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Buch Coast Road, Foto von Autor Alan Murrin und Zitat von Gillian Anderson. Diesen Roman habe ich geliebt.
Buch Coast Road, Foto von Autor Alan Murrin und Zitat von Gillian Anderson. Diesen Roman habe ich geliebt.
An der irischen Küste schwimmt man nicht gegen den Strom

Coast Road

Herbst 1994. Die Bewohner des irischen Küstenstädtchens Ardglas beschäftigt nur ein Thema: Colette Crowley – Dichterin, Bohemienne, die Frau, die ihre Familie verlassen hat, um in Dublin ihr Glück zu finden – ist zurück und wohnt in einem kleinen Cottage an der Coast Road. Jeder ihrer Schritte wird von der Gemeinde argwöhnisch beäugt. Hat sie es verdient, dass ihr Mann ihr den Zugang zu den Kindern verwehrt? In ihrer Verzweiflung bittet Colette eine Bekannte um Hilfe, Izzy Keaveney, Hausfrau und Mutter, unglücklich verheiratet mit einem Lokalpolitiker, der sich ausgerechnet für die Legalisierung der Scheidung im Land einsetzt. Und so entsteht zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Frauen eine Bindung, die ihre Leben in ungeahnte Bahnen lenkt.

In schnörkelloser Prosa, mit psychologischem Feingefühl und großartiger Beobachtungsgabe erzählt Alan Murrin von den gesellschaftlichen Einschränkungen, die Frauenleben in Irland vor gerade einmal dreißig Jahren bestimmten – kurz bevor Scheidung in einem Referendum mit knapper Mehrheit legalisiert wurde – und beleuchtet dabei subtil, was Frauen überall auf der Welt auch heute noch davon abhält, ihre Partner zu verlassen.

Ausgezeichnet als »Newcomer of the Year« bei den Irish Book Awards 2024

»Alan Murrin schreibt wie die besten irischen Autoren mit einer ruhigen, poetischen Gewandtheit.« Sarah Winman

»Die weiblichen Figuren sind komplex und faszinierend, voller Wut und Hoffnung. Ich konnte das Buch kaum aus den Händen legen.« Gillian Anderson

»Alan Murrin ist ein begabter Erzähler, der seine Figuren so dreidimensional zeichnet, dass ich mit ihnen mitgefiebert und mitgelitten habe, als wären sie real.« Louise Kennedy

Bibliografische Daten

EUR 10,99 [DE]
ISBN : 978-3-423-44687-7
Erscheinungsdatum: 13.02.2025
1. Auflage
384 Seiten
Sprache: Deutsch, Übersetzung: Aus dem Englischen von Anna-Nina Kroll
Autor*innenporträt

Alan Murrin

Alan Murrin ist ein irischer Schriftsteller, der seit einigen Jahren in Berlin lebt. Er absolvierte den renommierten Masterstudiengang im Kreativen Schreiben an der University of East Anglia. 2021 gewann er für seine Kurzgeschichte ›The Wake‹ den Bournemouth Writing Award; die Geschichte stand ebenfalls auf der Shortlist für die Kurzgeschichte des Jahres der Irish Book Awards. Als Kulturkritiker schrieb er u. a. für The Irish Times, TLS  und The Spectator. ›Coast Road‹ ist sein Debütroman, für den er 2024 bei den Irish Book Awards als ›Newcomer of the Year‹ ausgezeichnet wurde.

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Übersetzer*innenporträt

Anna-Nina Kroll

Anna-Nina Kroll, 1988 in Essen geboren, studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf. Sie hat u. a. Werke von Donal Ryan, Carmen Maria Machado, John Irving und Anna Burns ins Deutsche übertragen. Für ihre Übersetzung von Anna Burns' ›Milchmann‹ erhielt sie im Jahr 2021 den Förderpreis zum Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW.

