»Er war ein Mann mit einem unverschnörkelten Charakter ... Er pflegte zu sagen, wenn er nicht Schriftsteller geworden wäre, dann vielleicht Klempner.«
Nancy Williams


John Williams war einer der großen vergessenen Autoren der Weltliteratur. Seit der Wiederentdeckung von ›Stoner‹ 2006 in den USA erobern seine Romane die Bestsellerlisten der Welt.

»Ob man ›Augustus‹ liest oder ›Stoner‹ – da liegen zweitausend Jahre dazwischen, aber der Mensch ist der Mensch, so scheint es. Und das betrifft und ergreift uns.«
Lektorin Patricia Reimann über die Wiederentdeckung


Wer ist John Williams?
John Williams (1922-1994) kam aus dem Westen der USA und das mag ein Grund dafür sein, dass er und sein Werk zu seinen Lebzeiten nur wenigen Literaturliebhabern und Schriftstellerkollegen bekannt gewesen ist. Erst die amerikanische Neuauflage von ›Stoner‹ (2006; in Deutschland 2013), machte Williams weltberühmt. Ein »Jahrhundertbuch«, die bedeutendste Wiederentdeckung der letzten Jahrzehnte – Leser und Kritiker waren sich einig.

Wieso ist er (in Deutschland) von der Bildfläche verschwunden?
Für den deutschsprachigen Raum war Williams eine Neuentdeckung. Warum sein Werk in den USA nicht angemessen gewürdigt wurde? Zum einen spielte sich das literarische Leben an der Ostküste ab, auch herausragende Schriftsteller wie Wallace Stegner oder Janet Lewis wurden vom Literaturbetrieb quasi übersehen. Ein anderer Grund? Vielleicht Williams‘ Sujets: Ein Campusroman (›Stoner‹), ein Western (›Butcher’s Crossing‹), ein Historienroman (›Augustus‹) und schließlich sein Debut, ein ungestümes Nachtstück (›Nothing but the Night‹) – in jenen aufgeheizten Jahren des Vietnamkrieges und der Civil Rights-Bewegung hat man vielleicht einfach übersehen, dass es Williams immer um etwas Zeitloses ging: den Menschen und seine Beziehungen, und um das, was ein Leben ausmacht.

Wie haben Sie John Williams wiederentdeckt?
Es war 2010 in New York. Ich traf mich mit Bob Silver, dem Chefredakteur der ›New York Review of Books‹, und er sagte: meet Edwin Frank. Frank, Cheflektor der classic-Reihe, hatte die amerikanische Neuauflage verantwortet. Danach ging es schnell: im Flugzeug gelesen, ein kleines Angebot gemacht, begleitet von einem kleinen Gefühl der Bangigkeit – ein so großartiges, aber so stilles Buch – wer wird das lesen? Dann aber sagte der wunderbare David Abbott (›Die späte Ernte des Henry Cage‹) zu mir: Es gibt einen Roman, den niemand kennt, den müssen Sie publizieren – ›Stoner‹. Da war der Vertrag  schon unterschrieben. Und ich war ermutigt.

Wieso sollten wir ihn heute wieder lesen?
Für jeden seiner Romane ließen sich eigene Gründe formulieren – allen gemeinsam ist vielleicht Folgendes: Wäre Williams ein theoretischerer Mensch gewesen, er wäre Philosoph gewesen, Stoiker, vermutlich. Aber als Schriftsteller interessiert er sich für den Stoff des Lebens, für die Gefühle der Menschen, ihre Abgründe, ihre Sehnsucht, ihre Beschränktheit, ihre Getriebenheit und all das, was diese Triebkräfte ausrichten. Und ob man ›Augustus‹ liest oder ›Stoner‹ – da liegen zweitausend Jahre dazwischen, aber der Mensch ist der Mensch, so scheint es. Und das betrifft und ergreift uns.

 www.john-williams.de
 
© Autorenbild: Denver University Archives
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