»Unsere heutige Zeit schreit nach neuen Beziehungsmodellen«

Herr Tusch, was hat Sie veranlasst, ein Buch über die Liebe zu schreiben?
Die Liebe ist das Menschheitsthema Nummer eins – wir alle sehnen uns danach, zu lieben und geliebt zu werden. Gleichzeitig ist die Scheidungsrate so hoch wie nie zuvor: Das passt nicht zusammen! Mit meinem neuen Buch kläre ich auf und liefere praxiserprobte Hilfestellungen, denn wie Liebe wirklich funktioniert, das wird uns leider nirgendwo vermittelt, weder im Kindergarten, noch in der Schule, geschweige denn später in der Ausbildung oder im Studium. Da puzzelt jeder dann irgendwie so ein Stück weit hilflos vor sich hin ... kein Wunder, dass es dann irgendwann knallt ...

Wie erklären Sie sich denn diese Widersprüchlichkeiten?
Zum einen beschert uns unsere Höher-schneller-weiter-Gesellschaft unrealistische Vorstellungen; denken Sie nur daran, wie uns Liebe zum Beispiel im TV vorgelebt oder vielmehr -gegaukelt wird. Parallel dazu eröffnet uns speziell das Internet ungeahnte Möglichkeiten, Neues kennenzulernen und auszuprobieren: Dating-Portale, Partner für Seitensprünge, Fetische aller Couleur. Und während einerseits der individuelle Freiheitsdrang zunimmt, herrschen zu allem Überfluss und paradoxerweise gewisse Tabus vor: Über Polyamorie, die Vielliebe, traut sich zum Beispiel niemand so recht, offen zu sprechen ... Insgesamt entsteht dadurch eine im wörtlichen Sinne „ver-rückte“ Situation, sodass es für jeden Einzelnen von uns zunehmend schwieriger wird, herauszufinden, welche Bedürfnisse in uns schlummern und was wir wirklich wollen! Wir werden orientierungsloser, treffen irgendwelche Entscheidungen – und bereuen dann recht bald ...

Das klingt ja fast schon chaotisch. Wie kann da Liebe überhaupt noch gelingen?
Nun, ich will Ihnen nicht verschweigen, dass aufrichtige Liebe wirklich „Arbeit“ ist, und das meine ich ernst: In der ersten Phase des Verliebtseins sind wir sprichwörtlich blind. Alles ist romantisch, leidenschaftlich und lustvoll. Die Schmetterlinge kaschieren alles Störende. Es folgt die zweite Phase des Realismus: Wir nehmen die rosarote Brille ab und die Eigenheiten des anderen wahr. Das kann bis zu einem gewissen Grad noch, nennen wir es, interessant sein ...

Entschuldigen Sie die Unterbrechung, aber das ist ja noch lange kein Trennungsgrund?!
Nicht zwingend, es geht allerdings noch weiter: Die dritte Phase der „Aus-einander-setzung“ (im wörtlichen Sinne) ist von Konflikten geprägt. Wir testen Grenzen aus – es kommt zu einer Weichenstellung: Die meisten Beziehungen überleben diese dritte Phase nicht; die Protagonisten gehen frische Bindungen ein und starten einen neuen Kreislauf mit Verliebtsein. Es kann auch unerwiderte Liebe nachhängen. Im vergleichsweise seltenen Fall einer vierten Phase versuchen wir, ein Gleichgewicht zwischen dem „Wir“, dem „Du“ und dem „Ich“ herzustellen. Die konkrete Ausgestaltung hängt hochgradig von den individuellen Interessen und Bedürfnissen der Partner ab. Zwänge und Egoismen erleichtern das Ganze nicht unbedingt. Die fünfte Phase führt im Idealfall in eine gemeinsame Heimat: Wir lieben uns bedingungslos, familiär – und in vielen Fällen auch überwiegend platonisch, das körperliche Verlangen kann nämlich bereits nach sechs Monaten deutlich nachlassen. Allerdings kann sich auch in dieser letzten Phase nochmals zeigen, ob die Partnerschaft wirklich auf ewig angelegt ist – oder ob die Beteiligten besser komplett auf Reset drücken.

Das heißt, es gibt manchmal regelrecht Kreisläufe oder Schleifen, in denen wir uns verfangen ...
Sprechen Sie ruhig von Sollbruchstellen – überall lauern Exit-Optionen. Das ist einerseits beruhigend und gibt uns Sicherheit. Gleichzeitig werfen wir manchmal sehr schnell die Flinte ins Korn. Dann stürzen wir uns gleich ins nächste Abenteuer – um den selben Problemen erneut zu begegnen. Immer und immer wieder.

