Benjamin Cors

Aus dem Leben eines Autors - Tagebucheintrag

Wie kam es zum Schreiben?

Dass Schreiben nicht nur Segen, sondern auch Fluch sein kann, merke ich vor allem um 5:20 Uhr in der Früh. Dann nämlich klingelt - nicht jeden Tag, aber oft – mein Wecker und ich stehle mich im Dunkeln aus dem Haus und bin dann der erste Gast in einer kleinen Bäckerei im Nachbarort.  Dort stellen sie mir mittlerweile den Cappuccino (Danke!) schon hin, ich setze meine Kopfhörer auf – und aus dem Fluch des frühen Aufstehens wird sofort wieder der Segen des Schreibens. Tatsächlich bin ich dann einfach weg, ich höre nichts, sehe nichts, der Cappuccino wird kalt und nach zweieinhalb Stunden tauche ich wieder auf. Ich war in der Normandie, bei Nicolas und Julie, ich habe Möwen fliegen lassen und Wörter gefunden, die mich glücklich gemacht haben. Um dann zur Arbeit zu fahren, zurück ins echte Leben.
Das ich das überhaupt darf, verdanke ich Konstanze Renner. Sie hat mich vor gar nicht langer Zeit herausgelesen, aus einem dicken Packen von Manuskripten. Dann hat sie mich angerufen, mir klar gemacht, dass es völlig in Ordnung sei, jetzt a) Angst zu haben und b) fast in Ohnmacht zu fallen und dann haben wir losgelegt. Es ist eine großartige Reise daraus geworden, mittlerweile erlebt Nicolas sein viertes Abenteuer, aus der Normandie ist ein kleiner Sehnsuchtsort geworden, aus Nicolas ein guter Freund.
Leicht allerdings war es nie, das ist es bis heute nicht. Ich schreibe eben vor oder nach der Arbeit, am Wochenende, ich habe keine Zeit, auf die Muse zu warten, die mich küsst, ich muss mir ihre Zuneigung erschreiben und das immer unter Zeitdruck. Jedes Jahr ein Band, ich sitze auf einem Literatur-Fließband, habe mich da aber mittlerweile gut eingerichtet. Ich bin ein Vielschreiber, bis zu 15 Seiten in drei Stunden, die müssen sitzen, ich muss los…Im (tollen!) Lektorat fluchen sie dann wahrscheinlich und schenken mir zu Weihnachten bestimmt mal ein Buch über Kommaregeln.  Es wird nichts bringen.
Und ja, es ist immer die Musik, die mich anschiebt, die da ist, wenn ich sie brauche. Ruhig oder episch, kraftvoll oder traurig. Dass Nicolas so ist, wie er ist, verdankt er Jacques Brel und Hans Zimmer, Charles Trenet, Benjamin Biolay und viel guter Kinomusik. Das alles ist tatsächlich ein Segen – bis dann um 5.20 Uhr der Wecker wieder klingelt…
 

Recherche

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Bilder rund um die Reihe um Nicolas Guerlain

Playlist

Diese Musik hört Benjamin Cors beim Schreiben und erzählt auch, was er mit den einzelnen Songs verbindet:

 
  1. Vincent Delerm, ›Deauville sans Trintignant‹. Damit fing alles an, ein Lied über ein altes Ehepaar in der Normandie, es regnet und die Liebe bröckelt…
  2. Ibrahim Maalouf, Baikal. Wunderschöne Musik aus einem Film über Sibirien, perfekt zum Schreiben.
  3. Hans Zimmer, Watergate. Ein Klassiker des investigativen Kinos, ein Spannungslied, das gut zum vertrackten Plot der Guerlain-Reihe passt.
  4. Till Brönner, Love Theme from Chinatown. Dazu habe ich abends geschrieben, die Augen fallen zu, die Finger werden langsamer, draußen regnet es, dazu Till Brönner…
  5. Benjamin Biolay, Ton Héritage. Eines der schönsten französischen Lieder, ich fand immer, dass es gut zu Nicolas passt, weil es darin um die Melancholie geht, und um die Last, damit zu leben.
  6. Ludovico Einaudi, Drop (Mogwai Remix). Ich weiß, dass viele Kollegen zu ihm schreiben, er hat tolle Instrumental-Musik, dieses Stück ist besonders für Dramatisches geeignet.
  7. Drive all Night, Bruce Springsteen. Dieses Lied beruhigt mich immer, wenn ich nicht zufrieden bin beim Schreiben, wenn ich zweifle. Danach geht’s schon wieder…
  8. Ryuichi Sakamato, The Revenant. Die Küste der Normandie im Schnee, wie in Band 4 ›Leuchtfeuer‹, dazu dieses dramatische Lied, es passt perfekt.
  9. Daft Punk, Recognizer. Es ist mein „Manuskriptabgabetermindruck-Lied“, wenn ich schneller tippen muss, noch schneller, immer schneller und Nicolas rennt und rennt…
  10. Jacques Brel, Le plat pays. Ein wunderbares Lied über den Norden, das flache Land, den Wind vom Meer.

Einige Titel zum Reinhören

Vincent Delerm ›Deauville sans Trintignant‹

 


Till Brönner ›Love Theme from Chinatown‹

 


Bruce Springsteen ›Drive all Night‹

 

 
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