Cover: After the Fire

Der einzige Weg aus der Dunkelheit ist, ein Feuer zu entzünden

Schwer verletzt liegt die 17-jährige Moonbeam im Krankenhaus und sieht sich einem Psychologen und einem FBI-Agenten gegenüber. Sie, die zu den wenigen Überlebenden nach der schrecklichen Brandkatastrophe gehört, soll erzählen, wie das Leben war auf der Farm der Gotteslegionäre. Wie ist es zu dem schrecklichen Feuer gekommen, wie zu der Schießerei zwischen den Gotteslegionären und der Polizei? So viele sind gestorben.
Zögerlich öffnet sich Moonbeam, glaubt, dass man ihr helfen will, und fängt an zu erzählen, wie das Leben vor dem Feuer war und wie das Leben sich danach anfühlt. Eine Sache aber kann sie nicht erzählen. Doch wenn sie nicht an ihrem Geheimis zerbrechen will, muss sie sagen, was sie getan hat.

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Will Hill

Portrait des Autors Will HillWill Hill wuchs im Nordosten Englands auf und hat als Barkeeper, Buchhändler und im Verlagswesen gearbeitet, bevor er Vollzeitschriftsteller wurde. Sein Roman »After the Fire« wurde von der Kritik und den Lesern begeistert aufgenommen und mit vielen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Young Adult Book Prize 2018, und stand auf der Shortlist für die Carnegie Medal. Will Hill lebt mit seiner Familie in London.

© Gary Doak

Will Hill im Interview über seinen Roman »After the Fire«

 Was hat Sie zu »After the Fire« inspiriert?
Ich bin alt genug, um mich an die verfahrene Situation außerhalb von Waco, Texas, zu erinnern, die als Waco Belagerung bekannt wurde. Ich war im Frühjahr 1993 dreizehn Jahre alt, als die Bilder der letzten Konfrontation zwischen den Branch-Davidians und den US-Behörden in den Fernsehnachrichten gezeigt wurden. Ich erinnere mich, wie schrecklich es war und dass ich mich gefragt habe, warum die Leute so lange auf dem Gelände geblieben waren. Dann habe ich viele Jahre nicht mehr darüber nachgedacht.
Als Erwachsener interessierte ich mich für Sekten und die Männer (es sind fast immer Männer), die sie führen, aber an Waco dachte ich erst wieder, nachdem meine Frau und ich einen Urlaub in Washington, DC, gemacht hatten. Dort gab es ein Museum - das jetzt leider geschlossen ist - namens Newseum, was sich mit der Geschichte des amerikanischen Journalismus befasste. Es gab eine Ausstellung über das FBI und die Presse, und ein Teil der Ausstellung war der Berichterstattung über die Waco-Belagerung gewidmet. Ich sah das Filmmaterial noch einmal und hörte mir Aufnahmen von David Koresh (dem Anführer der Branch-Davidians) an. Auf dem Weg zurück zu unserem Hotel kaufte ich ein Notizbuch und fing an, mir Notizen zu machen. Aus diesen Notizen ist schließlich »After The Fire« entstanden.

Moonbeams Geschichte basiert auf tatsächlichen Ereignissen. Was war für Sie das Faszinierende an der Weco-Belagerung von 1993, dass Sie sie als Hintergrund für ihren Roman gewählt haben? 
Als ich begann, mich ernsthaft mit der Waco-Belagerung zu befassen, stieß ich schnell auf die Arbeit von Dr. Bruce Perry. Er war Chef der Psychiatrie in einem Kinderkrankenhaus in Texas, und nachdem Koresh einundzwanzig Kinder der Gruppe freigelassen hatte (als Gegenleistung für die Sendezeit im Radio, um seine Botschaft zu verbreiten), wurde Perry gebeten, nach Waco zu gehen und die Behandlung der Kinder zu leiten. Er fand Kinder vor, die unter unglaublichem, anhaltendem Stress gelebt hatten. Ihnen war der Umgang mit Waffen beigebracht worden und wie man kämpft. Sie hatten in ständiger Angst vor jedem gelebt, der nicht zu ihrer Sekte gehörtet, und ihre Herzfrequenz war manchmal doppelt so hoch (wie bei gesunden Kindern) als zu erwarten gewesen wäre.
Ich las seinen Artikel Stairway To Heaven: Treating Children in the Crosshairs of Trauma (Die Himmelsleiter: Behandlung von Kindern im Fadenkreuz eines Traumas) und versuchte mir das Leben dieser Kinder vorzustellen, den langen Weg zur Genesung, der vor ihnen lag. Und ich versuchte mir vorzustellen, wie es für ein Kind gewesen wäre - einen Teenager -, das unter diesen schrecklichen Umständen gelebt hatte, bis zum Ende dort war, als die Welt buchstäblich um es herum niederbrannte.

»After the Fire« erzählt von einem DAVOR und einem DANACH. Was passiert davor und was passiert danach?
Ganz einfach, DAVOR erzählt die Geschichte von dem, was vor dem Feuer passiert ist, das das Gelände der Legion des Herrn niedergebrannt hat - dem religiösen Kult im Herzen der Geschichte - und DANACH erzählt, was nach dem Feuer geschah ...