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103 von 103 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.5 von 5 Sternen


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1 - 10 von 103 Leserstimme

lesezauber_zeilenreise am 03.07.2026 13:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Bis dass der Tod uns scheidet! Irland kurz vor der Verabschiedung des Scheidungs-Referendums

**Inhaltsangabe Verlag:**Herbst 1994. Die Bewohner des irischen Küstenstädtchens Ardglas beschäftigt nur ein Thema: Colette Crowley – Dichterin, Bohemienne, die Frau, die ihre Familie verlassen hat, um in Dublin ihr Glück zu finden – ist zurück und wohnt in einem kleinen Cottage an der Coast Road. Jeder ihrer Schritte wird von der Gemeinde argwöhnisch beäugt. Hat sie es verdient, dass ihr Mann ihr den Zugang zu den Kindern verwehrt? In ihrer Verzweiflung bittet Colette eine Bekannte um Hilfe, Izzy Keaveney, Hausfrau und Mutter, unglücklich verheiratet mit einem Lokalpolitiker, der sich ausgerechnet für die Legalisierung der Scheidung im Land einsetzt. Und so entsteht zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Frauen eine Bindung, die ihre Leben in ungeahnte Bahnen lenkt.In schnörkelloser Prosa, mit psychologischem Feingefühl und großartiger Beobachtungsgabe erzählt Alan Murrin von den gesellschaftlichen Einschränkungen, die Frauenleben in Irland vor gerade einmal dreißig Jahren bestimmten – kurz bevor Scheidung in einem Referendum mit knapper Mehrheit legalisiert wurde – und beleuchtet dabei subtil, was Frauen überall auf der Welt auch heute noch davon abhält, ihre Partner zu verlassen.**Meine Inhaltsangabe:**Ardglas, County Donegal, Irland: Colette Crowley kehrt an den Ort an der Küste zurück, den sie kurz vorher verlassen hat, um mit einem anderen Mann ihr Glück in Dublin zu suchen. Dafür hat sie Mann und Kinder verlassen. Ihre Rückkehr wird mit Argwohn betrachtet, ihr Ehemann verbietet ihr den Umgang mit ihren drei Söhnen und schnell hat Colette den Ruf als Schlampe weg. Sie ist eine bekannte Dichterin und gibt daher im Ort einen Schreibkurs, über den sie Izzy kennenlernt, die Frau des Gemeindepolitikers. Izzy hadert mit ihrer Ehe und möchte eigentlich nur noch ausbrechen. Doch das ist in den 90er Jahren in Irland nicht einfach, wie man an Colette sehen kann. Die trinkt zu viel und lässt sich auf Donal ein, den Vermieter des Cottages und Ehemann von Dolores, die ebenfalls unglücklich in dem Eheleben mit einem Schürzenjäger ist. Als Spielbälle ihrer Männer sehr eingeschränkt versuchen die drei, irgendwie mit ihrem jeweiligen Leben klarzukommen und wissen doch, dass sie damit u.U. Dramen heraufbeschwören, die sie nicht mehr aufhalten können. Erster Satz: »Als der Detective Izzy fragte, was sie in jener Nacht geweckt habe, konnte sie es nicht genau sagen.«**Mein Eindruck:**Das ist mal wieder eins der Bücher, die lange nachwirken. Völlig ruhig und unaufgeregt geschrieben geht es direkt unter die Haut und ins Herz. Alan Murrin beschreibt seine Figuren, allen voran die beiden Hauptdarstellerinnen Colette und Izzy, aber auch die so wichtigen Nebenfiguren wie den Priester Brian (einer meiner Favoriten), Dolores, die Ehemänner und Kinder dermaßen bildhaft, dass ich beim Lesen jede Szene, jede Figur, jedes Detail vor mir gesehen habe. Besonders aufgefallen ist mir, wie der Autor das Innenleben der Frauen, deren Empfindungen und Gedanken beschrieben hat. Das lässt auf eine extrem ausgeprägte Beobachtungsgabe und Einfühlungsvermögen schließen, was mich sehr beeindruckt hat. Die Geschichte selbst hat mich komplett gefangen genommen, ich war angepisst, verzweifelt, hoffnungsvoll, angewidert und entsetzt und fühlte mich teilweise völlig hilflos. Die Situationen der Frauen hat sich fast 1 zu 1 auf mich übertragen. Großartig, wenn ein Buch es schafft, Emotionen so lebendig zu transportieren. Zum Ende hin nahm der Fortgang der Story dann eine Wendung, die sich im Prolog zwar schon abgezeichnet, mich aber dennoch komplett umgehauen hat. Heilige Scheiße! Was hätte ich gern den einen oder anderen scheinheiligen Dreckskerl aus dem Buch gezogen und ordentlich vermöbelt. Ihr seht schon: ich bin voll dabei! Und das liebe ich an dem Buch, es nimmt mich mit und lässt mich erleben, statt nur darüber zu lesen. Großes Kino und einfach nur klasse! 5/5 Sterne. Der Autor wurde 2024 für Coast Road als Gewinner der Kategorie Newcomer of the Year bei den Irish Book Awards ausgezeichnet.

wennduliest am 10.09.2025 15:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Wichtig und einnehmend!

