Wie Frau Krause die DDR erfand
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Wie Frau Krause die DDR erfand
Bibliografische Daten
1. Auflage
2 - 10 von 29 Leserstimme
Deutsch-deutsche Geschichte einmal anders
Isabella Krause bekommt den Auftrag, für eine sechsteilige Doku-Serie Protagonisten zu finden, die in der DDR aufgewachsen sind und etwas über das Leben damals erzählen können. Das dürfte nicht allzu schwer sein, schließlich kommt sie aus dem Osten und hat mit Hilfe der alten Kreller Melitta schon bald eine bunte Auswahl an Zeitzeugen zusammengetrommelt.Doch der Autor des Films will ein ganz bestimmtes Bild von der DDR wiedergeben und da passen Isabellas Leute einfach nicht hinein – zu alt und unansehnlich, zu wenig Konflikte… zu wenig Ost-Klischee. Dass Isabella die DDR selbst erlebt hat und authentische Zeitzeugen ausgesucht hat, die von ihren Erfahrungen und auch ihrer heutigen Sicht auf die Dinge berichten, interessiert dabei nicht. Und so kommt es zu so absurden Situationen wie „Finden Sie nicht, dass unser DDR-Bild immer etwas einseitig war? – Ach was […] Wir haben das jetzt dreißig Jahre so gemacht. Das können wir doch jetzt nicht ändern.“ Mein erster Gedanke war zwar, dass diese Engstirnigkeit etwas übertrieben und weit hergeholt ist. Aber eigentlich ist es doch wahr: Rundum zufriedene DDR-Bürger will doch tatsächlich keiner sehen.Witzig und voller Herz erzählt die Autorin von Missverständnissen und Vorurteilen, von denen weder der Osten noch der Westen frei sind. Es geht um politische, kulturelle und soziale Besonderheiten, aber auch um die ganz individuellen Erfahrungen, die sich nun mal in kein vorgegebenes Format pressen lassen. Es geht nicht darum, die Wiedervereinigung nur als das große Los für die DDR-Bürger zu feiern, aber auch nicht im „Früher war alles besser“ stecken zu bleiben. Es war, wie es war, und heute ist es wie es ist. Darüber darf man diskutieren, streiten, oder wie in „Wie Frau Krause die DDR erfand“ schmunzeln und auch mal immer wieder mal schallend lachen.Passend zum dreißigjährigen Mauerfalljubiläum ist Kathrin Aehnlich da ein wundervoller, lockerleichter Roman über das Verhältnis zwischen Ost- und Westdeutschland gelungen. Absolut empfehlenswert!
Bitter-ironisch und dann doch ganz leicht
Nach der Lektüre von Alexander Osangs umfangreichem Roman "Die Leben der Elena Silber" wollte ich gern noch ein wenig im Thema bleiben - Menschen und ihre Biografien unter dem Einfluss von gravierenden politischen Systemwechseln - , gleichzeitig aber zur Abwechslung etwas Leichteres lesen. Da hat dieses Buch hier einfach perfekt gepasst:Isabella, etwa Jahrgang 1970, der DDR-Künstler-Bohème entstammend und selbst nur drittklassige Schauspielerin, hat aus Geldnot einem halbseidenen Filmprojekt über die DDR zugestimmt und besucht dafür nun mit Regisseur und Kameramann verschiedene Menschen und Orte ihrer Kindheit und Jugend. Diese jedoch besitzen die Dreistigkeit, sich den DDR-Klischees des Regisseurs weitgehend zu versperren. Die Vorstellungen und Pläne dieses Regisseurs aus dem Westen, der natürlich genau weiß, wie es in der DDR zuging, werden also kräftig gegen den Strich gebürstet, und nicht jeder am Set ist in der Lage, im Laufe des Geschehens umzudenken oder einfach nur dazuzulernen.Das Buch weckte bei mir viele Erinnerungen an die DDR-Vergangenheit, auch wenn (oder gerade weil) es gleichzeitig eine deutliche Absage an ostalgische Verklärung darstellt. Vor allem aber bringt die Autorin den bis heute oft ignoranten und arroganten Umgang vieler Westdeutscher mit Ostdeutschen und ihren Biografien mal schmunzelnd, mal bitter-ironisch auf den Punkt. Auch ich selbst musste mir nach der Wende von so manchem ahnungslosen Erklärbär anhören, wie mein ehemaliges Land funktioniert hat, und konnte dabei oft nur staunen. Die Frage, wie man mit der Aufarbeitung von Vergangenheit umgehen kann, soll oder nicht soll, wer die Deutungshoheit hat (natürlich die "Siegermacht") und wer im Geschehen Prota, ZeugIn oder Opfer ist, hat erstaunlicherweise auch dreißig Jahre nach dem Mauerfall nur wenig von seiner Aktualität verloren.Dass die Autorin mit dieser Thematik dennoch locker und humorvoll umgeht, hat das Buch zu einer sehr erfreulichen Lektüre gemacht.
