Klug beobachtend und mit liebevollem Blick erzählt Ute Mank von alten Eltern, entfremdeten Schwestern und von einem Haus, das so viel mehr ist als vier Wände und ein Dach.
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Elternhaus
Ein Thema, das uns alle angeht: Was passiert, wenn unsere Eltern alt werden?
Sanne, die nur ein paar Straßen von ihren Eltern entfernt lebt, bekommt deren Alltag hautnah mit. Immer häufiger muss sie helfen, den Eltern wächst das Haus über den Kopf. Und so beschließt sie, dass die beiden umziehen müssen. Doch sie fällt diese Entscheidung allein, immerhin ist sie die Älteste.
So viel mehr als vier Wände und ein Dach: das Elternhaus.
Als ihre Schwester Petra von den Plänen erfährt, ist sie entsetzt. Wie kann Sanne die Eltern entwurzeln? Wie kann sie alles zerstören, was Sinnbild ihrer gemeinsamen Kindheit ist? Diese Pläne reißen Petra den Boden unter den Füßen weg.
Eine emotionale Reise in die Vergangenheit und ein liebevoller Blick auf die oft schwierige Familie.
Das angespannte Schwesternverhältnis wird auf eine existentielle Probe gestellt. Und auch die Kleinste, Gitti, gerät zwischen die Fronten. Die Geschwister müssen sich die Frage stellen, wann sie sich so unglaublich fremd geworden sind? Und wie es sich anfühlt, plötzlich kein Elternhaus mehr zu haben? Doch sind Wände, Fenster und Türen wirklich so wichtig?
Eine Familiengeschichte, die unter die Haut geht. Klug beobachtend und mit liebevollem Blick erzählt Ute Mank von alten Eltern, entfremdeten Schwestern und von einem Haus, das so viel mehr ist als vier Wände und ein Dach.
»Wo Nostalgie aufhört, fängt Ute Manks Erzählkunst an, so nah, so traurig-schön, dass man sich gern darin verliert.« Sandra Lüpkes
Bibliografische Daten
1. Auflage
Ute Mank
Ute Mank wurde in Marburg geboren. Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Töchtern, lernte einen Gesundheitsberuf, studierte Erziehungswissenschaften und promovierte später nebenberuflich. Ihr erster Roman ›Wildtriebe‹ erschien 2021 und war für den Klaus-Michael-Kühne-Preis nominiert. Sie lebt mit ihrer Familie in Hessen.
5 - 10 von 105 Leserstimme
Kompliziertes Geschwisterverhältnis und der endgültige Abschied von der Kindheit
Sanne ist die älteste von drei Schwestern. Als einzige ist sie in ihrem Geburtsort geblieben, hat dort geheiratet, ein Haus gebaut und zwei inzwischen erwachsene Kinder großgezogen. Sie kümmert sich um die Eltern, die in einem kleinen, aber selbstgebauten Haus in der Nähe wohnen. Und sie ist es auch, die sich um eine altersgerechte Wohnung und den Umzug der Eltern kümmert. Petra ist die mittlere, weit entfernt alleinlebende Schwester, die nur sporadisch zu Besuch bei den Eltern ist. Sie hat als einzige studiert, der Beruf ist ihr Lebensmittelpunkt, seit Jahren hat sie eine Beziehung mit einem verheirateten Mann. Und dann ist da noch Gitti, die Jüngste. Momentan hat sie einen Blumenladen und ist damit absolut zufrieden. Sie lebt seit Jahren mit ihrem Freund und ihrem Sohn in einem bescheidenen Haus, dem Elternhaus nicht unähnlich. In Ute Manks Roman Elternhaus geht es zwar auch um die Sorge um die altgewordenen Eltern, die Umkehr der Rollen, wenn Kinder Entscheidungen für die Eltern treffen müssen. In erster Linie geht es aber um die Bedeutung des Elternhauses für die Kinder, unabhängig von deren Alter und die Rollenzuweisung innerhalb der