv.

Dem Kaufhaus gegenüber wurde 1930 auf dem Nikolai-Friedhof der SA-Sturmführer Horst Wessel begraben, sein Grab wurde zum Wallfahrtsort der Nationalsozialisten. Nach der Machtergreifung der NSDAP war der Inhaber Hermann Golluber (Hugo Halle war bereits verstorben) schweren Repressalien ausgesetzt und hatte eine ›Arisierung‹ seines Kaufhauses zu befürchten. Um selbiger zu entgehen, nahm er zwei ›arische‹ Angestellte in die Geschäftsführung auf. Die Bemühungen waren jedoch vergebens. Der Gründer des Kaufhauses ›Jonass & Co‹ wurde unter dem Naziregime schrittweise aus dem eigenen Geschäft gedrängt. Golluber floh 1939 mit seiner Familie in die USA, wo er kurzTorstraße 1e Zeit später verstarb.

 
 

Die neuen Besitzer des Kaufhauses ›Jonass & Co‹ verlegten den Warenverkauf 1934 in neue Räumlichkeiten am Alexanderplatz 2. Das von Juden erbaute Gebäude in der Torstraße 1 vermieteten sie an die NSDAP, die es zunächst für Propaganda-Ausstellungen nutzte. Nach einem Umbau zog die Verwaltung der Reichsjugendführung (Hitlerjugend) mit 1.000 Angestellten unter dem Reichsjugendführer Arthur Axmann ein. 1942 kaufte die NSDAP das Haus. Wie durch ein Wunder blieb das prächtige Gebäude in der Torstraße 1 im Zweiten Weltkrieg fast unbeschädigt.

 
 

Torstraße 1Nach der Teilung Deutschlands schrieb das Gebäude erneut politische Geschichte: Als ›Haus der Einheit‹ beherbergte es das Zentralkomitee der SED und war als Sitz des Politbüros bis 1958 das Machtzentrum der DDR. Der Präsident der DDR, Wilhelm Pieck, und der SED-Vorsitzende Otto Grotewohl hatten dort ihre Arbeitsräume.

Wo zu Zeiten des Nationalsozialismus 20 Jahre zuvor gegen jüdische Kaufleute demonstriert wurde, protestierten während der Unruhen am 17. Juni 1953 aufgebrachte Arbeiter gewaltsam gegen das DDR-Regime.

Nachdem das Politbüro an den Werderschen Markt gezogen war, wurde das Gebäude zum Institut für Marxismus-Leninismus umfunktioniert. Hier befanden sich auch die geschichtlichen Archive der KPD und das Zentrale Parteiarchiv der SED. 

Nach der Wende und der damit einhergehenden Auflösung des Instituts stand das Gebäude seit 1995 leer. Es wurde an die Nachkommen der ursprünglichen Besitzer zurückgegeben, und die jüdische Erbengemeinschaft bot das geschichtsträchtige Gebäude schließlich zum Kauf an.

Torstraße 1Erst acht Jahre später fand sich eine Investorengruppe, die den Komplex kaufte. Nach aufwendigen und denkmalgerechten Sanierungen eröffnete 2010 das Soho House Berlin. Aus dem Kaufhaus, dem Sitz der Reichsjugendführung und der SED-Zentrale ist nun ein Hotel und exklusiver Privat-Club geworden. Vor allem ein internationales Publikum aus Medien-, Kunst- und Modewelt geht hier ein und aus, trifft sich im Wellness-Bereich, an der Bar oder im Pool auf dem Dach.

 

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