›Nachtwild‹ von Gin Phillips

Achtung, Spoiler! Über das Ende von ›Nachtwild‹ (von Gin Phillips)

Die zwei häufigsten Fragen nach dem Erscheinen von ›Nachtwild‹ sind die nach der Verfilmung und nach dem Ende. Zuerst zum Film: eine Verfilmung ist geplant, aber noch nicht konkret. Die Filmrechte wurden verkauft, und ja, es wird ein Drehbuch geschrieben, aber das bedeutet noch nicht, dass der Film in trockenen Tüchern ist und er bald ins Kino kommt. Bis dahin wird noch einiges passieren. Wir werden sehen!

Über das Ende. Man kann schlecht öffentlich darüber sprechen, wie die Geschichte eines Buches ausgeht. Man will ja nicht spoilern. Aber ich fand es bemerkenswert, wie ein gewollt offenes, vielschichtiges Ende manche Menschen fast verrückt machen kann. Ich denke, das ist eine Sache der Perspektive. Ich als Leserin rege mich fürchterlich darüber auf, wenn Autoren sich und ihre Themen überbewerten. Wenn Autoren mich als Leserin unterschätzen und es mir nicht zugestehen, meine eigenen Schlüsse zu ziehen und selbst die Lücken zu schließen. Ich schätze Leser als klug und aufmerksam ein, und mir gefiel schon immer die Vorstellung, wie ein Leser sich auf ein Buch einlässt und beim Lesen etwas erschafft – gemeinsam mit dem Autor. Jeder erschafft beim Lesen sein eigenes Buch. Für die Literaturwissenschaftler unter Ihnen: Jede Handlung im Buch löst etwas im Leser aus. 

Mir gefällt die Vorstellung, dass der Leser für sich selbst entscheiden kann, was passiert. Ich denke, es gibt zwei Lesarten davon, wie ›Nachtwild‹ ausgeht. Entweder Joan ________ oder _________. (Ich bin mir nicht sicher, ob das zu offensichtlich ist oder nicht). Das Ende sollte kein Gradmesser dafür werden, wie der Leser die Welt sieht. Als mein Mann den ersten Manuskriptentwurf gelesen hatte, kam er zu mir und sagte »Ich fasse es nicht, dass du _________!« Und ich antwortete: »Nein, das habe ich nicht!«

Ich könnte sagen, er ist ein Pessimist und ich bin eine Optimistin, und deswegen verstehen wir das Ende unterschiedlich. Mir gefällt, dass das Buch für ihn anders endet als für mich. Dass es mehrere Lesarten gibt. Das ist ein Grund für das, was ich auf den letzten Seiten erzähle. Der andere Grund lautet, dass, soviel es auch um Kindererziehung geht, es immer darum geht, sein Kind hinter sich zu lassen. Du gehst und sie bleiben. Am Ende kann es also nicht nur Smileys und Regenbögen geben. So funktioniert das Leben nicht.

Noch etwas über das Leben: es ist unmöglich zu schaffen, alles sauber und ordentlich zu erledigen. Wir kennen nie ALLE Folgen unserer Handlungen. Joan kann nicht wissen, wie diese Nacht für jeden einzelnen enden wird. 
Aber, und das ist es wert, ich wende mich immer dem Licht zu und nicht der Dunkelheit. Das Gute siegt nicht immer im Leben, aber in meiner Geschichte will ich, dass das Gute siegt.  

Veröffentlichung und Übersetzung des Blogbeitrags mit freundlicher Genehmigung der Autorin. Den Originalbeitrag finden Sie hier
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