Familie, die nur schwer abzustreifen ist. Im Mittelpunkt steht dabei über weite Strecken Sanne, die Entscheidungen ohne Absprache trifft, wenig Zweifel an deren Richtigkeit zulässt. Sie handelt, packt zu, organisiert. Das entspricht ihrer Rolle und ihrem Selbstverständnis. Aber diese Fassade bröckelt, da ihr Verhalten zu Konflikten führt und immer mehr Bestandteile ihrer bisherigen Rolle wegfallen. Petra hingegen weiß lange Zeit gar nichts vom Umzug der Eltern, da sie ein sehr distanziertes Verhältnis zu ihrer Familie hat. Sie ist die Außenseiterin, die gelegentlich zu Besuch kommt, fast wie eine Fremde. Über ihr recht einsames Privatleben weiß die Familie nichts. Niemand wäre auf die Idee gekommen, wie wichtig ihr ihr Elternhaus tatsächlich ist. Und auch Petra befindet sich in einer Zeit des Umbruchs, der vielleicht nicht nur zufällig mit dem Verlust des Elternhauses zusammenfällt.Gitti fällt aus dieser Dreier-Konstellation ein bisschen raus, ist aber trotzdem wichtig. Und auch sie wehrt sich gegen die nur von ihr wahrgenommene zugewiesene Rolle.Für mich hat sich im Laufe des Romans nicht nur die Rolle der Personen geändert, sondern auch meine Einstellung ihnen gegenüber. Sanne war mir zu Beginn eher unsympathisch, dann habe ich Mitleid empfunden. Besonders gut gelungen fand ich auch die abweichenden Erinnerungen und Einordnungen an Begebenheiten als Stilmittel. Während die eine etwas als unproblematisch beschreibt, erinnert die andere sich an einen stillen Kampf. Das Ende empfand ich in jeder Hinsicht als versöhnlich, auch wenn es kein klassisches Happy End ist. Ein positiv gestimmter Blick nach vorne.Empfehlenswert ist dieser Roman für Menschen, die gerne Familiengeschichten mit ernsterem Hintergrund lesen. Am meisten können vermutlich Frauen damit anfangen, die mit Geschwistern aufgewachsen sind und deren Verhältnis zueinander nicht immer einfach war. Und natürlich auch Menschen, bei denen das Kümmern um die alten Eltern eine Rolle spielt. Vielleicht aber nicht gerade dann, wenn das Problem aktuell ist.
Loslassen, Veränderungen und neue Bindungen
Die drei, schon längst erwachsenen, Schwestern Sanne, Petra und Gitti haben schöne Erinnerungen an ihr Elternhaus. Ein kleines Häuschen in einem Bauerngarten, Obst und Gemüse wurde dort angepflanzt, geerntet und in Gläsern eingekocht im Keller gelagert. Wenn sie ihre Eltern besuchten, saßen sie an einem alten Küchentisch, sorgsam gehegt und gepflegt, damit auch alles lange hält. Die Eltern haben immer schwer gearbeitet, als Putzfrau und als Handwerker und auch das Haus wurde mit eigenen Händen errichtet. Nun sind die Eltern alt geworden, die Treppen, das enge Bad, der Garten nicht mehr das Richtige für sie. Das hat die Älteste, Sanne, beschlossen, den Eltern eine altersgerechte Wohnung besorgt. Die Versorgung blieb an ihr hängen, die neben dem eigenen Haus mit ihren Mann Uwe und den flügge werdenden Kindern genug zu tun hatte. In diesem Roman geht es um das Loslassen, um Veränderungen und neue Bindungen im Leben. Die unstete Petra, die alle paar Jahre etwas Neues um sich braucht, Sanne, die mit den Veränderungen nicht klar kommt, den alten Eltern, die nicht nur ihr Haus sondern vor allem ihr Umfeld vermissen und sich einsam fühlen. Aus vielerlei Hinsicht ein interessanter Roman der aus Sicht der jeweiligen Protagonisten erzählt wird.
Elternhaus zu verkaufen?