Ohne zu viel zu verraten, folgen die DANACH-Kapitel einem siebzehnjährigen Mädchen namens Moonbeam, während sie und die überlebenden Kinder der Gotteslegionäre in ein sicheres Krankenhaus gebracht werden, und Ärzte und Therapeuten versuchen, ihnen zu helfen. Die Kinder versuchen zu begreifen, was sie gesehen haben und wie sie gezwungen wurden zu leben. Die DAVOR-Kapitel erzählen die Geschichte von Moonbeams Leben auf dem Legionsgelände, wo sie fast ihr ganzes Leben verbracht hat, und wie die Verhältnisse so schlimm wurden bis zum Ende.

Wie würden Sie »After the Fire« charakterisieren: Ist es eine spannende Kriminalgeschichte, ein psychologischer Thriller oder ein Entwicklungsroman?
Ich würde gerne hoffen, dass es ein bisschen von all dem ist! In den DANACH-Kapiteln wird Moonbeam von einem FBI-Agenten zu Verbrechen interviewt, die möglicherweise innerhalb der Sekte stattgefunden haben. In den DAVOR-Kapiteln wird die psychologische Kraft beschrieben, die Pater John ausübt, der - meiner Meinung nach zumindest - schreckliche Anführer der Gotteslegionäre. Und im gesamten Roman geht es darum, wie Moonbeam versucht herauszufinden, wer sie ist und was sie glaubt (oder möglicherweise nicht glaubt).

»After the Fire« wird aus der Perspektive einer jungen Frau erzählt: Welche Herausforderung war es für Sie, aus der Sicht einer komplexen weiblichen Protagonistin zu schreiben?
Als ich darüber nachdachte, wer der Protagonist des Romans sein würde, dachte ich nie wirklich an einen männlichen Teenager. Der Roman ist im Kern eine Geschichte über Manipulation über Macht und Missbrauch und wie der Glaube gegen Menschen gewendet werden kann. Mir war von Anfang an klar, dass die Hauptfigur ein Mädchen sein würde. Religiöse Kulte sind fast immer patriarchalisch - von einem Mann geführt, mit Männern in Autoritätspositionen, während Frauen als minderwertig und untergeordnet angesehen werden - und ich wusste, dass ich einen Protagonisten brauchte mit so wenig Macht wie möglich, wenn ich die Dinge beschreiben wollte, die ich beschreiben wollte. Und in der Welt der Legion Gottes steht ein Mädchen - oder eine junge Frau - ganz unten in der Rangordnung.

In Bezug auf das eigentliche Schreiben über Moonbeam habe ich mich auf die Universalität von Teenagererfahrungen gestützt. Obwohl ihr Leben ganz anders war als das der meisten Menschen, die den Roman lesen werden, wie auch die Umgebung und die Umstände anders sind, ist sie immer noch siebzehn Jahre alt und widersetzt sich Regeln, die ihr von anderen Menschen auferlegt wurden, und versucht herausfinden, was sie denkt und glaubt, und beginnt darüber nachzudenken, wie der Rest ihres Lebens aussehen könnte. Hoffentlich können sich viele Leute darin wiederfinden.

In »After the Fire« geht es um die Wirkweise totalitärer Systeme, um Terror, Angst und Unterwerfung. Woher nimmt Ihre Hauptfigur Moonbeam die Stärke, diese Strukturen zu durchschauen und sich zu widersetzen?
Vieles kommt von ihrer Mutter. In den DAVOR-Kapiteln hat Moonbeam eine komplizierte Beziehung zu ihr, aus Gründen, die erst viel später im Roman ganz klar werden, aber sie sieht, wie ihre Mutter in der Welt überlebt, in der sie beide leben, und wenn ihre Mutter - ohne zu viel zu verraten - nicht mehr da ist, schöpft sie aus ihrer Erinnerung an sie Kraft. 
Ihre zweite Kraftquelle sind ihre Freunde und die Menschen, die sie als ihre Familie ansieht. Es ist leicht vorstellbar, dass jeder, der Mitglied eines religiösen Kultes ist, entweder böse oder dumm ist, aber das ist einfach nicht der Fall. Es gibt überall anständige Menschen, selbst in Situationen, die gefährlich oder bedrückend geworden sind. Moonbeam schöpft Kraft aus dem Anstand, den sie um sich herum sieht. Schließlich kommt eine große Menge ihrer Kraft aus ihrem Inneren, von der Person, die sie ist, und von der Person, die sie sein möchte.

Moonbeam ist eine außergewöhnliche junge Frau. Ist es Ihnen schwergefallen, sie gehen zu lassen?
Ich muss sehr vorsichtig sein, um hier nichts zu verraten, aber als ich zum Ende des Romans kam und erkennen musste, dass ich nicht mehr über sie schreiben würde, dann ja, absolut, es ist mir schwergefallen. Als ich die letzte Fassung von »After The Fire« abgegeben hatte, war Moonbeam eine völlig reale Person geworden - wenn auch eine, die nur in meinem Kopf existierte (und später in der Vorstellung der Leser) - deren Stimme ich genauso gut kannte wie meine eigene.

Ich wurde oft gefragt, ob es jemals eine Fortsetzung geben wird, aber ich wusste, dass die Geschichte, die ich erzählen wollte - Moonbeams Geschichte - beendet war. Mir war klar, dass ich nicht zu ihr zurückkehren würde. Das war ein sehr seltsames Gefühl. Aber sie ist meine Lieblingsfigur von allen, über die ich je geschrieben habe, und ich bin unglaublich stolz auf sie und den Roman. Deshalb werde ich immer dankbar sein, dass sie in meinen Kopf gekommen ist, fast vollständig ausgeformt, mit einer Geschichte, die ich nicht abwarten konnte zu erzählen.

 Aus dem Englischen von Gabriele Leja
 
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