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Ein Bierkeller, ein fürstliches Hotel und eine Großmutter, die zweimal stirbt

Die unsterbliche Familie Salz

Reich an Glanz und voller Schatten ist die Geschichte der Familie Salz – im Zentrum dabei immer: das prächtige Hotel Fürstenhof in Leipzig. Herr Salz, der ehemalige Pächter des Löwenbräukellers in München, kauft es 1914; seine Tochter, die Schauspielerin Lola aber wird es lange nicht betreten – nicht im Zweiten Weltkrieg, nicht danach, als das Hotel Staatseigentum der DDR ist und Lola mit ihrer fragilen Tochter Aveline in München lebt. Erst Kurt Salz holt es nach 1989 wieder in den Familienbesitz zurück. Lola regiert endlich über das Hotel und immer noch über eine Familie, die zerrüttet ist – vom Wandel der Zeiten und den Versuchen, ein Leben jenseits des Fürstenhofes zu führen. Der überraschende, faszinierende Roman einer höchst eigenwilligen Familie, in der sich die Schatten einer Generation auf die nächste legen – auch wenn jeder versucht, sein Leben in ein ganz neues Licht zu rücken.

Bibliografische Daten

EUR 22,00 [DE] – EUR 22,70 [AT]
ISBN : 978-3-423-28092-1
Erscheinungsdatum: 26.08.2016
1. Auflage
440 Seiten
Sprache: Deutsch
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48 von 48 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.52 von 5 Sternen


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2 - 10 von 48 Leserstimme

barbara62 am 19.09.2016 20:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Eine Familie mit Schatten

Bevor Lola Rosa Salz im Jahr 1990 85-jährig ins Schattenreich des Komas hinübergleitet, in dem sie bis zu ihrem Tod im Alter von 110 Jahren verharren wird, ist ihr Leben geprägt von Schatten – vorhandenen und fehlenden – und vom Leipziger Hotel Fürstenhof.Ihre Geschichte und die Geschichte der Familie Salz erzählen verschiedene Stimmen und jede Perspektive hat ihren eigenen Stil und ihre eigene Erzählweise, mal auktorial, mal in der Ich- oder Du-Form. Das macht die Lektüre einerseits abwechslungsreich, andererseits fand ich es auf die Dauer von 440 Seiten ermüdend. Auch das an sich sehr interessante und fantasievoll bearbeitete Motiv „Schatten“, das in allen Facetten beleuchtet wird bis hin zum Schatten der schattenblinden Enkelin Emma, der sogar ein eigenes Kapitel aus seiner Ich-Perspektive beisteuert, wurde mir irgendwann zu viel. Weniger wäre in beiden Fällen mehr gewesen und ich hätte dann mehr als 3,5, wegen des durchaus erkennbaren Schreibtalents von Christopher Kloeble auf vier aufgerundete Sterne vergeben.Den ersten Teil über ihre Kindheit, die mit dem Dahinsiechen der Mutter und ihrem Tod unter für Lola folgenreichen Umständen endet, erzählt die Protagonistin selber. Im zweiten Teil erfahren wir von Lolas Mann, dem Schauspieler Alfons Ervig, von Lolas Odyssee mit zwei Kleinkindern in den letzten beiden Jahren des Zweiten Weltkriegs, ihrer Weigerung, beim verhassten Vater im Fürstenhof Hilfe zu suchen und von ihrem Erlebnis mit dem „Mann ohne Schatten“, das sie für immer traumatisierte. Die Auswirkungen dieser Traumatisierung bekommt vor allem die Tochter Aveline zu spüren, die fast daran zugrunde geht und über die Jahre 1959/60 mit ihrer Mutter erzählt. Über die Zeit der Wende, als das unter Aufsicht des DDR-Staats stehende Hotel Fürstenhof in Leipzig wieder an Lola übergeht, die nun die Zeit der Rache für ihr widerfahrenes Unrecht gekommen sieht, erzählt der Schatten der Enkelin Emma. Im fünften Teil berichtet Emma selber aus dem Jahr 2015, dem Jahr, in dem Lola nach ihrem Fall ins Koma ein zweites Mal stirbt, und mit dem sechsten Teil von Emmas Tochter aus dem Jahr 2027 schließt der Roman.Die einzelnen Abschnitte haben mir unterschiedlich gut gefallen. Inhaltlich war für mich der Kriegsteil am interessantesten und emotional anrührendsten, stilistisch fand ich die mit viel Sprachwitz gespickte Erzählweise von Emmas Schatten besonders gelungen.Insgesamt eine Lektüre, die ich nicht bereut habe, die aber aus den genannten Gründen Luft nach oben hat.

