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Buch Demon Copperhead von Barbara Kingsolver und Text Schau nicht weg. Hier bin ich.
Buch Demon Copperhead von Barbara Kingsolver und Text Schau nicht weg. Hier bin ich.
»Ebenso klug wie wortmächtig.« Denis Scheck

Demon Copperhead

#1 New York Times 100 Best Books of the 21st Century (Readers' Choice)

»Vielleicht der beste Roman des Jahres.« Washington Post

Ein Triumph und ein großes Lesevergnügen: Der Millionenbestseller aus den USA, über ein Leben gegen alle Widerstände.

Ein Trailer in den Wäldern Virginias, dem Land der Tabakfarmer und Schwarzbrenner, der Hillbilly-Cadillac-Stoßstangenaufkleber an rostigen Pickups. Hier kommt Demon Copperhead zur Welt – die Mutter ist noch ein Teenie und frisch auf Entzug, der Vater tot. Ein Junge mit kupferroten Haaren, großer Klappe und einem zähen Überlebenswillen, bei allem, was das Leben für ihn bereithält: Armut, Pflegefamilien, Drogensucht, erste Liebe und unermesslichen Verlust. Es ist seine Geschichte, erzählt in seinen Worten, unbekümmert, vorwitzig, von übersprudelnder Lebenskraft. Ein mitreißender Roman über ein Leben auf Messers Schneide, in dem in jedem Moment Hoffnung aufscheint. 

»Eine der großen virtuosen Sprachperfomances. Eine Meisterklasse.« Richard Powers

»Erzählkunst at its best.« Stephen King

»Zutiefst berührend, zutiefst lebendig.« Susanne Abel

»Selten habe ich so sehr mit einem Helden mitgefiebert, ihm die Daumen gedrückt, seinetwegen nachts wachgelegen.« Anika Decker

Bibliografische Daten

EUR 16,00 [DE] – EUR 16,50 [AT]
ISBN : 978-3-423-14932-7
Erscheinungsdatum: 12.06.2025
5. Auflage
864 Seiten
Format : 12,2 x 19,1 cm
Sprache: Deutsch, Übersetzung: Aus dem Englischen von Dirk van Gunsteren
Autor*innenporträt

Barbara Kingsolver

Barbara Kingsolver, 1955 geboren, hat Romane, Gedichte, Essays und ein Memoir verfasst, die in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet wurden, u. a. mit dem Pen/Faulkner Award, dem Orange Prize for Fiction, dem Women's Prize for Fiction und dem Pulitzer-Preis. Sie wurde mit der National Medal of Humanities geehrt und ist Mitglied der American Academy of Arts and Letters. Aufgewachsen in Kentucky, lebt sie heute mit ihrer Familie auf einer Farm in Virginia.

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150 von 150 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.79 von 5 Sternen


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2 - 10 von 150 Leserstimme

lesestress am 07.07.2024 13:07 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Von der ersten bis zur letzten Seite geliebt!

