»Ein tolles und kluges Debüt.« Angela Wittmann, Brigitte
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Hier draußen
In Fehrdorf scheinen alle zu wissen, wo sie hingehören. Nur Ingo und Lara, die mit den Kindern von der Großstadt aufs holsteinische Dorf gezogen sind, haben Schwierigkeiten. Vor allem Ingo strapaziert die Pendelei zu seinem Start-Up nach Hamburg. Als er eines Abends eine weiße Hirschkuh anfährt, bringt das die gesamte Dorfgemeinschaft aus dem Gleichgewicht. Denn wer so eine tötet, heißt es, hat nur noch ein Jahr zu leben. Und plötzlich fragen sich auch der Dorfjäger, die Vorzeige-Landfrau und die Überbleibsel einer Öko-WG, ob sie das Landleben wirklich glücklich macht.
»Ein kluger und unverschämt lässiger Dorfroman, ohne Kitsch und Sentimentalität, voller Tier- und Menschenliebe. Martina Behm ist eine Meisterin der Beobachtung. Ich bewundere ihre Unerschrockenheit und ihren trockenen Humor.« Till Raether
»Dieser wunderbar erzählte Roman zerstört rigoros den Traum der Städter vom Dorfleben – und beweist gleichzeitig, dass es nichts Lebenswerteres gibt. Ich hoffe, die haben für mich da im Dorf noch ein Zimmer frei.« Susanne Matthiessen
»Ein richtig gutes Buch.« Max Moor
Bibliografische Daten
1. Auflage
Martina Behm
Martina Behm ist ausgebildete Journalistin, hat Volkswirtschaftslehre in Konstanz und Oxford studiert und lebt nach Stationen in Santiago de Chile und Hamburg wieder dort, wo ihre Wurzeln sind: in Schleswig-Holstein. Sie ist international als Strickdesignerin bekannt und Mutter zweier Teenager. Ihr erster Roman ›Hier draußen‹ erschien 2025 bei dtv.
5 - 10 von 125 Leserstimme
Ungeschminkt und berührend: Ein Roman über das wahre Landleben
Ich schließe mich Max Moor auf der Rückseite des Covers an: Martina Behns "Hier draußen" ist ein "richtig gutes Buch".Prall gefüllt mit Menschen, Lebensgeschichten und Schicksalen, die mit all ihren Unzulänglichkeiten, Fehlern und Umständen doch immer menschlich bleiben und ins Herz treffen. Jeder hat seine ganz eigene Geschichte und Sichtweise. Jeder wird dadurch verständlich. Was als Dorfroman betitelt wird,zeigt wie ein Brennglas einen Ausschnitt unserer Gesellschaft mit allen Höhen und Tiefen.Im Mittelpunkt des Buches steht die junge Familie aus Lara und Ingo mit den Kindern Erin und Eric. Sie verwirklichen den Traum vom Leben auf dem Land, kaufen den Resthof Reuserhof in Fehrdorf und versuchen dort ihren Traum zu leben. Ingo pendelt täglich nach Hamburg zu seinem Start up. Der weite Weg sowie der ständige Kampf um Sponsoren und Gelder höhlen ihn jedoch schon bald innerlich aus. Auch Lara wird immer unzufriedener. Als Teilzeitdesignerin, Mutter und jetzt auch Hofbesitzerin fühlt sie sich überfordert und von Ingo vernachlässigt. Die Arbeiten am Hof haben beide unterschätzt. Eines Tages fährt Ingo eine weiße Hirschkuh an. Sie muss erschossen werden. Zusammen mit Förster Uwe erschießt Ingo das Tier. Zusammen, damit sie einem alten Aberglauben entgehen, nachdem derjenige, der eine weiße Hirschkuh tötet innerhalb eines Jahres sterben muss.Obwohl Ingo nicht daran glaubt, passieren folgenschwere Dinge.In ihrem Roman räumt Martina Behm rigoros mit Klischees und romantisierenden Vorstellungen vom Landleben auf, aber auch die schicken feinen Städter, die in Lofts mit ihren Startups Geld machen, kriegen ihr Fett ab. Und nicht nur das, auch der Lebenstraum einer Ökokommune zerbröselt. Mit Jutta und Armin sind nur noch 2 Mitglieder im Dorf, die anderen sind schon lange gegangen. Statt Batikkurs nimmt Jutta jetzt mit Schlachtkursen "Wie schlachte ich meinen Hahn und Geflügel" nötiges Geld ein. Ein