Wie das Buch seinen Weg zu uns gefunden hat


Ein Gespräch zwischen A. (Scout) und P. (Lektorin):

A.: Dich zufriedenzustellen ist wirklich schwer.
P.: Nein, gar nicht, ich ...
A.: ... aber Du kaufst so wenig!
P.: Finde mir eine Autorin, die irgendwo zwischen John Williams (Stoner), Paula Fox und Yasmina Reza zu verorten ist – und ich werde wahrscheinlich alles von ihr kaufen ...
A.: Sagte ich doch, dass Du schwer zufriedenzustellen bist ...

Aber A.‘s Freund, dem sie von diesem Gespräch erzählte, meinte, »das ist doch ganz einfach! Dorothy Baker.« – And here she is ...    

›Zwei Schwestern‹ von Dorothy Baker erschien erstmals 1962. Die New York Review Books Classics, der Verlag, der ›Stoner‹ von John Williams zu seiner bedeutenden Wiederentdeckung verhalf, gab 2012 eine Neuausgabe heraus, die auch in Europa zu einigen Übersetzungen führte und überall ein lebhaftes Presseecho hervorrief. Der Neu-Übersetzung in Deutschland ging eine erste Ausgabe 1965 voraus.

Diese Geschichte über ein symbiotisches Zwillingspaar vor einer schicksalhaften Trennung ist ein Ausnahmebuch. Ein Roman wie rasender Herzschlag, und wahrscheinlich das einzige Stück Weltliteratur, in dem einer einzelnen fliegenden Socke existentielle Bedeutung zukommt.

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Die italienische Ausgabe von Fazi EditoreDie Familie Edwards besteht aus geistvollen, charmanten und humorvollen Bohemiens. Man verbringt gern Zeit miteinander. Und weil nur selten Fremde auf die Familienranch eingeladen werden, ist es für den Leser ein außerordentliches Privileg, mit dieser Familie Zeit zu verbringen, und zwar ausgerechnet an dem Wochenende, an dem die vierundzwanzigjährige Cassandra von San Francisco aus dorthin fährt, um bei der Hochzeit ihrer Zwillingsschwester Judith dabei zu sein - oder vielmehr um diese Hochzeit zu verhindern.

Neben den Zwillingen, sie gleichen einander wie ein Ei dem anderen, sind aber im Charakter völlig verschieden, lernen wir deren Großmutter, den Vater und schließlich Judiths Verlobten kennen, den ganz und gar perfekten Jack Finch. Auch Cassandras bemerkenswerte Psychoanalytikerin Vera Mercer taucht gegen Ende kurz auf. Die Mutter der Zwillinge, Jane, ist in der Erinnerung allgegenwärtig, doch ist sie, als die Geschichte einsetzt, bereits gestorben wie auch Tacky, die Hauskatze der Zwillinge, von der sie viel gelernt haben.

Einige weitere Charaktere werden erwähnt, doch nur am Rande, sie bleiben unbedeutend. Der Roman ›Zwei Schwestern‹ ist nicht sehr lang, und es geht um vergleichsweise wenige Figuren: sich in der zurückgezogenen exklusiven Atmosphäre der Ranch in ihrer Gesellschaft zu befinden, ist eine intensive Erfahrung.

Die französische Ausgabe von Robert LaffontDer Roman erschien erstmals 1962, also zu einer Zeit, als die damals vorherrschende Konsumkultur in der amerikanischen Kunst und allgemeinen gesellschaftlichen Reflektion indirekte und direkte Kritik provozierte. Ein guter Teil der Erzählliteratur dieser Zeit beschreibt Figuren aus der oberen Mittelschicht (man denke an die Romane von Cheever, Yates oder Salinger) und setzt sich mit dem Fluch eines leeren Materialismus auseinander.

Der Materialismus der Familie Edwards ist dagegen alles andere als leer – dort freut man sich an dem frisch gepressten Orangensaft, der Aussicht vor dem Haus, dem Swimmingpool, den geräumigen Kleiderschränken, der Kleidung selbst und den Klavieren. Eine beinah großbürgerliche amerikanische Idylle. Die Familienmitglieder sind keine raffgierigen Roboter, sondern gelassene genießerische Kenner Arkadiens.

Die Großmutter der Zwillinge, Rowena Abbott, mag wegen ihrer unverwüstlich guten Manieren und ihrer intakten bürgerlichen Lebenseinstellung innerhalb der Familie zur Zielscheibe von harmloser Ironie werden, doch der allen willkommene komfortable Lebensstandard ist vor allem ihr Verdienst. In jedem Fall ist der relative Luxus des Edwardschen Milieus eher Beiwerk, denn für die Familienmitglieder zählt vor allem das sinnliche Vergnügen an intellektueller Auseinandersetzung. [...]

Die spanische Ausgabe von Contraseña EditorialCassandra kommt im ersten und letzten der drei Teile des Romans zu Wort. Und sie erzählt mit großem Flair. Sie weiß um ihr Talent, andere für sich einzunehmen, zu beeindrucken, und sie ist sich ihrer Zuhörerschaft stets bewusst. Der Roman funkelt vor Anspielungen auf die antike Philosophie und Mythologie, auf Dichtung und Musik, einige davon sind unverkennbar, andere lediglich angedeutet. Doch unter der Oberfläche aus unverkrampft heiteren Assoziationen ist der Text ganz eng geknüpft – kein Detail ist zufällig, keine Information unerheblich.  [...]

Die warme Atmosphäre des Edwardschen Heims lässt Cassandras Isolation noch stärker hervortreten, obgleich bereits nach den ersten Sätzen klar wird, dass hier etwas gründlich schiefläuft. Wir werden Zeugen einer überstürzten, ja fast waghalsigen Hast, als Cassandra sich auf die Reise begibt, und bereits auf der zweiten Seite des Romans steht:

»Die Brücke sah auch jetzt wieder gut aus. Die Sonne schien darauf und verlieh ihr die Anziehungskraft eines leuchtenden Exit-Zeichens in einem überfüllten, stickigen Hörsaal, in dem man sich, wie ich so oft, eine nicht eben brillante Vorlesung anhören muss. Aber natürlich können nicht alle Vorlesungen brillant sein; man kann sie über sich ergehen lassen und das Nützliche für sich herausziehen, und wenn das Exit-Zeichen funkelt und lockt, kann man es ignorieren.«

aus dem Nachwort der amerikanischen Ausgabe von Debora

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