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Buch Coast Road, Foto von Autor Alan Murrin und Zitat von Gillian Anderson. Diesen Roman habe ich geliebt.
Buch Coast Road, Foto von Autor Alan Murrin und Zitat von Gillian Anderson. Diesen Roman habe ich geliebt.
An der irischen Küste schwimmt man nicht gegen den Strom

Coast Road

Herbst 1994. Die Bewohner des irischen Küstenstädtchens Ardglas beschäftigt nur ein Thema: Colette Crowley – Dichterin, Bohemienne, die Frau, die ihre Familie verlassen hat, um in Dublin ihr Glück zu finden – ist zurück und wohnt in einem kleinen Cottage an der Coast Road. Jeder ihrer Schritte wird von der Gemeinde argwöhnisch beäugt. Hat sie es verdient, dass ihr Mann ihr den Zugang zu den Kindern verwehrt? In ihrer Verzweiflung bittet Colette eine Bekannte um Hilfe, Izzy Keaveney, Hausfrau und Mutter, unglücklich verheiratet mit einem Lokalpolitiker, der sich ausgerechnet für die Legalisierung der Scheidung im Land einsetzt. Und so entsteht zwischen den beiden sehr unterschiedlichen Frauen eine Bindung, die ihre Leben in ungeahnte Bahnen lenkt.

In schnörkelloser Prosa, mit psychologischem Feingefühl und großartiger Beobachtungsgabe erzählt Alan Murrin von den gesellschaftlichen Einschränkungen, die Frauenleben in Irland vor gerade einmal dreißig Jahren bestimmten – kurz bevor Scheidung in einem Referendum mit knapper Mehrheit legalisiert wurde – und beleuchtet dabei subtil, was Frauen überall auf der Welt auch heute noch davon abhält, ihre Partner zu verlassen.

Ausgezeichnet als »Newcomer of the Year« bei den Irish Book Awards 2024

»Alan Murrin schreibt wie die besten irischen Autoren mit einer ruhigen, poetischen Gewandtheit.« Sarah Winman

»Die weiblichen Figuren sind komplex und faszinierend, voller Wut und Hoffnung. Ich konnte das Buch kaum aus den Händen legen.« Gillian Anderson

»Alan Murrin ist ein begabter Erzähler, der seine Figuren so dreidimensional zeichnet, dass ich mit ihnen mitgefiebert und mitgelitten habe, als wären sie real.« Louise Kennedy

Bibliografische Daten

EUR 10,99 [DE]
ISBN : 978-3-423-44687-7
Erscheinungsdatum: 13.02.2025
1. Auflage
384 Seiten
Sprache: Deutsch, Übersetzung: Aus dem Englischen von Anna-Nina Kroll
Autor*innenporträt

Alan Murrin

Alan Murrin ist ein irischer Schriftsteller, der seit einigen Jahren in Berlin lebt. Er absolvierte den renommierten Masterstudiengang im Kreativen Schreiben an der University of East Anglia. 2021 gewann er für seine Kurzgeschichte ›The Wake‹ den Bournemouth Writing Award; die Geschichte stand ebenfalls auf der Shortlist für die Kurzgeschichte des Jahres der Irish Book Awards. Als Kulturkritiker schrieb er u. a. für The Irish Times, TLS  und The Spectator. ›Coast Road‹ ist sein Debütroman, für den er 2024 bei den Irish Book Awards als ›Newcomer of the Year‹ ausgezeichnet wurde.

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Übersetzer*innenporträt

Anna-Nina Kroll

Anna-Nina Kroll, 1988 in Essen geboren, studierte Literaturübersetzen in Düsseldorf. Sie hat u. a. Werke von Donal Ryan, Carmen Maria Machado, John Irving und Anna Burns ins Deutsche übertragen. Für ihre Übersetzung von Anna Burns' ›Milchmann‹ erhielt sie im Jahr 2021 den Förderpreis zum Straelener Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW.