Und was raten Sie dann dem Einzelnen?
Vielleicht sind ja unsere bisherigen Beziehungsvorstellungen und -modelle inzwischen veraltet, passen einfach nicht mehr zu den gesellschaftlichen Gegebenheiten?! In meiner Praxis habe ich sehr oft erleben dürfen, dass meine Klientinnen und Klienten sehr zufrieden und glücklich wurden, wenn Sie mal etwas Neues ausprobiert haben.

Was genau soll denn dieses Neue sein – die Polyamorie, von der Sie eingangs sprachen?
Polyamorie bedeutet, dass wir in der Lage sind, mehrere Menschen gleichzeitig zu lieben und von mehreren Menschen gleichzeitig geliebt zu werden. Und zwar mit dem Herzen, dem Verstand, mit allen Einzigartigkeiten, körperlich, erotisch, sexuell ...

Wo ist da jetzt der Unterschied zum Fremdgehen?
Es gibt einen entscheidenden Punkt: Polyamorie wird offen, transparent, ehrlich, gleichberechtigt, fair, konsensuell, mit Wissen, Kenntnis und Zustimmung aller Beteiligten, und langfristig orientiert gelebt! Polyamore Menschen trauen sich und ihren jeweiligen Partnerinnen und Partnern zu, mit den diesbezüglich auftretenden Gedanken und Gefühlen (zum Beispiel Eifersucht) umzugehen, wobei die Bedürfnisse aller Beteiligten gleiches Gewicht haben. In diesem Sinne stellt Polyamorie ein ganzheitliches Lebens- und Liebenskonzept auf Augenhöhe dar. Also nix mit heimlich oder Betrug!

Und das ist nun Ihrer Meinung nach das Allheilmittel?
Sie ist zumindest einen Versuch wert. Schlimmer als unsere aktuelle Situation kann es eh nicht werden: Wissenschaftliche Studien belegen eine Scheidungsrate von inzwischen weit über 50 Prozent. Sechs von zehn Paaren sind mit der Qualität ihrer Beziehung unglücklich. Bei 95 Prozent aller Eltern geht die Paarrolle flöten. Und bis zu 30 Prozent aller Liierten gehen fremd. Das kann es doch auch nicht sein.

Das sind natürlich dramatische Zahlen ...
Ganz genau. Und es geht auch gar nicht darum, für Polyamorie zu werben oder gar zu missionieren. Lassen wir uns einfach durch Fakten inspirieren: Aktuellen wissenschaftlichen Schätzungen zufolge leben allein in Deutschland über 10.000 Menschen erfolgreich und glücklich offen und ehrlich polyamorös. Auch im internationalen Vergleich entwickelt sich Polyamorie herkunfts-, geschlechter- und bildungsniveauübergreifend; so wird zum Beispiel davon ausgegangen, dass alleine in den USA circa fünf Prozent der Menschen polyamorös leben. Die internationale Prominenz, wie zum Beispiel die Oscar-Preisträgerin Tilda Swinton, der Regisseur Dieter Wedel oder auch der Starkoch Paul Bocuse, geht selbstverständlich und offen mit ihren polyamoren Beziehungen um.

Also wollen Sie doch missionieren?!
Keineswegs: Selbst wenn Sie weiterhin monogam leben möchten, können Sie auch einfach nur von den wissenschaftlich nachgewiesenen positiven Effekten der Polyamorie lernen: Zum einen ist es so, dass Polyamoristen tiefgreifender kommunizieren: Um eine polyamore Konstruktion zu pflegen und aufrechtzuerhalten, ist es in viel höherem Ausmaß als in monogamen Beziehungen erforderlich, sich über die jeweiligen Befindlichkeiten auszutauschen. Das wiederum bewirkt ein tiefes Verstehen und Vertrauen, das so manche monogame Beziehung „verbessern“ oder in manchen Fällen sogar die daran hängende Familie „retten“ könnte. Zweitens beinhaltet einvernehmliche Polyamorie Offenheit, Transparenz, Fairness und Ehrlichkeit. Gemessen an den bereits erwähnten mindestens 30 Prozent der Fremdgehenden, wäre dieser Aspekt ein großer Fortschritt in Bezug auf nichtverletzendes Verhalten auf Augenhöhe.

