›Nachtwild‹ von Gin Phillips

Interview mit Gin Phillips über ihren Thriller ›Nachtwild‹

1. Wie sind Sie zum Schreiben gekommen?

So lange ich mich erinnern kann, habe ich geschrieben. Darunter waren Cartoons, Kurzgeschichten, Gedichte … eigentlich alles, was man so auf Papier bringen kann. An der Universität kam mir dann die Idee, einen Roman zu schreiben. Mich reizten die Entfaltungsmöglichkeiten. Mir gefiel der Gedanke, eine längere Geschichte zu schreiben, die mich fesselte. Ich habe einen Abschluss in Journalismus und verdiente einige Jahre lang Geld damit … aber in den frühen Morgenstunden habe ich immer an Romanen geschrieben.

2. Worum geht es in Ihrem neuen Buch ›Nachtwild‹?

Für mich ist es in erster Linie ein Buch darüber, was es bedeutet, Mutter zu sein. Wir begleiten Joan und ihren vierjährigen Sohn drei Stunden lang, während sie in einem Zoo versuchen, einem Amokläufer zu entkommen …. Jederzeit und überall können sie dem Schützen begegnen oder einem anderen Passanten, der ebenfalls ums Überleben kämpft. ›Nachtwild‹ ist ein Buch über Beziehungen generell, aber Mutterschaft in allen ihren Facetten spielt eine besondere Rolle. Die damit verbundene Liebe, Freude und auch die Instinkte treten am deutlichsten in einer Extremsituation hervor. 

3. Wie haben Sie für ›Nachtwild‹ recherchiert und wie lief der Schreibprozess ab?

Als mir die Idee zum Buch kam, verbrachte ich tatsächlich gerade viel Zeit im Zoo mit meinem vierjährigen Sohn. Die vielen Zeitungsmeldungen über Schießereien haben mich  zum Nachzudenken gebracht. Was würde ich tun, wenn plötzlich jemand mit einer Pistole auftauchen würde? Wo würde ich hingehen? Dieser dunkle Tagtraum begann, zu etwas anderem zu werden, zu einem Rahmen, das Dasein als Mutter von allen möglichen Seiten zu beleuchten. Dafür habe ich zu Amokläufen in den USA seit dem Massaker an der Columbine High School recherchiert, das 1999 passierte. Ich recherchierte, was die Schützen für Waffen benutzten und wie sie ihre Pläne ausführten. Aber dieser Roman benötigte viel weniger Recherche als meine letzten Romane, teilweise wegen des Zoos als Schauplatz. Der Roman spielt in einer sehr überschaubaren, kurzen Zeitspanne mit ganz speziellen Figuren und ist selbst eine eigene, kleine Welt. 

4. Wie nah sind Sie Ihren Figuren?

In jeder Figur steckt ein kleines Stück von mir selbst. Sonst wäre es gar nicht möglich, über sie zu schreiben. Von all meinen Figuren ist Joan mir am nächsten. In ihrer Sicht auf die Welt und ihrem Muttersein ist sie mir sehr ähnlich. In Lincoln steckt sehr viel von meinem Sohn, deshalb hat es mir so großen Spaß gemacht, über ihn zu schreiben. 

5. Was war schwieriger zu schreiben – der Anfang oder das Ende des Buches?

Normalerweise finde ich das Ende immer schwieriger zu schreiben. Es ist einfacher, interessante Buchstücke einer Geschichte zu entfalten als sie am Ende auf eine zufriedenstellende, aber nicht langweilige Art und Weise wieder zusammenzubringen.  Bei ›Nachtwild‹ hatte ich den letzten Absatz aber schon längst geschrieben, bevor ich die erste Seite fertig hatte. Das lag teilweise daran, dass ich dem Leser mit möglichst wenig Text ein möglichst intensives Gespür für Joan und Lincoln geben wollte. Am Anfang zählt jede einzelne Zeile. Teilweise lag das daran, dass das Ende mir quasi schon in der Feder lag, bereit, niedergeschrieben zu werden. (Ich wünschte, das wäre immer so!)

6. Welche Autoren und Bücher gefallen Ihnen und wovon lassen Sie sich inspirieren?

Ich denke, jeder Autor ist inspiriert von seinen Lieblingsautoren und Lieblingsbüchern. Ob bewusst oder unbewusst, sie stecken einfach in einem drin. Zu meinen Lieblingsautoren zählen Elizabeth Strout, Toni Morrison, Edith Wharton, Margaret Atwood, Ann Patchett, Hilary Mantel, Penelope Lively, Edith Wharton, Charles Dickens und Neil Gaiman. Um nur einige zu nennen. 

7.  Was schreiben Sie als nächstes?

Ich bin gerade dabei, ein Manuskript fertigzustellen, das Anfang des 19. Jahrhunderts in einer utopischen Kolonie im tiefen amerikanischen Süden spielt. Es geht um das Bedürfnis, eine vollkommen gute und schöne Welt zu erschaffen. Und darum, wie es sich anfühlt, herauszufinden, dass man dem Bösen und Hässlichen nicht entkommen kann, nirgendwo. Was tut man dann?
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