Wo ich schreibe

Das ist der Raum, in dem ich schreibe.



Vielleicht denken Sie jetzt, dass ich eine schlechte Fotografin bin, dass die Kamera, in talentierteren Händen, den Charme des Raums hätte einfangen können, aber die Wahrheit ist, dass der Raum keinen Charme hat. Genau das ist es, was es mir erlaubt zu schreiben.

Wir nennen diesen Ort mein Verlies. Um ihn zu erreichen, gehe ich die Außentreppe unseres Hauses hinunter, in die Garage. Die Vorbesitzer haben sie ziemlich billig umgebaut und einen Teil davon in einen kleinen Raum verwandelt, von dem unsere Gäste behaupten, man schläft darin ganz besonders gut, weil er keine Fenster hat. Wenn man durch das Gästezimmer geht, in die Eingeweide der Garage, findet man sich in meinem Schreibzimmer wieder.

Im Sommer 2013 habe ich 70 Stunden in der Woche hier verbracht und die Szenen und Seiten zusammengesetzt, aus denen ›Das Leben ist ein merkwürdiger Ort‹ entstanden ist. Der Protagonist lebt in einem ähnlichen Garagenumbau und er denkt oft daran, wie es wäre, wenn das Haus über ihm zusammenstürzen würde während eines Erdbebens. Ich denke auch darüber nach. An den Wänden hängen Fotos einiger meiner ESL-Klassen, ein bisschen Kunst und eine Postkarte, die ich eines Tages, einige Jahre, nachdem mein erstes Buch erschienen war, von einer Frau aus Arizona erhalten habe, die mir schrieb, dass sie seit 60 Jahren viel liest, aber nie zuvor das Bedürfnis hatte, einem Autor zu schreiben. Wenn ich mich unruhig oder uninspiriert fühle, stehe ich auf und lese die Postkarte oder schaue mir die Fotos an.

Das auf der linken Seite scheint ein Fenster zu sein, festlich mit einem langen Streifen Ikat verhangen, aber der Schein trügt. Das »Fenster« geht in die Garage, das Ikat verbirgt die Aussicht auf unsere Mülltonnen. Wenn ich schreibe, bin ich niemand, der eine Aussicht braucht, nicht einmal auf Mülltonnen.

Lori Ostlund

GRÜSSE AUS SAN FRANCISCO



 

CAT EDITORS

Prakah und Oscar

Die Jungs kamen zu uns aus dem Goathouse Refuge, ein Heim für Katzen im Wald bei Chapel Hill, NC, wo wir zwei Jahre lang lebten, während ich an der UNC Creative Writing unterrichtete. Prakash, der weiße Kater mit den pinken Ohren, hält eine höfliche Distanz, wenn ich arbeite. Auf dem Foto sieht man ihn, wie er seiner Aufgabe nachgeht: Überwachen, wie ich schreibe. Er sollte nicht auf dem Tisch sitzen, aber er macht eine gute Figur da in der Ecke platziert, nichtsdestotrotz.



Oscar, der schwarz-weiße Kater, ist sehr viel bestimmender. Er schleicht kreuz und quer über die Tastatur, bis ich ihn hochnehme und knuddle. Dabei besitzt er die beeindruckende Fähigkeit, so auf die Tasten zu treten, dass sich plötzlich eine Funktion meines Computers eröffnet, von der ich bisher keine Ahnung hatte. Sein vielleicht größter Beitrag ereignete sich, als ich den ersten Entwurf meines Manuskripts las, als PDF. Ich wusste nicht, dass ich mir im PDF Notizen machen kann und schrieb stattdessen auf Papier, als Oscar, im Zuge einer Attacke auf meinen Stift, auf die Tastatur sprang, so dass ein PDF-Post-it auf dem Bildschirm aufpoppte … und meine Arbeitszeit halbierte.



Lori Ostlund

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