Der Soundtrack zum Buch

Celeste Ngs Playlist zu ›Was ich euch nicht erzählte‹

Ich liebe gute Soundtracks und das Zusammenspiel aus dem richtigen Lied und dem richtigen Moment. Beim Zusammenstellen dieser Playlist habe ich versucht, Lieder auszuwählen, die aus der Zeit stammen, in der das Buch spielt – Lieder, die die Figuren selbst im Radio oder auf ihren Plattenspielern gehört haben könnten und die ihnen etwas bedeutet haben könnten. – Celeste

›Lay Lady Lay‹, Bob Dylan (1969)
In diesem Lied klingt Bob Dylan nicht wie Bob Dylan: Seine Stimme wirkt wie ein tiefes, warmes Summen, so anders als sein typischer rauer, fast anklagender Tonfall. (Was nicht als Kritik gemeint ist; ich schwärme für den Bob Dylan der frühen bis mittleren 60er Jahre). Es ist fast so, als hätten Sehnsucht und Vorahnung einen physischen Einfluss auf Dylans Stimme und als brächten sie eine versteckte, weichere und verletzlichere Seite in ihm hervor, die man vorher noch nie gehört hat. Für mich drückt das Lied aus, was James und Marilyn gefühlt haben müssen, als sie sich als Studenten in James‘ winzigem Apartment verliebten - und die Veränderungen, die eine solche Liebe mit sich bringen kann.

›Thirteen‹, Big Star (1972)
Bringt perfekt die Ruhelosigkeit und schmerzende Intensität der Jugend zum Ausdruck. Der Sprung von »Won’t you let me walk you home from school?« (»Darf ich dich von der Schule nach Hause begleiten?«) zu »Would you be an outlaw for my love?« (»Würdest du für meine Liebe zum Gesetzlosen werden?«) versetzt einen sofort in die Perspektive eines Teenagers. Alle diese Dinge fühlen sich gleichermaßen grausam an und jemanden am Pool zu treffen kann genauso monumental sein wie mit ihm für immer abzuhauen. Und diese täuschend einfache, fast klimpernde Gitarre, durchzogen von Melancholie – es ist einfach wunderbar. Wenn ich dieses Lied höre, fühle ich mich wieder wie dreizehn.

›You´ve got to Hide your Love Away‹, The Beatles (1965)
Jede Figur in ›Was ich euch nicht erzählte‹ hütet irgendein Geheimnis und dieses Lied handelt von dem Kontrast zwischen dem Inneren und Äußeren, von dem Unterschied zwischen dem, was Leute sehen und was man selbst fühlt – und vielleicht verbirgt. Ich liebe es, dass die Kombination aus der leichten, lebhaften Musik und der tiefen Traurigkeit des Textes genau diesen Unterschied zeigt. Es ist ein Lied, das dazu auffordert, hinter die Oberfläche zu blicken.

›Alison‹, Elvis Costello (1977)
Elvis Costello hat sich kaum zur Bedeutung dieses Lieds geäußert – zu Glück, wie ich finde. Ich interpretiere es als ein Lied darüber, dabei zuzusehen, wie sich jemand selbst zerstört, und das Gefühl der Hilflosigkeit – »I know this world is killing you« (»Ich weiß, dass dich diese Welt umbringt«) – lässt mich an Lydia und Nath denken.

›The Only Living Boy in New York‹, Simon & Garfunkel (1970)
Im Buch wird kaum Musik explizit erwähnt, doch dieses Lied wird genannt. Hannah schenkt Lydia ein ›Simon & Garfunkel‹-Album zu Weihnachten und Lydia hört sich dieses Lied immer und immer wieder an. Es zählt auch zu meinen Lieblingsliedern, ein Lied, bei dem mein Herz jedes Mal bricht. Ich kann mir kein Lied vorstellen, das das Gefühl, von jemandem hängengelassen zu werden, den man liebt, besser beschreibt.

›Both Sides Now‹, Joni Mitchell (1969)
›Both Sides Now‹ handelt davon, zu realisieren, wie viel man nicht weiß, zu realisieren, dass die Dinge, von denen man dachte, man kenne sie in- und auswendig, einem völlig fremd sind – eine Erkenntnis, die jede der Figuren in ›Was ich euch nicht erzählte‹ irgendwann hat. Apropos »Dinge in anderem Licht sehen, wenn man älter wird«, Joni Mitchell nahm das Lied 2000 neu auf: gleiche Melodie und gleicher Text, aber Tonfall und Stimme sind so anders, dass es wie ein komplett neuer Song klingt. Einer der seltenen Fälle, bei denen ich das Cover genauso gerne mag wie das Original, aber ich habe mich hier für die Version von 1969 entschieden, weil die Figuren diese tatsächlich gehört haben könnten.

›Wild Horses‹, Rolling Stones (1971)
Für mich geht es in diesem Lied um Akzeptanz und Vergebung: »No sweepin exit or offstage lines / could make me feel bitter or treat you unkind.« (»Keine radikalen letzten Sätze auf der Bühne, keine Stimmen aus dem Off könnten mich dazu bringen, mich schlecht zu fühlen oder dich schlecht zu behandeln.«) Es geht um zwei Menschen, die den enormen Schmerz erkennen, den sie einander zugefügt haben, und sich dennoch dazu entscheiden, zusammen zu bleiben.

›Just Breathe‹, Pearl Jam (2009)
Okay, meinem langen Vorwort über zeitgenössische Musik zum Trotz habe ich mir einen Anachronismus erlaubt, weil ich die Liste mit einem Liebeslied beenden wollte. Natürlich musste es ein melancholisches sein, eines darüber, (nicht) zu vergessen, die wichtigen Sachen zu sagen. Erst neulich habe ich entdeckt, dass Willie Nelson das Lied gecovert hat, aber meiner Meinung nach hat es Eddie Vedder einfach perfekt gesungen.
  

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