Wo Sie eben von Liebe gleich Arbeit sprachen – das klingt durchaus nach Herausforderungen!
Da bin ich ganz bei Ihnen. Und es lohnt sich, denn: Drittens lösen in monogamen Beziehungen (heimliche) außerpartnerschaftliche Liebes- und sexuelle Kontakte in der Regel Angst, Wut, Eifersucht und Ablehnung aus. Polyamor lebende Menschen geben sich diesbezüglich eher entspannt bis hin zu sehr positiv gestimmt: Viele Polyamoristen „gönnen“ ihrem/ihren Partner/n entsprechende Kontakte und empfinden Mitfreude; darüber, dass es dem/den anderen in dem Moment gut geht. Interessanterweise finden sich bezüglich Eifersucht und Mitfreude auch keine Geschlechterunterschiede zwischen Polyamoristen. Zu guter Letzt gehen in vielen polyamoren Konstellationen die Beteiligten sehr verantwortlich mit dem Thema „Safer Sex“ um: Studien belegen, dass Fremdgänger aus monogamen Beziehungen diesem Thema deutlich weniger Sorgfalt beimessen. Hinzu kommt, dass diese häufiger als polyamor Lebende unter Alkohol- oder anderweitigem Drogeneinfluss stehen, wenn sie außerhalb ihrer Partnerschaft „unterwegs“ sind. Es existiert sogar die These, dass Fremdgänger (manchmal auch unbewusst) auf Safer-Sex-Maßnahmen verzichten, um den Charakter des „Geplanten“ (vor sich selbst und auch dem Partner) gar nicht erst aufkommen zu lassen. Diese Aspekte decken sich auch mit vielen Fällen in meiner Praxis, in denen „außerhäusig“ erworbene sexuell übertragbare Krankheiten an den (Ehe-)Partner weitergegeben wurden.

Damit sind dann alle Probleme gelöst?
Ja und nein zugleich, denn ob jetzt Monogamie oder Polyamorie – verschweigen will ich Ihnen nicht, dass ohne Selbst-Liebe gar nichts geht!

Finden Sie denn nicht, dass unsere Gesellschaft schon narzisstisch genug ist – Stichwort „Selfie-Wahn“?
Gut, dass Sie da so kritisch nachhaken – Selbst-Liebe ist hier im Sinne von Selbst- Wertschätzung zu verstehen: Nur, wenn wir uns selbst ausreichend zugewandt sind, sind wir gefestigt genug, um uns anderen zuwenden zu können, können wir anderen ermöglichen, sich uns zuzuwenden. Allerdings will ich Ihnen grundsätzlich beipflichten, denn diese ganze Kiste stellt eine recht vertrackte Gratwanderung dar, denn die Grenzen zwischen Selbst-Annahme, Selbst-Fürsorge, Selbst-Liebe, Egozentrismus, Egoismus, bis hin zu Narzissmus sind äußerst fließend beziehungsweise durchlässig.

Welche Erklärungsansätze gibt es denn für unseren gesellschaftlichen Wandel?
Die Soziologie sagt: Die Tatsache, dass unsere Arbeit im Wesentlichen aus Jobs auf Zeit besteht, fordert von uns eine deutlich höhere Flexibilität – zum Beispiel in Form von Umzügen und Beziehungsabbrüchen – ein, die dazu führt, dass wir uns nicht mehr so intensiv auf andere einlassen können und wollen. Und sei es aus Selbstschutz, um uns weniger verletzlich zu machen. Darüber hinaus bietet der Staat auch Einzelpersonen, Frauen, Männern, eine gewisse soziale Sicherheit, so dass wir nicht mehr in dem Maße wie früher darauf angewiesen sind, Allianzen/Familien zu bilden, um uns gegenseitig zu stützen und abzusichern. Die Zahl der Singles steigt und steigt. Selbst um Nachwuchs zu zeugen, braucht es keine „intakte“ klassische Familie mehr – das Modell „Kind mit dem besten Freund“ erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Ohne diese Tendenzen einer Wertung zu unterziehen, denn alles hat jeweils Vor- und Nachteile, lässt sich zusammenfassend festhalten: Jeder kreist im Wesentlichen nur noch um sich!

Das macht es sicherlich nicht besser! Wie genau können wir die Liebe denn dann überhaupt noch retten?
Es gibt wirklich 1.001 wissenschaftlich fundierte und gleichzeitig praxiserprobte Möglichkeiten. Leider hat der Laie zumeist keine Kenntnis davon. In meinem Buch schildere ich zum einen Fallgeschichten aus meiner Praxis – so können die Lesenden aus den „Fehlern“ und den „Erfolgen“ meiner Klientinnen und Klienten lernen. Darüber hinaus habe ich die Profiwerkzeuge meiner Arbeit in ein handliches Selbst-Coaching- Format gebracht, so dass jeder sich selbst helfen kann.