Tiefschlag für alle Landidylleromantiker.Längst stehen auch die Bauern unter ungeheuerem Druck, effektiv und kostengünstig zu produzieren. Ihr Leben hat sich in den letzten 50 Jahren radikal gewandelt. Statt Herr im eigenen Laden bzw. Hof sind auch sie oft nur Getriebene am Rande des Burnouts.Harte Lebenserkenntnisse und - wahrheiten treffen in Martina Behns Roman auf ganz normale Menschen, die versuchen mit ihrem Schicksal zurecht zu kommen.Ganz besonders berührt, hat mich neben Lara und Ingos Familie die Freundschaft zwischen dem wortkargen, schüchternen Förster und Einzelgänger Uwe und dem New-Worker und Städter Ingo. Ingo schätzt an Uwe, dass dieser keine Erwartungen an ihn stellt und er einfach er sein kann. Uwe mag Ingo, weil der ihn wirklich zu verstehen sucht wie bisher anscheinend noch kein anderer Mensch in seinem Leben.Neben der vom Scheitern bedrohten Ehe von Lara und Ingo, stehen auf jedem Hof in Fehrdorf viele Schicksale vor einer Wende. Ende und Neuanfang liegen ganz nah nebeneinander. Über allem schwebt die weiße Hirschkuh als Omen für eine neue Zukunft.Sprachlich musste ich mich an die Erzählweise von Martina Behn erst etwas gewöhnen. Zukunft, Gegenwart, Vergangenheit, Realität, Gedanken, Träume, Ängste - alles scheint ineinanderzufließen wie ein nicht enden wollender Strom. Nach einer kurzen Eingewöhnung habe ich mich aber in den Stil eingefunden und erkannt, dass er einen fast all umfassenden Einblick in die Figuren erlaubt inklusive Innen-und Außensicht. Das macht das Buch auf seine Weise ebenfalls einmalig und unverwechselbar.Fazit: Dies ist ein wirklich tolles Buch und weit mehr als ein moderner Dorfroman. Es ist ein Spiegel der ländlichen Gesellschaft, aber auch unserer Wünsche und Sehnsüchte, ihrer Desillusionierung und Wiederauferstehung. Vom Ende, Wiederaufstehen und Neuanfang. Zum Glück kommt auch das Prinzip Hoffnung nicht zu kurz. Und das gibt es, so lange es Menschen gibt.
Idyllisches Dorfleben?
Lara und Ingo sind von der Großstadt in ein holsteinisches Dorf gezogen. Der Traum vom idyllischen Landleben zerplatzt schnell. Als Ingo eines Abends eine weiße Hirschkuh anfährt, hat dies Auswirkungen auf die Dorfgemeinschaft.Martina Behm legt mit „Hier draussen“ ihr Debüt vor. Sie ist ausgebildete Journalistin, hat Volkswirtschaft studiert und ist als Strickdesignerin bekannt. Und: sie ist vor einigen Jahren mit ihrer Familie nach Schleswig-Holstein gezogen.Mit trockenem Humor, kurzweilig und in einem klaren Sprachstil beschriebt Martina Behm die Situation im Dorf Fehrdorf nach dem Wildunfall. Auch wenn viele die Prophezeiung, dass der Verantwortliche innerhalb eines Jahres stirbt, als Aberglauben abtun, sind die Dorfbewohner verunsichert. Die Autorin beschreibt sehr gut das Leben einiger Familien in unterschiedlichen Konstellationen. Sie stellt die Sehnsüchte, Hoffnungen, Enttäuschungen und zerstörte Gewissheiten, aber auch die Probleme der Landwirtschaft dar. Deutlich wird, dass nicht nur der alleinstehende Uwe unter Einsamkeit leidet. Auch, wenn sich einige fragen, ob ihre Entscheidung nach Fehrdorf zu ziehen, richtig war, macht der Roman trotz des geplatzten Traum von Lara und Ingo Lust aufs Dorfleben. Fazit: ein wunderbarer Debütroman
Humorvolle Beschreibung des Lebens in einem Dorf
