Gill Lewis

Schon als Kind betrieb Gill Lewis im elterlichen Gartenschuppen ein Tierkrankenhaus, in dem sie Mäuse, Vögel und andere Kleintiere verarztete. Später studierte sie Tiermedizin und war als Tierärztin tätig. Heute ist Gill Lewis freischaffende Autorin und lebt mit ihrer Familie in Somerset.

 

Ihr erster Roman, ›Der Ruf des Kulanjango‹, erschien auf Anhieb in 20 Sprachen.

 

Mehr über Gill Lewis auf ihrer englischsprachigen Website www.gilllewis.com.
 

Interview



Nein, zunächst nicht. Als Kind wusste ich schon, dass ich etwas mit Tieren machen wollte. Mir gefiel die Vorstellung, wie ich als Forscherin einen Blutegel-verseuchten Dschungel durchquerte oder die Arktis mit einem Schlittenhundegespann nach Eisbären absuchte. Wenn ich keine Entdeckerin werden könnte, dann wollte ich Tierärztin oder Tierpflegerin im Zoo werden.

 

In der Schule war ich sehr enttäuscht darüber, dass die Lehrer uns immer nur seltsame Sachen beibringen wollten, wie den Satz des Pythagoras, der irgendwas mit der Seitenlänge eines Dreiecks und der Hypotenuse zu tun hat. Die Lehrer haben uns nie etwas wirklich Wichtiges beigebracht, z.B. wie man einer Herde heranstürmender Elefanten entkommt oder was zu tun ist, wenn dein Kanu mitten in den Stromschnellen gegen einen Felsen prallt, entzweibricht und im Sambesi versinkt. (Das alles ist mir tatsächlich passiert und ich hatte dabei immer das Gefühl, ich hätte besser darauf vorbereitet sein können. Ich habe noch nie eine Hypotenuse gesehen, dafür aber ein Hippopotamus (das ist der lateinische Name für Nilpferd). Es war riesig und furchteinflößend und ich bin nicht lange genug geblieben, um zu sehen, ob Pythagoras mit seiner Theorie richtig lag.)

 


Nein, obwohl ich als Kind Stunden damit zubrachte, unseren Garten zu erforschen. Er war sehr lang und steil und am hinteren Ende verwildert. Ich grub nach Fossilien in einem Schutthaufen, den Bauarbeiter zurückgelassen hatten. Ich fand viele Greifmuscheln, eine Art versteinerter Austern, die vor Millionen von Jahren existierten, als Großbritannien noch von einem tropischen Meer bedeckt war.

 

Ich beobachtete, wie Spinnen ihre Netze webten und Amseln im dichten Gehölz nisteten. In einem Sommer beobachtete ich, wie Wespen ihre Nester in der Regenrinne eines Schuppens bauten. In diesem Schuppen hatte ich auch einen kleinen Zoo mit Schnecken und Asseln, obwohl ich einmal mit viel Glück auch eine Blindschleiche fand. Meine Käfige waren immer offen und keines der Tiere blieb lange. Der Schuppen wurde vorübergehend auch zur Tierklinik für Mäuse und Vögel, die meine Katze gefangen und verletzt hatte. Ich habe immer versucht, sie zu retten und wie ein Schlosshund geheult, wenn sie doch starben. Also bin ich wohl wegen meiner Katze Tierärztin geworden. 

 


Ich wurde einmal von einer wild gewordenen Kuh angegriffen. Der Bauer konnte noch über den Zaun springen, aber ich trug eine schwere, bodenlange Geburtsschürze, also schaffte ich den Sprung nicht. Die Kuh jagte mich um mein Auto – für geschlagene zehn Minuten - bevor sie endlich aufgab. Nachdem der Bauer schließlich aufgehört hatte, sich vor Lachen auf dem Boden zu wälzen, sagte er mir, ich hätte mich mit dieser Sprintzeit für die Olympischen Spiele qualifizieren können.

 


Wahrscheinlich ein Strauß, der einen ganzen Maiskolben im Hals stecken hatte.

 

Ja, mir wurden viele verletzte und kranke Wildtiere gebracht, obwohl ich sie meistens an spezielle Zentren für Wildtiere gegeben habe, um sicherzugehen, dass sie die besten Überlebenschancen haben, wenn sie wieder ausgewildert werden. Viele Tiere, die mir gebracht wurden, haben (in irgendeiner Weise) unter dem Menschen gelitten, durch Autounfälle, Müllberge, Umweltverschmutzung … die Liste ließe sich problemlos fortsetzen. Das hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, Verantwortung für unsere Umwelt zu übernehmen.


Wir sehen jetzt die Konsequenz aus vielen Jahren Ausbeutung von Land und Meer; Umweltverschmutzung, Bodenerosion, Ausbreitung der Wüsten, Überfischung der Meere. Es scheint so, als würde uns die Zeit davonlaufen. Aber es gibt noch Hoffnung. Dort, wo man Wildtieren ermöglicht hat, wieder zurückzukehren, kann man große Veränderungen sehen. … Wir haben wieder Fischadler, die zum Nisten nicht nur nach Schottland, sondern auch nach England und Wales zurückkehren. Mit ›Der Ruf des Kulanjango‹ wollte ich zeigen, wie viel ein Einzelner bewirken kann. 
 


Es gibt zahlreiche Möglichkeiten. Selbst kleine Veränderungen können viel bewirken. Bittet eure Eltern zum Beispiel, einen Teil des Gartens wild zu lassen. Oder überzeugt eure Stadtverwaltung davon, in den Parks spezielle Bereiche für Wildtiere einzurichten. Statt exotischer Bäume und Sträucher pflanzt doch einfach einheimische Gewächse, die Wildtieren Nahrung und Schutz bieten. Dann könnt ihr ein Baumhaus bauen, um die Vögel und Tiere zu beobachten, die in euren Garten kommen. Tretet einer Umweltschutzgruppe in eurer Nähe bei, wie z. B. dem B.U.N.D (eng.wildlife trusts). Solche Gruppen bieten oft Ausflüge und Aktivitäten in Naturschutzgebieten an. So erfahrt ihr viel über Wildtiere.



 


Nein. Wildtiere gibt es überall. Ich freue mich genauso darüber, einem Schwarm Sperlinge zuzuschauen, wie sie über die Dächer der Stadt fliegen, oder Delfine vor der Küste Cornwalls zu beobachten - oder Eichhörnchen in meinem Baumhaus.

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