Portrait des Autors Georg Schweisfurth

Georg Schweisfurth

Georg Schweisfurth wurde 1959 in München geboren und wuchs in Herten, dem Stammsitz der Firma Herta, auf. Er absolvierte wie alle Kinder der Familie eine Lehre und studierte danach BWL und VWL. 1988 war er Mitinitiator der Herrmannsdorfer Landwerkstätten, seit 1996 ist er Geschäftsführer des ökologischen Seminarhotels Sonnenhausen, 1997 war er Mitbegründer der basic AG und im Vorstand bis 2004. Er engagiert sich in verschiedenen Gremien und Institutionen, u. a. in der Schweisfurth-Stiftung, und ist im Aufsichtsrat von Greenpeace Deutschland. Weitere Veröffentlichungen: ›Biofood‹ (2001), ›Der echte Geschmack‹ (2010; zus. mit Kille Enna).

Interview

Erfahrungen eines Öko-Pioniers

Georg Schweisfurth: ›Bewusst anders‹

Georg Schweisfurth wird 1959 als Sohn der »Herta-Familie« geboren. Nachdem die Familie Herta verkauft hat, initiiert er, gemeinsam mit anderen, die Herrmannsdorfer Landwerkstätten und gründet einige Jahre später die Bio-Supermarktkette basic.
Heute leitet Georg Schweisfurth das ökologische Tagungshotel Gut Sonnhausen in der Nähe von München.
In seinem Buch ›Bewusst anders. Erfahrungen eines Ökopioniers‹ berichtet Georg Schweisfurth von seinen Unternehmungen und Projekten aber auch von vielen anderen, die zeigen, was jeder Einzelne für eine gesündere Umwelt tun kann.

1) Von Massentierhaltung bei Herta zu biologischer Landwirtschaft bei den Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Wie kam es zu diesem radikalen Wechsel?

Radikal sah das nur nach außen aus, innen drin war es ein langer Prozess. Die Folgen der Massentierhaltung waren Mitte der 80er-Jahre bereits zu erkennen, als mein Vater aus diesem System ausstieg. Und es ist in der Folge ja noch schlimmer geworden. Er konnte das nicht ertragen, als Fleischverarbeiter mitverantwortlich für diese Entwicklung zu sein.

Der Ökolandbau will dieser Entwicklung begegnen: mehr Tiergerechtigkeit, gesündere Böden und Pflanzen, weniger Antibiotika und Pestizide in den Lebensmitteln, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Bio ist bis heute besser, auch wenn es mal schwarze Schafe gibt und wenn die neue Forderung nach Regionalität durch Bio nicht abgedeckt wird. Sollte auch nie. Was wir noch auf Bio draufgesattelt haben, war das wahre Handwerk, das vom Aussterben bedroht ist. Heute wird auch in Bio viel in industriellen Betrieben hergestellt.

2) Sie sind viel gereist und haben sich vor allem in Asien Inspiration und Ideen für die Entwicklung Ihrer Projekte geholt. Was war für Sie die wichtigste Erfahrung?

In Japan kann man zunächst einmal lernen, wie man elegant und appetitlich mit Lebensmitteln umgeht. Wo der Wert des Lebensmittels sich in der Art der Präsentation und der Zubereitung widerspiegelt. Kein Schnickschnack, wie wir es hier oft machen, sondern pur. Das ist wahnsinnig schwer nach Deutschland zu übertragen.

Das zweite, was für mich eindrücklich war und was ich auch im Buch beschreibe, ist die Bindung der Menschen an ihren Lebensmittellieferanten und das Interesse an den Details des Handwerks und an den Handwerkern. Dort haben die Menschen verstanden, dass es sich beim Lebensmittelhandwerk um ihr eigenes Kulturerbe handelt, das zu schützen ist. Das ist sehr verbreitet und keine Luxusnische oder ähnliches.