Zwei Frauen, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten, ein irisches Dorf Anfang der 90er Jahre. Eine Geschichte darüber wie viel Raum Frauen in Irland zu dieser Zeit für sich einfordern dürfen, ein Aufbegehren, ein Dorf unter der sozialen Lupe und ein Buch voller Wendungen. Das Cover und der Riss, der Einblicke freigibt, hat mich direkt angesprochen und neugierig auf den Inhalt des Buches gemacht. Ich lese in letzter Zeit gerne Bücher über Irland und lerne die Kultur dieses Landes besser kennen, dahingehend war dieses Buch ein weiteres geeignetes Puzzlestück. Ich war von der ersten Seite an eingenommen, hatte Situation wie Izzys Besuch in der Kirche unter den Resten eines Alkoholrausches bildlich vor mir und konnte gar nicht mehr aufhören mich in die sozialen Regeln und Normen dieses Ortes einzulesen. Und auch zwischen den Zeilen fand so wunderbar viel statt, das ich dieses Buch als einnehmend im besten Sinne erlebt habe, mitsamt dem düsteren Zeitgeist Frauenrechte und Scheidung betreffend. Die Spannung der Geschichte hat mich mitgerissen und ich konnte es gar nicht mehr weglegen und bin dem Schicksal der zwei Frauen teil mit Schaudern gefolgt, habe das Ende gefürchtet und wurde atemlos zurückgelassen. In meinen Augen ein wichtiges und sehr einnehmendes Buch.

maria-luise am 13.05.2025 22:05 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Blick hinter die Fassade

In seinem aufwühlenden und spannenden Debüt „Coast Road“ erzählt der Autor Alan Murrin, von den gesellschaftlichen Einschränkungen, die Frauenleben in Irland vor gerade einmal dreißig Jahren bestimmten – kurz bevor Scheidung in einem Referendum mit knapper Mehrheit legalisiert wurde – und beleuchtet dabei subtil, was Frauen überall auf der Welt auch heute noch davon abhält, ihre Partner zu verlassen.Das Cover mit der aufgerissenen Tapete, gewährt einen Blick hinter die Fassade des irischen Küstenstädtchens Ardglas, einem kleinen Ort Mitte der 90er Jahre.Im Herbst 1994 kehrt Colette Crowley, Dichterin, Bohemienne, die Frau, die ihre Familie verlassen hat, um in Dublin ihr Glück zu finden zurück nach Ardglas und wohnt in einem kleinen Cottage an der Coast Road. Es hat Colette schon einige Mühe gekostet, Dolores davon zu überzeugen, ihr das Cottage zu vermieten. Das Dolores‘ Mann Donal ein notorischer Fremdgänger ist, der trotz Frau und wachsender Kinderschar ein Auge auf Colette geworfen hat, konnte sie vorher nicht ahnen.Colette ist noch verheiratet aber ihr Mann zahlt ihr keinen Unterhalt und untersagt ihr den Kontakt zu ihren Kindern. Die meisten Menschen in Ardglas meiden sie und gehen ihr aus dem Weg. Colette gründet einen Workshop für Schreiben, denn das kann sie und ein bisschen Geld verdienen, hat sie bitter nötig. Hier lernt sie Izzy Keaveney, Hausfrau und Mutter, in einer unglaublichen Ehe mit einem Lokalpolitiker, der sich ausgerechnet für die Legalisierung der Scheidung im Land einsetzt, näher kennen. Mit Izzys Unterstützung gelingt es Colette, sich mit ihrem Sohn Carl, heimlich zu treffen. Zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Frauen entsteht eine freundschaftliche Bindung, die ihre Leben in ungeahnte Bahnen lenkt.Dann kommt es zu einem tragischen Vorfall, der die Schicksale der drei Frauen, geschickt miteinander verbindet …Fazit:Zum Teil konnte ich Colettes Verhalten nicht ganz nachvollziehen, dafür aber ihre Wut und ihre Hoffnungslosigkeit.Sprachlich und inhaltlich ist dieser Roman ein ganz besonderes Werk, dem ich sehr gern meine Zeit geschenkt habe.Von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

julemaus94 am 12.05.2025 20:05 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Das Schicksal der Frauen