»Ich sagte, dass mich noch nie jemand gefragt hatte, was ich werden wollte, wenn ich groß war, darum wüsste ich es nicht. Hauptsache, noch am Leben.«Manchmal passiert es mir, dass ich Bücher lese, die mir so gut gefallen, dass ich meine Rezension dazu aufschiebe, weil ich schon im Vorfeld weiß, dass ich ihnen mit meinen Worten nicht gerecht werden kann. Genau so ein Fall ist das mit mir und Barbara Kingsolvers »Demon Copperhead«. Mit stattlichen 860 Seiten darf sich dieses Epos mit Fug und Recht als Great American Novel bezeichnen: schlagfertig-virtuos, dramatisch-emotional und eminent-literarisch! Und denen, die nun glauben, dass es aufgrund seines Umfangs langatmig wäre, sei versichert, dass die hier vorliegende Übersetzung von Dirk von Gunsteren kein Wort zu viel enthält, und ich – ganz im Gegenteil sogar – am liebsten noch viel mehr davon gelesen hätte!Der titelgebende Ich-Erzähler Damon Fields – wegen seiner kupferroten Haare von allen nur Demon Copperhead genannt – wird in den 1980ern im Osten Nordamerikas, genauer Virginia, in ärmliche Verhältnisse hineingeboren. Hier gibt es nur Wälder, Tabakfelder, Arbeitslose – und Drogen, um damit klarzukommen. Die Menschen, und allen voran Demons Mutter, leben den amerikanischen Albtraum: ihr Kindsvater ist tot, sie ist trockene Alkoholikerin mit dem Hang, sich die falschen Männer auszusuchen. Der Stiefvater prügelt, die Mutter kommt (immer wieder) in den Entzug und das Kind zu Pflegefamilien. Es wundert wenig, dass diese jedoch in einer so wirtschaftsschwachen Region nur auf das Pflegegeld sowie die kostenlose Arbeitskraft ihrer Pfleglinge aus sind. Die Jahre vergehen und die Schicksalsschläge kumulieren. Aber der Junge, dessen Sterne im Leben alle auf »Scheitern« stehen, verliert nie den Mut, und irgendwann wendet sich für ihn das Blatt. In Obhut eines Coaches erfährt Demon als Teenager beinahe wahres Familienglück. Eine Position, die er als aktiver Spieler in der Footballmannschaft seiner Highschool zu stärken versucht. Alles läuft bestens, zum ersten Mal kann er sein Leben redlich genießen – bis es zu einer schweren Sportverletzung kommt. Im maroden US-Gesundheitssystem der späten 1990er floriert das Geschäft mit schmerzstillenden Opioiden. Pharmakonzerne verdienen Milliarden auf den Rücken ihrer Patient:innen, belügen diese wissentlich über die abhängig machenden Substanzen und ihre angeblichen Wunderwirkungen. Auch Demon wird ein Opfer jener Drogenkrise, die noch bis heute anhält – und Hunderttausende das Leben kostete.Starker Tobak! Aber »Demon Copperhead« ist so viel mehr als seine Schicksalsschläge; Barbara Kingsolver hat sich in ihrem zehnten Roman vollumfänglich der prekären Perspektivlosigkeit der »Vergessenen« verschrieben. Ihr scheint es um Klassismus zu gehen, denn sie gibt den Menschen nun eine Stimme, die vom Rest der Welt sonst eben vergessen, belächelt oder gar als »Hillbillies« abgestempelt werden. Im Laufe der Handlung nimmt Demon diese Vorurteile immer wieder auf und ärgert sich über sie. Er weiß um die Stellung, die andere ihm in der Gesellschaft zuweisen wollen. Trotzdem (oder gerade deshalb!) ergreift er die kleinsten Chancen, um sich diesem scheinbar vorgeschriebenen Pfad zu entziehen. Mangelnde Bildung gleicht er durch Intelligenz, Witz und Resilienz aus. Und das ist für mich die größte Stärke dieses Romans: Vermutlich könnten Leser:innen allein von der inhaltlichen Zusammenfassung depressiv werden. Alles ist schlimm, schwer, tragisch und niemanden scheint das zu interessieren, Verbesserung ist nicht in Sicht. Aber auf keiner Seite von »Demon Copperhead« fühlt sich das beim Lesen auch so an! Demon erzählt selbst und wie ihm die Schauze gewachsen ist, derb, locker, mit einer ordentlichen Prise Sarkasmus – und herzzerreißender Ehrlichkeit. Das treibt das Erzähltempo ebenso voran wie die Lesefreude, ob der im Text eingestreuten, wunderschönen Aphorismen. Ich habe »Demon Copperhead« von der ersten bis zur letzten Seite geliebt und empfehle es euch nur zu gern – gönnt euch dieses literarische Monument jetzt im Sommer, pünktlich zum #DickeBücherCamp!

alekto am 31.05.2024 07:05 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Ein Porträt der von der Opioid-Krise gezeichneten USA in Anlehnung an David Copperfield