adel69 am 19.09.2016 14:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Meisterwerk

Die Handlung: Im Roman "Die unsterbliche Familie Salz" geht es vorwiegend um das Leben der Lola Rosa Salz. Zuerst berichtet ihre Enkelin Emma Salz über die Großmutter. Diese stieg im hohen Alter von 85 Jahren noch auf das Dach des Hotels "Fürstenhof" in Leipzig. Sie war seit 76 Jahren nicht mehr dort oben gewesen und wollte fühlen, wie es war, als sie als Kind einen Jungen, namens Maria, auf diesem Dach traf. Die 85-jährige Lola Rosa Salz hatte sich überschätzt - sie fiel vom Dach des "Fürstenhofs". Sie überlebte - aber lag daraufhin im Koma. Nach wenigen Seiten erzählt Lola Rosa Salz, wie einige Jahre ihrer Kindheit abliefen. Mit ihrer Schwester Gretl wuchs sie in München auf. Der Vater war Wirt des Löwenbräu-Kellers und konnte somit die Familie ernähren. Wegen eines Skandals aber zog die Familie nach Leipzig. Herr Salz hatte das Hotel "Fürstenhof" gekauft. Lola vermisste ihre Heimat München. Darüber hinaus wurde ihre Mutter immer kränker. Die Mutter, die oft Schattenrisse von Familienmitgliedern angefertigt hatte und diese an die Wand hängte. Aber ihr Mann kümmerte sich nicht mehr um sie. Er hatte Affären mit anderen Frauen. Und selbst die Geburt von Fritz konnte die Ehe von Lolas Eltern nicht mehr retten. Zum Schluss sah Lola nur noch einen Ausweg...Nach einem Zeitsprung wird der Leser Zeuge, wie Lola versucht, für sich und ihre Kinder Avelina und Kurt eine sichere Bleibe im Zweiten Weltkrieg zu finden. Einfach ist das nicht. Lolas Mann Alfred Erwig ist Soldat und kann seiner Familie kaum helfen. Nach Leipzig, wo ihr Vater immer noch das Hotel "Fürstenhof" betreibt, will Lola nicht. Nach einem weiteren Zeitsprung lernt der Leser Avelina, Lolas Tochter, als junge Erwachsene kennen. Lola und sie leben in München. Avelina ist schwanger von Robert. Sie möchte mit ihrem Freund Robert eine Familie haben - aber auf einmal ist er verschwunden. Meine Meinung: Schon der Anfang des Buches hat mich gepackt. Jedoch ist "Die unsterbliche Familie Salz" kein Buch, das man an einem Wochenende "kurz weglesen" kann. Man muss sich schon Zeit nehmen für die Ereignisse rund um Lola Rosa Salz, ihre Blutsverwandten und die "angeheiratete" Verwandtschaft. Wer denkt, dass dieses Buch die Ereignisse in einem Hotel zum Thema hat, der irrt. Vielmehr geht es um die Entwicklung einer Familie im Laufe vieler Jahre. Angefangen von Ereignissen im Jahre 1914 bis zum Jahr 2015. Man erfährt einiges über das Leben dieser Familie vor und während des Zweiten Weltkriegs. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist das Hotel "Fürstenhof" für die Familie Salz, die in Westdeutschland wohnt, erst einmal verloren. Das ändert sich aber nach der Wende. Lola Rosa Salz hält die Familie zusammen, auch wenn ihre Handlungen nicht immer die Zustimmung der Menschen, die sie kennen, findet. Auch ich als Leserin dachte mir manchmal: "Wie kann man nur so stur sein!" Liebenswert will Lola jedoch nie sein. Sie ist tapfer, als sie miit ihren Kindern im Krieg einen sicheren Aufenthaltsort sucht. Sie ist hart und unerbittlich, als sie wieder in München wohnt. Und sie bekommt das Hotel "Fürstenhof" nie aus ihren Gedanken. Einer ihrer cleveren Gegner ist ihr Sohn Kurt. Als Lola versucht, ihn auszutricksen, kann er ihr es irgendwann "heimzahlen". In diesem Buch gibt es viele Symbole. Ein starkes Symbol sind die Schatten. Jeder Mensch sollte einen Schatten haben. Die Schatten wissen beispielsweise Bescheid über die Zukunft eines Menschen. So wird beispielsweise der Beginn des Lebens von Emma Salz und die Zeit davor von ihrem Schatten erzählt. Das finde ich gelungen - es ist für mich eine ganz neue Art der Erzählperspektive. Ein weiteres Symbol ist die Stadt München. Für Lola ist es die Stadt ihrer Kindheit, mit der sie positive Erinnerungen verknüpft. Und genau in diese Stadt zieht sie wieder, als der Krieg vorbei ist. Es gibt noch weitere Symbole - diese würden jetzt aber diese Rezension unnötig in die Länge ziehen und vielleicht zu viel von der Handlung verraten. Fakt ist jedoch, dass für mich das Buch überraschend bleibt bis zu Ende. Überraschend gut. Man liest ein Familienportrait aus der Sicht verschiedener Charaktere, das ist faszinierend. Es gibt nicht nur einige Ich-Erzähler, es gibt auch einen Teil aus der Du-Perspektive. Mein Fazit: Der Roman "Die unsterbliche Familie Salz" hat mich sehr gut unterhalten, und ich fand die Ereignisse rund um die Familie Salz wundervoll beschrieben. Als Leser bekommt man nicht nur eine Familiengeschichte, sondern auch ein Portrait der Gesellschaft von 1914 bis 2015 geliefert. Ich vergebe diesem Buch fünf Sterne und empfehle es weiter.