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103 von 103 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.5 von 5 Sternen


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2 - 10 von 103 Leserstimme

larissa2808 am 23.03.2025 03:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Toller Roman

Es ist 1994 und in Irland ist die Scheidung der Ehe illegal. Trotz dessen hat Colette Crowley es gewagt, sich von ihrem Mann zu trennen und das ganze Küstenstädtchen Ardglas spricht über nichts anderes als das abtrünnige und promiskuitive Verhalten der Schriftstellerin. Colette hat sich in einem kleinen Cottage an der Coast Road eingemietet und bekämpft die Einsamkeit hier und da mit Alkohol und Männerbekanntschaften. Sie kämpft darum, wieder Zugang zu ihren Söhnen zu bekommen, den ihr ihr Ehemann verwehrt. Dabei bittet sie Izzy Keaveney um deren Hilfe. Izzy ist selbst nicht ganz glücklich mit einem Lokalpolitiker verheiratet, der sich für die Legalisierung der Scheidung im Land einsetzt. Die beiden Frauen beschäftigen ähnliche Probleme und doch gehen sie ganz unterschiedlich damit um. Eine Hilfe sind sie sich dennoch gegenseitig. Sogar dann noch  als die Katastrophe ihren Lauf nimmt. Woah, so ein tolles Buch! Top Setting, spannende Zeit und richtig gut gezeichnete Charaktere. Besonders Izzy kann man einfach nur gut finden, mit ihrer unvergleichlichen Art.Ich fand es erstmal total krass, dass die Scheidung so lange illegal in Irland war - wusste ich bis dato gar nicht. Und dann wurde mir beim Lesen wieder bewusst, wie sehr die Rolle der Frau noch in den 90iger-Jahren durch Kinder und Haushalt geprägt war. Da sieht man wieder, wie alt man ist...🙈.Ich mochte das Buch richtig gern, weil es einfach alles hat, was ein guter Roman braucht und weil Colette und Izzy echt coole Socken sind, die ihr Leben leben, obwohl alle irgendwie besser wissen, was gut für sie ist.

bookwood am 16.03.2025 08:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Emotional berührend

Alan Murrin ist es mit seinem Erstlingswerk „Coast Road“ gelungen, ein emotional sehr berührendes Werk zu schreiben. Dazu taucht er in das Irland von 1994 ein. Zu dieser Zeit ist es noch nicht möglich, sich in Irland scheiden zu lassen. Die Frauen, die tatsächlich den Mut aufbringen, sich von ihren Männern zu trennen, müssen als Geächtete der Gesellschaft leben. Um dies zu verdeutlichen erzählt der Autor die Geschichte von Colette Crowley, einer Dichterin, die einen Mann aus dem kleinen Küstenstädtchen Ardglas geheiratet hat. Colette, die schon immer durch ihre extravagante Art anders war als die anderen Bewohner des Ortes, bricht aus ihrer Ehe aus und verlässt ihren Mann und ihre drei Söhne, um mit ihrem Geliebten in Dublin ein neues Leben zu beginnen. Als sie erkennt, dass sie an der Trennung von ihren Kindern zu zerbrechen droht, kehrt sie nach Ardglas zurück, um ihnen nahe zu sein. Sie sucht die Freundschaft und Unterstützung von Izzy, die ebenfalls in ihrer Ehe mit einem Lokalpolitiker nicht glücklich ist. Als Colette das Feriencottage von Dolores und Donal mietet, steuert sie unaufhaltsam einer Katastrophe entgegen, die niemand mehr aufzuhalten vermag.Was mich an diesem Buch besonders beeindruckt, aber auch irritiert hat ist die Tatsache, dass es von einem Mann geschrieben wurde. Alan Murrin setzt sich aber so gekonnt mit dem Thema auseinander, dass die Frauengestalten seines Romans absolut authentisch beschrieben werden und auch durchaus die Kritik an einem System, in dem Männer auch im 20. Jahrhundert noch problemlos über das Leben ihrer Ehefrauen bestimmen konnten, wird mehr als deutlich. Außerdem hat er wirklich sehr treffend die Gefühlswelt von Colette und Izzy geschildert, denen ihre Kinder so wichtig sind, dass sie ihre eigenen Interessen zurückstellen. Das hat mich wirklich überzeugt.Für mich war das Buch eine tolle Lektüre, die den Zeitgeist Irlands kurz vor der Zulassung der Ehescheidung hervorragend trifft. Die äußere Gestaltung des Buches finde ich mega schön, besonders gelungen die „Überraschung“, wenn man den Schutzumschlag entfernt. „Coast Road“ sollte man unbedingt lesen, nicht nur wenn man Irland-Fan ist.