Der Roman "Demon Copperhead", der nach seiner Hauptfigur benannt ist, stellt eine Neuinterpretation des Klassikers "David Copperfield" von Charles Dickens dar, der von Barbara Kingsolver dafür ins Hier und Jetzt versetzt wurde, um aktuelle Themen, die Amerika nun prägen, wie etwa die USA als von der Opioid-Krise gezeichnetes und gebeuteltes Land aufgreifen zu können.Demon Copperhead, der Protagonist dieses Romans, wird in den Appalachen Virginias geboren, als seine Mutter noch minderjährig ist. Der Junge mit markante, feuerrotem Haar wächst in Armut - auch in Folge der Opioid-Krise - auf. Geprägt von Verlusten und Rückschlägen, hat Demon, der über einen starken Lebenswillen besitzt bzw. Willen zum Überleben verfügt, fortwährend zu kämpfen und verarbeitet seine Erfahrungen in den von ihm gezeichneten Comics.Barbara Kingsolver gelingt in ihrem Roman eine eindringliche Beschreibung der sozioökonomischen Probleme der Region, wenn sie ein Porträt derselben entwirft, die von Armut, Ausbeutung und Drogensucht dominiert wird. Die Autorin schafft es zugleich die Balance in ihrem Werk zu wahren, indem sie die Tristesse darin nicht überhand gewinnen lässt, da ihre Hauptfigur Demon Humor besitzt, bisweilen unverwüstlich scheint und nie seinen Willen führt, darum zu kämpfen, ein besseres Leben führen zu können.Auch wenn "Demon Copperhead" sich an "David Copperfield" orientiert, ist der Roman keine leichte Kost. Das liegt nicht nur in seiner ausufernden Länge von mehr als achthundert Seiten begründet, die zumindest bei mir nicht leicht oder wie im Flug vergangen sind. Stattdessen verleiht Kingsolver ihrem Roman dadurch eine Wucht, gibt ihm eine Schwere, ein Gewicht, die der Thematik angemessen ist. Obgleich Kingsolvers lebendige Erzählweise in detaillierten Beschreibungen für ein flüssiges Leseerlebnis sorgt, stellt "Demon Copperhead" doch insgesamt eine herausfordernde Lektüre dar. Dabei deckt die Autorin eine große Bandbreite von Themen ab, die den Fokus des Romans neben Armut und soziale Ungerechtigkeit unter anderen auf die Opioid-Krise und deren Folgen richten, die im Roman schonungslos in ihren brutalen Auswirkungen auf Süchtige und deren Familien geschildert werden.Barbara Kingsolver ist in "Demon Copperhead" ein eindrucksvolles Porträt gelungen, das den Vergleich zu "David Copperfield" von Charles Dickens als dessen berühmter Vorlage nicht zu scheuen braucht. In ihrem Roman greift die Autoren die aktuellen, sozialen Probleme auf, von denen Amerika geprägt sind, und zeichnet so stellenweise ein düster, abgründiges Bild der USA. Auch wenn das Werk so alles andere als leichte Kost ist, stellt es für mich eine Pflichtlektüre dar, die vollkommen zu recht sowohl mit dem Women's Prize for Fiction als auch dem Pulitzer-Preis in 2023 ausgezeichnet wurde.

lysch am 27.05.2024 14:05 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Highlight 2024

