Portrait des Autors Sarah N. Harvey

Sarah N. Harvey

Sarah N. Harvey war Buchhändlerin, ist seit 10 Jahren Verlagslektorin und Autorin und hat zahlreiche Bücher für Kinder und Jugendliche geschrieben. Sie lebt in am Meer in Victoria, British Columbia.

Interview

Autorin Sarah N. Harvey im Gespräch über ihren Roman

Sarah N. Harvey: ›Arthur oder Wie ich lernte den T-Bird zu fahren‹

Sarah N. Harvey hat einen Jugendroman über die recht ungewöhnliche Freundschaft zwischen einem 17-Jährigen und seinem kratzbürstigen Großvater geschrieben. Herausgekommen ist eine ergreifende und vor allem enorm amüsante Geschichte, bei der einem auch als nicht mehr jugendlichem Leser alle zwei Seiten unweigerlich das Lachen auskommt.

Im Interview verrät Sarah N. Harvey, wie es zu ihrem Roman kam, was ihr Lesen und Schreiben bedeuten und warum sie Teenager toll findet, auch wenn sie meistens nur essen und Lärm machen.

Arthur oder Wie ich lernte, den T-Bird zu fahren‹ handelt von Royce, einem Jungen, der sich um seinen alten Großvater kümmert, um sein Taschengeld ein bisschen aufzubessern. Leider ist Arthur ein ziemliches Ekel und macht ihm das Leben schwer. Wie sind Sie auf die Geschichte gekommen?

Ich habe mich um meinen eigenen Vater gekümmert, als er alt war. Er war Arthur sehr ähnlich – brillant, aber oft miserabel gelaunt. Ich hatte die Idee für das Buch, als ich mir vorgestellt habe, wie es wohl für einen Teenager wäre, sich um einen alten Menschen zu kümmern.

In ›Arthur‹ spielt ein Auto eine wichtige Rolle in der Beziehung zwischen Royce und seinem Großvater. Haben Sie eine Vorliebe für Oldtimer? Sind Sie schon mal einen T-Bird gefahren?

Mein Vater hatte einen schwarzen 1956er T-Bird, aber niemand außer ihm selbst durfte ihn fahren – nicht einmal meine Mutter!

In Ihrem Roman lernt man eine Menge über Familien. Zum Beispiel darüber, dass die Enkelgeneration unter Umständen einen besseren Draht zum Opa hat, als die Kinder es haben können. Welchen Vorteil hat Royce?

Ich denke, Royce kommt als unbeschriebenes Blatt in die Beziehung. Er kennt Arthur nicht wirklich, und umgekehrt. Die beiden müssen also eine neue Beziehung aufbauen, die nicht auf der Vergangenheit gründet, sondern auf ihrem alltäglichen Zusammentreffen.

Sie sind Verlagslektorin. Wie sind Sie dazu gekommen, selbst zu schreiben? Was bedeuten Ihnen Schreiben und Lesen?

Ich habe in den späten 1980er-Jahren mit dem Schreiben begonnen, als ich noch als Buchhändlerin gearbeitet habe. Zehn Jahre lang habe ich hauptsächlich Kritiken geschrieben. Dann traf ich die Autorin Carol Shields, die mich dazu ermutigte, Kinderbücher zu schreiben. Lektorin wurde ich 2005. Lesen war schon immer ein unheimlich wichtiger Bestandteil in meinem Leben – und Schreiben schien mir die natürliche Erweiterung meiner Leidenschaft für das geschriebene Wort zu sein.

Wie schreiben Sie und wie lange sitzen Sie an einem Roman?

Ich schreibe zu Hause, an einem iMac mit einem wunderbar großen Bildschirm. Keine Musik – das würde mich zu sehr ablenken. Ich schreibe an den Wochenenden und abends – aber nicht im Sommer, da bin ich lieber draußen. Normalerweise dauert es ungefähr ein Jahr, bis ein Buch geschrieben und redigiert ist – das Lektorat ist mir sehr wichtig.

Wissen Sie am Anfang schon, wie es ausgehen wird?

Manchmal glaube ich, dass ich weiß, wie eine Geschichte enden wird, aber in der Regel liege ich falsch damit. Es macht viel mehr Spaß, mich von den Figuren und ihrer Entwicklung leiten zu lassen.

Wieso schreiben Sie für Jugendliche?

Ich mag Teenager. Sie sind kompliziert, interessant, nervtötend und witzig. Sie denken, Sie wissen über alles Bescheid, gerade wenn es offensichtlich ist, dass sie einfach versuchen, die Welt zu kapieren. Als meine Kinder Teenager waren, hatte ich sie und ihre Freunde gerne im Haus, auch wenn sie nur Lärm gemacht und Unmengen gegessen haben. Es hat mich daran erinnert, dass große Veränderungen aus dem Chaos entspringen. Ich denke, wir alle erinnern uns an unsere Jugendtage mit einer Mischung aus Horror und Humor – es ist eine so intensive Zeit, alles wird so tief gefühlt und so kompromisslos ausgedrückt. Ein Traum für jeden Schriftsteller.

Ich habe bei Ihrem Buch erst Tränen gelacht und dann Tränen geweint. Es ist beeindruckend, mit wie viel Witz und Leichtigkeit Sie ein so schwieriges Thema behandeln, ohne ihm den Ernst zu nehmen. Wie meistern Sie diesen Spagat?

Tja, ich denke, das ist die Art, wie ich auf das Leben blicke: Wenn du nicht über das Absurde lachst, wirst du davon überrollt. Es war schwierig, sich um meinen Vater zu kümmern, aber eben auch ziemlich lustig … in der Retrospektive. Einige meiner Charaktere blicken genauso aufs Leben.
›Arthur‹ ist, auf eine Art, ein Tribut an meinen Vater: Er war kein glücklicher Mann und ich wollte ihm ein »alternatives Ende« schenken, bei dem er eine echte, liebevolle Verbindung zu einem anderen Menschen aufbaut.

Interview und Übersetzung: Veronika Pfleger / dtv Online-Redaktion

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»Er ist unmöglich. Er treibt mich noch in den Wahnsinn...« Arthur ist nicht nur uralt, sondern auch ein ausgemachtes Biest, ein kantiger alter Kauz. Und ausgerechnet um ihn soll Royce sich jetzt kümmern ...

Erhältlich als: E-Book, Taschenbuch
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