scarlett59 am 13.03.2025 13:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Mit Tiefgang

Meine Meinung: • Das Cover ist ein echter Hingucker. Nicht nur der Schutzumschlag ist interessant, sondern auch der darunterliegende Bucheinband ist sehr ungewöhnlich gestaltet. • Durch den klaren Schreibstil lässt sich das Buch wirklich angenehm lesen. • Die einzelnen Personen werden erst nach und nach beschrieben, so dass für den Leser eine entsprechende Zuordnung der Beziehungen dieser untereinander leichter ist. • Meine Sympathie für die verschiedenen Protagonisten wechselte im weiteren Verlauf der Geschichte mehrfach. • Ich bin erstaunt, wie der Autor die Stimmungen und Gedanken der weiblichen Hauptfiguren so realistisch entwickelt hat. • Ob ich mit folgendem Zitat konform gehen kann, werde ich wohl noch ein wenig länger drüber nachdenken: „… dass Hinnahme nicht gleichbedeutend war mit Resignation. …“ • FAZIT: eine ansprechende Lektüre ohne große Effekthascherei, aber mit Tiefgang

Barbara am 12.03.2025 13:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Spannende Frauenschicksale im Irland der 1990er Jahre

Das Buch ist außen besonders schön gestaltet - mit dem scheinbar eingerissenen Buchumschlag, der den Blick auf den Küstenort wie durch ein Guckloch freigibt.
Zum Inhalt:
Ein kleiner Küstenort in Irland in den 1990er Jahren, kinderreiche Familien, mehrere zerrüttete Ehen, Konflikte, über die man nicht spricht und verlogene Moral, die von tiefsitzendem Katholizismus bestimmt wird - das muss ja irgendwann knallen! Die freigeistige Colette organisiert in dem Ort, in den sie zurückgekehrt ist, Literaturkurse - gegen den Willen ihres Mannes, von dem sie getrennt lebt und der ihr zur Strafe die Söhne vorenthält. Es gab ja zu der Zeit noch keine Scheidung.
Dann eine ungewollte Schwangerschaft ... Wenn man bedenkt, dass Irland bis vor wenigen Jahren eines der strengsten Abtreibungsgesetze in ganz Europa hatte, was Tausende von Frauen zwang, entweder illegal und gefährlich in ihrer Heimat oder heimlich im Ausland einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen - und welche Position die Kirche bei dieser Frage eingenommen hat ...
Dadurch treibt alles einem brandgefährlichen (explosiven) Höhepunkt zu. Ich musste plötzlich an das Mittelalter und Hexenverbrennung denken ... Wie erschütternd, dass so etwas noch Ende des zwanzigsten Jahrhunderts möglich war!
Doch zum Schluss lehnen sich die Frauen auf - jede auf ihre Weise. Die eine verrät das dunkle Geheimnis der Polizei, damit der wahre Täter vor Gericht kommt, die andere findet den Mut, sich gegen das männerdominierte Schulsystem aufzulehnen und hilft einem der Söhne, Rückgrat zu zeigen.
Bis zum Schluss eine fesselnde Geschichte!

antjedomenic am 11.03.2025 15:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Highlight