In Irland, vor gerade einmal dreißig Jahren, erhalten wir Einblick in das Leben eines Dorfes, beschaulich an der Küste gelegen. Dolores, Colette und Izzy führen drei scheinbar vollkommen unterschiedliche Leben und doch haben sie so einiges gemeinsam. Alle drei sind unglücklich in ihrer Ehe gefangen und alle drei leiden unter dem, worüber die Politik und ganz Irland Mitte der 90er diskutiert: die Legalisierung der Ehe.Für mich persönlich ist es kaum vorstellbar, dass es noch gar nicht so lange her sein soll, dass es Ehepartnern nicht möglich gewesen sein soll, aus einer unglücklichen Partnerschaft auszutreten.Nun ja, wenn man mal ehrlich ist, gibt es auch heutzutage noch genügend Hindernisse, die (oftmals) Frauen daran hindert, ihre Männer und toxischen Beziehungen zu verlassen.Alan Murrin zeichnet hier ein wunderbar authentisches Gesellschaftsbild, unterlegt mit einigem Lokalkolorit und trotzdem so nahbar, dass man die Wut und Emotion förmlich am eigenen Leib spürt.Zumindest ich habe sehr mit Colette, Dolores und Izzy gefiebert, gehofft und gewütet.

magdas_buecherwelt am 06.05.2025 10:05 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Einblicke in das Leben irischer Frauen in den 1990er Jahren

Coast Road ist der Debütroman des irischen Autors Alan Murrin. Der Schreibstil hat mich an Graham Norton erinnert, dessen Bücher ich sehr gerne lese. Vorneweg möchte ich auf die wunderschöne Optik und Haptik des Buches hinweisen. Unter dem Schutzumschlag kommt ein wahres Schmuckstück zutage.Ardglas, County Donegal: Oktober 1994 bis März 1995: Die Dichterin Colette Crowley hatte einige Monate zuvor ihren Mann und ihre drei Söhne verlassen, um mit einem anderen Mann in Dublin zu leben. Ein Skandal in dem kleinen Ort im konservativen, erzkatholischen Irland. Colette mietet ein Cottage von Donal und Dolores Mullen. Das Cottage liegt an der Coast Road oberhalb des Hauses der Mullens und ist von dort aus über einen kleinen Pfad erreichbar.Ihr Mann verwehrt Colette jeglichen Kontakt zu ihren Kindern, worunter sie sehr leidet. Da kommt ihr die Idee, sich mit Hilfe von Izzy, der Mutter eines Schulfreundes ihres Sohnes Barry, mit Barry zu treffen. Izzy sträubt sich zunächst, sieht jedoch ein, dass eine Mutter Sehnsucht nach ihren Kindern hat und organisiert Ausflüge in einen Freizeitpark und ein Shoppingcenter, wo sich Colette mit Barry trifft. Der Elfjährige vermisst seine Mutter genauso wie sie ihn.Izzy ist mit einem Lokalpolitiker verheiratet, die beiden haben Eheprobleme und sprechen manchmal wochenlang nicht miteinander. Um ihrem Zuhause zu entkommen, nimmt sie an verschiedenen Abendkursen teil. Als Colette einen Schreibworkshop anbietet, ist Izzy dabei. Die beiden Frauen freunden sich an. Izzy bewundert und bemitleidet die schöne, selbstständige Colette, die von den anderen Dorfbewohnern geächtet wird.Neben Colette und Izzy ist Dolores Mullen ein wichtiger Nebencharakter. Dolores hat sehr jung geheiratet, nachdem Donal sie geschwängert hatte. Mittlerweile ist sie mit dem vierten Kind schwanger und unglücklich. Donal betrügt sie, worüber das ganze Dorf Bescheid weiß.Alle drei Frauen führen unglückliche Ehen, doch eine Scheidung kommt nicht in Frage, sie ist gesetzlich verboten. Izzy beobachtet, wie sehr Colette unter der Trennung von ihren Kindern leidet und zerbricht sich den Kopf, ob eine Trennung von ihrem Mann sie glücklicher machen würde.Erstaunlich, dass der Roman von einem Mann geschrieben wurde, da die Männer durchweg negativ dargestellt werden. Donal ist ein notorischer Fremdgeher, Shaun verbietet seiner Frau den Kontakt zu ihren Kindern, die erwachsenen Söhne lehnen ihre Mutter ab, James interessiert sich nur für seine Karriere und verbringt kaum Zeit mit der Familie. Einzig der Dorfpfarrer, der früher Polizist war, hat vernünftige Ansichten.Ich habe das Buch sehr gern gelesen und bin in das irische Dorfleben in den 1990er Jahren eingetaucht. Mein Lieblingscharakter ist der Pfarrer mit seiner fortschrittlichen Sicht auf seine Mitmenschen und die Kirche. Über die Auflösung des Verbrechens habe ich mich sehr gefreut, da ich Bedenken hatte, dass der Mörder davonkommt. Der Roman hat mich berührt und betroffen gemacht, wie gut, dass sich die Gesetzeslage geändert hatte, und die Frauen seit November 1995 frei entscheiden können, ob sie in einer unglücklichen Beziehung verbleiben oder sich zur Scheidung entschließen. Ich freue mich auf weitere Bücher von Alan Murrin.

