Socke und Sophie - Pferdesprache leicht gemacht

Hallo, ich bin Juli Zeh, die Autorin von »Socke und Sophie«. 
Am Anfang der Geschichte sagt Sophie über sich selbst, dass ihre Pferdeliebe so groß ist, dass ihre Eltern manchmal denken, sie habe einen Dachschaden. Das ist bei mir auch so. Seit meinem sechsten Lebensjahr bin ich eine Pferdenärrin, und daran hat sich bis zum heutigen Tag nichts geändert. Als junges Mädchen habe ich die Nachmittage in Reitställen verbracht und bei der Stallarbeit geholfen, um mir hin und wieder eine Reitstunde zu verdienen. 

Mein erstes eigenes Pferd habe ich dann erst als Erwachsene bekommen. Es heißt »Neo« und war ein sogenanntes Problempferd. Neo hatte bei seinem Vorbesitzer schlechte Erfahrungen gemacht und war so traumatisiert, dass es manchmal lebensgefährlich war, ihn zu reiten. Das hat mich vor große Herausforderungen gestellt. Irgendwann war ich so verzweifelt, dass ich angefangen habe, mich im Umgang mit Pferden fortzubilden. Ich hatte verschiedene Trainerinnen, die mir mit Neo und anderen Pferden gezeigt haben, wie man ein Pferd behandeln muss, damit es versteht, was man von ihm will. Dass man sich mit einem Pferd wirklich unterhalten kann, wenn man die Sprache lernt, hat mich sehr fasziniert. Ich habe dann sogar noch eine Berufsausbildung zur Pferdeverhaltenstrainerin gemacht, obwohl ich als Schriftstellerin und Richterin eigentlich schon zwei Berufe habe. Neo ist heute ein braves Familienpferd, und manchmal kann ich anderen Menschen helfen, die mit ihren Pferden nicht zurechtkommen. 

Aus meiner eigenen Kindheit und Jugend weiß ich, dass man in den Reitställen vielleicht das Reiten lernt, aber meistens nichts über Pferdeverhalten und den richtigen Umgang mit diesen Tieren. Deshalb habe ich »Socke und Sophie« geschrieben. Ich hoffe, dass die Geschichte spannend ist und Spaß macht und dass man gleichzeitig eine Menge Dinge lernt, die Pferd und Mensch zu einem Team werden lassen. 

Was Eltern wissen sollten, wenn ihr Kind mit dem Reiten beginnen möchte?

Falls eure Eltern noch unsicher sind, ob sie zum Reiten ihre Zustimmung geben sollen, dann seid nicht genervt. Sie wollen euch nicht unglücklich machen, sondern sind besorgt um eure Gesundheit oder wissen nicht, ob sie sich Reitstunden oder gar ein eigenes Pferd leisten können. Das sind berechtigte Bedenken. Vielleicht könnt ihr euch gemeinsam mit euren Eltern darüber informieren, welche Kosten entstehen und auf welche Weise man Sicherheitsrisiken ausschließt. Für den Pferdesport gilt wie für die meisten anderen Dinge im Leben: Je mehr man darüber weiß, desto besser kann man auch mit Risiken und Gefahren umgehen. Vielleicht könnt ihr, wenn das Geld knapp ist, für eure Reitstunden arbeiten oder euch ein Pflegepferd »verdienen«. Und wenn ihr gute »Pferdeflüsterer« seid, ist das Reiten nicht gefährlicher als Skifahren oder ein anderer Bewegungssport. Dann werden eure Eltern vielleicht sogar einsehen, dass es für junge Menschen kaum etwas Besseres gibt als ein Hobby mit Pferd – man ist draußen, hat mit anderen Menschen und Lebewesen zu tun, bewegt sich, lernt eine Menge und folgt seiner größten Leidenschaft. 

Seit wann leben Menschen und Pferde zusammen?