Butter bei die Fische: Welche heißen Tipps haben Sie denn für uns parat? Geben Sie doch bitte mal Beispiele!
Sehr gerne – dann raten Sie mal was stimmt: „Gleich und gleich gesellt sich gern?“ Oder: „Gegensätze ziehen sich an?“ Sowohl die Wissenschaft als auch die Praxis sind sich ausnahmsweise einmal einig: Beides trifft gleichermaßen zu. Was es für uns zunächst nicht unbedingt einfacher macht. Gleichzeitig gibt es einen feinen und bedeutsamen Unterschied: Wenn Sie nach etwas Festem, Langfristigem, Verbindlichem streben, dann sind Sie besser mit Menschen beraten, die Ihnen möglichst ähnlich sind. Wie kommt’s? In der Phase der Verliebtheit finden wir alles wahnsinnig spannend, was so ganz anders ist als wir selbst. Da erfreuen wir uns an Unterschieden, Neuem, Fremdem („Wahnsinn – so gut möchte ich auch mal Salsa tanzen können!“). Da lassen wir uns gerne kreativ inspirieren, um mal wieder auf andere Gedanken und Gefühle zu kommen. Etwas später dann, in der Phase der Verbitterung, da nerven Unterschiede, Neues, Fremdes („Verdammt noch mal – nimmt das Gezappel denn nie ein Ende?!“). Wir Menschen sind Gewohnheitstiere und unser Gehirn ist gewissermaßen „faul“. Je ähnlicher, je vertrauter uns etwas oder jemand ist, desto lieber mögen wir es/ihn/sie. Das hat mit der sogenannten Verarbeitungsflüssigkeit unseres grauen Lappens da oben zu tun – er funktioniert in der Regel sehr effektiv und effizient und wählt von Natur aus den Weg des geringsten Widerstandes. Unser Organismus ist dann entspannt. Hinzu kommt: An einer festen Partnerschaft und/oder Ehe hängt in den meisten Fällen die weitere Lebensplanung – wo und wie wir leben, was wir tun und lassen, was wir schätzen und mögen ... Je ähnlicher die Interessen, Bedürfnisse, Ziele, Vorstellungen und Werte der Beteiligten, desto eher erzielen sie Einigkeit, was das Miteinander angenehm, leicht und freudvoll macht. Wenn Sie also gerade jemanden kennengelernt haben, können Sie anhand der obigen Punkte schon einmal ablesen, inwieweit es eher in Richtung Ehehafen versus einmalige Angelegenheit geht – gerade für One-Night-Stands oder kurze Affären sind Menschen, die so ganz anders sind als Sie selbst, hervorragende Beuteobjekte.

Wie lässt sich denn so ein Kennenlernen noch vertiefen, um zu besseren Einschätzungen zu kommen?
Da hilft uns definitiv eine Technik aus der Mediation, der Konfliktvermittlung: Gehen Sie in den Schuhen des anderen, setzen Sie die Brille des anderen auf, übernehmen Sie dessen Perspektive. Stellen Sie sich mal folgendes Szenario vor: Zwei Schwestern streiten sich um eine Orange – es geht richtig heiß her! Klug, wie die Schwestern sind, einigen sie sich schließlich: Jede bekommt exakt die Hälfte. Na, wie finden Sie das? Ehrlich gesagt ist das deutlich mehr, als wir an Konfliktlösung in unserem aufreibenden Alltag normalerweise hinbekommen. Und doch hinkt die Story ein wenig ... Hätten die beiden Schwestern nämlich über ihre jeweiligen Interessen und Bedürfnisse gesprochen, dann wäre herausgekommen: Die eine möchte einen Kuchen backen und benötigt die Schale, die andere möchte einen Saft pressen und benötigt das Fruchtfleisch. Das wäre die „Win-win-Lösung“ gewesen – beide hätten jeweils 100 Prozent bekommen können, beide hätten auf diese Weise „gewonnen“ ... Für Partnerschaften bedeutet das: Versuchen Sie immer empathisch-einfühlsam herauszufinden, auf welchen tiefer liegenden Ebenen der Interessen und Bedürfnisse Ihr Schwarm oder Schatz unterwegs ist.