clautzplautz am 18.09.2016 17:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Tiefer Einblick in die deutsche Gecshichte

Die unsterbliche Familie Salz bietet dem Leser eine Reise durch 120 Jahre deutscher Geschichte. Jede einzelne Station wird durch Familienmitglieder dargestellt die ihren Teil der Geschichte erzählen. Natürlich überschneiden sich die Geschichte und bieten damit einen angenehmen Lesefluss. Je nach Station variiert auch die Perspektive aus der die Geschichte erzählt wird. Was sich zunächst etwas merkwürdig anfühlt ist im nachhinein eine tolle Abwechsung. Bei der bewegenden Geschichte wird einem auf jedem Fall nicht langweilig. Es gibt einige Elemente die sich durch die ganze Geschichte ziehen: Tragische Tode und Schatten. Beides hat sicherlich jeder in seiner Umgebung schon wahrgenommen. Bewusst oder unbewusst.Als Leipzigerin ist die Geschichte des Fürstenhofs für mich auch sehr spannend, da ich diese bisher noch nicht kannte. Mit den Hauptpersonen in der Umgebung unterwegs zu sein habe ich auch als sehr schön empfunden.Ein tolles Buch über deutsche und Familiengeschichte. Es lässt mich mit einigen Fragen über meine eigene Familie und ihre Erlebnisse im Krieg zurück (auch ich hatte ein Oma, die beide Weltkriege erleben musste).

urmelgirl am 15.09.2016 13:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Eine packende Familiengeschichte

Das Buch packt einen schon in den ersten Seiten. Es erzählt die Geschichte der Familie Salz über mehrere Generationen hinweg und wie eine Obsession mit Schatten immer weitergegeben wird. Die Familie erlebt viel, sowohl weltgeschichtlich als auch privat beeinflusst. Die zentrale Figur ist dabei Lola Rosa Salz, um die sich die meisten Erzählungen drehen. Jedes Kapitel beschäftigt sich oder wird von einem anderen Familienmitglied erzählt. Ein wichtiges Bindeglied ist ebenfalls der Fürstenhof, welcher sich doch meist im Hintergrund hält aber doch das Schicksal mitbestimmt. Sehr einfühlsam befasst sich der Autor auch mit den Themen Vergewaltigung und Alkoholismus. Mit jedem erwähnten kann man mitfühlen und will das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Ich für meinen Teil , werde es innerhalb meiner Familie weiterreichen, damit jeder die Chance hat diese tolle Geschichte zu lesen.

kaiserin2201 am 14.09.2016 18:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Macht der Familiengeheimnisse

