Woman in cabin 10, Ruth Ware, Thriller, dtv

Interview mit Ruth Ware über ihren Thriller ›Woman in cabin 10‹

1. Was hat Sie zu ›Woman in cabin 10‹ inspiriert?
Ich lasse mich von den verschiedensten Dingen inspirieren – Zeitungsartikel, Nachrichtenschlagzeilen, Unterhaltungen mit Freunden oder Erlebnisse im Urlaub. Auch in ›Woman in cabin 10‹ steckt vieles davon, aber der stärkste Einfluss war vermutlich Agatha Christie. Als ich ›Im dunklen, dunklen Wald‹ schrieb, habe ich gar nicht speziell an sie gedacht, aber sobald die ersten Besprechungen kamen, habe ich die Bezüge gesehen. Christies Bücher waren also sehr präsent für mich, als ich ›Woman in cabin 10‹ schrieb. Das Gefühl, in Luxus förmlich zu ersticken, kann sie in Settings wie ›Mord im Orient-Express‹ oder ›Der Tod auf dem Nil‹ so wunderbar vermitteln. Agatha Christie hat nie einen Roman geschrieben, der auf einem Kreuzfahrtschiff spielt  – das ist meine Hommage an sie!

2. Wie kamen Sie auf das Kreuzfahrtschiff als Schauplatz?
Als ich anfing, ›Woman in cabin 10‹ zu schreiben, kannte ich keinen vergleichbaren Thriller und dachte sofort, das wäre ein großartiges Setting! Inzwischen habe ich  mit ›Distress Signals‹ von Catherine Ryan Howard einen weiteren entdeckt. Faszinierend finde ich den Luxus, der einen dort umgibt, und die Tatsache, dass nur zehn Kabinen auf dem Schiff sind. Man hat also nur ein kleines, begrenztes Figurenensemble. Es gibt für mich diesen einen besonderen Moment im Hotel, nämlich wenn man nach einer Weile in sein Zimmer zurückkommt und dort ist alles aufgeräumt und zurechtgemacht. Auf der einen Seite übernachtet man im Hotel, um genau diesen Luxus zu erleben. Auf der anderen Seite ist man verwundbar, weil man glaubt, man kann die Tür abschließen und ganz für sich sein  – aber in Wahrheit ist das unmöglich. Es gibt fremde Menschen, die einen Schlüssel zu deinem Zimmer haben und jederzeit hereinkommen können. Sie sind in deinem Zimmer, wenn du weg bist.  Aus all dem habe ich das luxuriöse Setting geschaffen, mit wenigen, ausgesuchten Figuren und dem Gefühl, vor etwas Entsetzlichem, was gerade passiert, nicht fliehen zu können.

3. Wie schaffen Sie es, den Leser fast während des gesamten Buches im Unklaren über die Lösung zu lassen?
Darüber denke ich beim Schreiben gar nicht explizit nach. Ich glaube, ich habe die Lösung einfach im Hinterkopf und streue nach und nach Hinweise, wenn es sich anbietet. Wenn meine Lektoren den Text dann lesen, sagen sie mir, wenn etwas zu offensichtlich ist oder wenn ein Motiv, das in die falsche Richtung führt, stärker sein soll. Ideal ist es, wenn sich der Leser am Ende des Buches fragt, wieso er nicht früher darauf gekommen ist.

4. Wie entwickeln Sie Ihre Figuren?
Ich höre ihnen zu. Bevor ich anfange zu schreiben, denke ich viel nach. Wenn ich mittendrin in einem Schreibprojekt bin, fange ich schon an, mich mit dem nächsten Buch und dessen Figuren zu beschäftigen. Ich verbringe also viel Zeit mit den Charakteren und möchte sie verstehen, bevor ich anfange, über sie zu schreiben. Aber sobald ich angefangen habe, höre ich ihnen zu als wären es echte Menschen und vertraue ihnen – auch wenn sie etwas durcheinanderwerfen, was ich mir vorher überlegt habe.

5. Was denken Sie darüber, dass ›Woman in cabin 10‹ verfilmt werden wird?
Das ist klasse! Als ich daran schrieb, dachte ich, dieses Buch ist nicht verfilmbar  – wegen des speziellen Settings und ein paar Besonderheiten im Plot. Ich bin froh, dass CBS anders darüber dachte und bin gespannt darauf, was sie aus meinem wunderschönen Luxusschiff und seinen engen, dunklen Mitarbeiterkabinen machen. Wenn man als Autorin einen Filmdeal unterzeichnet, gibt man damit einen großen Vertrauensvorschuss. Was auch immer geschieht, der Film ist nicht das Buch und hat andere Qualitäten. Ich stelle es mir ein bisschen so vor, wie wenn man seine Kinder in die große weite Welt ziehen lässt  –  man wünscht ihnen das allerbeste und lässt sie gehen.

6. Schreiben Sie momentan an einem neuen Buch? Wenn ja, was können Sie uns darüber verraten?
Ich habe tatsächlich gerade meinen dritten Thriller beendet, der ›The Lying Game‹ heißen wird. Darin geht es um vier Frauen, die zusammen auf dem Internat waren und sich in ihren Dreißigern wiedertreffen. Inzwischen sind sie berufstätig und Mütter, und sie stellen sich etwas, das sie vor Jahren getan haben …
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