"Jeder weiß, dass alle, die in diese Welt geboren werden, von Anfang an gezeichnet sind - Gewinner wie Verlierer. Aber ich hatte schon immer eine Schwäche für Superheldengeschichten." (S. 11)Demons Start ins Leben steht unter keinem guten Stern. Geboren im Trailerpark von einer drogenabhängigen Mutter, der Vater tot, der Stiefvater ein brutaler Mistkerl. Mies, mieser, total bescheiden geht es weiter. Denn in Virginia, einem der ärmsten Bundesstaaten der USA mitten in den Appalachen, haben selbst die Hilfs- und Sicherheitsnetze riesige Löcher. Wechselnde Pflegefamilien, Kindeswohlgefährdung und Misshandlung, ein marodes Gesundheitssystem, Armut, Hunger, Gewalt, Krankheit, Sucht... es kommt wirklich knüppeldick. Der Tod ist allgegenwärtig. Das ist nur schwer auszuhalten. Was also ließ mich dranbleiben an diesem Über-800 Seiten-Wälzer? Die Antwort ist einfach: Demon selbst. Trotz all der Widrigkeiten strahlt seine Erzählstimme soviel Wärme, Liebe, Humor und Hoffnung aus, dass die Seiten beinahe glühen beim Lesen. Von der ersten Seite an eroberte Demon mein Leserinnen-Herz. Von außen betrachtet ein Verlierer, doch tief im Inneren ein wahrer Superheld. Auch die Nebencharaktere lassen das Herz höher schlagen (Angus! Tommy!) oder den Puls ansteigen (U-Haul!), denn von absolut liebenswert über skurril-komisch bis total abscheulich ist so ziemlich jeder Menschenschlag dabei. Barbara Kingsolver verleiht einer Region eine kraftvolle Stimme, die vom Rest der USA und der Welt gerne verspottet und belächelt wird. Die "Hinterwäldler", die"Hillbillies"; "die sind doch alle drogenabhängig und leben von Tabak, Kohle und Schwarzbrennerei", um nur einige Stichworte zu nennen. Doch Kingsolver verharrt nicht bei diesen Vorurteilen. Klug recherchiert und voller Fingerspitzengefühl beschreibt sie ihre Heimat und zeigt auf, wie gezielte und strukturelle Ausbeutung eine komplette Region ins Aus katapultiert haben. Ich hatte das große Glück, Barbara Kingsolver bei einer Lesung erleben zu dürfen. Wer sie reden und erzählen hört, weiß plötzlich sehr genau, woher Demon dieses Glühen, diese Begeisterung für "seine Leute" und diesen unglaublichen Humor hat. Ein wunderbarer Roman, absolut empfehlenswert und mein Highlight 2024!"Wir hatten den Mond, der uns eine Weile durchs Fenster zulächelte und sagte, dass die Welt uns gehörte. Weil die Erwachsenen irgendwohin gegangen waren und alles in unsere Hände gegeben hatten." (S. 125)

books of tigerlily am 26.05.2024 21:05 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Zurecht Preisgekrönt

Demon Copperhead von Barbara Kingsolver ist ein preisgekrönter Roman über einen Jungen, der mit den Widrigkeiten des Lebens in der armen amerikanischen Unterschicht zu kämpfen hat. Die Autorin spielt hier bewusst mit der Ähnlichkeit zu Charles Dickens David Copperfield und erzählt eine quasi-autobiographische Geschichte über Demon Copperhead, der in Ich-Form dem Leser sein Leben mit all den Höhen und Tiefen erzählt. Die Erzählstimme geht dem Leser schnell unter die Haut und trifft den Ton des Milieus, aus dem Demon stammt. Denn er hat kein leichtes Leben gelebt. Zunächst aus unschuldig-kindlicher Perspektive wirft Demon einen Blick auf seine Kindheit voller Verlust, Hoffnung, harter Arbeit und auch Orientierungslosigkeit. Ebenso eindrücklich sind die Einblicke in die Jugendzeit, mit klassischen Elementen eines Coming of Age-Romans, in dem Demon all die Erfahrungen des Erwachsenwerdens macht. Mit zunehmenden Alter werden auch die Versuchungen immer größer und man möchte Demon öfter zurufen, gewisse Erfahrungen lieber nicht zu machen. Es kommt, wie es vorherbestimmt zu sein scheint - die Autorin spielt hier bewusst mit den Erwartungshaltungen und Vorurteilen des Lesers hinsichtlich Demon und seines Umfelds. Ein eindrücklicher Roman, der all die Probleme aufzeigt, die die Mittel- und Unterschicht in Amerika hat - Armut, Drogen, Rassismus, ein fehlendes soziales Netz. Ein Abbild der modernen Gesellschaft und ihrer Bürger, die struggeln, die aber wie Demon nie den Lebenswillen und die Zuversicht verlieren. Zurecht ausgezeichnet!