„Wildtriebe“ von Ulrike Mank habe ich sehr gerne gelesen und mich auf weitere Lektüre von der Autorin gefreut. Mit „Elternhaus“ hat sie einen weiteren tollen Familienroman geschrieben, den ich verschlungen habe.Was macht man, wenn die Eltern alt werden? Sanne hat zwei jüngere Schwestern und wohnt in der Nähe ihrer betagten Eltern. Ohne sich mit den Schwestern abzustimmen sucht sie für die Eltern eine neue, barrierefreie Bleibe. Was soll jetzt mit dem „schmalen Haus“, dem Elternhaus, geschehen? Sanne hat es dem Nachbarn, einem Makler, angeboten und ihren Schwestern nichts davon gesagt. Auch die Eltern wurden nicht gefragt, sie haben schmallippig genickt. Hauptsächlich wird die Geschichte von Sanne und Petra erzählt, die ein absolut unterschiedliches Leben führen. Obwohl die Schwestern sich nicht einig sind kann man jede der drei Frauen gut verstehen. Ich habe zwei jüngere Brüder, oft habe ich Parallelen gesehen. Den mitreißenden Roman über Verlust und Familie kann ich wärmstens empfehlen.
Empathische Auseinandersetzung mit einem universalen Thema
Ute Manks zweiter Roman spricht ein Thema an, das uns alle früher oder später, mehr oder weniger beschäftigen wird: Was tun, wenn die Eltern alt werden? Den Balanceakt zwischen Verantwortung und Bevormundung, der dann entstehen kann, beschreibt ihr Roman.Mank behandelt das Thema anhand einer traditionellen Familie. Die Mutter war für´s Haus zuständig – und das auch bei anderen Leuten, denn sie hat für die Familie ein Zubrot durch Putzen für die „besseren Leute“ verdient. Der Vater arbeitete auf dem Bau – und das auch privat, denn er hat quasi mit eigenen Händen das „Elternhaus“ gebaut. Ein schmales, bescheidenes Häuschen, das nun durch seine gute Lage beträchtlichen Wert bekommen hat. Der aber ist den Eltern egal – für sie ist es schlicht zu Hause am schönsten. Aber dann entstehen bei den Eltern Situationen, die ihre allmählich steigende Alltagsüberforderung zeigen. Auch für Sanne, die älteste Tochter, ist der Geldwert des Hauses nachrangig – sie will nur das Beste für alle Beteiligten, und sie möchte sich von der Fürsorgepflicht für ihre Eltern, die hauptsächlich ihr, der Macherin der Familie, zugefallen ist, ein wenig entlasten. Ihre einsame Entscheidung, die Eltern in eine altersgerechte Wohnung zu verpflanzen und das Elternhaus zu verkaufen, verändert das bisher so stabile Familiengefüge. Wie Mank die vielfachen Erschütterungen beschreibt, die diese Entscheidung auslöst, die Familienrollen, die plötzlich nicht mehr passen, die Lebenskonzepte, die ins Wanken geraten, und die Neuverortungen, die bei allen drei Töchtern und in deren Beziehungen nach und nach stattfinden, das gefiel mir sehr gut. Mank verarbeitet das in einer absichtsvoll einfachen Sprache, mit kurzen Sätzen, die manchmal eigentlich ein Nebensatz sind. Das passt zu dieser einfachen Familie aus dem Arbeitermilieu. Ich mochte auch ihre Figuren, die ihr sehr glaubwürdig gelungen sind – die praktische Sanne, die den Lebensweg der Eltern wiederholt, die Zweitälteste Petra, die als einzige den Bildungsaufstieg geschafft hat und in einer fernen Großstadt lebt und die unbekümmerte Jüngste Gitti. Es gelingt Mank, Verständnis für alle Beteiligten zu erzeugen, ohne zu polarisieren oder in Schwarzweiß-Malerei zu verfallen. Sowohl die Verlorenheit der Eltern in der neuen Wohnung wie auch Sannes Konflikte konnte ich nachfühlen. Mit Petra in ihrer Unschlüssigkeit habe ich manchmal die Geduld verloren, so eindeutig schien mir die Richtung zu sein, die sie einschlagen sollte.Am Ende jedenfalls steht niemand dort, wo er am Anfang gestanden hat; alle haben ihre Position korrigiert – teils freiwillig, teils gezwungenermaßen. Das emotionale Thema der Fürsorge-Umkehr bebildert Mank empathisch und überzeugend. Manchmal waren mir die Lebensbetrachtungen ihrer Figuren vielleicht eine Spur zu banal. Aber dennoch finde ich Manks Roman unbedingt lesenswert für alle, die sich mit diesem universalen menschlichen Thema auseinandersetzen möchten.
