Leben und Werk

2. AUGUST 1924 Geboren in Harlem, New York City. Der Stadtteil wird zu einem großen Teil von Afroamerikanern bewohnt.

1927 Mutter Emma Berdis Jones heiratet David Baldwin, einen Baptistenprediger und Fabrikarbeiter, der James offiziell adoptiert und dessen Namen er auch annimmt. Problematisches Verhältnis zu seinem Stiefvater, unter dessen Gewaltausbrüchen er psychisch und physisch leidet. Flüchtet sich in Bücher.

1938 – 1942 Engagiert sich als Prediger in der Fireside Pentecostal Assembly. Bekennt sich früh zu seiner Homosexualität, hat aber auch Beziehungen mit Frauen.

1941 Wird zum Atheisten. Ist nun der Überzeugung, dass Weiße Schwarze besonders mit Hilfe des (christlichen) Glaubens unterdrücken und den Weg zur Selbstbefreiung und Gleichheit versperren.

1942 Highschool-Abschluss. Prekäre finanzielle Situation der Familie verhindert trotz seiner Intelligenz und seines Lerneifers ein Studium. Während er hilft, den Lebensunterhalt der Familie zu sichern, gelingt es ihm in den nächsten Jahren, Kurzgeschichten, Essays und Rezensionen bei führenden Zeitschriften unterzubringen.

1948 – 1952 Verlässt die USA aufgrund der anhaltenden Unterdrückung und Ausgrenzung von Afroamerikanern. Zieht nach Paris in der Hoffnung auf ein gerechteres Leben. Trifft dort 1949 auf den 17-jährigen Schweizer Lucien Happersberger, mit dem er eine Beziehung beginnt. Auch nach deren Ende drei Jahre später bleiben die beiden Männer eng befreundet.

1953 Veröffentlichung seines ersten Romans ›Von dieser Welt‹ (OT: ›Go Tell It on the Mountain‹) bei Knopf. Semiautobiographisches Werk, in dem er sein Verhältnis zur Kirche und zu seinem Stiefvater verarbeitet.

1955 Essayband ›Notes of a Native Son‹ erscheint, durch die er zu einer zunehmend wichtigen Stimme in der Bürgerrechtsbewegung wird. Erstes Theaterstück ›The Amen Corner‹ thematisiert das Leben einer schwarzen Familie in Harlem und ihre Erfahrungen mit Kirche und Glaube sowie der rassischen Unterdrückung.

1956 Baldwins zweiter Roman ›Giovanni’s Room‹, der sich offen mit Homosexualität und Bisexualität auseinandersetzt, erscheint bei Dial Press, nachdem Knopf ihn wegen der kontroversen Thematik abgelehnt hat.

1957 Kehrt zurück in die USA. Erste von vielen Reisen durch den Süden des Landes; trifft Bürgerrechtler Martin Luther King; eine enge Freundschaft entwickelt sich.

1961 Veröffentlicht den Essayband ›Nobody Knows My Name‹, in dem er sich intensiv mit Fragen von Identität, Rassenbeziehungen und der Lage von Afroamerikanern im Süden der USA beschäftigt.

1962 Sein drittes Buch ›Another Country‹ erscheint. Thematisiert Homo- und Bisexualität sowie sexuelle Beziehungen zwischen Schwarz und Weiß, die bis 1967 in vielen Staaten noch unter Strafe standen.

1963 Veröffentlichung des Essaybands ›The Fire Next Time‹, in dem Baldwin sich besonders mit den Rassenverhältnissen und Religion auseinandersetzt. Macht ihn zu einem herausragenden Sprachrohr der afroamerikanischen Community, eine Rolle, die erst selbst jedoch ablehnt. Über die nächsten Jahre folgen zahllose Interviews und Fernsehauftritte, u.a. Diskussionen mit Malcolm X, mit dem Baldwin eine tiefe Freundschaft verbindet.

MAI Erscheint auf dem Cover von ›Time Magazine‹. Teilnahme am Treffen von schwarzen Bürgerrechtlern mit Justizminister Robert Kennedy.

AUGUST Teilnahme am Marsch auf Washington, hat aber aufgrund seiner offen gelebten Homosexualität einen schweren Stand in der Bürgerrechtsbewegung.