mimitatis_buecherkiste am 25.05.2024 15:05 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Großartig und bewegend

Demon Copperhead kommt in einem Trailer in den Wäldern Virginias zur Welt, seine Mutter ist frisch auf Entzug, der Vater tot. Die Vermieter wohnen nebenan, die Peggots sind wie eine Ersatzfamilie für den kleinen Jungen mit der großen Klappe und dem guten Herz. Als Demons Mutter stirbt, beginnt eine Odyssee für das Kind, das von einer Pflegefamilie zur anderen weitergereicht wird, immer wieder vergessen von einem System, das versagt, wo es eigentlich helfen soll. Letztendlich nimmt Demon es selbst in die Hand und macht sich auf die Suche nach seinem Glück, ohne zu ahnen, was das Schicksal noch alles für ihn bereithält.„Er fragte mich nach meiner Bürde, und ich sagte: elf Jahre alt und keinen Cent in der Tasche, abgehauen von einem Ort, wo sich keiner einen Schei..dreck um mich kümmert, und jetzt gings zu einem anderen Ort, wo mich wahrscheinlich noch mehr davon erwartete.“ (Seite 302)Angelehnt an die berühmte Geschichte David Copperfield von Charles Dickens folgte ich den Erzählungen von Demon, der keinen leichten Start ins Leben hatte, angefangen mit der Geburt auf dem Boden eines Trailers als Kind einer Junkiebraut. Der Ich-Erzähler hatte mich bereits auf den ersten Seiten für sich eingenommen, nüchtern und ungeschönt schilderte er die Einzelheiten seiner Kindheit, war sarkastisch, ironisch, aber nie verbittert, sondern immer voller Hoffnung, dass es anders sein könnte. Natürlich kam es anders, das Leben ist schließlich kein Ponyhof, allerdings hätte ich nicht damit gerechnet, wie schlimm es wirklich wurde.„Wo beginnt der Weg in den Untergang? Das ist der ganze Sinn davon, das alles aufzuschreiben, hat man mir gesagt. Damit du dich mit einer Entscheidung auseinandersetzen kannst, die du mal getroffen hast. Oder die andere für dich getroffen haben. Die brutalen Kerle, die dein unschuldiges Herz verdorben haben, oder die vor ihnen, die deren unschuldige Herzen verdorben haben.“ (Seite 527)Die erste Hälfte war dramatisch, traurig und erschütternd, es war kaum auszuhalten, was dem Kind geschah. Ich musste zwischendurch pausieren, weil es so schwer war, dem zu folgen, ohne eingreifen zu können. Als es einen Lichtblick gab, konnte ich es nicht glauben, habe genauso wie Demon gezweifelt, war skeptisch und auf der Hut. Mir brach das Herz, als ich las, wie schwer er es sich machte, weil er überzeugt davon war, kein Glück zu verdienen, wie er die nächste Grausamkeit erwartete, obwohl es gut war, wie es war. Ich habe mitgelitten, gebangt, gehofft und geweint, wollte so gerne, dass er rausfindet aus dem Sumpf der Armut, der Drogen und der Perspektivlosigkeit, die sie alle umgab. Dieser Weg war nicht einfach, aber ich bin ihn mitgegangen und darüber sehr froh, selten ging mir eine Figur so nah.Ein großartiger Roman über Familie und Freundschaft, Liebe und Hass, aber auch über die Hoffnung auf eine bessere Welt. Große Leseempfehlung!

the.literary.wildflower am 23.05.2024 09:05 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Ergreifend