Was passiert, wenn die Eltern alt werden?
Sanne hat entschieden. Wie sie immer alles entscheidet. Sie ist als Älteste auch die Pragmatische unter den drei Schwestern, die im Mittelpunkt dieses Romans stehen. Sanne lebt nur ein paar Straßen von den Eltern entfernt, denen der Alltag im eigenen Haus mit großem Garten über den Kopf gewachsen ist. Nun wird umgezogen in eine kleine Wohnung mit Aufzug. Doch schon das Ausräumen des Hauses gestaltet sich emotional, weckt zahlreiche Erinnerungen.Gitti wohnt zwar im Umkreis, hat die Verantwortung für die Eltern aber komplett Sanne überlassen. Petra, die Jüngste, hat sich nicht nur räumlich von Eltern und Schwestern entfernt. Sie ist die Studierte, die Nomadin, die in der großen Stadt lebt. Ute Mank wechselt die Perspektiven. Wir lernen jede Schwester in ihrem Umfeld kennen. Alle haben sich für unterschiedliche Lebensentwürfe entschieden. Gerne folgt man ihren Gedanken und Reflexionen, die jeweils Teile ihrer Vita oder Erinnerungen aus dem Zusammenleben im Elternhaus betreffen. Die Eltern stammen aus einfachen Verhältnissen. Mit viel Eigenleistung und Herzblut haben sie ihr „schmales Haus“ in einer Arbeitersiedlung gebaut. Urlaub war nicht drin, die Mutter war nie berufstätig, trug aber mit verschiedenen Putzstellen zum Lebensunterhalt bei. Eine typische Nachkriegsbiografie eben. Als Leserin berührt das eigentümlich, spiegeln sich doch die Werte der eigenen Eltern mindestens partiell in diesen Schilderungen wider.Die Autorin spannt den Bogen aber weiter, indem sie uns hinter die Fassaden der drei Schwestern schauen lässt. Sanne wird von allen bewundert, weil sie mit Haus, Mann und zwei mittlerweile flügge gewordenen Kindern genau das erreicht hat, was sie sich immer wünschte. Aber reicht das für ein glückliches Leben? Die Anzeichen mehren sich, das sich doch ein Haufen Alltagsgewohnheit in ihre Ehe eingeschlichen hat. Gitti ist ohne Kinder geblieben. Petra hat noch nicht mal einen festen Partner - denken zumindest alle… Jeder Lebensentwurf hat auch seine Schattenseiten, was deutlich herausgearbeitet wird.Innerhalb der Familie hat jede Schwester ihre Rolle zugeordnet bekommen. Sanne ist die, „die plant, organisiert und entscheidet.“ Auch wenn sie sich mit der Sorge um die Eltern allein gelassen und überfordert fühlt, nimmt sie die Zuschreibung an. Doch es zeigt sich, dass sie mit ihrer neuesten Entscheidung über das Ziel hinausgeschossen hat, was ihre beiden Schwestern aktiv werden lässt.Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die Perspektivwechsel gestalten sich interessant und kurzweilig. Jeder Leser dieser Generation, die sich um betagte Eltern kümmern muss, wird sich in gewisser Weise in den verschiedenen Lebensgeschichten wiederfinden. Jedes Elternhaus ist emotional aufgeladen. Es zu räumen, die Eltern zu entwurzeln, ist keine leichte Angelegenheit. Der Roman bringt aber auch ins Nachdenken darüber, was ein glückliches Leben ausmacht, wie man seine in die Jahre gekommene Partnerschaft lebendig hält und wie schwer es ist, in mittleren Jahren noch einmal neu anzufangen oder Bindungen einzugehen. Ute Mank versteht es, die verschiedenen Handlungsstränge völlig kitschfrei ineinanderlaufen zu lassen. Sie bleibt dabei weitgehend realistisch, auch wenn manche Wendung der Dramatik geschuldet sein dürfte. Die Figuren dürfen sich entwickeln. Allerdings bleiben die Eltern ziemlich blass und willenlos, was in ähnlicher Situation wohl die wenigsten wären, wenn es um die eigenen vier Wände geht. Distanz und Wortlosigkeit ziehen sich durch die gesamte Familie. Man spricht schon mal über- aber nicht miteinander. Vielleicht haben die Schwestern das von ihren Eltern übernommen, dadurch würde sich manches erklären.Das Ende gestaltet Ute Mank gekonnt. Der Denkapparat bleibt auch nach dem Zuklappen des Buches angeschaltet. Leseempfehlung!