Die hundert Jahre Geschichte der Familie Salz ist die Geschichte ihrer Frauen. Ob die Großmutter Maria Franziska deren Schwiegertochter Rosa, deren Tochter Lola, deren Tochter Aveline deren Nichte Emma und am Ende deren Tochter Tara erzählen und berichten, es ist lesenswert.Sechs Frauenschicksale und deren Zeit beschreibt der Autor Christopher Kloeble manchmal sehr humorvoll, manchmal sehr ernst entsprechend der Erlebnisse. Man erfährt über die Besessenheit von Rosa mit den Schatten die alle Frauen begleitet und bewegt, ja bisweilen schier in den Wahnsinn treibt. Gespannt verfolgt der Leser die Wege die die Frauen z. Teil bis nach Indien führen. Die Hauptprotagonistin Lola erlernt von ihrer Mutter Rosa auf die Schatten der Menschen zu achten. Rosa schneidet von jedem Familienmitglied einen Schattenbriss welcher die Person bis zu ihrem Tod wie ein Portrait an der Wand zeigt, und deren Charakter symbolisiert. Lola selbst berichtet von vielen Familiengeheimnissen teilweise recht schonungslos wie z. B. der Eskapaden ihrer Tante Allie, die ihren Gatten schamlos betrügt und schließlich ihrer Zeit gemäß, zu Beginn des 20. Jahrhunderts, dafür bitter büßen wird. Aus der Sicht der verschiedenen Familienmitglieder erfährt man die unterschiedlichen Sichtweisen der Ereignisse, was eine besondere Atmosphäre schafft. Zeitweise glaubt man ein Tagebuch zu lesen, was jedoch nie langweilig wird. Doch alles beherrschend bleibt Lola über drei Generationen. Besonders ihrer Tochter Aveline beschert sie ein trauriges Schicksal. Verschwiegene Geheimnisse sind die stärksten Mittel ihrer Macht über ihre Kinder und selbst über die Enkel. Ein wunderbares Buch hat Christopher Kloeble geschrieben, dass mich von der ersten bis zur letzten Seite in Bann gehalten hat. Mein Fazit: Lesenswert.

robby-lese gern am 13.09.2016 11:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

die Schatten der Familie Salz

Nach seinem Debüt " Unter Einzelgängern " und " Meistens alles sehr schnell " ist " Die unsterbliche Familie Salz " das dritte Buch des Autors Christopher Kloeble und ich muss sagen ,dass dieses Buch eine anspruchsvolle und gelungene Familiengeschichte ist. Beginnend im Jahr 1914 erstreckt sich die Geschichte der Familie Salz bis in die Zukunft und das Jahr 2027, immer von einem anderen Familienmitglied beschrieben und so erfährt der Leser nicht nur viel Zeitgeschichte, sondern bekommt einen Einblick in die Familie Salz, deren Stammbaum vorne im Buch aufgeführt ist, was schon eine große Hilfe war. Hervorstechen tuen in dieser Familie die Frauen. Allen voran Lola, deren Leben wir von 1914 bis 2015 verfolgen dürfen. Sie verliert schon mit 9 Jahren ihre Mutter, die an einer ominösen Krankheit verstirbt, oder vielleicht auch an der Lieblosigkeit, die ihr Ehemann ihr entgegenbringt. Aufgewachsen in München muss die Familie, die neben der Mutter noch 3 Kinder zählt , ihr gewohntes Umfeld verlassen und zieht nach Leipzig, wo Herr Salz den Fürstenhof übernimmt, ein Hotel gehobener Klasse. Die Familie lebt auch in diesem Hotel, muss aber während des Krieges fliehen, da die Ostfront immer weiter nach vorne rückt. Die Erlebnisse , die Lola, ihre Familie und ihre Schwester auf der Flucht erleben, prägen ihr ganzes Leben, aber auch dass ihrer Kinder und später auch das ihres Enkels. Die Schatten, die die meisten Menschen haben, denn vor Menschen , die keinen haben soll man sich in acht nehmen, spielen auch eine große Rolle in diesem Roman. Mit einigen anfänglichen Schwierigkeiten, die ich zu Anfang bei diesem Roman hatte, startete ich dieses Buch, dass ich dann man aber spätestens bei der Erzählung von Lolas Mann, einem Schauspieler, wie Lola selbst auch, nicht mehr aus der Hand legen konnte. Nicht nur die Beschreibungen der verschiedenen Zeitstränge haben mir gefallen, sondern auch die Beschreibung der Personen, egal wie unsympathisch sie auch waren, denn das hatte ja auch seinen Grund. Lola, die die Familie sehr stark geprägt hat durch ihre nicht verarbeiten Erlebnisse und ihre starke Persönlichkeit, hätte ich schon manchmal schütteln können, um ihr zu sagen " Merkst du gar nicht , was du da anrichtest ", doch auch die anderen Figuren waren für mich gelungen. Schön fand ich, dass der Kreislauf durchbrochen wurde und Emma ohne die Angst der Familie aufwachsen durfte . Auch der Fürstenhof spielt eine sehr wichtige Rolle in diesem Buch, der nach der Wende wieder in den Besitz der Familie zurückkommt. Ich habe dieses Buch sehr genießen können, zumal es auch in einer etwas anspruchsvolleren Sprache geschrieben wurde und sich somit von einigen anderen Familiengeschichten abhebt. volle 5 Sterne für eine tolle Familiengeschichte.

