Holly Bourne im Interview

Was ist deine persönliche Definition von Feminismus?

Dass jeder Mensch auf dieser Erde die gleiche Chance auf ein gesundes und glückliches Leben haben soll, unabhängig von Geschlecht, Ethnie, Religion, sexueller Orientierung, gesellschaftlichem Stand oder irgendetwas anderem. Es geht um Gleichheit für alle. So einfach ist das.

Wie bist du zum Feminismus gekommen?

Ich hatte beim Aufwachsen immer die seltsame Empfindung, dass irgendwas nicht stimmt … aber ich konnte mir nicht recht erklären, was sich da so widerlich anfühlte. Ständig trug ich diesen inneren Konflikt mit mir herum: mir war klar, dass etwas falsch lief, aber gleichzeitig wollte ich auch beim Falschmachen mitmachen. Ich weiß noch, wie eines Regentages die Jungs in der Schule beim Mittagessen beschlossen haben, die Mädchen in einer Reihe aufzustellen und nach dem schönsten Arsch zu sortieren. Halb dachte ich: »Das ist so was von ekelhaft«, und halb: »Hoffentlich gewinne ich!«
Erst als ich schon über zwanzig war und die »Vierte Welle« des Feminismus anrollte, hab ich plötzlich gedacht: »Moment mal – DAS GEFÄLLT MIR. WAS IHR DA SAGT, GEFÄLLT MIR SOGAR SEHR GUT!« Und ›How To Be A Woman: Wie ich lernte, eine Frau zu sein‹ von Caitlin Moran hat tatsächlich mein Leben verändert. Es hat den Feminismus lustig gemacht, und zugänglich, und da hab ich plötzlich richtig Feuer gefangen. Meiner Meinung nach ist Humor die beste Einstiegsdroge in den Feminismus. Mit dem Lächerlichen anfangen, wie: »Ich zahl einen Haufen Geld, um mir qualvoll die Schamhaare mit Wachs ausrupfen zu lassen, obwohl die nie jemand zu Gesicht bekommt …« und dann zum großen Ganzen übergehen – Vergewaltigungskultur, Missbrauch, weibliche Genitalverstümmelung, Recht auf Bildung …

Warum schreibst du Bücher über Feminismus?

Als ich zum Feminismus gefunden habe, hat das mein Leben von Grund auf zum Guten verändert. Dadurch habe ich all die Erschöpfung, die Angst und die Verwirrung, die man als Frau täglich erlebt, in einen Zusammenhang stellen können, und es hat mir die Kraft gegeben, alles besser zu durchschauen und dagegen anzugehen. Außerdem macht es einen Riesenspaß! Also wollte ich eine Buchserie schreiben, die jungen Leuten die Augen öffnet und dabei hilft, zur eigenen Stärke zu finden.

Hat das Buch etwas an deinen eigenen Vorstellungen von Feminismus und seelischer Gesundheit verändert?

Meine Vorstellungen von Feminismus und seelischer Gesundheit entwickeln sich ständig weiter. Es ist ein fortschreitender Prozess, und das muss man so akzeptieren. Aufklärung ist eine Reise – keiner kann von sich erwarten, schon alles zu wissen und es auch in dem Moment auf den Punkt bringen zu können, in dem man sich entscheidet, für eine Herzenssache zu kämpfen. Man sollte Leute nicht anschreien, weil sie etwas nicht »begreifen«, wenn sie sich noch auf einer anderen Stufe ihres Prozesses befinden. Man sollte Leute nicht anschreien, die sich als feministisch bezeichnen – PUNKT. Wenn Feministinnen sich befehden, muss ich immer an diese Szene in ›Die Tribute von Panem‹ von Suzanne Collins denken, in der Finnick Katniss zuruft, sie dürfe nicht vergessen, wer hier der wahre Feind ist. Mein feministisches Bewusstsein hat sich durch das Schreiben dieser Bücher so sehr erweitert, und ich hoffe, dass meine Leserinnen und Leser meinen eigenen Lernprozess, meine Entwicklung durch die Trilogie verfolgen können.

Beschreibe die Spinster-Girls-Trilogie in drei Worten.

Feminismus. Witze. Käse.
 
6. Was ist deine Lieblings-Käseknabberei?

Nachos. Nachos machen das Leben einfach besser.

Hast du auch einen Spinster-Club?

Den habe ich! Daher kommt auch ursprünglich die Idee für die Bücher. Meine Freundinnen und ich hatten als Teenager einen Spinster-Club. Meine Mitgliedskarte habe ich immer noch!
Aber unsere Aktivitäten haben sich eher darauf beschränkt, zu einer Band namens Feeder zu tanzen (ja, so alt bin ich!) unf Kuchenteigmischungen zu essen, statt Pläne zum Sturz des Patriarchats zu schmieden.
Als mir klar wurde, dass ich eine Trilogie über eine feministische Graswurzelbewegung schreiben möchte, habe ich ewig darüber nachgedacht, wie sie sich wohl nennen könnten. Und da ist mir mein alter Spinster-Club wieder eingefallen, und ich habe meine alten Sachen hervorgekramt. Ich wünschte, mein sechzehnjähriges Ich hätte gewusst, dass ihr Single-Valentinstag mehr als zehn Jahre später als Inspiration für eine Romantrilogie dienen würde.
Diese Treffen und Gespräche mit meinen Freundinnen sind mir sogar heute noch eine ganz wichtige Quelle für meine Liebe zum Feminismus. Einfach eine Tasse Tee, irgendwelche Käseknabbereien und darüber reden, wie UNENDLICH SCHRÄG es ist, in dieser patriarchalen Welt ein Mädchen zu sein. Dafür braucht es gar kein ernstes Gespräch. Ich habe mir neulich buchstäblich Tränen gelacht bei einer Diskussion darüber, ob es jetzt »unfeministisch« ist, wenn man Angst davor hat, bei seinem Freund zu Hause zu kacken.

Was kann man als Durchschnittsmädchen denn gegen Sexismus unternehmen?

Ich glaube, ein guter Einstieg ist immer, einen Spinster-Club zu gründen! Einfach ein paar Freundinnen zusammentrommeln, was zum Essen hinstellen und über all die Seltsamkeiten plaudern, die man als weiblicher Mensch so ertragen muss. Das stärkt und befähigt ungemein, und aus solchen Gesprächen in geschützter Umgebung, wo man sich weniger allein fühlt, kann so viel Gutes entstehen.
… und wenn ihr das lest und beschließt, euren eigenen Spinster-Club zu gründen – bitte sagt mir Bescheid. Denn das wär für mich die Krönung meines Tages/meiner Woche/meines Lebens!
 
Was ist dein wichtigster Rat an deine Leserschaft?

Dass eure Stimme zählt, eure Erfahrung zählt und eure Gefühle zählen. Lasst euch nichts anderes einreden.
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