»Exzellente Erzählkunst ist zeitlos.«
The Guardian


›Zwei Schwestern‹ von Dorothy Baker erschien erstmals 1962. Damals ihrer Zeit voraus, wird die große Erzählerin seit einer Neuausgabe der ›New York Review Books Classics‹ 2012 auch in Europa endlich neu entdeckt.

»Sie rückt ganz dicht heran an die Geschehnisse, dringt ein ins Innere, sie rüttelt uns auf.
Es tut weh. Und es tut gut.«

Lektorin Patricia Reimann über die Wiederentdeckung


Wer ist Dorothy Baker?
Dorothy Baker (1907 – 1968) stammte aus Montana, hatte in Los Angeles Französische Sprache studiert und mit ihrem Mann, dem Dichter Howard Baker, in den Vierzigerjahren ein Theaterstück geschrieben, das wegen sexueller Freizügigkeit von der Zensur bald kassiert wurde. Baker, die Short Storys und drei Romane verfasste – der Film ›Young Man with a Horn‹ mit Kirk Douglas, Lauren Bacall und Doris Day geht auf den gleichnamigen Roman (dt. ›Ich mag mich irren, aber ich finde dich fabelhaft‹) zurück – litt ihr ganzes Leben unter der mangelnden Anerkennung als Schriftstellerin.
Heute gehört sie durch die Neuauflage von ›Cassandra at the Wedding‹ zu den bedeutenden Wiederentdeckungen der NYRB Classics und wird nun endlich auch in Europa gewürdigt.

Wieso ist sie (in Deutschland) von der Bildfläche verschwunden?
›Zwei Schwestern‹ wurde unter dem Titel ›Cassandra auf der Hochzeit‹ in den 60er Jahren als nette Frauenunterhaltung verkauft, und schon das Cover konfiszierte die Brillanz und Scharfsinnigkeit des Romans. Aber auch in den USA reussierte Baker trotz Fullbright-Stipendium nur leidlich, sie stand im Schatten eines berühmteren Mannes, sie wagte sich an (vermeintlich) anstößige Themen (Lesbische Liebe), für Modisches interessierte sie sich nicht – etwa die allgegenwärtige Kritik am leeren Materialismus jener Zeit. Und sie lebte, wie Williams, nicht an der Ostküste.

Wie haben Sie Dorothy Baker wiederentdeckt?
Wie ich sie entdeckt habe? In New York. Ich suchte nach einem Autor oder einer Autorin, der/die etwas hat von John Williams (›Stoner‹), Paula Fox (›Pech für George‹) und Yasmina Rheza (›Der Gott des Gemetzels‹). Müsste es doch geben ... – »Ganz einfach«, erfuhr ich überrascht. Und wirklich: Dorothy Baker hat Williams‘ erzählerische Präzision, Fox‘ psychologisches Sezierbesteck und Rezas Beziehungs-Röntgenblick. Ich finde sie fabelhaft (und irre mich nicht).

Wieso sollten wir sie heute wieder lesen?
Ob Dorothy Baker über die dramatisch-symbiotische Beziehung zweier Zwillingsschwestern schreibt oder über den Aufstieg und Fall eines legendären Jazzmusikers – sie ist ungemein unterhaltsam und zugleich eine existentielle Schriftstellerin. Ihr Stil, ihr Blick, sind radikal zeitlos – und sie rückt ganz dicht heran an die Geschehnisse, dringt ein ins Innere, sie rüttelt uns auf. Es tut weh. Und es tut gut.

 Mehr zu Dorothy Baker und ihrem Werk
© Autorenbild: Department of Special Collections and University Archives, Stanford University Libraries
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