»Ein aufwühlender und spannender Roman. Mit großer Sympathie für die Frauenfiguren.« Elke Heidenreich
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Coast Road
In schnörkelloser Prosa, mit psychologischem Feingefühl und großartiger Beobachtungsgabe erzählt Alan Murrin von den gesellschaftlichen Einschränkungen, die Frauenleben in Irland vor gerade einmal dreißig Jahren bestimmten, und beleuchtet dabei subtil, was Frauen überall auf der Welt auch heute noch davon abhält, ihre Partner zu verlassen.
Im Zeitraum einiger Monate im Jahr 1994, kurz bevor Scheidung in Irland in einem Referendum legal wurde, erzählt ›Coast Road‹ die Geschichte von sehr verschiedenen Frauen in einem Küstenstädtchen. Izzy, Colette und Dolores hadern aus ganz unterschiedlichen Gründen mit ihren Ehen und werden gezwungen, weitreichende Entscheidungen zu treffen. Dabei wird jeder Schritt von der Gemeinde beäugt und verurteilt – denn dort an der Küste schwimmt man nicht gegen den Strom.
Bibliografische Daten
1. Auflage
Alan Murrin
Alan Murrin ist ein irischer Schriftsteller, der seit einigen Jahren in Berlin lebt. Er absolvierte den renommierten Masterstudiengang im Kreativen Schreiben an der University of East Anglia. 2021 gewann er für seine Kurzgeschichte ›The Wake‹ den Bournemouth Writing Award; die Geschichte stand ebenfalls auf der Shortlist für die Kurzgeschichte des Jahres der Irish Book Awards. Als Kulturkritiker schrieb er u. a. für The Irish Times, TLS und The Spectator. ›Coast Road‹ ist sein Debütroman, für den er 2024 bei den Irish Book Awards als ›Newcomer of the Year‹ ausgezeichnet wurde.
Anna-Nina Kroll
Anna-Nina Kroll, 1988 in Essen geboren, studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf. Sie hat u. a. Werke von Donal Ryan, Carmen Maria Machado, John Irving und Anna Burns ins Deutsche übertragen. Für ihre Übersetzung von Anna Burns' ›Milchmann‹ erhielt sie im Jahr 2021 den Förderpreis zum Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW.
11 - 10 von 103 Leserstimme
Legalisierung von Scheidungen!
1994: Colette Crowley verliebt sich Hals über Kopf, verlässt ihren Mann Shaun und muss gezwungenermassen ihre Söhne zurücklassen. Die Bewohner des kleinen Städtchens Ardglas lassen kein gutes Haar an der abtrünnigen Ehefrau, denn Scheidungen sind gesetzlich verboten und Trennungen nicht denkbar.Die Gerüchteküche und der Tratsch kochen regelrecht hoch, als Colette zurück nach Arderglas zieht und sich in einem Cottage an der Coast Road einmietet. Einzig ihre Freundin Izzy Keaveney hält zu ihr. Izzys Mann James ist ein angesehener Politiker und setzt sich für eine Gesetzesänderung zur Legalisierung von Scheidungen ein. Dabei hängt auch in ihrer Ehe so einiges schief und Izzy kann sich sehr gut mit ihrer Freundin identifizieren.Natürlich war mir bekannt, dass sich in Irland Ehepaare erst ab 1995 scheiden lassen konnten. Dieses rückständige Gesetz dient dieser Geschichte als Plot. Alan Murrin hat Protagonistin Colette Crowley, die ihren Mann Shaun verlässt ins Zentrum gestellt. Mit der von ihr herbeigeführten Trennung verliert sie auch jedes Recht auf ihre Söhne. Zudem ist sie von nun an Freiwild für die Männer des Städtchens und die Doppelmoral, die damit entsteht, ist einfach entsetzlich frauenfeindlich. Frauen haben sich still zu verhalten, auch wenn die Ehe nicht funktioniert. Männer hingegen, die geniessen freie Bahn. Wie im Mittelalter und kaum zu glauben, dass genau solche Zustände in Irland vor 30 Jahren noch an der Tagesordnung waren.Wie in kleinen Städtchen so üblich, gibt es auch in dem kleinen Küstenort ein enormes Getratsche, sobald jemand nicht dem Rahmen, der die Oeffentlichkeit zimmert, entspricht. Egal ob es die Trennung der Crowleys ist oder, dass Izzy mit dem Dorfpfarrers befreundet ist.Die Frauen in dieser Story sind allesamt starke Figuren! Kämpferinnen, die versuchen ihr Leben irgendwie zwischen Selbstbestimmung und frauenfeindlichen Gesetzen zu leben. Titelgebend ist die Coast Road in Ardglas. Die Strasse, in der Colette nach ihrer Rückkehr ein Cottage mietet und in der schlussendlich Schlimmes geschieht.Ich tat mich schwer in der Geschichte anzukommen und mich zurechtzufinden. Denn die ersten paar Kapitel geben zwar Einblick in die Lebensweise der wichtigsten Figuren, sind aber so zahlreich, dass mich mehrmals das Gefühl beschlich den Ueberblick zu verlieren. Sobald sich die einzelnen Erzählfäden verknüpfen und die zuvor einzeln auftretenden Figuren eine Verbindung bekommen, legte sich das. Der Schreibstil sagte mir zu und man merkte deutlich, dass der Autor als gebürtiger Ire die Thematik kennt."Coast Road" ist der Debütroman von Alan Murrin und zeigt eine Facette Irlands, der ich mir wenig bewusst war.
