Interview mit Marc Fitten

Worum geht es in ›Elsas Küche‹?

›Elsas Küche‹ ist eine wundersame Erkundung von existenziellen Krisen. Der Leser begleitet die Heldin, eine Köchin namens Elsa, auf der Suche nach den Zielen und dem Sinn ihres Lebens.. Sie hat ein beliebtes Restaurant, ein angenehmes Leben und dennoch ist sie zu Beginn der Geschichte unglücklich.

Ein wichtiges Thema des Romans ist das Zufriedensein mit dem,  was man hat im Leben. Der Schauplatz ist ein Restaurant. Warum haben Sie dieses Setting gewählt?

Ich wollte ein sinnliches Buch schreiben. Da wir die Welt vor allem durch unsere Sinne wahrnehmen, wollte ich ein Buch schreiben, das direkt diese Sinne anspricht. Ich möchte, dass die Leser die Gerichte, die in ›Elsas Küche‹ zubereitet werden sehen und riechen und schmecken. Ich möchte, dass die Leser Hunger verspüren. Ein Restaurant war der ideale  Schauplatz, um das zu erreichen.

Haben Sie  die Rezepte, die Sie beschreiben,  auch selbst gekocht?

Ein gehobenes Restaurant in meiner Heimatstadt hat das gemacht. Der Koch ist den Beschreibungen im Buch gefolgt und hat ein 5-Gänge-Menü serviert. Jeder Gang wurde von einem ausgewählten Wein begleitet. Es hat alles noch viel besser geschmeckt, als ich es mir vorgestellt hatte... Ich kann also sagen, dass die Rezepte ziemlich gut funktionieren.

Der Fokus in ›Elsas Küche‹ liegt  ganz klar auf Frauen. Die  Männer bleiben namenlos und werden nur mit  ihren Berufen bezeichnet. Warum ist es für Sie interessanter, über Frauen zu schreiben?

Die Idee kam mir ganz selbstverständlich. Ich wollte eine Trilogie über starke Frauen in verschiedenen Lebensstadien schreiben.  Daraus ergab sich dieses besondere Augenmerk auf Frauen.Die männlichen Charaktere sind ohne Namen geblieben, um diese Perspektive  zu betonen. Das ändert natürlich nichts daran, dass auch die Männer interessante Figuren sind.

Ihr Roman wirkt fast wie ein modernes Märchen. Warum haben Sie diese Art des Erzählens gewählt?

Ich bin ein skurriler, schelmischer  Erzähler, mein Ton hat etwas Leichtes, könnte man vielleicht sagen.Wie auch immer, mein Ziel ist es, ehrlich über reale Personen mit alltäglichen Problemen  zu schreiben. Und ich denke, dass dieser Schreibstil meine  Bücher zugänglicher macht.

Sie haben ein paar Jahre in Ungarn gelebt, wo auch Ihre beiden Romane spielen. Warum haben Sie sich Ungarn ausgesucht und was an diesem Land hat Sie so inspiriert?

Ich war ein zwanzigjähriger U.S.-Amerikaner, der in einem Ungarn des Wandels gelebt hat und ich fand es aufregend und historisch sehr bedeutend. Ich war glücklich, das mitzuerleben. Diese Umbrüche inspirierten mein erstes Buch (›Valerias letztes Gefecht‹). Die weitere Entwicklung, hin zum Kapitalismus, hat ›Elsas Küche‹ inspiriert, und jetzt bin ich gerade dabei, mein drittes Buch zu schreiben, das im heutigen Ungarn spielen wird.

Wie hatten Sie sich Ungarn vorgestellt und was hat Sie in Wirklichkeit dort erwartet?

Ich habe ein Abenteuer gesucht. Ich hatte keine wirkliche Ahnung, was mich erwarten würde.. Erst als ich aus dem Flugzeug gestiegen und durch Budapest gelaufen bin, dämmerte mir, dass der Lebenskontext hier völlig anders war. Das Wichtigste war: Ich war einfach begeistert von der Präsenz der Geschichte und der Stärke der Tradition.

Was tun Sie als Erstes, sobald Sie ein Buch beendet haben?

Wenn ich ein Buch schreibe, bin ich damit beschäftigt die Leben meiner Charaktere zu formen. Wenn ich es beende, sage ich ›auf Wiedersehen‹, wünsche  ihnen Glück und beginne sofort über eine neue Geschichte nachzudenken. 

Das Interview führte Marianne Bohl, dtv

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