Wenn das Leben aus den Fugen gerät
Sanne ist die älteste von drei Schwestern. Sie war immer eine Macherin. Voller Tatendrang hat sie ihr Leben in Angriff genommen und ist immer den geraden Weg gegangen. Erst heiraten, dann Hausbau und Kinder. Immer im Heimatort.Petra ist ein typisches mittleres Kind. Zuhause unverstanden und immer irgendwie übersehen hat sie das Dorf früh gegen die Stadt eingetauscht. Sie lebt ein aufregendes Leben. Gutes Einkommen, tolle Wohnung, keine festen Bindungen. Und Gitti ist das Küken. Sie durfte immer ein bisschen mehr als die beiden Großen. Die Eltern waren nicht mehr so streng und Gitti ist zwar bodenständig, aber auch ein bisschen flatterhaft. Als die Mutter erkrankt, kümmert sich Sanne aufopferungsvoll um die Eltern und merkt, dass sie schön langsam immer mehr Hilfe brauchen. Haus und Garten beginnen ihnen über den Kopf zu wachsen und so beschließt Sanne eine altersgerechte Wohnung für die Eltern zu suchen. Leider vergisst sie dabei, dass sie nicht das einzige Kind ist. Beide Schwestern stehen vor vollendeten Tatsachen und müssen sich mit dem Verlust des Elternhauses auseinandersetzen. Sanne fühlt sich maßlos überfordert mit der Verantwortung und kommt schlecht mit dem Auszug der Kinder zurecht. Außerdem läuft die Ehe nicht mehr richtig rund. Sie kommuniziert nicht. Weder mit den Schwestern, noch mit ihrem Mann. Die Geschwisterkonstellation fand ich sehr gut dargestellt. Ich bin selbst mit zwei Schwestern aufgewachsen und kann mich hier gut identifizieren. Auch die Problematik mit den alternden Eltern und dem Elternhaus, das viel Arbeit bedeutet ist mir bestens bekannt. Spannend fand ich auch, dass sie alle im Elternhaus in ihre angestammten Rollen zurückfallen. Nur die Wortlosigkeit zwischen den Geschwistern kam mir etwas überzeichnet vor und passt eher zur Elterngeneration. Die Kriegsgeneration hat häufig nicht viel über Befindlichkeiten gesprochen. Vielleicht ist es realistisch, dass das so weitergetragen wird. Mich hat es bei der Lektüre manchmal richtig geärgert und Sanne hätte sich einigen Ärger ersparen können. Trotzdem gibt es interessante Entwicklungen bei den Eltern und den Schwestern und auch wenn am Ende nicht alles geklärt ist, ist doch ein Weg nach dem Umbruch erkennbar. Rollenmuster wurden aufgebrochen und neue Wege werden plötzlich gangbar. Das Ende mit diesen Wendungen hat mich schließlich wieder versöhnt mit der Geschichte. Deshalb vergebe ich 4 Sterne.
