Ihr Leser kennen Sie bislang als Autorin der Kühlfach-Krimis mit dem Geist Pascha und von unterhaltsamen Frauenromanen wie ›Blogging Queen‹. Wie kamen Sie in Ihrem neuen Roman ›Allein kann ja jeder‹ auf das Thema Mehrgenerationen-WG?

Tatsächlich ist diese Idee vor den genannten Romanen entstanden, nämlich etwa 2005. Der »Held« meiner ersten Krimis war Herr Fiedler, ein sehr rüstiger Rentner, der mehrere Mordfälle in Mönchengladbach aufklärte. Dieser Herr lebte eigentlich allein, vermietete aber ein Zimmer an Studenten. Im Verlauf des zweiten Buchs zog außerdem sein verwitweter Freund Theo bei ihm ein. Daraus entstand die Idee, ein Buch über eine richtige WG zu schreiben. Konkret wurde die Sache aber erst vor zwei Jahren.

Wie sehen Ihre eigenen WG-Erfahrungen aus? Ist davon etwas in den Roman eingeflossen?

Ich habe ein Jahr in Frankreich gelebt und dort eine WG kennen gelernt, in deren Küche ich mehrfach gekocht habe. Bevor man überhaupt loslegen konnte, musste man etwa eine Stunde aufräumen, saubermachen und spülen … Grässlich! Ich war also froh, während meiner Ausbildung zur Exportkauffrau wieder zuhause wohnen zu können. In der Ausbildung lernte ich meinen Mann kennen, mit dem ich dann zusammenzog. Natürlich gab es auch in dieser Zweier-WG reichlich Reibungspunkte. Er ist sehr ordentlich, ich gar nicht – außer in der Küche. Das führt auch nach fünfundzwanzig Jahren gelegentlich zu Unmut, den wir aber immer schnell beilegen können. Auch für eine gute Ehe gilt: Reibung erzeugt Wärme!

Wie kommt es, dass Sie so unterschiedliche Genres bedienen und unterschiedliche Stile entwickeln können? In ›Allein kann ja jeder‹ ist ja fast alles mit dabei: vom Krimi über Frauenunterhaltung bis zum Gesellschaftsroman.

Dass ich unterschiedliche Genres bediene, stimmt, aber der Stil ist eigentlich immer gleich: Es gibt Spannungselemente in der Handlung, es gibt immer eine gesellschaftskritische Perspektive, in allen Büchern wimmelt es von exzentrischem, spitzzüngigem Personal und vor allem gibt es viel (schwarzen) Humor.

›Allein kann ja jeder‹ wird aus drei Perspektiven heraus erzählt: der jungen Kim, der 45-jährigen Ellen und der älteren Rosa. Welche Perspektive lag Ihnen beim Schreiben am meisten?

Ellen ist ungefähr so alt wie ich, aber damit hören die Gemeinsamkeiten auch schon auf. Sie war mir also im Grunde ebenso fremd wie die pubertierende Kim und die kiffende Oma. Aber in alle drei Frauen konnte ich mich sehr gut hineindenken. Genau das ist der Witz beim Schreiben: In eine ganz andere Person hineinschlüpfen und die Welt konsequent durch ihre Augen sehen. Als Kim durfte ich aufmüpfig, verunsichert, unlogisch und trotzig sein, als Ellen anfangs resigniert, dann aber zunehmend zupackend und als Rosa … das verrate ich lieber nicht.

Wie sieht für Sie persönlich das Lebensmodell im Alter aus – können Sie sich vorstellen, in einer Mehrgenerationen-WG zu leben?

Mein Wunsch ist, in unserem Haus mit meinem Mann, den Hühnern, Bienen und mit den Nachbarn wohnen zu bleiben, so lange wie möglich mein eigenes Gemüse anzubauen und durch Aktivität fit zu bleiben. Eine Mehrgenerationen-WG kann ich mir aber auch gut vorstellen. In meinem Freundeskreis sind 30-jährige ebenso wie 83-jährige und alles dazwischen. Ich bin gern unter Menschen, sofern ich einen Rückzugsort habe, an dem ich auch mal allein sein kann. Und solange die Küche aufgeräumt ist, bin ich eine verträgliche Mitbewohnerin.

Geht es weiter mit der besetzten Villa aus ›Allein kann ja jeder‹?

O ja, ich schreibe bereits an der Fortsetzung! Und darin wird Rosa noch ein bisschen exzentrischer, Ellen will es besonders gut machen (was bekanntlich oft ins Gegenteil umschlägt) und Kim verliebt sich gleich in zwei coole Typen. Die Herren der WG leisten natürlich ebenfalls ihren Beitrag zum Wohl und Wehe der Gemeinschaft.
    

 

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