3) Die Umstellung auf die biologische Landwirtschaft verlief nicht immer reibungslos, zunächst ließen wirtschaftliche Erfolge auf sich warten. Haben Sie niemals an Ihrem Weg gezweifelt?

Am Ziel einer natürlicheren von Nähe, Vertrauen und Qualität geprägten Lebensmittelwirtschaft haben wir nie gezweifelt, weil wir überzeugt sind, über den Weg wurde natürlich gestritten, das ist normal. Die Dinge sind ja auch sehr komplex: Die Landwirtschaft, die Tierhaltung, die Verarbeitung und die Vertriebsstrukturen mussten neu entwickelt werden, nachdem sie sich Jahrzehnte lang in die falsche Richtung entwickelt hatten. Eine über fünfzig Jahre verfestigte Struktur, in die Unternehmen, Behörden, Universitäten und die Menschen mit ihrer Arbeit unterschiedlichst verwoben sind, lässt sich nicht in 5 Jahren aufbrechen und umwandeln.

4) Die Beteiligung von Lidl an der Bio-Supermarkt-Kette Basic hat herbe Kritik und große Enttäuschung bei den Konsumenten hervorgerufen. Damit geriet auch Ihr Name in die Schlagzeilen. Wie sind Sie damit umgegangen?

Der Lidl-Fall war eine Posse und hat mir harte Jahre beschert. Geld kann sehr machtvoll sein, und gegen kriminelle Energie ist auch kein Kraut gewachsen. Immerhin lässt sich nun sagen, dass der Verbraucher Macht hat und dass es nicht so ganz egal ist, wer Bio macht. Wir hatten eigentlich ursprünglich die Idee einer ganz neuen unabhängigen Biokette, die alles ganz anders machen kann als das Übliche im Supermarktbereich. Dafür stehe ich auch heute noch.

5) Ihr Buch ist ein Rückblick auf Ihre berufliche Laufbahn und Ihre persönliche Entwicklung. Nach Herta, einem Ausflug in die Medienwelt, Herrmannsdorfer, Basic – was kommt als nächstes?

Ich habe natürlich noch mein Projekt in Sonnenhausen, einem ökologischen Veranstaltungs- und Tagungshotel mit eigener Biolandwirtschaft vor den Toren Münchens. Reizen würde mich ein neues Gatronomiekonzept für München, denn da gibt es Lücken. Mein Herz schlägt immer noch für die Kunden und die Vermarktung, obwohl mich in dieser Phase meines Lebens auch verstärkt für die landwirtschaftlichen Zusammenhänge faszinieren.

6) Der Wille nach einer ökologisch richtigen Lebensweise bringt nicht immer den erhofften Erfolg: So fördert bspw. Biosprit die Zerstörung des Regenwalds. Können wir überhaupt ökologisch leben?

Die Politik ist nun mal dem Wesen nach zentralistisch organisiert und dadurch und durch den Druck der Lobbyisten ignorant. So werden riesige Umwege gemacht, bis die richtigen Rahmenbedingungen gefunden sind. Jeder Einzelne kann aber sofort eine Menge für die Ökologie tun, und die Wirkung wird verkannt, wenn alle mitmachen. Es wird ja immer wieder vergessen: dieser Planet könnte auch fünfzehn Milliarden ernähren, wenn wir anständig mit ihm umgehen würden. Ökologisch leben wir dann, wenn unsere Lebensgrundlagen insgesamt erhalten bleiben, während wir leben. Nachhaltig eben.

7) Was kann jeder einzelne für eine gesündere Umwelt tun?

Nicht so viel kaufen, nicht so viel fahren, nicht so viel Fleisch essen, nicht so viel Energie verbrauchen und und und – von allem einfach weniger. Das ist ja keine Hexerei.

Das Interview führte Marianne Bohl, dtv

Alle Bücher von Georg Schweisfurth

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Georg Schweisfurth, Christine Koller

Bewusst anders

Erfahrungen eines Öko-Pioniers

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