Authentisch
Sanne ist eine Macherin: Neben einem Vollzeitjob und Familie mit zwei inzwischen erwachsenen Kindern, die flüggeg werden, kümmert sie sich auopferungsvoll um ihre Eltern. Da diesen das einst selbst gebaute Haus mit großem Garten mehr und mehr über den Kopf wächst, beschließt Sanne, die Eltern in eine altersgerechte Wohnung umzusiedeln, was diese nur mit Widerwillen geschehen lassen. Ihre beiden Schwestern Gitti und Petra hingegen sind entsetzt.. Alle müssen sich nun mit dem Verlust ihres Elternhauses arrangieren, mit dem Kindheitserinnerungen wach werden - und gleichzeitig ihr eigenes Leben seine gewohnten Bahnen verlässt.Ute Mank setzt sich in ihrem Roman "Elternhaus" mit einem schwierigen Thema, das die Allermeisten von uns betrifft, auseinander: Was tun, wenn die eigenen Eltern alt werden, wie weit darf und muss man sich einmischen und was bedeutet schließlich der Verlust des eigenen Elternhauses für Erwachsene? Dabei erzählt die Autorin abwechselnd aus der Sicht der ältesten Schwester Sanne und der mittleren Petra, die beide zueinander einen recht konträren Charakter und Lebensentwurf haben. Tief taucht die Autorin ein in die Gedanken und Gefühlswelt der Schwestern, ihrer Kindheit im Elternhaus - und deren eigenes Leben mehr und mehr aus den Fugen gerät.Trotz des heiklen Themas und der kleinen und großen Katastrophen entwickelte sich beim Lesen ein ganz eigener Sog und ich wurde voll in die Geschichte hineingezogen.DAs Ende würde ich nur bedingt als offen bezeichnen, da eigentlich keine Probleme mehr gelöst werden müssen, sondern sich alle mit ihrer - neuen - jeweiligen Situation - mehr oder weniger - abgefunden haben.Die Figuren wirken absolut authentisch und als Leser findet man sich in der ein oder anderen wieder.Für mich ist "Elternhaus" ein Buch, das eine ganz eigene Dynamik entwickelt und tief berührt sowie zum NAchdenken anregt. MIr hat der Roman sehr gefallen und ich empfehle ihn allen Leser*Innen, die sich nicht einfach nur berieseln lassen möchten mit ihrer Lektüre,
Familienkonstellationen
Sanne, Gitti und Petra sind Schwestern. Längst leben sie ihr eigenes Leben - Sanne in der Nähe des Elternhauses, sie erkennt, wie den Eltern der Alltag im Haus immer beschwerlicher wird. Deshalb beschließt sie, dass die Eltern umziehen müssen in eine altersgerechte Wohnung. Die beiden anderen Schwestern fühlen sich von diesem Vorhaben etwas überfahren, vor allem Petra, die nur noch losen Kontakt zu den Eltern und den Schwestern hatte. Das angespannte Schwesternverhältnis wird zudem überschattet von der Frage, was ihnen das Elternhaus bedeutet.Die Geschichte wird aus der Sichtweise der drei Schwestern erzählt, so dass der Leser die Gedanken von Sanne, Gitti und Petra gut nachvollziehen kann, gerade auch auf dem Hintergrund ihrer Erlebnisse im Elternhaus während ihrer Kinder- und Jugendzeit. Der Umzug der Eltern und der anstehende Verkauf des Elternhauses hinterfragt bisherige Strukturen und setzt neue Möglichkeiten frei. So unterschiedlich die Schwestern sind, so unterschiedlich sind auch diese neuen Möglichkeiten. Das ist spannend erzählt, jede der Schwestern wirkt äußerst authentisch. Ratlos hinterlassen hat mich nur der Schluss der Erzählung, ich habe tatsächlich nachgucken müssen, ob sich doch noch irgendwo einige Seiten des Buches verbergen.Dieses Buch beleuchtet feinfühlig die dargestellten Familienkonstellationen und regt damit zu eigenen Gedanken an. Sehr gerne empfehle ich das Buch deshalb weiter. Ich vergebe 4 von 5 Sternen.