Was war denn das? Ingo kann es nicht fassen. Da dachte er, dass er endlich zuhause ist und seinen Feierabend genießen kann, und dann so etwas. Er hat eine weiße Hirschkuh angefahren und muss jetzt den verantwortlichen Jäger anrufen. Aber nicht nur das macht ihm Kopfzerbrechen. Im Dorf geht die Meinung um, dass er höchstens noch ein Jahr zu leben hat. Das Schicksal wird ihn verfolgen und die übernatürlichen Kräfte ihm nach dem Leben trachten. Nachdem das Tier waidmännisch getötet und entsorgt wurde, beginnt für Ingo eine schwere Zeit. Nein, er ist zwar keineswegs abergläubisch, denkt jedoch mit Grauen an die Prophezeiungen der Dorfbewohner. Und überhaupt, was will er überhaupt hier und warum hat er den Wünschen seiner Frau nachgegeben? Fühlte er sich in der Stadt nicht viel wohler?"Hier draußen" beschreibt humorvoll und detailliert, wie sich das Leben innerhalb einer Dorfgemeinschaft gestaltet. Jeder weiß, was im Nachbarhaus vor sich geht. Kein Besuch kommt unregistriert rein oder raus und sollte ein Bürger Durchfall haben, dann wissen es die Nachbarn viel früher als er selbst. Es gab etliche Längen, die das Zuhören dann mitunter mühsam werden ließen. Meine Empfehlung gilt daher mit wenigen Abstrichen. Die Sprecherin Julia Nachtmann machte ihre Sache hervorragend und ich hörte ihr sehr gerne zu.
Ein Blumenstrauß an Emotionen
Einen bunten Blumenstrauß an Emotionen hat das Schmökern in diesem Buch mir geschenkt. Von Wut über Resignation zu Hoffnung, Entrüstung und Erwartung, Freude und Trauer, Empörung und Erleichterung.Es lohnt sich über das Leben von Suchenden zu Lesen. Städter, die aufs Land ziehen. Vom Trubel in Hamburg in das Idyll der ländlichen Umgebung. Die Suche nach Ruhe und Ankommen trifft im Leben jeden wohl mindestens einmal. Doch die Realität entpuppt sich meist so anders als die Wunschvorstellung. Martina Behm hat für diese Beobachtungen treffsicher die richtigen Worte gefunden.Die Beziehung zwischen Lara und Ingo ist durch den Umzug aufs Land einer neuen Zerreißprobe ausgesetzt. Vor Problemen kann man nur bedingt fliehen. Vieles nimmt man mit. Neue Herausforderungen entstehen an neuen Orten unter neuen Lebensumständen.Das Verhalten mancher Charaktere hat mich regelrecht in Rage versetzt. Ein Ingo, der so egoistisch wie scheinbar „männlich“ daher kommt. Die Bedürfnisse seiner Frau nicht erkennen möchte. Tove, die in ihrem Leben mit Enno feststeckt. Für die man sich wünscht, dass sie einen Weg in die Freiheit finden kann. Armin und Jutta, die so frei wirken und doch ganz eigene Sorgen und Wünsche haben. Uwe, der die Erfüllung für sich vielleicht auf einem ganz anderen Weg gefunden hat. Die junge Generation, die sich im Gesamtkonstrukt suchen, orientieren und finden muss. So viele Menschen und Tiere kreuzen in dieser Geschichte ihre Wege.Den Zusammenhalt in einer Dorfgemeinschaft und wie unfassbar wichtig es ist, die vielen verschiedenen Charaktere und Lebensentwürfe der Einzelnen zu sehen und zu respektieren, hat die Autorin wunderbar dargestellt. Die überfahrene Hirschkuh und der Schatten, den dieses Ereignis über die folgenden Monate wirft, zieht sich als roter Faden durch die ganze Geschichte. Es gab die Neugierigen, die Allwissenden, die Unbelehrbaren, die Alternativen, die Unbedarften und die Alteingesessenen.Gelesen hat sich das alles sehr flüssig, schnörkellos und leicht. Auf dem Cover ruht die Natur wie in der Geschichte. Dennoch hat die Lektüre mir keine völlig neuen Ansatzpunkt oder Blickwinkel vermittelt. Kleine Spitzen setzt Martin Behm gezielt und trotzdem unterschwellig. Viele Personen entwickeln ihre Denkweise weiter und ziehen Entschlüsse, wagen Veränderung für ihr Leben. Das hat mir gefallen. Den Mut vermittelt zu bekommen, den es braucht, um sein Leben zu gestalten. Es war alles in allem wohlig, heimelig und schön, aber auch frustrierend und herausfordernd, diesen Roman zu lesen und einzutauchen, mal abzuschalten vom eigenen Alltag. Dafür kann ich dieses Buch empfehlen.