(V)erklärende Ostalgie?
Isabella Krause ist fast fünfzig Jahre alt und Schauspielerin. Allerdings hangelt sie sich von Kleinstrolle zu Kleinstrolle und hat Geldsorgen. Deshalb spielt sie Lotto und hat einen kleinen Zahlentick. Alles aber auch kein Wunder, wurde sie doch am 7.10.69 auf dem Fußboden einer Lottoannahmestelle geboren. Just zum zwanzigsten Jahrestag der DDR. Ihr Geburtstag war bis zum Fall der Mauer immer ein Feiertag gewesen bis er genauso sang- und klanglos verschwand wie die DDR an sich. Bei einem Casting für einen Werbespot wird sie gefragt, ob sie nicht lieber bei einem anderen Projekt mitarbeiten will, denn wegen ihrer Herkunft aus dem Osten, könnte sie doch bestimmt innerhalb kürzester Zeit 10 Ostdeutsche auftreiben, die von ihrer DDR-Vergangenheit erzählen. Schon bald wird klar, dass die Herren von der Agentur ein ganz eigenes Bild der DDR haben, die sie von ihren zukünftigen Protagonisten auch bestätigt wissen wollen. Dass es in der DDR aber auch möglich war, ganz normal zu leben, zu feiern und zu lieben, passt nicht recht ins Bild. Zumindest die erste Hälfte des Buches ist von Ostalgie angehaucht, aber warum auch nicht? Das Regime der DDR wünscht sich kaum einer zurück, aber trotzdem waren Menschen durchaus auch glücklich! Wir sind damals nicht alle in gebückter Haltung durch triste, graue Straßen geschlurft, auf der Suche nach der nächsten Schlange, an der man sich einfach anstellte, ohne zu wissen, was es gibt. Die Menschen haben oft das Beste aus der Situation gemacht und sich eingerichtet. Für nicht Wenige war die Wende daher auch ein bisschen traumatisch, da sie mitten im Leben stehend den sicheren Arbeitsplatz verloren haben und auch sonst nicht wussten, was alles auf sie einprasselt. Die DDR soll um Gottes Willen nicht verklärt werden! Dennoch sollte auch nicht alles als wertlos abgestempelt werden, was sich die Menschen aufgebaut haben.Das Buch VERklärt aber auch nichts, sondern ist eher ERklärend geschrieben. Ab der zweiten Hälfte kommen auch Protagonisten zu Wort, die unter der DDR gelitten haben. Außerdem werden nicht nur Vorurteile behandelt, die der Westen vom Osten hat, sondern auch umgekehrt.Mir hat es sehr gut gefallen - bei einigen Schilderungen musste ich laut auflachen und denken "Genau so war's!" ;-). Es ist also ein eher humorvolles Buch, aber mit Tiefgang.
Ein kleines, aber feines Buch
Isabella Krause, eine 49jährige erfolglose Schauspielerin, die in der DDR aufgewachsen ist, erhält unverhofft den Auftrag, Zeitzeugen aus der DDR für eine Dokumentation anlässlich des dreißigjährigen Jahrestags der Wiedervereinigung zu finden. Die Leute sollen aus ihrem Leben „drüben“, jenseits der Mauer berichten. Isabella fährt nach Jahren zurück in ihr Heimatdorf und findet Leute, die bereit sind, vor der Kamera von damals zu berichten. Doch was sie erzählen, entspricht nicht dem, was sich die westdeutschen Produzenten vorgestellt hatten. Ein Kindergarten in dem einfach nur gebastelt und gesungen wurde? Sicher wurden die Kinder doch politisch indoktriniert! Unbeschwerte Sommerurlaube an der Ostsee? Haben sich die Leute nicht nach fernen Ländern verzehrt? Augenzwinkernd berichtet Kathrin Aehnlich von Vorurteilen und Klischees auf beiden Seiten der ehemaligen Mauer und der Leser erfährt, dass es durchaus möglich war, jenseits von Stasi und Politik Spaß zu haben und ein normales Familienleben zu führen. Natürlich gab es auch Leute, die unter dem Regime zu leiden hatten, doch die wollen nicht vor die Kamera. Guter Rat ist teuer, doch dann hat Isabella eine zündende Idee...„Wie Frau Krause die DDR erfand“ ist für meine Begriffe ein äußerst kurzweiliges Buch, das ich gern gelesen und aus dem ich so manches gelernt habe, das für mich neu war. Oder haben Sie etwa schon einmal vom „Lipsi“ Tanz gehört?