robby-lese gern am 30.04.2025 15:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

ein Roman der mich tief beeindruckt hat

"Coast Road " ist ein Roman, der berührt und zum Nachdenken anregt und den ich aus tiefstem Herzen empfehlen möchte. Der Roman spielt 1994 in einem kleinen Ort in Irland. Adglas ist geprägt von althergebrachten Konventionen , auch geprägt durch den katholischen Glauben, kontroliert durch die Dorfgemeinschaft. Colette, eine Frau, die ihren Mann und ihre drei Kinder für einen anderen Mann verlassen hat, wird gier schnell verurteilt und zum Dorfgespräch, vor allem wenn sie zurückkommt und allein in einem Cottage lebt.Ihr Ansinnen zurückzukommen war die Sehnsucht nach ihren Kindern, doch ihr Mann verwehrt ihr den Kontakt zu ihnen, obwohl er selbst eine Freundin hat und Colette sich von ihrem Freund getrennt hat. Mit Hilfe einer "Bekannten" gelingt es Colette trotzdem hin und wieder ihren jüngsten Sohn zu treffen ohne Wissen ihres Mannes. Doch ihr Leben ist nach der trennung von ihrem Mann schwer, da sie auch kaum finanzielle Unterstützung erhält. Mich hat dieses Buch teif beeindruckt, wurde es doch von einem Mann geschrieben, der sehr viel Emphatie aufbringt , um die Situation der Frauen in einem streng katholisch geprägten Land zu beschrieben. Einem Land der Männer, denn sie sind diejenigen , die die Regeln vorgeben. Ihre Frauen verharren in Ehen, die schon lange keine Liebe und gegenseitigen Respekt mehr zeigen, die sich mit ihrem Schicksal abgefunden haben, auch weil sie meist mehrere Kinder haben und finanziel abhängig sind. Eigenständigkeit wird verwehrt, auch um diese Abhängigkeit zu zementieren. Sie werden betrogen und misshandelt, auch mit Wissen der Dorfgemeinschaft, aber aufbegehren tut keiner. Man lenkt sich ab mit Oberflächlichkeiten und Alkohol, aber der Wille zur Veränderung wird gleich im Keim erstickt. Colette, die mutig genug war diesen Weg zu wagen wird misstrauisch beäugt, aber sicherlich auch heimlich bewundet. Solidarität wird ihr allerdings öffentlich nicht gezeigt. Mich hat dieses Buch durch ein Wechselbad der Gefühle gehen lassen. Wut darüber, was Männer sich herausnehmen, nur weil sie per Zufall als Mann geboren wurden, Dankbarkeit, dass diese Zeiten vorbei sind, denn bis in die sechziger Jahre erging es vielen Frauen in Deutschland auch so und Stolz, Teil der Frauenbewegung gewesen zu sein, denn ich habe aktiv für Frauenrechte gekämpft. Auch hat es mich geschmerzt zu sehen, wie auch die Kinder in solchen Ehen litten, Auffälligkeiten zeigten und wahrscheinlich das Beziehungsmuster für ihre eigenen Beziehungen lernten . Ein Buch, dem ich viele Leser wünsche, weil es ein sehr wichtiges Buch ist.

elke17 am 26.04.2025 11:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Frauenleben in Irland