hildegardpaula am 12.09.2016 17:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Eine unsterbliche Familienchronik

"Die unsterbliche Familie Salz" erzählt die Geschichte der Familie Salz, die über ein Jahrhundert andauert und die sich um das familieneigene Hotel, dem Fürstenhof, rankt. Erzählt wird hier von vier Familienmitgliedern und deren Leben und der besonderen Beziehung zu deren Schatten, die alle Personen begleiten und eine sehr wichtige Rolle in ihrem Leben spielen.Der Autor versteht es ganz besonders gut, den Leser in den Bann zu ziehen und zu fessseln. Vor allem der individuelle Erzählstil eines jeden Protagonisten lässt die Gefühle und Gedanken gut hervorkommen.Alle Hauptpersonen haben mit Umständen zu kämpfen -Krieg, unerfüllte Liebe, Alkoholismus. Dennoch wirkt das Buch an keiner Stelle übertrieben oder schmalzig. Ich konnte sehr gut mitfühlen und hatte nie den Eindruck, dass Mitleid gefordert wird.

cilento am 09.09.2016 23:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Kriegskinder

Lola, welcher der Leser gleich zu Beginn begegnet, ist die Protagonistin dieses Roman. Eine eindrucksvolle Persönlichkeit! Die früh verstorbene Mutter, liebevoll Mama genannt, hinterlässt bei Lola eine riesige Lücke. Der Vater, immer nur Herr Salz, verbannt das neunjährige Kind in ein Erziehungsheim schlimmster Sorte. Lola will weder mit Herrn Salz noch mit dem Hotel Fürstenhof jemals wieder etwas zu tun haben. Dies zieht sie durch. Weder Krieg, Armut und Hunger können sie dazu bewegen.Als Mutter zweier Kinder macht Lola grausame Zeiten durch, welche sie prägen und vor allem für Aveline, die Tochter ebenfalls schlimme Konsequenzen hat. Es sind immer die Schatten, die Schattenrisse aus der Kindheit von Lola, die bestimmen, ob ein Mensch gut ist oder nicht.Die Geschichte ist in einem guten Schreibstil verfasst. Oftmals bedrückend, wie die Zeit im letzten Jahrhundert eben war. Dennoch spürt der Leser, wie sich die Personen immer wieder aus den gegebenen Klauen befreien können.Nicht allen gelingt dies gleich gut umso mehr, als Lola dominant bleibt. Auch dann noch, als sie im Koma liegt.Toll geschrieben!

solveig am 09.09.2016 14:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Unsterbliche Schatten

