›Butcher's Crossing‹ und Ralph W. Emerson

In seinem dritten Jahr am Harvard College kehrt William Andrews kurz nach dem Besuch einer Vorlesung von Ralph Waldo Emerson dem Studium den Rücken und geht in den Westen. Man schreibt das Jahr 1873, und mit dem Handel von Büffelhaut kann man ein Vermögen verdienen. Amerikas wohlhabende Schicht ist ganz wild auf Mäntel aus Büffelleder, obgleich sich die Jäger später im Roman über diese Mode wundern, denn »den Gestank bekommst du nie ganz raus«. Doch Will Andrews ist  weder auf der Suche nach Büffelhaut noch nach dem Geld, das man damit verdienen kann, mag es stinken oder nicht. Sein Vater ist ein Priester des Unitarismus, wie auch jener von Ralph Waldo Emerson es war, und Andrews findet ebenso wenig wie Emerson seine Bestimmung im akademischen Umfeld.
Aus dem Vorwort

Nordamerika im 19. Jahrhundert: Selbstfindung einer jungen Nation

Anfang bis Mitte des 19. Jahrhunderts war die Expansion der USA, ausgehend von den Neuenglandstaaten in Richtung Westen, in vollem Gange. Besonders seit dem Amtsantritt des siebten Präsidenten, Andrew Jackson, im Jahr 1829 wurden die Erschließung des Landes und die Deportation und Vernichtung der einheimischen Indianervölker energisch und rücksichtslos vorangetrieben. Die Vereinigten Staaten von Amerika begannen sich von einer abtrünnigen Kolonie der Briten zu einem selbstbewussten Staat zu mausern, der vor allem dank der riesigen unerschlossenen Räume im Westen über ein gewaltiges Entwicklungspotenzial verfügte.

Der Aufstieg der Nation wurde befeuert durch ein Sendungsbewusstsein, über das bereits die ersten Puritaner verfügt hatten, die davon träumten, auf amerikanischem Boden ein »neues Jerusalem« zu errichten, frei von der sittlichen Verkommenheit und den Zwängen des alten Europa. In dieser Situation begannen sich die Ideen der europäischen Romantik in Nordamerika zu verbreiten. Hier wie dort wurden auch die ersten Zeichen des Industriezeitalters sichtbar. Doch die Romantik fiel in Nordamerika auf einen gänzlich anderen Boden als in Europa; sie traf auf Menschen, die die Sehnsucht nach einer eigenen nationalen Identität zunehmend schmerzhaft verspürten. Der Erste, der diese Sehnsucht ansprechen und befriedigen sollte, war Ralph Waldo Emerson.

Ralph Waldo Emerson und die geistige Unabhängigkeit von Europa

Ralph Waldo Emerson wird am 25. Mai 1803 in Boston geboren. Bereits in seiner Jugend zeigt sich seine philosophisch-rhetorische Begabung. Er erhält mehrmals Preise für seine Reden und Essays. Nach Abschluss des College arbeitet er drei Jahre als Privatlehrer, bevor er an die theologische Hochschule Cambridge geht und dort 1826 die Approbation zum Prediger erhält. Nach einer Zeit als Wanderprediger wird er 1829 in einer Bostoner Gemeinde zum Pfarrer berufen.

Seine Frau Ellen Louisa Tucker stirbt nach nur anderthalb Jahren Ehe. Auch gesundheitlich geht es ihm schlecht. Emerson gibt den Priesterberuf auf, findet aber zunächst keine neue Betätigung. Auf einer Europareise lernt er u. a. den Marquis de Lafayette, die romantischen Dichter Samuel Taylor Coleridge und William Wordsworth sowie den schottischen Historiker Thomas Carlyle kennen, mit dem er den Rest seines Lebens befreundet bleiben wird.

Zurück in den USA, in Concord, beginnt er intensiv zu schreiben und Vorträge zu halten. 1836 erscheint sein erstes Buch, ›Natur‹ - ein doppelbödiges Werk. Vordergründig geht es um das Wesen der Natur und darum, wie der Mensch durch diese zu sich selbst finden kann. Eher über Gefühle als über konkrete Handlungsanweisungen versucht Emerson eine bestimmte Haltung zu entwerfen: durch die unverfälschte Wahrnehmung der Natur sein eigenes Wesen zu entdecken.
 
Auf einer zweiten Ebene aber ist dieses Plädoyer, der eigenen Wahrnehmung mehr zu trauen als allem anderen, auch eine handfeste politische Aussage - nämlich die, sich von überkommenen Vorstellungen zu lösen, und das heißt vor allem von dem europäischen Erbe.

Eine enge Freundschaft entsteht zu Henry David Thoreau, der zeitweise in seinem Haus wohnt. Emersons oft provokative Vorträge erreichen immer weitere Kreise. Er engagiert sich für soziale Reformen wie das Frauenwahlrecht. Besonders kämpft er gegen die Sklaverei und das damals gültige Gesetz, das es unter Strafe stellt, geflohenen Sklaven zu helfen.

Seine letzten Lebensjahre verbringt er in Concord, bis zum Schluss schreibend und Vorträge haltend. Im Frühjahr 1882 erkrankt er an einer Lungenentzündung, an der er am 27. April stirbt.

Quelle: getabstract

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