Keine Dorfromantik
Lara und Ingo wollen raus aus der Großstadt, mehr Zeit für sich haben und für die Kinder. Mehr Platz, mehr Ruhe, gesünder leben - das alles denken sie hier draußen zu finden. Dazu haben sie einen alten Resthof im holsteinischen Fehrdorf gekauft. Während Ingo fast täglich zu seinem Start-up nach Hamburg pendelt, kümmert sich Lara um Haus, Hof und Kinder und versucht nebenbei als freiberufliche Illustratorin zu arbeiten. Aber der Einstieg im Dorf ist nicht einfach als Zugezogene. Als Ingo auf der Heimfahrt eine weiße Hirschkuh anfährt, erzählen die Fehrdorfer von alten Geschichten, die besagen, dass derjenige der für ihren Tod verantwortlich ist, nunmehr nur noch ein Jahr zu leben hat..."Hier draussen" ist ein eindringlicher Roman über den Traum vom Landleben. Es wird nicht nur die Geschichte von Lara und Ingo erzählt, sondern man lernt auch einige der alteingesessenen Dorfbewohner und ihre Geschichten kennen. Dabei wird das Landleben keinesfalls romantifiziert, sondern auch von geplatzten Träumen, Existenznot und dem verpassten Glück erzählt. Egal ob Hühnermastbetrieb, Schweinezucht oder Hippie-Kommune - sie alle hatten eine Vorstellung vom Landleben, die nicht immer realitätskonform war. Autorin Martina Behm gelingt der Spagat viele Lebensentwürfe kritisch zu betrachten, ohne irgendjemanden anzuklagen und Vorwürfe zu machen. Fakt ist, sie alle können und wollen nicht ohne ihr Dorf leben und trotzdem bleibt am Ende für einige immer noch die Hoffnung auf einen Neuanfang übrig.
Blick hinter die Idylle
Lara und Ingo sind seit Jahren ein Paar, haben zwei Kinder und leben in Hamburg, wo Ingo sein eigenes Start-Up leitet. Nach einigen Besuchen bei Familie und Freunden auf dem Land träumt auch Lara von diesem idyllischen Leben im Grünen, inklusive Gemüse aus dem Garten hinterm Haus, selbstgemachter Marmelade und Eiern von den eigenen Hühnern. Und nun sind sie hier, in Fehrdorf, auf ihrem frisch renovierten Resthof in Alleinlage, aber von Ruhe, mehr Zeit für die Kinder und Anschluss an die gesellige Dorfgemeinschaft sind sie weit entfernt. Der gestresste Ingo pendelt täglich nach Hamburg und als ihm eines Abends auf dem Heimweg eine weiße Hirschkuh vors Auto läuft, bringt sorgt das für ziemlich viel Unruhe.Martina Behm ist mir und vielen Anderen bisher eher durch ihre wunderbaren Strickdesigns bekannt und hat in diesem Bereich bereits mehrere Bücher veröffentlicht. Natürlich ist das etwas vollkommen anderes als einen roman zu schreiben und dementsprechend gespannt war ich auf ihr Debüt. Die Autorin nimmt den Leser mit in ein holsteinisches Dorf und lässt uns dieses und seine Bewohner in den einzelnen Kapiteln kennenlernen. Nach und nach kommen immer mehr Figuren dazu, beginnend natürlich mit Lara und Ingo, später Schweinebauer Uwe, die Uhlmanns mit ihrer Hähnchenmast, Bauer Enno Wirtz und seine Frau Tove, Jutta und Armin mit ihrem Traum von der alternativen WG auf dem Land, oder auch die Lüdkes mit ihren schottischen Hochlandrindern. Viele verschiedene Figuren mit vielen verschiedenen