1994, Ardglas im County Donegal. Ein Küstenstädtchen, in dem misstrauisches Beäugen, Klatsch und Tratsch an der Tagesordnung ist, und diejenigen, die sich nicht an die ungeschriebenen Regeln halten, hinter vorgehaltener Hand zum Tagesgespräch werden. Kein gutes Pflaster für die Frauen, die in unglücklichen Ehen ausharren müssen, denn noch fehlt Mitte 1994 die Möglichkeit zur legalen Trennung. Diese wird erst ein Jahr später durch einen sehr knappen Volksentscheid geschaffen.Murrin beschreibt mit viel Feingefühl die ungeschriebenen Gesetze und gesellschaftlichen Konventionen, die von Hoffnungslosigkeit geprägte Enge, mit der viele verheiratete Frauen in dem vom Katholizismus geprägten Irland zu kämpfen haben. Gefangen in unglücklichen Ehen, in denen Männer die Regeln festlegen, für sich selbst aber kein Problem damit haben, diese zu brechen. Freiheit und Selbstverwirklichung hingegen wird den Frauen nicht zugestanden.Exemplarisch in „Coast Road“, dem beeindruckenden Debütroman des mehrfach für seine Kurzgeschichten ausgezeichneten Autor, zeigt Alan Murrin, drei Frauenleben: Colette, Dichterin und Freigeist, die den Ausbruch gewagt hat, aber von Sehnsucht nach ihren Kindern getrieben zurückkehrt. Ein Umstand, den Shaun, ihr Mann, für sich zu nutzen weiß. Izzy, deren ehrgeiziger Politikergatte James sie in die Depression treibt, ihr wegnimmt, was ihr am meisten bedeutet. Interessanterweise hat er zwar die Liberalisierung des Scheidungsrechts auf seiner Agenda, setzt aber alles daran, den Pfarrer, der Verständnis für die Probleme seiner Frau zeigt, aus der Gemeinde zu entfernen. Und Dolores, Mutter von vier Kindern und erneut schwanger, verheiratet mit dem notorischen Fremdgeher Donal.Murrin beschreibt mit viel Feingefühl die ungeschriebenen Gesetze und gesellschaftlichen Konventionen, die von Hoffnungslosigkeit geprägte Enge, mit der viele verheiratete Frauen in dem vom Katholizismus geprägten Irland zu kämpfen haben. Gefangen in unglücklichen Ehen „bis dass der Tod sie scheidet“, in denen Männer die Regeln festlegen, für sich selbst aber kein Problem damit haben, diese zu brechen, was zu allem Überfluss auch noch von vielen drn weiblichen Mitgliedern der Gemeinde toleriert und nicht hinterfragt wird. Schaut man sich deren argwöhnische Kommentare über diejenigen an, die ein solches Verhalten nicht länger hinnehmen wollen, nach Veränderung streben, gewinnt man den Eindruck, dass sie ihren Alltag komplett unreflektiert leben und die Unterdrückung ihrer Bedürfnisse klaglos akzeptieren. Von Verstehen, Sympathie und Solidarität, Gott bewahre, keine Spur. Traurig.

herzenslustlos am 21.04.2025 22:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Berührender Kleinstadtroman

In Coast Road von Allan Murrin geht es um eine kleine irische Stadt in den 90ern, noch bevor die Scheidung in Irland legalisiert wurde. Das streng katholische Städtchen ist in Aufruhr als Colette wieder auftaucht, die Dichterin die vor einem Jahr ihren Mann und ihre Kinder verließ und zu einem anderen Mann nach Dublin zog.Coast Road ist ein großartiger Roman, der wirklich wunderbar geschrieben und sehr schnell zu lesen war. Es wurde nie langweilig. Die Kulisse an der Küste Irlands wurde eindrucksvoll beschrieben und die Charaktere wirkten total real. Die Geschichte an sich war auch sehr berührend. Tragisch und traurig, wie man es so oft gewohnt ist von irischen Autoren und warum ich sie so wertschätze. Außerdem wurden eindrucksvoll die gesellschaftlichen Schwierigkeiten der Frauen in Irland vor gerade 30 Jahren aufgearbeitet.

büchersally am 21.04.2025 10:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Gefangen in Konventionen