Das Leben von vier Generationen einer Familie und ihre Schicksale in einem Zeitraum von einhundert Jahren - was gerät in Vergessenheit, verschwindet; was wird weitergegeben und „unsterblich“, so wie es der Titel formuliert?Christopher Kloeble geht diesen Fragen auf sehr eindrucksvolle und unterhaltsame Weise in seinem neuen Roman nach, in dem er seinen Lesern einen ausführlichen Einblick in das Leben der Mitglieder der Familie Salz gewährt. Der Roman beginnt mit der Erzählung Lolas, der Tochter von Rosa und Herrn Salz (wie Lola ihren Vater stets nennt), dem Erwerber des Hotels „Fürstenhof“ in Leipzig. Sie, die als alte Frau viele Jahre im Wachkoma in besagtem Hotel zubringt, schildert ihr Leben einem imaginären Zuhörer. Mit den Schattenrissen ihrer Familie aufgewachsen, die ihre Mutter liebevoll anfertigt, lässt die Existenz menschlicher Schatten und deren Bedeutung sie zeitlebens nicht los. Ihre These „Schatten verraten immer die Wahrheit“ dominiert ihr ganzes Dasein. Und nicht nur das: Auch durch die Lebensläufe ihrer Kinder, Enkel, sogar Urenkel zieht sich das Thema „Schatten“ in jeweils unterschiedlichen Ausprägungen und beeinflusst deren Leben. Doch auch der „Fürstenhof“ hinterlässt Spuren, bei Lola wie auch ihren Nachkommen. So wird schnell deutlich, warum die Familie Salz „unsterblich“ ist: der Einfluss vorhergehender Generationen, ihr vererbter „Schatten“, lässt sich nicht so einfach abschütteln, sondern wirkt auf die eine oder andere Weise auf das Leben der Nachgeborenen ein.Kloeble schlägt einen leichten Erzählton an, schildert komische und tragische Ereignisse emotional, ohne rührselig zu sein. Stets ist eine Spur Humor dabei zu spüren, manchmal Galgenhumor. Doch die Leichtigkeit seiner Schreibweise täuscht nicht darüber hinweg, dass sein Roman keinesfalls banal oder „leichte Kost“ ist. Der Autor beleuchtet die lange Geschichte der Familie aus diversen Perspektiven; zu Wort kommen mehrere Familienmitglieder unterschiedlicher Generationen, deren Sicht der Dinge am Ende des Romans ein komplettes, klares Bild ergibt. Seine Protagonisten wirken echt, ebenso menschlich und glaubwürdig erscheinen ihre Probleme, die den Leser unmittelbar berühren. Zusätzliche Lebendigkeit und Authentizität verleiht dem Roman der Apekt, dass die schicksalhaften Ereignisse im Leben der Familie Salz mit einem konkreten historischen Hintergrund verwoben sind. „Die unsterbliche Familie Salz“ ist für mich einer beeindruckendsten Familienromane, die in diesem Jahr erschienen sind.

wörter auf papier am 09.09.2016 10:09 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Spannende Familiensaga

"Die unsterbliche Familie Salz" ist eine spannende Familiensaga, die durch ihren besonderen Erzählstil auffällt. Die Geschichte der Familie Salz wird über 100 Jahre erzählt, jedoch nicht linear. Mal geht es voran, mal zurück. Der Leser findet sich im Jahr 1914 wieder, in dem das Hotel Fürstenhof, das einige Familienmitglieder nie loslassen wird, gekauft wird. Die Geschichte führt den Leser in den Zweiten Weltkrieg, die damit verbundene innerdeutsche Flucht, zum Fall der Mauer und auch ins Ausland. Doch wohin sich die Familienmitglieder auch bewegen, ihnen folgt ein Schatten....Die Leseprobe hat mich nicht wirklich darauf vorbereitet, was mich mit "Die unsterbliche Familie Salz" erwartet. Nach den ersten Seiten dachte ich, die Geschichte wird humorvoll und enthält - durch das Gespräch mit dem Schatten Maria - auch etwas Fantasy. Aber dem ist nicht so. Zwar hält die Familiensaga einige lustige/skurrile Momente bereit, aber über all dem liegt immer eine Schwere/etwas Trauriges. Eben wie der Schatten, der die einzelnen Familienmitglieder begleitet. Je mehr ich mich mit dem Geschehen beschäftigt habe, desto bedrückender fand ich die einzelnen Schicksale. Auch, weil zu sehen war, wie das verkorkste Leben des Einen, das eines Angehörigen (Lola und Aveline) zerstört - besonders diese Geschichte hat mich wütend gemacht, wahrscheinlich, weil das ganze Kapitel so deprimierend war. Da hilft es auch nicht, wenn im Buch festgestellt wird: "Angst ist nicht etwas, das man hat oder nicht hat. Jeder trägt sie in sich. Man muss einfach aufpassen, dass sie nicht zu groß wird." Gesagt/geschrieben ist eben doch einfacher als getan. Besonders an "Die unsterbliche Familie Salz" ist auch die Art der Erzählung. Jedes Kapitel wird aus der Sicht eines Familienangehörigen erzählt, nicht aber zwangsläufig in der Ich-Form. Das hat mir sehr gefallen, ist es doch mal was anderes. Als Leser muss man aber auch am Ball bleiben, da sehr viele Personen auftauchen und es zumindest mir durch diese auf viele Familienmitglieder verteilte Erzählung manchmal schwer fiel zu verstehen, von wem die Rede ist. Gut, dass es zur Hilfe den Familienstammbaum zu Beginn des Buchs gab.Hervorzuheben ist auch die Sprache. Christopher Kloebles Roman hält viele tolle Sätze bereit: "In ihr drin musste mehr los sein, als diese herzstillstandartige Lustlosigkeit eines Schlaftablettensüchtigen nach außen hin suggerierte." Bekommt man nicht sofort das passende Bild vor Augen? Toll! "Die unsterbliche Familie Salz" ist ein besonderes Buch mit einer spannenden, traurigen Familiengeschichte, die mir im letzten Drittel manchmal etwas lang vorkommt. Mal witzig und skurril, oft deprimierend - ein Buch, das nachwirkt.

