»Genieß die Schulzeit, danach wird alles nur noch viel, viel schlimmer!«

Wie stehst du als angehender Lehrer zu den eher unorthodoxen Methoden deiner Hauptfigur?

Ich glaube, dass man gerade als junger Lehrer auch mal unorthodoxe Methoden ausprobieren sollte.  Nehmen wir Fabis Versuch, den Grammatik-Unterricht mit Rap-Liedern zu gestalten: Wie kann man ein für Schüler so langweiliges Thema wie Grammatik denn motivierender behandeln, als wenn man mit authentischen Texten von Musikern arbeitet, die die Kinder mögen? Ich finde es ganz wichtig, sich an der Lebenswelt der Schüler zu orientieren und sie da abzuholen, wo sie gerade stehen. Außerdem muss sich Unterricht ja auch immer weiterentwickeln und darf nicht verstauben.
Aber natürlich hat Fabi auch ein paar unorthodoxe Methoden auf Lager, mit denen er die Grenzen der Legalität souverän überstolpert. Das sollte man als Neuling im Lehrerkollegium dann doch eher vermeiden.

Zum Erscheinen deines Buches veranstalten wir einen Geschichtencontest und sammeln die schönsten, schrägsten und schrecklichsten Schulerlebnisse. Was war dein einprägsamstes Schulerlebnis?

Also, da fällt mir spontan eine Situation im Mathe-Unterricht ein, neunte Klasse. Unser Lehrer hatte endlich die korrigierten Arbeiten dabei und gerade verkündet, dass es nur eine einzige Eins gibt. Ich bin aufgestanden, habe arrogant durch die Klasse gewunken und »Autogramme gibt’s später!« gerufen. Unser Lehrer hat daraufhin die Arbeiten auf den Pult geknallt, mich fassungslos angestarrt und gesagt: »Ja, Tobias, und du hast die eine Sechs!« Da war aber schlagartig Ruhe in der Bude. Das war so unangenehm, da hat noch nicht einmal irgendjemand gelacht. Das war schon sehr einprägsam. Seitdem bin ich vor Prüfungen und Notenvergaben deutlich zurückhaltender.

Unter dem Hashtag #schuleüberlebt können Instagrammer ihrem Neuntklässler-Ich einen (fiktiven) Ratschlag geben, um besser durch die Schulzeit zu kommen. Wie hätte deine Schulzeit entspannter, schöner oder lustiger sein können?

Ich würde meinem Neuntklässler-Ich das sagen, was mir meine große Schwester damals immer gesagt hatte: »Tobi, genieß die Schulzeit, danach wird alles nur noch viel, viel schlimmer!« Aber mein Neuntklässler-Ich würde dann wahrscheinlich nur genervt mit dem Kopf schütteln und stöhnen. Ich war in der Pubertät nicht besonders offen gegenüber gut gemeinten Ratschlägen.

Nach all den Herausforderungen, die deine Hauptfigur mit seiner Klasse 9a zu meistern hat – warum möchtest du Lehrer werden? Was sind deine edelsten und abgründigsten Ziele?

Auf die Gefahr hin, dass potentielle Arbeitgeber das hier lesen, muss ich eindeutig sagen: Ich habe nur edle Absichten. Kindern helfen, Menschen formen, Karrieren prägen. Als Deutschlehrer natürlich im Speziellen die Begeisterung an Sprache und Literatur wecken und damit das schaffen, was meinen eigenen Lehrern eher weniger gut gelungen ist. In der Schule habe ich Goethe gehasst, mittlerweile verehre ich ihn. Wenn nach dem Abitur ein Schüler zu mir kommt und sagt: »Herr Keller, ich fand Goethes Werther gar nicht mal so scheiße!«, dann gehe ich zufrieden nach Hause, schütte mir einen guten Single Malt ein und klopfe mir selbst auf die Schulter. Ich freue mich darauf, Kindern etwas zu zeigen, ihren Horizont zu erweitern und ihnen Dinge nahe zu bringen, die sie von sich aus eher meiden würden. Ich finde, das kann man durchaus als edles Ziel ansehen und das ist auch ein Grund dafür, warum ich Lehrer werden will.
So, aber jetzt mal Spaß beiseite. Man hat als Lehrer auch einfach unheimlich lange Ferien.