Ardglas, 1994. Colette Crowley möchte mehr Zeit mit ihren Söhnen verbringen und kehrt in ihre Heimatstadt zurück. Vor einiger Zeit hatte sie ihre Familie verlassen, um in Dublin ein ganz anderes Leben zu führen. Im katholischen Irland der 90-er Jahre stößt sie mit diesem Verhalten auf kollektives Unverständnis. Nur weil Dolores das Geld benötigt, vermietet sie ihr das kleine Cottage an der Coast Road. Ihr Mann Donal hätte es auch lieber anders, aber findet dann Gefallen an der einsamen Frau. Die Situation spitzt sich zu und wird zu einem wahren Krimi.Alan Murrin konzipiert eine Geschichte, die für seine Protagonistin einen Leidensweg darstellt. Sie wollte sich von ihrem Ehemann Shaun trennen, was zu der Zeit verboten war. Als die Sehnsucht nach ihren Söhnen immer größer wird und zudem die Beziehung mit ihrem neuen Partner nicht funktioniert, kehrt Colette zurück. Sie stößt auf massive Ablehnung bei ihrer Familie und auch in der Gesellschaft. Der Umgang mit ihren Kindern wird ihr verwehrt. Die immer stärker werdende Verzweiflung arbeitet der Autor wunderbar heraus, sodass man mit der Frau mitfühlen kann. Es wird überdeutlich, dass es in einer Zeit, die noch gar nicht so lange vorbei ist, eine derartige Ungerechtigkeit zwischen der Selbstbestimmung von Mann und Frau gab. Scheidungen sind erst seit 1995 in Irland erlaubt. An der Positionierung der anderen Figuren kann man die Bigotterie ablesen, mit der alle den Schein nach außen wahren wollen. Die Geschichte wirkt verstörend, was aber vermutlich eine Irin ganz anders sehen würde.Zwischen Ablehnung und SehnsuchtDie Figuren sind sorgfältig ausgewählt. Sie verkörpern jeweils eine Haltung, die sich durch die Bevölkerung zieht. Die Frau des Pastors ist sich ihrer Stellung bewusst und verbirgt so gut es geht ihre unglückliche Ehe. Sie bewundert Colette, dass diese den Mut zum Weggehen aufbrachte. Dolores ist ebenfalls in ihrer Ehe unglücklich. Sie nimmt die Seitensprünge ihres Mannes hin, weil sie sowieso keine Alternative hätte. Die Erzählperspektive wechselt zwischen den Figuren, sodass man ihre Beweggründe erklärt bekommt, auch wenn man manche hinterher immer noch ablehnt. Es wird aufgezeigt, wie selbstverständlich die Männer ihr Leben einrichten und ihren Frauen nur zugestehen, was ihnen hilfreich erscheint. Das Referendum zur Gesetzesänderung war mehr als überfällig. Murrin zeigt mit dem Handlungsverlauf, wie die permanente Fremdbestimmtheit einen Menschen zermürben und die gesellschaftliche Ächtung zum Zerbrechen führt. Er übt 30 Jahre später noch Kritik, dass dies in Irland so lange möglich war.Alan Murrin zeichnet mit The Coast Road ein eindringliches Porträt einer Frau, die gegen gesellschaftliche Normen und moralische Verurteilung kämpft. In einer Zeit, in der Scheidung in Irland noch verboten war, muss Colette erfahren, dass Selbstbestimmung für Frauen nicht vorgesehen ist. Der Roman ist nicht nur eine bewegende Charakterstudie, sondern auch ein kritisches Spiegelbild einer Gesellschaft, die ihre Widersprüche und Ungerechtigkeiten lange verdrängt hat. Die dichte Atmosphäre, die fein ausgearbeiteten Figuren und die schmerzliche Intensität der Erzählung machen das Buch zu einer fesselnden, aber auch bedrückenden Lektüre.

bookworld91 am 03.04.2025 05:04 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Wichtiges Thema