War es so?
Frau Krauses Aufgabe ist es, Ostdeutsche zu finden, die für eine Fernsehserie aus ihrem Leben erzählen. Sie kehrt an die Orte ihrer Kindheit zurück und findet Menschen, die sie für DDR-repräsentativ hält und ihrer Erinnerung entsprechen - Menschen, die ihre Arbeit mochten, das Land tolerierten und am Wochenende »Ein Kessel Buntes« guckten. Aber es gibt auch die anderen...Jeder hat seine eigenen Erinnerungen, die es wert sind zu bewahren, aber man sollte auch nicht in der Vergangenheit leben, egal was einem widerfahren ist. "Sie sollten beginnen zu leben. Das ist Rache...."Davon erzählt Kathrin Aehnlich mit Witz und Empathie. Was meine Erinnerungen betrifft, kann ich nur aus "Sonnenallee" zitieren...."es war die schönste Zeit meines Lebens, denn ich war jung und ich war verliebt...Ich habe vieles wiedererkannt und ich habe mich wohl gefühlt.Bitte lesen!
Die DDR wie sie leibt und lebt...........
MEINE MEINUNGIsabella Krause fühlt sich als Schauspielerin und bei einem Casting bekommt sie ein Angebot, das sie nicht ausschlagen kann. Sie ist in der DDR geboren und aufgewachsen und nun soll sie berichten, wie es wirklich war. Dazu soll sie mindestens 5 Personen befragen und ihre Meinung einholen. Jeder empfindet dieses Aufwachsen ja anders. Die Autorin hat eine warmherzige Art, ihre Geschichte wiederzugeben und sie hat sehr viel Gefühl mit einfließen lassen. Das ganze wirkt auf mich irgendwie herzig und stellenweise auch sehr amüsant. Isabella wird wirklich sehr authentisch dargestellt und auch ihre Großmutter wirkt hier völlig identisch. Viele kennen die DDR ja überhaupt nicht mehr und wissen nicht, wie das damals alles war. Auch mir war das sehr lange fremd, doch als ich das erste mal in den Osten fuhr und Verwandte von meiner Freundin zu besuchen, war mir klar, das es wirklich so war, wie es immer erzählt wurde. Wir haben damals meine Kofferraum mit Dingen vollgeladen, die für uns selbstverständlich waren. Für die Menschen dort war das aber alles ein Highlight, was wir alles mitgebracht haben. Was man aber sagen muss, obwohl diese Menschen fast nichts hatten, waren sie sehr gastfreundlich und spendabel auf ihre Art. Genau das wird in diesem Buch auch deutlich gemacht. Der Schreibstil der Autorin ist hier sehr lebendig, so das bei keiner Seite Langeweile aufkommt. Es lässt sich alles sehr leicht und flüssig lesen und es macht richtig Spaß, an dieser Geschichte teilzuhaben. Für diese tolle Geschichte vergebe ich gerne die vollen 5 Sterne, da ich mich hier sehr gut unterhalten fühlte und ich dieses Buch wirklich genossen habe. Bluesky_13Rosi
Vergessene Welt
Kathrin Aehnlich führt uns mit ihrem Roman "Wie Frau Krause die DDR erfand" in eine vergessene Welt, die Welt meiner Kindheit. Niemand möchte hören, dass es auch in der DDR zufriedene und glückliche Menschen gab. Und diese Menschen, man mag es kaum glauben, waren keine roten Socken. Es waren ganz normale Leute, wie jedermann, die das Beste aus ihrem Leben gemacht haben, mit dem wenigen glücklich waren und stolz auf das, was sie geleistet haben. Meine Unterstufenlehrerin ist mit der Wende in Vorruhestand gegangen, weil sie sich nicht einreden lassen wollte, dass ihre jahrzehntelange Arbeit, die sie mit Liebe und Hingabe ausführte, schlecht gewesen wäre. Und noch heute denke ich voller Dankbarkeit an diese besondere Lehrerin zurück, die mir die Liebe zu den Worten mitgegeben hat. Nicht nur die DDR, die ganze Welt ist nicht nur schwarz und weiß. Es gibt so viele Zwischentöne.