Für volle 5 Sterne hat es leider nicht gereicht aber Demon Copperhead hat mich trotz allem unglaublich fasziniert.Geboren als Kind eines toten Vaters und einer drogensüchtigen Mutter, ist der Start ins Leben für Demon alles andere als leicht. In den darauffolgenden Jahren folgt ein Schicksalsschlag dem nächsten und Demons Leben verläuft auf eine Art und Weise, die man niemandem wünscht. Aber Demon verliert nie seinen Humor, rappelt sich immer wieder auf und man kommt nicht umher ihn anfeuern und in den Arm nehmen zu wollen.Der Schreibstil ist exzellent, die Figuren ausgezeichnet dargestellt, die gesamte Geschichte sehr realistisch und herzergreifend. Als Leser bekommt man einen so tiefen Einblick in Demon‘s Leben, dass man zwischendurch das Gefühl hat, ihn persönlich zu kennen.Gleichzeitig ist der Roman sehr sozialkritisch und informativ. Demon‘s Leben steht stellvertretend für die Leben so vieler anderer Menschen, in denen Gewalt, Drogenabhängigkeit, Armut, die Opiodkriese oder das Aufwachsen in Pflegefamilien zur Realität gehört.Mir war die Story jedoch definitiv zu lang. Die Spannung ist immer wieder durch recht langatmige Abschnitte abhanden gekommen was den Lesefluse ein wenig gestört hat. Gleichzeitig wollte ich aber durchweg wissen, wie es weitergeht.Alles in allem ein unglaublich fesselnder Coming-of-Age Roman, sehr amerikanisch, eher langsam und dafür sehr tiefgründig und emotional. Eine Geschichte, die mir auf jeden Fall in Erinnerung bleiben wird.

annajo am 15.05.2024 20:05 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Der große Roman über die amerikanische Drogenkrise

Demons Leben beginnt schon suboptimal. Als er geboren wird, auf dem Badfußboden im Wohnwagen, ist seine junge Mutter komplett zugedröhnt. Danach gibt sie sich Mühe, doch sie scheitert immer wieder und stolpert mehr schlecht als recht von einem Entzug in den nächsten. Demon wird von einer Pflegefamilie zur nächsten herumgereicht. Nur wenige Menschen behandeln ihn gut, hier im von Armut geprägten "Hinterland" der USA, als Teil jener Bevölkerungsgruppe, die landesweit als Hillbillys verlacht und Gegenstand vieler hämischer Scherze sind. Er versucht, die Schule als Chance zu nutzen, doch die Perspektivlosigkeit und das finanziell schwache Umfeld lassen die Motivation schnell schwinden. Und trotz nahegehender schlechter Beispiele landet auch Demon durch eine Schmerzbehandlung mit Oxycodon irgendwann bei den Drogen ...Auf über 800 Seiten erzählt Kingsolver die berührende Geschichte eines Jungen, der schon von Anfang an kaum eine Chance hatte. Unbekümmert, flappsig und ironisch erzählt Demon seine Kindheit und Jugend aus seiner Perspektive. Dabei berührt sein unbändiger Lebenswille immer wieder. Als Adaptation des Klassikers "David Copperfield" erzählt die Autorin hier eine große Geschichte von Armut, Perspektivlosigkeit und Drogenkrise. Selbst Familien, die sich alle Mühe geben, haben hier in Lee County keine Chance und steigen gnadenlos ab. Der Detailreichtum und der nahbare Erzähler machen das Buch zu einem Genuss, indem man trotz der ernsten und bedrückenden Thematik tief in die Geschichte einsteigt und in dem Jungen, der trotz vieler Schicksalschläge nicht aufgibt, einen Sympathieträger findet. Vielleicht hätte die Geschichte an der ein oder anderen Stelle gestrafft werden können, aber insgesamt vermittelt die Autorin ein glaubhaftes und Mitgefühl hervorrufendes Bild einer von der Politik vergessenen und dem Kapitalismus ausgebeuteten Gesellschaftsschicht, deren harte Schicksale als Grundlage zahlloser schlechter Witze dienen. Eine Gesellschaftsschicht, in der schon die jüngsten kaum einen anderen Ausweg sehen als das Leben durch Opioide oder Alkohol erträglich zu machen. Demon Copperhead erzählt von dem weniger glamourösen Amerika, mit viel Sozialkritik und gut ausgearbeiteten Figuren. Das Buch behandelt viele Themen, die jedoch gut ineinander greifen und ein komplexes Bild zeichnen. Am Ende ist dieses Buch aber vor allem auch aufwühlend und eine definitive Leseempfehlung.

