Frank Goldammer im Gespräch

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen historischen Kriminalroman zu schreiben, der in Dresden während des Zweiten Weltkrieges spielt?

Diese Zeit und vor allem die Bombardierung im Februar 1945 sind für die Dresdner sehr heikle Themen. Einige betreiben damit sogar einen richtigen Opferkult. Mir ging es darum, diese dramatische Zeit von verschiedenen Seiten zu beleuchten, zu versuchen, einen objektiven Blick auf das zu werfen, was damals geschehen ist. Neben einer spannenden Geschichte wollte ich ein möglichst unvoreingenommenes Bild von den Menschen damals zeichnen, von denen jeder auf seine Art zu überleben versuchte. Und dazwischen der Ermittler Max Heller, ein stiller, geradliniger und vor allem starker Charakter, dessen Prinzipien oft auf eine harte Probe gestellt werden.

Im ›Angstmann‹ erzählen Sie auch von den vielen Kriegsflüchtlingen. Sehen Sie da einen Bezug zur aktuellen Flüchtlingskrise in Deutschland?

Die Zeit damals war anders. Da sind die Flüchtlinge zu Tausenden durch die Stadt geströmt mit Ochsenkarren, Handwagen oder zu Fuß. Es gab große logistische Probleme, wie und wo man die Leute unterbringen und versorgen konnte. Viele mussten gleich weitergeschickt werden. Krankheiten und Seuchen kursierten. Den Dresdnern mangelte es ja selbst an Nahrungsmitteln, Kleidung und Feuerholz; manche von ihnen waren bereits ausgebombt und wohnungslos. Zu der Not der Bevölkerung kam noch das Elend der Flüchtlinge dazu. Das ist vielleicht ganz gut, wenn man sich das mal vor Augen führt und die heutige Flüchtlingsthematik ins richtige Verhältnis setzt.

Wie sah die Recherchearbeit zu Ihrem Roman aus?

Also, um realistisch zu erzählen, muss ich nicht recherchieren. (lacht) Die Recherche wird dann wichtig, wenn es um die historischen Besonderheiten geht. Ich muss wissen: Wie haben die Menschen damals gelebt, was haben sie gegessen, wie haben sie gewohnt, wie sah ihre Kleidung aus. Ein besonderes Kapitel sind die Straßennamen. Die haben sich vor allem kurz nach dem Krieg und später zur DDR-Zeit mehrfach geändert. Das recherchiere ich in verschiedenen Archiven und natürlich im Internet. Ein ganz wichtiges Thema in meinem Roman ist natürlich die damalige Polizeiarbeit. Hierfür habe ich einen sehr kompetenten Ansprechpartner im Polizeiarchiv in Dresden, der sich besonders in der Polizeihistorie hervorragend auskennt und mit dem ich mich oft berate.

Sie haben einen eigenen Handwerksbetrieb und arbeiten voll in diesem Beruf. Außerdem sind Sie alleinerziehender Vater von achtjährigen Zwillingen. Wann haben Sie Zeit zum Schreiben?

Nachts. Ich bringe meine Kinder ins Bett, und dann sitze ich eigentlich immer bis halb zwölf oder auch mal bis halb eins und schreibe. Ich brauche nicht viel Schlaf. Klar, manchmal denke ich mir nach nur viereinhalb Stunden Schlaf schon, dass ich das nächste Mal früher ins Bett gehen sollte. Aber ich mache das ja für mich. Ich brauche das Schreiben einfach. Jeden Tag.

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