Ein Hauch von Ostalgie
Inhalt:Isabella Krause verdient sich mit der Schauspielerei mehr schlecht als recht ihre Brötchen. Bei einem Casting wird man auf sie aufmerksam, aber ganz anders als beabsichtigt. Isabella erhält den Auftrag, für die Fernsehserie „Wild Ost“ Menschen zu finden, die vor der Kamera von ihrem Leben in der DDR erzählen. Isabella muss sich dabei mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen. Ein Problem ergibt sich dadurch, dass ihr Auftraggeber genaue Vorstellungen vom Leben in der DDR hat, die leider mit dem der Protagonisten gar nicht übereinstimmen wollen. Hier ist Isabellas Kreativität gefragt …Meine Meinung:Mit leichter Hand, locker und humorvoll stellt Kathrin Aehnlich uns die DDR vor. Sie erzählt von Menschen, die feierten und lachten und stolz auf ihre Arbeit waren. Von Menschen, die sich über ein Paket aus dem Westen freuten, aber auch von Menschen, die mit ihrem Leben einfach zufrieden waren. Die Autorin greift sämtliche Vorurteile auf, die der Westen vom Osten hat und der Osten vom Westen. Ob man nun im Osten oder im Westen aufgewachsen ist, ich denke, dieses Buch wird alle Leser ein wenig berühren und Verständnis für den jeweils anderen Landesteil fördern. Im Großen und Ganzen zeigt es, dass die Menschen hüben wie drüben gar nicht so verschieden sind.Ich habe das Buch sehr gern gelesen und mich gut unterhalten gefühlt. Der letzte Pepp hat mir allerdings gefehlt. Nichtsdestotrotz gibt es von mir eine klare Leseempfehlung.
Ost Nostalgie
Isabella Krause ist in der DDR aufgewachsen. Von einer Großmutter hat sie die Liebe zum Theater geerbt, von der anderen die Liebe zum Lottospielen. Nun, mit fast 50 Jahren, schlägt sie sich als Schauspielerin mit kleinen Nebenrollen mehr schlecht als recht durchs Leben. Bei einem Casting für Naturjogurt versucht sie die Atmosphäre aufzulockern, in dem sie ihren Text "berlinert". Dadurch wird der Produzent der Fernsehserie "Wild Ost" aus sie aufmerksam. Die Serie soll das Leben in der DDR zeigen wie es wirklich war - erzählt von "echten" Menschen. Die zu finden ist nun Isabellas Aufgabe. Sie reist in ihr Heimatdorf und trifft alte Bekannte: die Kellnerin der Bahnhofskneipe, die Kindergärtnerin, die Tanzlehrerin, den Arbeiter im Kohlekraftwerk. Alle samt schon längst in Pension, erzählen sie bereitwillig aus ihrem Leben. Doch die Produzenten haben ihre eigene Vorstellung vom Leben in der DDR - mit der Wirklichkeit hat das leider nichts zu tun. Nun ist guter Rat teuer. Isabella muss sich rasch etwas einfallen lassen, will sie nicht vertragsbrüchig werden. Aber wozu hat man Schauspieler als Freunde! Das Buch wirft einen humorvollen Blick auf die deutsche Wiedervereinigung und lässt kein Missverständnis - auf beiden Seiten - aus.
Eine Reise in „meine“ Vergangenheit...
Frau Krause erhält den Auftrag Menschen zu finden, die authentisch erzählen wie es wirklich in der DDR war. Ihr Projekt ist die Serie „Wild Ost“. Isabella Krause reist dazu in ihre eigene Vergangenheit. Durch ihren Auftraggeber- den Fuchs- ist Isabella eigentlich vorgegeben wie die DDR Zeit zu sein hat.Schon die ersten Seiten des Buches haben mich gefesselt und ich habe mich quasi 1:1 in Isabella wiedererkannt. Es sind die vielen kleinen Dinge, die die Autorin wunderbar, aber auch humorvoll, direkt und sehr anschaulich erzählt. Als die Ankunft eines Westpaketes beschrieben wird, kann auch ich wieder den einzigartigen Duft beim öffnen des Paketes riechen. Durch Karl bekommt man als Leser dieses Buches aber auch einen sehr interessanten Blick auf die DDR von der Westseite.Egal ob Ost oder West, ein absolut lesenswertes Buch!