Wie lebt es sich in einer Ehe, der man nur noch entkommen möchte? Und wie ist das Leben als Außenseiterin? Darum geht es in den Roman Coast Road.Das Cover gewährt sprichwörtlich einen Einblick. Es wirkt wie eine tapezierte Wand, von der ein kleines Stück Tapete abblättert und einen Blick auf eine Küstenstraße inklusive Kirche freigibt. Diese Straße scheint der Handlungsort zu sein. Ein kleiner Ort in Irland, Mitte der 90er Jahre. Colette kehrt, nachdem sie ihre Familie verlassen hat, zurück an die irische Küste. Doch ihr Mann untersagt den Kontakt zu den Kindern und die meisten Menschen in der Coast Road schließen sie aus. Lediglich Izzy, in einer unglaublichen Ehe mit einem Lokalpolitiker, hilft Colette weiter- in einer Zeit, wo das Konzept der Ehe in Irland vor den Umbruch steht. Dann kommt es zu einem tragischen Vorfall…Ich habe mich bereits während meines Studiums mit der irischen Kultur befasst und kann das beschriebene Lebensgefühl sehr gut nachvollziehen. Trennung oder gar Scheidung war damals im religiösen Irland ein absolutes Tabu und hat nicht nur an der Küste Frauen aus der Gesellschaft verdrängt. Während die einen durch heimliche Affären erste Freiheiten genossen, wurden andere aufgrund dieser zur persona non grata. Dies wird eindrücklich nicht nur an Colette’s Fall beschrieben, sondern auch an Izzys Trennung von ihren gewalttätigen Mann- wobei sie eine Affäre mit den Pfarrer hat- als auch am Beispiel von Colettes Vermieter, der lange den Rückhalt seiner Frau genießt und so Spielraum für Affären hat. Da Murrin sich gegen einen bestimmten Erzähler entschieden hat, kann ich als Leserin die Gedanken und Taten verschiedener Charaktere nachverfolgen, ohne mich auf einzelne zu beschränken. Hierbei gelingt es immer wieder, den Finger indirekt in die Wunde zu legen und Missstände aufzuweisen. Sei es die Affäre, Überforderung oder die Ausgrenzung- in Coast Road findet alles einen Platz, was gerne übersehen wird. Es ist wie, wenn man es nicht überdecken konnte, was zum Cover mit der Tapete wunderbar passt. Unterstützt wird die Beobachterrolle durch Murins Schreibstil. Die Charaktere, Landschaft und Handlung werden genau beschrieben und ich kann mir die einzelnen Szenen gut vor Augen führen. Was meinen Lesefluss etwas gehemmt hat war der Fakt, dass manche Ereignisse in die Länge gezogen wurden beziehungsweise streckenweise nichts passiert ist. Insgesamt war es aber ein toller Lesegenuss mit vielen wichtigen Aspekten. Ich vergebe vier Sterne und würde mich freuen, mehr vom Autor zu lesen.

Aktuelle Rezensionen

Pressestimmen

Kölner Stadt-Anzeiger
Alan Murrin schreibt diesen aufwühlenden Roman spannend und mit großer Sympathie für die Frauenfigur...en. mehr weniger

Elke Heidenreich, 08.02.2025

Brigitte
Mit Feingefühl und erzählerischem Können.

02.07.2025

Bücher Magazin
Hier passt alles zusammen: die herbe Landschaft, die starken Charaktere und eine Handlung ohne falsc...hes Pathos. mehr weniger

01.04.2025

TO GO Berlin
Ein unvergesslicher Roman über die gesellschaftlichen Beschränkungen von Frauenleben in Irland vor n...icht allzu langer Zeit. Und das alles von Männerhand geschrieben. Einfühlsam und gleichzeitig aufwühlend. mehr weniger

01.04.2025

Hamburger Abendblatt
Alan Murrin erzählt in ›Coast Road‹ von dramatischen Ereignissen um die tapfere, aber auch haltlose ...Colette, die sich lediglich deswegen ereignen, weil die irische Gesellschaft vor ein paar Jahrzehnten noch ziemlich rückständig war. Mit Figuren, die glaubwürdiger sind als Geschöpfe ihrer Zeit. mehr weniger

Thomas Andre, 24.03.2025

rbb radioeins
Alan Murrin ist ein wirklich toller Erzähler. Er gibt seinen Figuren mit weinigen Details, mit wenig...en Gesten und Worten eine große Tiefe. mehr weniger

Thomas Böhm, 03.03.2025

Emotion
Ein Buch, über das man mit seinen Freund*innen sprechen will… um sie danach zu umarmen.

Timothy Sonderhüsken, 03.03.2025

NDR Kultur
Es geht auch um die Freiheit der Wahl. Darum, dass die Unterdrückung nicht endet, bloß weil der Gese...tzgeber es will. Da wird ›Coast Road‹ brandaktuell. mehr weniger

18.02.2025

Deutschlandfunk Kultur
Alan Murrin gelingt es, den drei Frauen seines Romans scharfe Konturen zu geben, und die Fäden ihrer... mühsamen Leben geschickt miteinander zu verbinden. mehr weniger

Rainer Moritz, 14.02.2025