Was ist deine Lieblingsszene im Buch? Welche Szene erntete bei deinen Freunden die meisten Lacher?

Naja, ich als Autor liebe natürlich jede einzelne Szene und jede einzelne Figur. Da kann ich kaum etwas herausgreifen. Meine Testleser haben mir auch ganz unterschiedliche Szenen genannt. Ob Tine mit ihren waghalsigen Tierschutzaktionen, Poseidon mit seiner grenzenlosen Arroganz oder Fabi mit seinen Freunden, die eine bescheuerte Idee nach der anderen entwickeln, um seinen Lehrerjob zu retten. Herrn Direktor Kaiser mag ich persönlich ebenfalls sehr gerne, genauso wie den Dönermann Orak oder auch Hannes, wobei ich jetzt nicht verraten will, wer oder was Hannes überhaupt ist. Ich glaube, das Buch ist schon sehr abwechslungsreich und es ist für jeden was dabei. Also, objektiv betrachtet.

Gibt es ein reales Vorbild für Poseidon, den fetten und arroganten Kater?

Ehrlich gesagt, nein. Poseidon war einfach irgendwann da. Und dann wollte er nicht mehr gehen. Ich glaube, er ist ein Unikum. So ein großes Arschloch, dass man ihn dafür fast schon wieder bewundern muss. Also, subjektiv betrachtet.

Tine, die Freundin deiner Hauptfigur Fabian Dreher, kehrt als Radikal-Veganerin von ihrem Selbstfindungstrip aus Mexiko zurück. Wie stehst du zum Veganismus?

Ich persönlich bin so weit vom Veganismus entfernt wie der FC Schalke 04 von der Deutschen Meisterschaft. Also sehr weit. Erstens esse ich viel zu gerne viel zu ungesunde Sachen und zweitens wäre es mir deutlich zu anstrengend, immer zu kontrollieren, ob irgendwo irgendwas drin ist, was ich nicht essen darf. Aber eine gute Freundin von mir ist Veganerin und bei ihr konnte ich einiges lernen. Ich möchte mich auch bei allen Veganern da draußen schonmal vorab entschuldigen. Ich weiß, ihr seid nicht so wie Fabis Freundin Tine. Und wenn doch, dann ist das wirklich absolut okay. Wirklich absolut okay …

Wie kamst du zum Schreiben?

Als die Schule vorbei war und dieser ganze Zwang »Du musst dies lesen«, »du musst das schreiben«, usw. ein Ende hatte, änderte sich meine Sicht auf Bücher und Literatur fundamental. Ich habe alles gelesen, was mir in die Finger gekommen ist. Kurz nach dem Abi lag ich dann eines Abends in meinem Bett, habe auf »Word« geklickt und einfach angefangen selber etwas zu schreiben. Eine Geschichte über einen überforderten und motivationslosen jungen Gesamtschullehrer, das war die grobe Idee. Vom ersten Wort bis zum Erscheinungstag sind mehr als acht Jahre vergangen. Ich hätte damals nie zu träumen gewagt, dass mein Buch irgendwann mal in einem Schaufenster stehen würde. Dementsprechend dankbar bin ich allen, die das ermöglicht haben.

 

merkzettel (0)

Es befinden sich keine Artikel in Ihrem Merkzettel


zum Merkzettel

warenkorb (0)

Es befinden sich keine Artikel in Ihrem Warenkorb


Gesamtbetrag:
0,00 €
inkl. MwSt. zzgl. Versand

My dtv


Jetzt registrieren