Verpflanzungsprozess
Sanne erlebt hautnah mit, wie ihre Eltern immer älter werden und immer mehr Hilfe in ihrem Alltag brauchen. Da sie, die älteste von drei Schwestern, nur wenige Straßen entfernt von ihrem Elternhaus wohnt, ist sie die erste Ansprechpartnerin und muss immer helfen. Ihre Hilfe wird immer häufiger, bis sie ihr über den Kopf wächst und sie beschließt, dass ihre Eltern umziehen müssen. Sie wünscht sich für beide ein barrierefreies, unterstützendes Leben. Ihre jüngeren Schwestern sind entsetzt. Wie kann Sanne die Eltern denn einfach so verpflanzen, sie aus dem selbst gebauten Haus entfernen und sie so plötzlich entwurzeln?Ute Mank verdeutlicht anhand der drei Schwestern, von der wir von Sanne am meisten mitbekommen, wie komplex das Geschwisterverhältnis ist und welche Spannungen gerade bei der Frage nach der besten Versorgung der Eltern entstehen können. Auf einmal fühlen sie sich fremder zueinander, haben andere Vorstellungen und müssen sich damit auseinandersetzen, wer die Lage besser beurteilen und richtiger handeln kann. Dazu kommt die Frage, was es mit ihnen selbst macht, wenn das Elternhaus, so wie es bis jetzt immer war, aufgegeben wird.Ute Mank stellt all diese Fragen, die Mechanismen, Ängste, Sorgen und Selbstreflexionen sehr anschaulich und authentisch dar. Dabei bildet das Haus natürlich den Mittelpunkt, in dem alle Fäden zusammenlaufen.Ein sehr differenzierter, ehrlicher und reflektierter Blick auf die Frage nach dem Elternhaus und der Entwurzelung der eigenen Eltern.
Gute Familiengeschichte
Schon das Cover katapultiert die Leserschaft direkt in die Vergangenheit, die Rosendecke, die Kaffeetasse mit dem Kaffeelöffel aus den 1970er Jahren, das ist Vergangenheit pur.Und auch der Inhalt des Buches ist eine Reise in die Vergangenheit. Das Elternhaus steht dabei für Geborgenheit in der Kindheit und für viele Erinnerungen. Genau dieses kleine, mehretagige Elternhaus will Sanne, die Älteste von drei Schwestern, nun verkaufen, nachdem sie ihre alten Eltern in einer barrierefreien Wohnung untergebracht hat. Das weckt den Widerspruchsgeist ihrer beiden jüngeren Schwestern, die nicht einsehen wollen, warum die Eltern nicht mehr zuhause leben können. Aber wie das oft so ist, kümmern sie sich nur wenig um die Eltern und reden aus der Ferne mit...Das Buch bringt die Situation sehr gut auf den Punkt, so wie ich es selbst auch erlebt habe. Allerdings überspitzt Ute Mank auch, als Sanne von ihrem Mann verlassen wird und zu trinken beginnt.Insgesamt ist das Buch aber sehr realistisch und gut geschrieben. Man fragt sich unwillkürlich, was man selbst in so einer Situation tun würde und welche Bedeutung das eigene Elternhaus hat.Unbedingte Leseempfehlung!
Pressestimmen
Wie erbittert die Heldinnen streiten, schildert Ute Mank eindringlich (…) und findet dabei klare, wo...hltuend schnörkellose Worte für dieses hochemotionale Thema. mehr weniger
01.09.2023
Ein höchst realitätsnaher Familienroman, der gesellschaftlich relevante Themen aufgreift und zur Dis...kussion einlädt. Berührend und gleichzeitig in klarer, mitreissender Sprache geschrieben. mehr weniger
Giovanna Rivolo, 25.09.2023
Eine fast „alltägliche Geschichte“, die die Autorin angenehm unaufgeregt, völlig kitschfrei und mit ...einem liebevollen Blick auf alle handelnden Personen erzählt. mehr weniger
Franzis Hensch, 18.09.2023
Ein kluges, anrührendes Buch über das Elternhaus, das doch viel mehr ist als ein Dach und vier Wänd...e. mehr weniger
01.09.2023
Eine Erzählung über alte Eltern, entfremdete Geschwister und die Bedeutung des Elternhauses – genau ...beobachtet, manchmal schonungslos und doch stets liebevoll. mehr weniger
24.08.2023
Klug beobachtend und mit liebevollem Blick erzählt Ute Mank von alten Eltern, entfremdeten Schwester...n und von einem Haus, das so viel mehr ist als vier Wände und ein Dach. mehr weniger
04.08.2023
Eine großartige Familiengeschichte, die uns trotz aller Problematik positiv gestimmt zurücklässt.
29.07.2023