aischa am 14.05.2024 16:05 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Eine Kindheit in der Hölle: altes Leid in neuer Form

Es gehört schon eine überaus große Portion an Selbstvertrauen dazu, um sich an eine aktuelle Neuerzählung des Klassikers "David Copperfield" von Charles Dickens zu wagen. Aber Barbara Kingsolver hatte den Mut dazu, oder wie ihr Protagonist Demon Copperhead sagen würde, "sie hat die Eier in der Hose".Kingsolver verlegt die Handlung nach Virginia, wo Demon in ärmlichen Verhältnissen in einem Trailer geboren wird. Der Vater stirbt vor seiner Geburt, der Tod der drogenabhängigen sehr jungen Mutter macht Demon in jungen Jahren zur Vollwaise und er beginnt eine Odyssee durch verschiedene Pflegefamilien, die ihre Zöglinge aufs Übelste ausnutzen und missbrauchen. Staatliche Stellen sind überfordert und sehen nur allzu gern weg, Hauptsache die Kinder kommen irgendwo unter. Wer mit Dickens` Vorlage vertraut ist, wird zahlreiche formale Parallelen finden, beide Romane sind in je 64 Kapitel gegliedert, und auch die Handlung weist im Großen und Ganzen Ähnlichkeiten auf. Mir hat es großen Spaß gemacht, zu entdecken, wie viele der Dickenschen Figuren auch in Kingsolvers Version auftauchen, so wird etwa der widerliche Kanzleischreiber Uriah Heep aus dem Original nun zu U-Haul, seines Zeichens rechte Hand des Football-Trainers und ein Intrigant vor dem Herrn. Aber Copperhead kann auch völlig ohne Kenntnis von "David Copperfield" gelesen werden. Der Roman ist ein Meisterstück der Sozialkritik, witzig aber auch brutal, unterhaltsam und scharfsinnig, lehrreich und gefühlvoll. Und er ist definitiv mehr als eine literarische Coverversion, Kingsolver hat Copperfield zwar als Schablone verwendet, aber ein durch und durch eigenes Kunstwerk daraus erschaffen.Die Figuren wirken extrem lebensecht und bekommen die Chance, sich zu entwickeln, und wie die Autorin die Sprache gekonnt je nach Alter und Milieu der Personen anpasst ohne dass es aufgesetzt oder lächerlich wirkt hat mich beeindruckt . Darüber hinaus zeigt sie anschaulich, wie Profitgier und geschicktes Marketing der Pharmaindustrie zur Opioidkrise in den Vereinigten Staaten führte, mit knapp einer Million Toter, die durch legal verschriebene Schmerzmittel drogenabhängig wurden.Dabei ist Demon ist durch und durch sympathisch, und ich habe selten so sehr (und noch dazu 864 Seiten lang) mit einer Romanfigur mitgefiebert. Uneingeschränkt lesenswert!

miriam0000 am 14.05.2024 13:05 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Nicht schlecht geschrieben, aber leider voller Klischees