Auf dieses Buch war ich gespannt. Oft habe ich es leider nicht gesehen im Netz und ich wundere mich, denn schon nach den ersten Seiten konnte ich das Buch kaum zur Seite legen. Ich hatte nicht mit so einer Geschichte gerechnet und bin froh, dass ich es gelesen habe.Der Autor war mir nicht bekannt und ich fand den Klappentext wirklich gut. Die Gestaltung ist so toll, denn auch unter dem Schutzumschlag des Buches ist es wirklich ein Schmuckstück. Inhalt und Aussehen sind wirklich schön.Ich kann gar nicht so richtig beschreiben, was mein Leserherz als Erstes erobert hat. Denn der Autor hat einen weichen und flüssigen Schreibstil. Er hat die Protagonisten und auch die Umgebung so gut beschrieben mit den für mich immer richtigen Worten. Es war wirklich ein großartiger Lesegenuss, dieses Buch und ich hoffe der Autor schreibt Nachschub.Wir sind im Herbst 1994 in einer kleinen irischen Küstenstadt. Wie das in Kleinstädten so ist kennt jeder jeden und es wird immer getratscht. So auch in dieser Geschichte. Ich finde auch das hat der Autor perfekt umgesetzt mir dieses Kleinstadtfeeling zu vermitteln beim Lesen.Colette ist Dichterin und kehrt in die Kleinstadt zurück nachdem sie vor einiger Zeit ihren Mann und auch die Kinder einfach verlassen hat. Doch der Versuch mit dem anderen Mann ist gescheitert. Sie sucht dringend den Kontakt zu ihren Kindern, den der Vater aber verbietet. Sie vermisst die Kinder sehr.Sie zieht in ein kleines Cottage. Doch alle anderen im Ort reden natürluch über Sie und das nicht wirklich gut. Zudem reimen sich die Mitbewohner auch immer wieder neue Dinge dazu, die es Colette wirklich erschweren einen neuen Weg in ihrem Leben einzuschlagen.Sie findet Zugang zu Izzy, die ihr etwas hilft bei dem Kontakt mit den Kindern. Doch der Ehemann von Izzy bekommt das mit und findet das nicht gut. Auch in der Ehe von Izzy läuft es nicht wirklich gut und die Dinge spitzen sich zu. Wie werden die Leben der Beiden weitergehen und was passiert noch?Dieses Buch ist einfach großartig. Es ist ein Frauenportät, was zu Herzen geht und was in einem viel regt beim Lesen, zumindest ging es mir so. Spannend und auch psychologisch hat der Autor absolut meinen Geschmack getroffen. Für mich ein Lesehighlight.

beavielleser am 06.03.2025 18:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Kindesentzug

Colette hat vor einiger Zeit Ihren Mann Shaun verlassen.  Als sie nun nach Ardglas zurückkehrt, versucht sie ihre Söhne zu sehen.  Aber ihr Mann verweigert ihr nach wie vor den Kontakt mit Ihnen.  Auch die anderen Bewohner reagieren mit Ablehnung auf ihre Rückkehr. In ihrer Verzweiflung bitte sie Izzy, die Frau eines Lokalpolitikers um Hilfe.  Als auch dieser Versuch scheitert wird Colette immer deprimierter,  leidet unter ihrer Einsamkeit und fängt zu Trinken an. Die Charaktere von Colette, Izzy und auch den anderen Protagonisten sind ausdrucksstark und faszinierend. Die Lebensituationen  glaubwürdig.  Alan Murrin  beschreibt in diesem Roman eindringlich und einfühlsam wie eingeschränkt die Rechte der Frauen im damaligen Irland waren und warum viele bei Ihren Männern blieben,  obwohl das Leben mit ihnen alles andere als lebenswert war. Die Männerherrschaft im damaligen Irland war unangreifbar.  Scheidung war nicht möglich.  Erst 1996 trat die Abschaffung des Ehescheidungsverbot in Kraft.

kat.d. am 05.03.2025 19:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Gesellschaftliche Zwänge

Coast Road von Alan Murrin ist ein eindringlicher Roman, der das Leben von drei Frauen im Irland der 1990er Jahre beleuchtet, als Scheidungen noch verboten waren und strikte gesellschaftliche Normen herrschten.Colette verlässt ihren Ehemann und ihre Kinder für einen verheirateten Mann in Dublin. Nach dem Scheitern dieser Beziehung kehrt sie in ihre Heimatstadt zurück, wo sie auf Vorurteile und Misstrauen stößt. Izzy, unglücklich verheiratet mit einem Lokalpolitiker, entwickelt dennoch eine vorsichtige Verbindung zu Colette. Und dann ist da noch Dolores, die in einer unglücklichen Ehe mit ihrem Mann lebt, der sie immer wieder betrügt.Der Roman zeigt die Herausforderungen und inneren Konflikte der Frauen, die sich gegen gesellschaftliche und religiöse Zwänge behaupten müssen. Der Autor fängt die einengende Atmosphäre der Kleinstadt und die sozialen Spannungen dieser Zeit sehr gut ein.

mitchwlb am 05.03.2025 17:03 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Interessant

