Autorin, Anja Jonuleit, Romane, dtv

Anja Jonuleit über das Schreiben

Ich gehöre nicht zu den Schriftstellern, die schon als Kind ein fertiges Manuskript in der Schublade liegen hatten. Zwar habe ich in der Schule immer gern geschrieben, aber das war auch schon alles. Zum Schreiben gekommen bin ich erst später, über den Umweg der Fremdsprachen. Beim Übersetzen meines ersten Romans, das war das Buch eines sardischen Autors aus dem Italienischen, hatte ich plötzlich das Gefühl, einen Blick hinter die Kulissen zu tun und zu begreifen, wie ein Buch funktioniert. Ich habe daraufhin ein Experiment gestartet, das letztlich zwei Jahre gedauert hat. So ist mein erstes Buch entstanden, ›Das Wasser so kalt‹. Und dann hatte ich eben das Glück, ziemlich bald einen Verlag dafür zu finden.

Jetzt ist mir das Schreiben Beruf und Berufung zugleich. Ich liebe es, mich in neue Themen – also in für mich neue Welten - einzuarbeiten. Meine Recherche ist daher meist auch relativ aufwendig. Wann immer es möglich ist, begebe ich mich an den Ort, an dem die Handlung spielt, um ein erstes Gefühl und natürlich auch einen sicheren Boden für meine Geschichte zu bekommen. Auch spreche ich mit Fachleuten oder Zeitzeugen. Für meinen Roman ›Die fremde Tochter‹ bin ich zum Beispiel nach Paris gereist, um mit einer Tee-Expertin zu sprechen, deren Laden übrigens unter genau der Adresse zu finden ist wie der Teeladen im Buch. Beim Schreiben selbst fühle ich mich dann oft wie ein Archäologe: einer, der bereits Vorhandenes zum Vorschein bringt, es vorsichtig freiklopft.

Was ich weniger mag, ist die letzte Phase, die nochmalige Überarbeitung des fertigen Manuskripts. Das liegt vielleicht daran, dass ich dann immer das Gefühl habe: »Es ist doch alles schon gesagt; es gibt nichts Neues mehr zu entdecken.« Das ist wohl so ein Grundcharakterzug von mir, der sich auch beim Lesen bemerkbar macht. Ich kann kein Buch zweimal lesen. Das geht einfach nicht. Ich langweile mich dabei zu Tode, selbst meine absoluten Lieblingsbücher haben da keine Chance. Jedenfalls habe ich beim Beenden eines Projekts immer schon das nächste im Kopf. Da ist ein starker Antrieb in mir, zu immer neuen Ufern aufzubrechen.

Zu Hause bei Anja Jonuleit

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