Aktuelle Rezensionen

Pressestimmen

Elle
So packend und neu erzählt, dass es unmöglich ist, diesen Roman nicht in einem Stück zu verschlingen.... mehr weniger

Die Presse am Sonntag
Besonders effektvoll sind Kloebles böser Witz und sein schnörkelloser Ton - umso lakonischer, je sch...recklicher das Ereignis. mehr weniger

Doris Kraus, 09.10.2016

Münchner Merkur
Eine grandiose Geschichte, die in sensibler und bildreicher Sprache einhundert hochdramatische Jahre... auf 440 spannenden Buchseiten bündelt - absolut lesenswert. mehr weniger

Matthias Busch, 24.09.2016

Elle
So packend und neu erzählt, dass es unmöglich ist, diesen Roman nicht in einem Stück zu verschlingen.... mehr weniger

01.09.2016

Wiener Zeitung
Insgesamt ist Christopher Kloeble - der schon in seinem Debütroman ›Unter Einzelgängern‹ die Struktu...r einer Familie auslotete - ein in klarer Sprache erzähltes, eingängiges Familienepos gelungen. mehr weniger

Inge Waldinger

Urbanite
Vielleicht wird der Roman ja auch mal verfilmt. Es wäre ihm zu wünschen.

Lucas Böhme

Gießener Zeitung
Es ist ein Buch zum Nachdenken mit vielen kleinen versteckten Botschaften.

Markus Eggert, 20.03.2020

Freiburger Nachrichten
Faszinierende Beschreibung eines Jahrhunderts in Deutschland mit seinen Höhen und Tiefen, in denen G...enerationen unter zwei Kriegen litten und von ihnen geprägt wurden. mehr weniger

19.12.2016

buecherwurmloch.at
Eines meiner liebsten Leseerlebnisse im Jahr 2016.

19.12.2016

Sächsische Zeitung
Die Geschichte ist spannend. Sie weckt Gefühle. Man fiebert mit.

15.11.2016

Podcast F*luxx
Eine große Familiengeschichte voller Witz und Zauber.

Olga Grjasnowa, 15.11.2016

tz
Kloebles Stil: packend unaufgesetzt, aber immer wieder mit starken Bildern und schonungsloser, nie v...oyeuristischer Radikalität. mehr weniger

15.11.2016

Brigitte
Spannend und abgründig erzählt Christopher Kloeble, wie traumatische Erlebnisse auch Jahrzehnte spät...er eine Familie vergiften können. mehr weniger

15.11.2016

Foyer - Das Kulturjournal für Bremen und den Nordwesten
Wenn sie fesselnd geschrieben sind (...) verfügen Familiengeschichten über einen ganz eigenen Charme.... Christopher Kloeble hat eine solche von der Familie Salz geschaffen. mehr weniger

15.11.2016

machdeinradio.de
›Die unsterbliche Familie Salz‹ von Christopher Kloeble, erschienen bei dtv, ist mehr als großes Ki...no. mehr weniger

Arndt Strocher, 21.10.2016

Ruhr Nachrichten
Ein schöner und fesselnder Roman, den Kloeble auch mit einer kleinen Prise Übersinnlichem gewürzt ha...t. mehr weniger

Andreas Schröter, 13.09.2016