Allein das Cover ist schon sehr Aufsehen erregend und man wird hineingezogen in das Dorfleben von Ardglas. Es wird die irische Gesellschaft von 1994 beschrieben, die kurz vor einem Umbruch steht und eine Scheidung plötzlich möglich ist. Man begleitet Colette Crowley, die nach einer Trennung wieder in ein kleines Cottage an der Coast Road einzieht. Colette freundet sich mit Izzy an, einer Hausfrau und Mutter, die unglücklich in einer Ehe feststeckt mit einem Lokalpolitiker. Alan Murrin schafft es uns in das Seelenleben der Frauen blicken zu lassen und was die gesellschaftlichen Zwänge mit den ihnen anstellen. Gerade das enge Korsett der Ehe und der bis dahin unerreichbare Ausstieg durch die Scheidung wird hier sehr nachvollziehbar beschrieben, mit allen Höhen und Tiefen. Was bewegt Frauen dazu bei ihrem Mann zu bleiben, was bewegt sie dazu sich von ihrem Mann zu trennen? Dem wird hier nachgespürt. Eine unbedingte Leseempfehlung!!

steinway am 28.02.2025 17:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Leise Töne, große Wirkung

Coast Road von Alan Murrin ist ein Roman, der leise, aber tief berührt. Schon das Cover spiegelt mit seiner schlichten, fast melancholischen Gestaltung die Atmosphäre der Geschichte wider. Die Darstellung der irischen Küste – rau, weit und ein wenig trist – passt perfekt zur Stimmung im Buch und lädt dazu ein, sich auf die Geschichte von Colette Crowley und Izzy Keaveney einzulassen.Ohne zu viel vom Inhalt zu verraten: Im Mittelpunkt steht Colettes Rückkehr in das kleine Städtchen Ardglas. Nach Jahren in Dublin, wohin sie ihre Familie für ein freieres Leben verlassen hatte, kehrt sie in ihre alte Heimat zurück. Die Dorfgemeinschaft begegnet ihr mit Misstrauen. Izzy, die selbst in einer unglücklichen Ehe mit einem Lokalpolitiker feststeckt, wird zu Colettes Verbündeter. Gemeinsam trotzen sie den gesellschaftlichen Erwartungen – in einer Zeit, in der Scheidung in Irland noch ein heikles Thema war.Murrin gelingt es, diese Themen auf sehr subtile Weise zu behandeln. Sein Schreibstil ist schnörkellos und gleichzeitig unglaublich einfühlsam. Er beschreibt die inneren Kämpfe der Figuren ohne große Dramatik, dafür umso eindringlicher. Die Charaktere wirken authentisch: Colette ist weder Heldin noch Opfer, sondern einfach eine Frau, die versucht, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Izzy hingegen verkörpert die leise Sehnsucht nach Veränderung – ein Gefühl, das viele Leser*innen nachvollziehen können.Besonders spannend fand ich, wie Murrin die gesellschaftlichen Umbrüche der 1990er Jahre in Irland aufgreift. Das Referendum zur Legalisierung der Scheidung bildet einen stimmigen Hintergrund für die persönliche Entwicklung der Figuren.Fazit: Coast Road ist ein stiller Roman, der lange nachhallt. Er ist perfekt für alle, die sich für irische Geschichte und gesellschaftliche Themen interessieren, aber auch für Leser*innen, die sich einfach in eine gut erzählte, feinfühlige Geschichte fallen lassen möchten. Murrin beweist, dass große Geschichten oft im Kleinen beginnen – und dass selbst leise Stimmen gehört werden sollten.

readaholic am 25.02.2025 21:02 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Argwöhnisch beobachtet