Es ist nicht genau bekannt, wann Mensch und Pferd ihr Zusammenleben begonnen haben. Viele Forscher gehen davon aus, dass die ersten Wildpferde um 3000 vor Christus in Zentralasien domestiziert wurden. Andere meinen, es habe schon 5000 vor Christus zahme Pferde gegeben. Sicher ist, dass die Nutzung von Pferden den Völkern riesige Vorteile brachte. Entsprechend breitete sich das Hauspferd schnell über die Welt aus. In Amerika waren Wildpferde ausgestorben. Erst im 16. Jahrhundert brachten spanische Eroberer ihre Pferde auf Schiffen mit nach Amerika. Einige der Pferde entwischten und bildeten Herden freilebender Mustangs. So kamen auch die Indianer zu den Pferden – was ihre Lebensweise radikal veränderte. Erst im 20. Jahrhundert verlor das Pferd durch die Ausbreitung von Autos und Maschinen für das Leben der Menschen an Bedeutung. Die letzten Postkutschen fuhren in den 1930er-Jahren von Dorf zu Dorf. Im Zweiten Weltkrieg spielten Pferde allerdings noch eine große Rolle – allein auf deutscher Seite wurden von der Wehrmacht 2,8 Millionen Pferde eingesetzt. 182Heute dient das Pferd vor allem als Sport- und Haustier. In Deutschland leben über eine Million Pferde; weltweit gibt es vermutlich etwa 60 Millionen.

Gibt es Problempferde?

Ein Pferd wird zum »Problempferd«, wenn es die Zusammenarbeit mit dem Menschen verweigert und dadurch zu einer Gefahr für sich selbst und andere wird. Allerdings lehnen viele Pferdetrainer den Begriff »Problempferd« aus guten Gründen ab. Denn häufig liegt 176das Problem nicht beim Pferd, sondern beim Menschen. Ein sogenanntes Problempferd will meistens einfach nur weg. Es buckelt oder steigt, beißt oder tritt, reißt sich los oder geht durch oder lässt sich auf der Koppel gar nicht erst einfangen. Manchmal steckt eine schreckliche Erfahrung in der Vergangenheit dahinter, ein sogenanntes Trauma. Wie zum Beispiel ein schwerer Unfall. Aber in den meisten Fällen stellt falsche Behandlung die Ursache dar. Nicht unbedingt aus bösem Willen, sondern häufig aus Unwissenheit über das natürliche Verhalten der Pferde. So kann es passieren, dass ein Pferd von Menschen verdorben wird und eines Tages vielleicht sogar beim Schlachter landet, weil es als nicht mehr nutzbar und unverkäuflich gilt. Leider kommen solche Tragödien im Reitsport immer wieder vor.

Welche Möglichkeiten gibt es, wenn man reiten möchte, aber kein eigenes Pferd kaufen will?

Wenn ihr auch verrückt nach Pferden seid und genau wie ich früher kein eigenes Pferd haben könnt, dann verzweifelt bitte nicht. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, alles über Pferde zu lernen. Man kann sich Bücher und DVDs zum Geburtstag wünschen, in denen kompetente Leute zeigen, wie man ein Pferd richtig reitet und richtig erzieht. Ihr könnt auch Pferdebesitzer in eurem Reitstall oder in eurer Nähe fragen, ob sie bereit wären, euch ab und zu etwas beizubringen, ganz egal, ob im Sattel oder am Boden. Je mehr ihr lernt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ihr bald ein Pflegepferd haben könnt. Denn viele Pferdebesitzer haben nur wenig Zeit und sind froh, wenn ein zuverlässiger Junge oder ein zuverlässiges Mädchen ab und zu mit ihrem Pferd arbeitet. Auch Neo hat heute eine zwölfjährige Pferdepflegerin. Und ich selbst hatte ebenfalls Pflegepferde ab meinem vierzehnten Lebensjahr. Also, nicht aufgeben. Wenn man bereit ist, für seinen Traum zu arbeiten, wird er sich eines Tages erfüllen. 
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