1964 Beendet Theaterstück ›Blues for Mr. Charlie‹ in Istanbul und gewinnt den Foreign Drama Critics Award.

1965 Malcolm X wird ermordet. Veröffentlichung von ›Going to Meet the Man‹, eine Sammlung von Kurzgeschichten.

1968 Hilft bei Akquise von Geldern für Kings Bürgerrechtsbewegung. APRIL Martin Luther King wird ermordet. Roman ›Tell Me How Long the Train’s Been Gone‹ erscheint. Vertrag mit Columbia Pictures, ein Drehbuch zu Alex Haileys ›Autobiography of Malcolm X‹ zu schreiben, ein Projekt, das er kurz nach der Ermordung Martin Luther Kings einstellt.

1971 Desillusioniert von der Situation in den USA. Kauft ein Anwesen in Saint-Paul-de-Vence (Südfrankreich); reist besonders in den 1970er Jahren viel. Beschreibt sich als »Pendler« zwischen den Kontinenten. Verbringt aber immer weniger Zeit in den USA.

1973 Veröffentlicht das Theaterstück ›One Day, When I Was Lost: A Scenario Based on Alex Hailey’s ›The Autobiography of Malcolm X‹.

1974 Sein Roman ›If Beale Street Could Talk‹ erscheint.

1976 Weitere Essaysammlung ›The Devil Finds Work‹.

1979 Sein letzter und längster Roman ›Just Above My Head‹ kommt heraus.

1983 Professur für Literatur und afroamerikanische Studien am Five College Network in Amherst, Massachusetts. Gedichtband ›Jimmy’s Blues‹ erscheint.

1985 ›The Evidence of Things not Seen‹, Sachbuch über Kindsmorde in Atlanta, wird veröffentlicht.

1986 Erhält La Légion D’Honheur, den höchsten Dienstorden Frankreichs.

1. DEZ. 1987 Stirbt auf seinem Anwesen in Südfrankreich an Krebs. An seiner Seite sind Mitglieder seiner Familie und Lucien Happersberger. Bei der Trauerfeier in der Kathedrale St. John the Divine in New York City sprechen u.a. die befreundeten Autorinnen Toni Morrison und Maya Angelou.

1989 Dokumentarfilm ›James Baldwin: The Price of a Ticket‹ wird im amerikanischen Fernsehen ausgestrahlt.

SEIT ENDE DER 2000er Stark wachsendes Interesse an Baldwins Aussagen und Einstellung zur sozialen Lage und Beziehung zwischen Schwarz und Weiß. Besondere Bedeutung und Aktualität im Hinblick auf die andauernde Polizeigewalt gegen Schwarze sowie auf ihre stete Benachteiligung und Unterdrückung. Heute beeinflusst und beeindruckt Baldwins Werk wieder verstärkt Politiker, Journalisten, Literaturkritiker, Künstler und die Allgemeinheit gleichermaßen. Baldwins literarische und essayistische Schriften werden als Inspiration und Leitfaden für eine neue Generation und Welt beschrieben. Für Black Lives Matter-Aktivisten ist er »der wahre Vater und Prophet « der Bewegung. Seine intersektionelle Identität ist von besonderer Bedeutung für viele, vor allem auch jüngere Leser.

2016 Dokumentarfilm ›I Am Not Your Negro‹ des Haitianers Raoul Peck läuft an. Greift das letzte, unvollendete Manuskript ›Remember This House‹ auf, das eine biographische Auseinandersetzung mit den Rassenverhältnissen in den USA werden sollte. Der Film identifiziert Parallelen zwischen schwarzer Protestbewegung in den 1960ern und der Black Lives Matter-Bewegung heute. Nominiert für den Oscar im Jahr 2017. Wird weltweit ausgestrahlt und von Kritikern und Publikum hoch gelobt.

2017 Schomburg Center for Research in Black Culture in Harlem, ein Teil der New York Public Library, kauft das Baldwin-Archiv. Seine Bücher sind wieder Bestseller. Artikel zu Baldwin erscheinen in Zeitungen und Zeitschriften weltweit. Verfilmungen seiner Werke und seines Lebens sind in Planung.
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