Interview mit Ben Aaronovitch

Jetzt erscheint mit ›Fingerhut-Sommer‹ schon der 5. Band aus Ihrer erfolgreichen Reihe rund um den Londoner Police Constable und Zauberlehrling Peter Grant. Hatten Sie, als Sie die Reihe begannen, damit gerechnet?

Ich war ziemlich zuversichtlich, dass ich das ursprüngliche Manuskript an einen Verlag verkaufen und weitere Bücher mit dem fiktiven Detektiv Peter Grant schreiben würde. Was ich jedoch gar nicht erwartet hatte, war der große Erfolg der Bücher, der die Erwartung aller übertraf – meine, der meiner Agenten und meiner Verleger. Ich kann mich also nicht beschweren!

Die ersten Fälle von Peter Grant spielen in London. Für ›Fingerhut-Sommer‹ wird er jedoch in die tiefste Provinz geschickt: in einen kleinen Ort in Herefordshire. Hatten Sie mal Lust auf einen Ortswechsel?

Wenn Sie für eine Figur eine »Komfortzone« etabliert haben, ist es äußerst reizvoll, die Figur dort wieder herauszunehmen – um zu sehen, wie sie reagieren wird. Ich hatte schon immer geplant, Peter einmal aufs Land zu schicken, und der fünfte Band war die perfekte Gelegenheit. Mein britischer Lektor war sehr nervös, dass das Buch sich schlechter verkaufen würde ohne den »London-Faktor«, aber ich habe ihm versichert, dass man Peter Grant zwar aus London rausschicken kann, aber er London immer in sich trägt – das ist der Kern des Buches.

Verlassen Sie selbst auch so ungern London wie Ihre Hauptfigur Peter Grant?

Ich habe kein Problem damit, London zu verlassen – vorausgesetzt, dass ich sicher wieder zurückkommen werde. Ich bin wahrscheinlich unwilliger als Peter, da ich älter bin und mehr meine Gewohnheiten habe.

Waren Sie selbst schon in Herefordshire, wo ›Fingerhut-Sommer‹ spielt, und wie hat es Ihnen dort gefallen?

Ich habe sehr umfangreiche Recherchen gemacht, bevor ich angefangen habe, das Buch zu schreiben und habe sehr viel Zeit damit verbracht, von hilfsbereiten Taxifahrern durch die Landschaft dort gefahren zu werden und großartiges Essen zu essen. Herefordshire ist wunderschön – wenn die Leute von den englischen Landschaften schwärmen, dann stellen sie sich einen Ort wie Herefordshire vor, mit sanft geschwungenen Hügeln, hohen Hecken, geheimnisvollen Wäldern und Foliengewächshäusern.

Wissen Sie schon jetzt, was im sechsten Band nach ›Fingerhut-Sommer‹ passieren wird?

Das hoffe ich, denn ich habe den ersten Entwurf schon fertig.

Wie viele weitere Bände sind in Planung?

Ich habe vor weiterzuschreiben bis ich a) keine Ideen mehr habe, b) die Leute die Bücher nicht mehr kaufen oder c) ich tot bin.

Haben sich Ihr Schreiben und Ihr Verhältnis zu den Figuren darin im Laufe der Zeit verändert?

Peter und Nightingale waren immer sehr entgegenkommend. Manche Nebencharaktere sind beliebter geworden, manche von ihnen wurden ein wenig aufdringlich, verlangten mehr Raum im Buch, wichtigere Rollen, ein aktiveres Liebesleben etc.. Manchmal muss ich ein wenig unbarmherzig mit ihnen sein oder die Romane würden den dreifachen Umfang haben.

Früher haben Sie Ihren Lebensunterhalt als Buchhändler verdient, jetzt können Sie vom Schreiben leben. Was hat sich für Sie dadurch verändert? Vermissen Sie manchmal Ihre Arbeit in der Buchhandlung?

Ich bin ganz ehrlich: ich hasse es, zu arbeiten. Vor allem physische Arbeit, die beim Bücherverkaufen überraschenderweise einen großen Anteil hat. Ich wache jeden Morgen mit einem Lächeln im Gesicht auf, wissend, dass das schwierigste, was mich erwartet, eine längere Zeit zu schreiben ist. Ernsthaft, ich werde dafür bezahlt, mir Sachen auszudenken und niederzuschreiben – es gibt keine bessere Arbeit.

Haben Sie bestimmte Rituale beim Schreiben – Tageszeiten, Orte etc.?

Für mich ist es weniger Ritual als strenge Disziplin – wenn ich den größten Teil meiner Arbeit nicht bis zwei Uhr nachmittags geschafft habe, dann werde ich nur wenig davon fertig kriegen.

Was sind Ihre Lieblingsbücher und Lieblingsautoren?

Schwierig… Sir Terry Pratchett, Louise MacMaster Bujold, CJ Cherryh, Toni Cade Bambera, Iain Banks, Stuart McBride, Len Deighton – vor allem seine Geschichtsbücher, Jack Vance, Michael Moorcock, Toni Morrison und viele andere, die mir einfallen werden, sobald ich diese E-Mail verschickt habe.
 
Interview und Übersetzung: Christiane Schweitzer/dtv

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