Das klingt jetzt ehrlich gesagt ein wenig abstrakt. Wie genau kann das denn ablaufen?
Hier hilft uns eine tolle und total hilfreiche Übung aus der Paartherapie: das Zwiegespräch – gegen die große „Beziehungs-Losigkeit“:
(1) Nehmen Sie und Ihr Schwarm/Schatz/Gegenüber sich einmal pro Woche insgesamt exakt 60 Minuten Zeit füreinander; die Kontinuität der Gespräche ist sehr wichtig, um den unbewussten roten Faden aufrechtzuerhalten.
(2) Kreieren Sie eine ruhige Atmosphäre, schalten Sie alle Störquellen aus.
(3) Alle 15 Minuten wird gewechselt, jedem stehen also zwei Einheiten zur Verfügung.
(4) Einer von Ihnen beiden fängt an und darf 15 Minuten im wörtlichen Sinne ununterbrochen mitteilen, was ihn gerade in der Beziehung/Partnerschaft bewegt: Wie nimmt er sich selbst wahr? Den Partner/das Gegenüber? Die Situation? Die Beziehung? „Mit-teilen“ kommt von teilen!
(5) Der andere darf aktiv zuhören, nur Fragen, Kommentare und Bewertungen sind strengstens „verboten“.
(6) Tausch, wobei wirklich jeder in der Ich-Form von sich selbst und keinesfalls in der Du-Form vom anderen berichtet, und sich im Tausch auch nicht zwingend auf die Vorrede bezieht, geschweige denn, in irgendeiner Form rechtfertigt.
(7) Keine Nachdiskussion! So machen Sie sich wunderbar gegenseitig einfühlbar ...

Herr Tusch – vielen Dank für das Gespräch ...
Ich danke Ihnen! Ach, wissen Sie was: Lassen Sie mich doch noch kurz eins draufsetzen, wir hatten es doch eben über die Selbst-Liebe:
Leider bewegen wir uns ja in einer Gesellschaft, in der das Negative signifikant stärker in den Fokus gerückt wird als das Positive. Wir brauchen uns nur morgens vom Radiowecker aufscheuchen zu lassen – schon werden wir mit schlechten Nachrichten zugeschüttet. Der Blick in die Frühstückszeitung knüpft mühelos daran an. Im Job kommen uns schon die Kollegen auf dem Parkplatz mit Hiobsbotschaften entgegen ... und so geht das in einer Tour fort. Bis wir abends nach den Tagesthemen, gefüttert mit weiteren traurigen Highlights des Weltgeschehens, in eine albtraumhafte Nacht abdriften. Aktuellen Studien zufolge leiden circa 50 Prozent unter Schlafstörungen, 1,5 Millionen Deutsche konsumieren regelmäßig Schlafmittel, vom Betäubungsmittel Nummer eins „Alkohol“ einmal ganz abgesehen ... Jedenfalls verwundert es angesichts dieser Tendenzen nicht, dass wir uns selbst gegenüber auch eher negativ als positiv eingestellt sind, die neuen Medien, Casting- und Model-Shows tun ihr Übriges. Doch nun genug gejammert ...
Folgende Gewohnheit aus der Depressionstherapie können Sie in Ihr Leben aufnehmen: das Selbst-Liebe- Tagebuch: Gönnen Sie sich jeden Abend vor dem Zubettgehen eine kleine Auszeit aus unserer Bad-News-Gesellschaft, drei Minuten sind schon völlig ausreichend. Notieren Sie dann drei Punkte, die Sie heute an sich selbst mochten oder auf die Sie an sich stolz waren, worüber Sie sich freuen, dass Sie heute so waren/sind, wie zum Beispiel:
(1) Als ich heute morgen durch den Blick meines Kollegen verunsichert war, bin ich ganz offen auf ihn zugegangen und habe ihn gefragt, was los ist – das war ganz schön mutig von mir.
(2) Auf dem Heimweg habe ich meine Spiegelung im Schaufenster gesehen. Dabei ist mir mein aufrechter, beschwingter Gang aufgefallen. Den mag ich an mir!
(3) ...
Dieses Selbst-Liebe-Tagebuch wird Ihnen wahrlich viel Schönes und Vorteilhaftes bescheren: Einerseits sensibilisieren Sie sich für das Positive und auch für das Leben im Moment. Gleichzeitig bekommen Ihr Selbstbewusstsein und -wert täglich neues Futter. Darüber hinaus schaffen Sie sich eine wunderbare Dokumentation Ihres Entwicklungsfortschritts. Und das Beste ist: Sollte es Ihnen einmal nicht so besonders gut gehen, dann haben Sie von nun an jederzeit die Möglichkeit nachzulesen, was Sie alles schon bewirkt, geschafft, erreicht haben – eine Art Psycho-Schokolade für die Seele: Sie hebt nur die Stimmung, nicht jedoch die Kilos ... Alles, alles Gute für Sie!

Fotos:  © Selina Pfrüner
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