»Vater«, fragte ich, »ist es das wert gewesen? Deine Macht, dieses Rom, das du gerettet hast, das Rom, das von dir erbaut wurde? Ist es all das wert gewesen, was du getan hast?« Mein Vater schaute mich lange an, dann wandte er den Blick ab. »Ich muss daran glauben«, sagte er. »Wir müssen beide daran glauben.«

DAS TAGEBUCH DER JULIA, PANDATERIA (4 N. CHR.)

Ich habe die Welt erobert, und nirgendwo ist man sicher; ich habe den Menschen die Freiheit gezeigt, und sie fliehen sie wie eine Krankheit; ich verachte jene, denen ich trauen kann und liebe die am meisten, die mich am ehesten verraten würden. Und ich weiß nicht, wohin wir gehen, dabei bin ich es, der eine Nation ihrem Schicksal entgegenführt. Solcher Art, mein lieber Neffe, der ich Dich meinen Sohn nenne, sind die Zweifel, die jenen Mann heimsuchen, den sie zu ihrem Kaiser machen wollen.

JULIUS CÄSAR AN GAIUS OCTAVIUS IN APOLLONIA, ROM (44 V. CHR.)

Ich verstand jedoch wohl eher durch Instinkt als Klugheit, dass der, den das Schicksal zur Veränderung der Welt erwählt, sich zuallererst selbst verändern muss. Will er seinem Geschick treu bleiben, muss er in sich eine harte, geheime Seite finden oder schaffen, die gleichgültig gegenüber ihm selbst und anderen bleibt, auch gegenüber der Welt, die er neu, wenn auch nicht gemäß seinem eigenen Verlangen gestalten will, sondern entsprechend ihrer Natur, die sich ihm erst im Prozess des Gestaltens offenbart.

OCTAVIUS CÄSAR AN NIKOLAOS VON DAMASKUS, 14 N. CHR., 9. AUGUST
Während man älter wird und die Welt an Bedeutung verliert, wundert man sich immer häufiger über die Kräfte, die einen durch die Jahre vorantrieben. Die Götter kümmert das armselige Wesen jedenfalls nicht, das sich seinem Schicksal entgegenmüht, und sie reden zu ihm so undeutlich, dass man letztlich selbst den Sinn dessen herausfinden muss, was sie einem mitteilen wollen.

OCTAVIUS CÄSAR AN NIKOLAOS VON DAMASKUS, 14 N. CHR., 9. AUGUST

»Wir haben uns nichts zu vergeben«, sagte er. »Wir hatten eine Ehe, und sie war besser als die meisten.« Darauf sank er in die Kissen, und ich eilte an seine Seite; er atmete noch. Livia strich ihm über die Wangen, blieb noch einen Moment, dann ging sie hinaus.

PHILIPPUS VON ATHEN AN LUCIUS ANNAEUS SENECA, NEAPEL, 55 N. CHR.

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