›Der Mann im Heuhaufen‹ - die Story hinter dem Buch

Im Zug im Gepäcknetz schlafen! Das war früher in der Vorstellung meiner Freunde und von mir das größte anzunehmende Abenteuer. Verrückte Geschichten wilder Bahnreisen mit heftigen amourösen Beilagen vom Hören-Sagen hatten uns diese Laus ins Ohr gesetzt. Im Gepäcknetz gelandet bin ich nie, wir wussten ja auch nicht so genau, wie viel das überhaupt so trägt. Und dann auch noch zu zweit!?

Dafür habe ich ein nicht minder aufregendes Erlebnis im Zug gehabt. Auf dem Weg nach Südfrankreich saßen meine Freundin und ich auf dem Gang (fast so verwegen wie das Netz), zwei fremde Jungs neben uns. Wir quatschten die ganze Nacht über Gott und die Welt im allgemeinen und speziellen: Lieblingseissorten, Sportergebnisse, Sartre, Camus; all die wichtigen Dinge des Lebens eben. Ich verliebte mich Hals über Kopf in... ja, in wen eigentlich? Seinen Vornamen hatte er mir damals verraten und ich ihm meinen. Nicht mehr und nicht weniger. Wir fanden uns mysteriös und geheimnisvoll, weil wir eben nicht so angepasst waren, in dieser Nacht auf dem Weg in den Urlaub. Wen interessieren schon Daten und Fakten, wenn doch die innere, geistige Verbindung viel mehr zählt. Was man als Jugendlicher halt so faselt, wenn man sich erwachsener als die eigenen Großeltern fühlt.

Geküsst haben wir uns bestimmt auch, vielleicht auch nur mit den Augen.
Die Jungs mussten am nächsten Tag in Marseille raus, wir in Nizza.

Wir haben sie nie wieder gesehen. Meine Freundin und ich haben uns nie richtig eingestanden, dass es eben nicht total easylivingmäßig war, unsere Zugbekanntschaften nicht nach ihren Adressen zu fragen, sondern einfach nur strunzblöd!

Etliche Jahre später habe ich mir für das Buch ›Der Mann im Heuhaufen‹ überlegt, wie es wäre, einen Schritt weiter zu gehen – und herauszufinden, mit wem man da gemeinsam im Zug sass. Sprich: Ist es möglich, ohne Namen, Adresse und Telefonnummer jemanden in einer Großstadt wie Hamburg wiederzufinden? Charly versucht ihr Glück, nachdem sie die schönsten zwei Stunden ihres Lebens im selben Abteil mit »ihm« verbracht hat, mit einem Unbekannten, der sie komplett aus der Bahn geworfen hat. Kann eine Zugfahrt länger als bis zum Hauptbahnhof halten?

Ihr neues Motto: Eine Tür abschließen, in ihrem Leben aufräumen um Selbiges in, na klar, vollen Zügen genießen zu können! Und das geht auch unterm Gepäcknetz!

Birgit Hasselbusch
 

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