Interview


Frau Valentine, wie sieht für Sie der perfekte Platz zum Schreiben aus?

Das Gute beim Schreiben ist, dass man es überall machen kann. Zu Hause habe ich ein wunderbares Arbeitszimmer mit Holzofen. Im Sommer arbeite ich oft in einem umfunktionierten Pferdeanhänger im Garten. Manchmal schreibe ich aber auch einfach im Bett. Wenn ich auf Reisen bin, kann ich auch gut im Zug arbeiten. Allerdings ist der Ort für mich gar nicht so wichtig. Vielmehr kommt es auf die richtige Stimmung an. Wenn ich mir über etwas sorgen machen oder wenn ich abgelenkt bin, ist es egal wo ich bin – ich bekomm einfach nichts auf Papier.

Sie sind nicht bekannt für typische Teenager-Lovestorys. Auch Ihr neuer Roman ›Durchs Feuer‹ ist tiefgründig und entwickelt gleichzeitig einen Sog, dem man sich als Leser nicht entziehen kann. Wie schaffen Sie es Themen wie Tod, Verlust, aber auch Lebenslust und Komik in einem Buch unterzubringen?

Stimmt, ich bin Liebesgeschichten bislang aus dem Weg gegangen. Jetzt reizt es mich aber doch, eine zu schreiben. Es ist ziemlich schwierig, dabei nicht zu kitschig zu klingen und nicht ins Klischee von der ewigen Liebe und dem Happy End abzudriften, zumal ich selber gar nicht daran glaube. Davor habe ich wirklich Angst. Ehrlich? Tod, Verlust, Lebensfreude und Humor sind im wahren Leben eng miteinander vereint. Daher ist es eigentlich kein so großer Kunstgriff, sie alle zusammen in einem Buch unterzubringen.

Die Tiefe Ihres Romans entsteht besonders durch die Dialoge zwischen der Hauptprotagonistin Iris und ihrem Vater Ernest. Sie sind oft tieftraurig und komisch zugleich. Ist Trauer und Glück für Sie kein Gegenteil?

Es ist nicht so, dass ich glaube, dass Glück und Trauer keine Unterschiede sind – allein weil sie sich so unterschiedlich anfühlen. Aber ich denke, dass Glück und Trauer für jeden sehr nah beieinander liegen.

Das Element Feuer ist ein wichtiger Eckpfeiler Ihres neuen Romans. Welche Symbolkraft steckt hinter der zündelnden Iris?

Ich denke, Iris ist besessen von Feuer, da sie so viel Wut in sich trägt und gleichzeitig so wenig Kontrolle über die Ereignisse in ihrem Leben hat. Das Zündeln fühlt sich für sie an wie ein inneres Aufräumen und wie ein Neubeginn – ein Ausdruck von Zorn und Neustart zugleich. Ich habe gar nicht so viel darüber nachgedacht, als ich das Buch geschrieben habe. Wir leben in einem relativ kalten Haus und verbringen viel Zeit damit, das Kaminfeuer zu schüren und in die Flammen zuschauen. Daher kam wohl die Idee mit dem Feuer.

Ein anderes wichtiges Thema in Ihrem neuen Buch ist die Kunst. Welche Rolle spielt die Kunst in Ihrem Leben?

Für mich handelt die Geschichte von der Macht der Kunst. Kunst kann uns verändern – manchmal für immer, manchmal für ein paar Sekunden. Es geht um die magische Energie, die die Kunst beim Schaffen und auch beim Betrachten besitzt. Iris Freund Thurston etwa ist Künstler, der genau für diese magische Energie lebt. Er leistet Unmögliches, um Augenblicke wieder greifbar zu machen, er kreiert Szenen und sprayt auf Wände und leerstehende Schwimmbecken.
Kunst bedeutet für mich, im Hier und Jetzt zu leben. Wenn ich schreibe, lese, Filme schaue, Musik höre oder eben vor einem Kunstwerk stehe, versuche ich bewusst nicht zu denken, um einfach in diese Magie einzutauchen. Alles ist fließend und gleichzeitig immer verfügbar – eigentlich genau wie das Leben selbst.

Haben Sie beim Schreiben einen bestimmten Leser im Hinterkopf oder konzentrieren Sie sich ganz auf die Story?

NIE! Ich denke nicht an den Leser oder das ich die Schriftstellerin bin. Ich versuche einfach in der Geschichte zu verschwinden.
            
Was wollen Sie mit dem Buch Ihren Leserinnen und Leser mit auf den Weg geben?

Keine Message. Einfach eine gute Geschichte.

merkzettel (0)

Es befinden sich keine Artikel in Ihrem Merkzettel


zum Merkzettel

warenkorb (0)

Es befinden sich keine Artikel in Ihrem Warenkorb


Gesamtbetrag:
0,00 €
inkl. MwSt. zzgl. Versand

My dtv


Jetzt registrieren