In der Kleinstadt Ardglas an der irischen Küste wird jeder Fremde misstrauisch beäugt. Als der erfolgreiche Geschäftsmann Shaun Crowley vor Jahren Colette, eine auffällig große und gutaussehende Frau, heiratete, die zudem Dichterin war, gab es lange Zeit kein anderes Gesprächsthema. Doch die Ehe ging in die Brüche, Colette zog nach Dublin und mit einem anderen Mann zusammen. Die gemeinsamen Söhne musste sie bei Shaun zurücklassen. Nachdem auch diese Beziehung nicht gutging, ist sie wieder da und lebt zur Miete in einem heruntergekommenen Feriencottage an der Coast Road. Sie hält sich mehr schlecht als recht durch Schreibwerkstätten finanziell über Wasser. Shaun verbietet ihr den Kontakt zu ihren Söhnen, worunter der Jüngste, Niall, sehr leidet. Der mittlere will von seiner Mutter nichts mehr wissen, der älteste studiert und lebt nicht mehr in Ardglas. Colette versucht verzweifelt, Niall zu sehen und bekommt dabei Hilfe von Izzy, der Frau eines Lokalpolitikers, die heimliche Treffen arrangiert. Doch sie werden beobachtet und Izzys Mann verbietet ihr den Umgang mit Colette, nachdem Shaun ihm offen damit gedroht hat, seine politische Karriere zu sabotieren. Colette ist verzweifelt, trinkt zu viel und lässt sich auf eine Affaire ein, die ihr zum Verhängnis wird.„Coast Road“ spielt in Irland Mitte der 1990er Jahre. Es ist erschreckend zu lesen, wie wenig Rechte die Frauen damals in Irland hatten. Scheidung war nicht möglich, Frauen, die abtreiben wollten, mussten heimlich nach England fahren. Ohne Einwilligung des Ehemanns konnte eine Frau noch nicht mal ein Geschäft eröffnen, dazu war die Unterschrift ihres Ehemanns erforderlich.Ich fand die Atmosphäre in diesem Buch bedrückend und sehr eindrücklich beschrieben. Obwohl ich manche von Colettes Entscheidungen nicht nachvollziehen konnte, hatte ich Verständnis für ihre Fehlentscheidungen und sie tat mir sehr leid in ihrer Einsamkeit und Sehnsucht nach ihren Kindern. Man macht es sich zu leicht zu sagen, sie hätte ihre Familie ja nicht zu verlassen brauchen. Das Buch hat mich sehr beeindruckt und beschäftigt mich immer noch. Ein äußerst gelungener Debütroman mit einem ausgefallenen Cover, das mir im Buchladen sofort aufgefallen wäre.

Aktuelle Rezensionen

Pressestimmen

Kölner Stadt-Anzeiger
Alan Murrin schreibt diesen aufwühlenden Roman spannend und mit großer Sympathie für die Frauenfigur...en. mehr weniger

Elke Heidenreich, 08.02.2025

Brigitte
Mit Feingefühl und erzählerischem Können.

02.07.2025

Bücher Magazin
Hier passt alles zusammen: die herbe Landschaft, die starken Charaktere und eine Handlung ohne falsc...hes Pathos. mehr weniger

01.04.2025

TO GO Berlin
Ein unvergesslicher Roman über die gesellschaftlichen Beschränkungen von Frauenleben in Irland vor n...icht allzu langer Zeit. Und das alles von Männerhand geschrieben. Einfühlsam und gleichzeitig aufwühlend. mehr weniger

01.04.2025

Hamburger Abendblatt
Alan Murrin erzählt in ›Coast Road‹ von dramatischen Ereignissen um die tapfere, aber auch haltlose ...Colette, die sich lediglich deswegen ereignen, weil die irische Gesellschaft vor ein paar Jahrzehnten noch ziemlich rückständig war. Mit Figuren, die glaubwürdiger sind als Geschöpfe ihrer Zeit. mehr weniger

Thomas Andre, 24.03.2025

rbb radioeins
Alan Murrin ist ein wirklich toller Erzähler. Er gibt seinen Figuren mit weinigen Details, mit wenig...en Gesten und Worten eine große Tiefe. mehr weniger

Thomas Böhm, 03.03.2025

Emotion
Ein Buch, über das man mit seinen Freund*innen sprechen will… um sie danach zu umarmen.

Timothy Sonderhüsken, 03.03.2025

NDR Kultur
Es geht auch um die Freiheit der Wahl. Darum, dass die Unterdrückung nicht endet, bloß weil der Gese...tzgeber es will. Da wird ›Coast Road‹ brandaktuell. mehr weniger

18.02.2025

Deutschlandfunk Kultur
Alan Murrin gelingt es, den drei Frauen seines Romans scharfe Konturen zu geben, und die Fäden ihrer... mühsamen Leben geschickt miteinander zu verbinden. mehr weniger

Rainer Moritz, 14.02.2025