Roman, Der Brief, Carolin Hagebölling, dtv

Interview mit Carolin Hagebölling über ihren Debütroman ›Der Brief‹


»Im Roman ist alles möglich. Und wer weiß, vielleicht ist das ja viel näher an der Realität als wir glauben?«

 

›Der Brief‹ ist Ihr Debüt. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

Ich glaube, es war umgekehrt: Das Schreiben ist zu mir gekommen. Sobald ich den Stift halten konnte, hat er ganz von allein Hefte, Zettelchen und Tischplatten gefüllt. Themen gab es viele: Das Leben der Raupe Rutschi, der ich in einem Marmeladenglas ein liebevolles Zuhause gegeben hatte, eine Anleitung zum Mixen eines Zahnpasta-Zauberwassers oder eine Fantasiegeschichte. Die ist allerdings über drei Seiten nie hinausgekommen, weil ich kein allzu großes Durchhaltevermögen hatte. Das kam erst nach und nach, als ich gemerkt habe, wie erfüllend es sein kann, einen Plot zu entwickeln, Figuren lebendig werden zu lassen und in die fantastische Welt des Schreibens einzutauchen. Immer nah an der Wirklichkeit – die Reflexion der Realität ist für mich das eigentlich Spannende.

Carolin HageböllingGibt es Themen, die Sie besonders bewegen und Ihr Schreiben prägen?

Beim Schreiben schöpfe ich aus meinen eigenen Erfahrungen und dem, was ich in meinem Umfeld wahrnehme. Das sind prägende Erlebnisse und persönliche oder gesellschaftliche Umbrüche, die Suche nach der eigenen Identität sowie das große Thema Liebe, das uns letztendlich alle antreibt.

In Ihrem Roman steht die Protagonistin Marie zwischen zwei Welten: ihrem glücklichen Leben als Journalistin in Hamburg zusammen mit Johanna sowie einem Leben in Paris an der Seite ihres Mannes Victor. Waren Sie schon einmal in einer ähnlichen Situation?

Der Roman ist fiktiv und enthält keine autobiografischen Szenen. Aber ich kenne die Situation, zwischen den Stühlen zu sitzen. Ob Beruf, Wohnort oder Liebe – ich habe mich in vielen Situationen hin- und hergerissen gefühlt. Das hängt zum einen mit den vielfältigen Möglichkeiten und Lebenskonzepten zusammen, die einem heute (glücklicherweise) offenstehen. Zum anderen ist es aber sicherlich auch eine Charakterfrage. Ich bin neugierig und kann mich schnell für Dinge begeistern – auch für solche, die nicht unbedingt kompatibel sind. Da fragt man sich schon manchmal: Habe ich die richtige Wahl getroffen? Was wäre gewesen, wenn ich mich anders entschieden hätte?

Paris oder Hamburg – wie würden Sie sich entscheiden?

Mir persönlich läge wohl das Leben in Hamburg näher. Aber das ist ja das Schöne an der Fiktion: Die Leserin kann, muss sich aber nicht entscheiden. Im Roman ist alles möglich. Und wer weiß, vielleicht ist das ja viel näher an der Realität als wir glauben?

Schreiben Sie weiter?

Ich könnte gar nicht nicht schreiben. Was nicht heißt, dass ich jeden Tag ein literarisches Werk aufs Papier zaubere. Die Lust am Schreiben kommt in Intervallen. Ich habe zwar viele kleine unausgereifte Ideen, aber es dauert oft Monate, bis mir die eine Story einfällt, die ich unbedingt schreiben möchte – nein, muss! Häufig ausgelöst durch Zufälle oder Kleinigkeiten. Und dann würde ich am liebsten nichts Anderes mehr tun. Es macht mich glücklich. Gerade reift wieder so eine Idee. Es geht also weiter. Juhu! 

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