Portrait des Autors Rolf Lappert

Rolf Lappert

Rolf Lappert, geboren 1958 in Zürich, absolvierte eine Ausbildung zum Grafiker, bevor er sich entschloss, Schriftsteller zu werden. In den Achtzigerjahren unterbrach er für längere Zeit das Schreiben, gründete mit einem Freund einen Jazzclub und reiste kreuz und quer durch Amerika. Zwischen 1996 und 2004 arbeitete er als Drehbuchautor, u.a. für eine Serie im Schweizer Fernsehen. Sein dritter Roman, ›Nach Hause schwimmen‹, wurde 2008 mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet. Für sein Jugendbuch ›Pampa Blues‹ erhielt er 2012 den Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis. Rolf Lappert lebt seit Ende 2011 nach vielen Jahren im Ausland wieder in der Schweiz.

Preise und Auszeichnungen

Schweizer Buchpreis
2008

Interview

Rolf Lappert: Pampa Blues

Am Freitag, den 2. Oktober 2015 um 20:15 Uhr wird der Film ›Pampa Blues‹, der auf dem gleichnamigen Roman von Rolf Lappert basiert, im Ersten ausgestrahlt. Zu diesem Anlass haben wir dem Autor ein paar Fragen über sein Buch und den Film gestellt.

Der 16-jährige Protagonist Ben kümmert sich um seinen dementen Großvater Karl, aber eigentlich möchte er lieber in die große weite Welt hinaus und das Kaff, in dem er lebt, hinter sich lassen. Allerdings kommt es für ihn nicht infrage, seinen Großvater im Stich zu lassen. Wie würden Sie die Beziehung zwischen Ben und Karl in zwei Sätzen beschreiben?


Eigentlich liebt Ben seinen Großvater. Aber weil Karl der Grund dafür ist, dass Ben im verschlafenen Nest Wingroden festsitzt, wird aus dieser Liebe oft ein Gefühl der Frustration, des Eingesperrtseins und des Überdrusses.

Um im Dorf den Tourismus anzukurbeln, wird in Ihrem Roman die Nachricht von einem UFO verbreitet. Das ist eine sehr originelle und witzige Idee. Welche Art von Humor lieben Sie?


Eigentlich mag ich jeden Humor, wenn er mich zum Lachen bringt. Das kann sowohl ein geistreicher Witz als auch eine platte Zote sein, ein Sketch von Emil ebenso wie ein Film von Woody Allen. Mein Humorempfinden ist oft auch stimmungsabhängig: An manchen Tagen reicht ein doofer Scherz, um mich zum Lachen zu bringen, an manchen ist dazu schon ein Film der Coen-Brüder nötig.

Sie sind ein großer Jazz-Liebhaber. Inwieweit hat die Musik Ihr Schreiben, insbesondere ›Pampa Blues‹, beeinflusst?


Jazz lebt von der Improvisation, vom Unerwarteten, von leisen ebenso wie von lauten, wilden Tönen. Jazz ist musikalische Poesie, ist Atmosphäre, Stimmung, eine aufregende Reise durch fremde Welten. Im besten Fall können die Arbeit an einem Buch und das fertige Resultat genau das auch sein.

›Pampa Blues‹ erzählt eine Geschichte über das Erwachsenwerden und die erste Liebe. Wie nah ist Ihnen dieses Thema noch?


Ginge ich davon aus, dass ich mit 6 Jahren zum ersten Mal in ein Mädchen verliebt war, läge das jetzt 50 Jahre zurück. Ans Verliebtsein mit 16 erinnere ich mich nur noch vage, da muss man als Autor auch ein wenig seine Phantasie walten lassen.

Lena landet in „Pampa Blues“ mit einem klapprigen Peugeot im Dorf. Was war Ihr erstes Auto?


Ebenfalls ein Peugeot, aber ein knallgelber. Auch mein zweites Auto war ein Peugeot, ein knallroter. Bei Gebrauchtwagen kann man sich die Lackierung nicht aussuchen.

Ursprünglich war ›Pampa Blues‹ ein Drehbuch für einen Kinofilm. Dann wurde ein Roman daraus. Wie kam das?


Ich habe mich vor bald 20 Jahren mit einer Idee für einen Kinofilm bei der vom Filmboard Berlin Brandenburg initiierten Drehbuchförderung „step by step“ beworben und wurde, zusammen mit ca. 20 anderen Autorinnen und Autoren, angenommen. Innerhalb eines Jahres hatte ich, mit der Hilfe professioneller Dramaturginnen und Dramaturgen, das Ziel des Kurses erreicht und hielt ein fertiges Drehbuch für einen Kinofilm in den Händen. Noch während des Kurses bekundete eine Berliner Produktionsfirma Interesse an meinem Stoff, der damals noch den Titel ›Landeinwärts – Abhauen ist nicht‹ trug. Es wurde ein Regisseur gefunden, Kai Wessel, und das Schauspielerensemble zusammengestellt. Die Rolle des Ben Schilling hätte der damals noch sehr junge und relativ unbekannte Schauspieler Matthias Schweighöfer verkörpert. Für die Rolle des Großvaters war Martin Benrath verpflichtet worden, der wenige Monate vor Drehbeginn völlig unerwartet verstarb. Dieses tragische Ereignis führte dazu, dass das Projekt gestoppt werden musste und auf Eis gelegt wurde. Dann kam eins zum andern – und irgendwann lag das Drehbuch in meiner Schublade mit dem Vermerk „Auf unbestimmte Zeit verschoben“. Weil mir die Figuren und die Geschichte so am Herzen lagen, holte ich das Drehbuch 2010 aus der Versenkung und machte daraus den Roman ›Pampa Blues‹. Als er fertig war, schickte ich ihn an die Produzentin von damals, die inzwischen bei Bavaria arbeitet – und sie mochte die leicht veränderte Geschichte sehr, setzte sich dafür ein und fand mit dem SWR einen Sender, der ebenfalls begeistert war von den schrägen Figuren und skurrilen Ereignissen. Ich habe dann das Drehbuch geschrieben, und als der Regisseur dazukam, war die Freude bei mir groß, denn es war … genau: Kai Wessel, der bereits damals die Regie beim Kinofilm übernommen hätte. So schloss sich der Kreis vom Drehbuch zum Roman zum Drehbuch zum Film!