Das Buch ist eine moderne Nacherzählung von Charles Dickens' Klassiker "David Copperfield" und verlagert die Handlung in die Appalachen, eine Gebirgsregion im Osten der USA.Das Buch thematisiert soziale Missstände und die Herausforderungen, mit denen Menschen in dieser Region konfrontiert sind. Es erzählt die Geschichte eines Jungen, der unter schwierigen Umständen aufwächst und sich durch eine Vielzahl von Schwierigkeiten und Ungerechtigkeiten kämpfen muss. Im großen und ganzen habe ich den Roman sehr gerne gelesen und trotz der über 800 Seiten war ich schnell damit durch. Eines der größten Mankos des Romans ist seine Neigung zu Klischees. Die Schilderung Einwohner des County scheint sich oft auf stereotypische Darstellungen zu stützen. Die Region wird oft auf arm, rückständig und von Drogenproblemen geplagt reduziert. Während Kingsolver sicherlich darauf abzielt, soziale Missstände hervorzuheben, fühlt es sich manchmal an, als würden die Nuancen und die Vielfalt der realen Menschen und ihrer Erfahrungen in den Hintergrund gedrängt werden. Es entsteht der Eindruck, dass die Charaktere eher als Vehikel dienen, um bestimmte soziale Probleme zu illustrieren, statt als lebendige, dreidimensionale Persönlichkeiten, sodass ich irgendwann von den Personen - die irgendwie alle drogenabhängig und kaputt sind - gelangweilt war. Ein weiteres Hindernis bei der emotionalen Bindung an das Buch ist die Unsympathie vieler Charaktere, insbesondere des Protagonisten Demon Copperhead. Obwohl Dickens' "David Copperfield" auch von harten Lebensrealitäten erzählt, gelingt es dem Original, eine Bindung und Mitgefühl für den Protagonisten aufzubauen. In Kingsolvers Version hingegen wirkt Demon oft distanziert und schwer zu mögen. Seine Entscheidungen und Handlungen erscheinen manchmal unlogisch oder unmotiviert, was es schwer macht, sich in seine Lage hineinzuversetzen und mit ihm zu fühlen. Tatsächlich hatte ich als Leser kaum Mitgefühl, wenn ihm mal wieder etwas schlimmes passiert ist."Demon Copperhead" von Barbara Kingsolver ist ein Buch, das durchaus seine Stärken hat und kurzweilige Lesemomente bietet. Die ambitionierte Nacherzählung eines Klassikers in einer modernen und sozialkritischen Umgebung ist lobenswert und spricht wichtige Themen an. Allerdings schafft es der Roman nicht, sich von klischeehaften Darstellungen der Appalachen und ihrer Bewohner zu lösen. Die unsympathischen Charaktere und die stellenweise langatmigen Passagen tragen dazu bei, dass das Werk nicht als großartig bezeichnet werden kann.

hundeliebhaberin am 13.05.2024 21:05 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Absolut nachvollziehbarer Hype

Demon Copperhead wird in einem Trailer in Virginia, mitten in den Wäldern und umgeben von Tabakfarmern und Schwarzbrennern, von einer Teenagermutter geboren, die frisch auf Entzug ist. Demons Beziehung zu dem benachbarten Ehepaar ist sehr gut und dessen Sohn wird sein bester Freund. Als der neue Freund seiner Mutter im Trailer einzieht, ändern sich die familiären Regeln und Demons bis dahin recht heitere Kindheit wird durch Wolken getrübt. Er macht erste Erfahrungen mit Gewalt, Alkohol, Drogen und lernt seine erste Liebe kennen.Der rothaarige Demon Copperhead verliert seine Mutter in jungen Jahren und landet in diversen Pflegefamilien und damit in einer konstanten Abwärtsspirale des Lebens. Barbara Kingsolver hat das Leben im Trailer, in den Weiten Virginias und vor allem Demons konstante Suche nach Zuneigung, Liebe und Fürsorge sehr anschaulich und berührend beschrieben. Die Schilderungen sind sehr eindrucksvoll, nachvollziehbar und haben mich sehr berührt. Und trotz diverser Tiefschläge kämpft sich Demon weiterhin durch, wobei immer neue Momente der Hoffnung entstehen.Ein Roman, der mich seit Langem mal wieder so richtig begeistern und absolut in seinen Sog ziehen konnte. "Demon Copperhead" wird mir noch eine ganze Zeit im Kopf bleiben.