Schwieriges Thema
In der Geschichte geht es um die Dichterin Colette Crowley. Sie hat ihre Familie verlassen um ihr Glück in Dublin zu finden. Das hat aber leider nicht so richtig funktioniert und sie ist zurückgekehrt in die Heimat, ein kleines irisches Küstenstädtchen und wohnt in einem kleinen Cottage und ihr Mann untersagt ihr den Kontakt zu den Kindern. Ich hatte mir von der Geschichte etwas mehr versprochen. Das Thema ist ein wenig schwierig, aber trotzdem recht interessant. Denn ich wusste zum Beispiel nicht, dass es die Scheidung in Irland noch gar nicht so lange gibt. Ich habe die Geschichte über dieses Wochenende komplett gelesen, aber Richtung Ende hat der Schreibstil die Geschichte ein wenig in die Länge gezogen. Deshalb ziehe ich auch einen Stern ab. Ich vergebe 4 Sterne und empfehle allen, sich selbst ein Bild von der Geschichte zu machen.
Puh. Irland und Frauenelend
Das Buch ist schon optisch eine Augenweide. Der Schutzumschlag mit der aufgerissenen Tapete und den typischen irischen Cottages, so schön. Und dann die Überraschung: auch unter dem Schutzumschlag geht das Motiv weiter. Ob ich schon im Januar das schönste Cover des Jahres gefunden habe?Aber nun zum Inhalt. Da hört die Idylle nämlich sofort auf. Es geht um Colette Crowley, die Mann und Kinder und ein idyllisches Küstenstädtchen in Irland für ihren Geliebten verlassen hat. Das ging schief und nun ist sie zurück - und das Getratsche im Städtchen kennt keine Grenzen. Ihr Mann verweigert den Kontakt und auch ihre Kinder kann sie nicht sehen.Als Schriftstellerin gibt sie Schreibkurse und zwischen einer Teilnehmerin und ihr entsteht eine Bekanntschaft, Freunschaft wäre vielleicht etwas zu viel. Bis sich die Ereignisse überschlagen.Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl, die Handlung spielt vor 200 Jahren. Mir war nicht klar, dass es in Irland noch nicht mal 30 Jahre her ist, dass die Möglichkeit einer Scheidung eingeführt wurde. Die Frauen in der Geschichte sind alle eher passiv, ertragen ihr Elend. Und dann wieder sehr, sehr wütend. Die Männer hingegen sind bis auf den Pfarrer durchgehend selbstherrliche und wahrlich unsympathische Zeitgenossen.Das Buch ist keine einfache Kost. Es liest sich zwar leicht, ist aber heftig in seiner Aussagekraft. Die Moral von der Geschichte der Frauen ist…Nein, das kann ich nicht verraten, das wäre gespoilert. Jedenfalls kam mir die Handlung nach Beendigung des Buches gar nicht mehr wie aus einer längst vergangenen Zeit vor, sondern sehr aktuell.Für fünf Sterne hat es nicht ganz gereicht, weil es sich für meinen Geschmack gegen Ende hin etwas gezogen hat. Trotz der rasanten Entwicklung.Aber auf jeden Fall ein aufwühlendes und sehr lesenswertes Buch mit stark gezeichneten Charakteren.