Wie gefällt Ihnen die Verfilmung? Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?


Obwohl es „nur“ ein Fernsehfilm und kein Kinofilm geworden ist, die Geschichte also in 90 statt 120 Minuten erzählt wird, bin ich mit dem Resultat mehr als zufrieden. Der Regisseur, der Kamermann, der Requisiteur, alle Schauspielerinnen und Schauspieler und das ganze Team haben einen großartigen Job gemacht und die Welt, wie ich sie beim Schreiben vor mir sah, in wunderbare Bilder verwandelt und dem Buch mit ihrem Können Leben eingehaucht. Der Film lief beim Münchner Filmfest auf der großen Kinoleinwand, und ich habe mich über jede Kleinigkeit, jedes noch so winzige Detail wahnsinnig gefreut. Es war für 90 Minuten so, als würde das von mir erfundene Wingroden, das im Film Endlingen heißt, zu einem realen Ort werden. Ich freue mich schon sehr auf die DVD!

Waren Sie bei den Dreharbeiten dabei und wie war das für Sie?


Ich war beim allerersten Tag dabei, als die Szene gedreht wurde, in der Ben seinen Großvater im Altersheim abliefert. Am Abend vor der ersten Klappe lernte ich das gesamte Team und die Darsteller von Karl und Ben kennen, alles wundervolle, engagierte und hochbegabte Menschen, denen ich „mein“ Drehbuch gerne und ohne Bedenken in die Hände legte.

Sie sind gelernter Graphiker. Wie kam es dazu, dass Sie mit dem Schreiben angefangen haben?


Diese Frage beantworte ich immer so: Zum Schreiben kam ich durch das Lesen. Ich wollte nach der abgeschlossenen Ausbildung zum Graphiker eigentlich Kunstmaler werden, malte auch tatsächlich eine Weile, hatte kleine Ausstellungen, mischte irgendwann Malerei und Literatur und konzentrierte mich nach einer Weile ganz aufs Schreiben.

Bisher haben Sie mehrere Romane, zwei Lyrikbände und als einziges Jugendbuch ›Pampa Blues‹ veröffentlicht. Was hat sie dazu bewegt, einen Jugendroman zu schreiben und wird es noch weitere geben?


›Pampa Blues‹ ist stilistisch ganz anders als meine Romane für Erwachsene, und ich konnte den Verlag glücklicherweise davon überzeugen konnte, es als Jugendbuch zu veröffentlichen. Dass es ein Jugendbuch ist, war für mich nach der Entscheidung klar, den 16-jährigen Ben als Ich-Erzähler agieren zu lassen. Das Drehbuch ›Landeinwärts – Abhauen ist nicht‹ hatte ich ja bereits, und auch da war der Held der Geschichte der Jugendliche Ben Schilling; die Entscheidung, ein Jugendbuch zu schreiben, fiel mir deswegen sehr leicht. Ich würde gerne weitere Bücher für junge Leserinnen und Leser schreiben, Ideen sind vorhanden. Ich werde auch oft gefragt, ob es eine Fortsetzung von ›Pampa Blues‹ geben könnte. Da antworte ich dann immer: Wer weiß, ausgeschlossen ist es nicht.

Das Interview führte Christina Schindler

Alle Bücher von Rolf Lappert

6 Titel
Ansicht
Rolf Lappert

Über den Winter

Roman

Die Familie – ein fragiles, und doch unverwüstliches Gebilde.
Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 11,90 €

Rolf Lappert

Auf den Inseln des letzten Lichts

Roman

Ein Geschwisterpaar, das das Glück sucht und das Grauen findet.

Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 14,90 €

Rolf Lappert

Der Himmel der perfekten Poeten

Roman

»Lappert hat das Zeug zum Kultautor.« Wiener Zeitung

Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 9,90 €

Rolf Lappert

Nach Hause schwimmen

Roman

Schweizer Buchpreis 2008 und Shortlist des Deutschen Buchpreises 2008!

Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 13,90 €

Rolf Lappert

Die Gesänge der Verlierer

Roman

Mitreißend und mit trockenem Humor erzählt Rolf Lappert von gescheiterten Aufbrüchen und der beharrlichen Überlebenskraft einiger Helden, die keine sind.

Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 10,90 €

Rolf Lappert

Pampa Blues

Rolf Lappert beschwört eine Schicksalsgemeinschaft aus schrägen Figuren, die ihr Leben in die Hand nehmen. - Der erste Jugendroman des Bestsellerautors Rolf Lappert.

Erhältlich als: Taschenbuch
Taschenbuch
x 8,95 €

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