Geschichten.Ich bin gut in das Buch gestartet, denn schreiben und eine Geschichte erzählen kann Martina Behm auf jeden Fall. Ich habe mich aber relativ früh gefragt, wo genau die Geschichte hinführt, eben weil man nicht bei Lara und Ingo bleibt sondern eben direkt seinen Rundgang durchs Dorf antritt. Tatsächlich habe ich so die ersten einhundert Seiten lang den roten Faden vermisst, ich konnte dieses noch unzusammenhängende Springen von einer Familie zur Nächsten nicht wirklich einordnen, schließlich dachte ich es geht hier um Lara, Ingo, die tote weiße Hirschkuh und den damit verbundenen Aberglauben zum baldigen Ableben der Beteiligten. Nach und nach hat sich dies Geschichte aber immer mehr entwickelt und Lara und Ingo entpuppen sich bei genauerm Hinsehen genau als der rote Faden, den ich zuerst noch vermisst habe. Mit jeder weiteren Seite bin ich tiefer in das Buch eingetaucht, hat die Dorfgemeinschaft mich aufgenommen und mir einen Blick hinter die idyllische Fassade gestattet. Was dort zum Vorschein kommt hat nichts mehr mit dem idealisierten Bild zu tun, das Lara sich zu Beginn gemacht hat, wir stellen schnell fest, das die Freiheit des Landlebens für manche auch ein Gefängnis sein kann. Zwischen Feuerwehrfesten, Vogelschießen und kuchenbackenden Landfrauen gibt es Einsamkeit, Lieblosigkeit, Geldsorgen, Stress, geplatzte Träume, festgefahrene Ansichten, überholte Traditionen und oft ganz viel Schweigen.Martina Behm beweist in ihrem Roman ein gutes Gespür für Menschen und zwischenmenschliche Beziehungen. Natürlich kann man ihr an der ein, oder anderen Stelle etwas Klischee unterstellen, aber ich komme selbst vom Dorf und ich kann nur bestätigen, viele dieser Klischees stimmen eben auch. In so mancher Beschreibung habe ich mich selbst, oder auch meine Nachbarn wiedergefunden, etwa wenn es um die Strukturen und die Arbeitsverteilung im Festkomitee geht, oder die Zurückhaltung gegenüber Zugezogenen. An manchen Stellen im Buch musste ich über den wohldosierten Humor schmunzeln und an anderen hatte ich kurz Tränen in den Augen. Die Autorin zerstört das verklärte Bild vom Landleben, das eben nichts mit den Interiorseiten diverser Hochglanzmagazine zu tun hat, andererseits ist ihr Buch aber ein herzerwärmendes Plädoyer für genau dieses. Jeder, der nach dem nächsten Urlaub auf dem Bauernhof direkt im Internet auf Häusersuche geht, sei dieses Buch ans Herz gelegt. Ich will niemandem den Traum vom Landleben ausreden, aber sagen sie hinterher nicht, ich hätte sie nicht gewarnt.
Vom Idyll, das es nicht gibt
"Sich verabschieden von den Träumen vom Idyll, ankommen in einem echten Dorf, in dem die Dinge eben anders liefen als in den Köpfen von sechs Stadtmenschen, die hier etwas suchten, das es so eben doch nicht gab." (S. 196)Ingo und Lara, ein Großstadtpaar, sind recht neu im beschaulichen Fehrdorf. Anschluss an die Landbevölkerung finden sie erst, als Ingo am Nachhauseweg eine weiße Hirschkuh überfährt und sie gemeinsam mit dem Jäger und Schweinebauer Uwe von ihrem Leid erlöst. Dieser Vorfall verspricht nichts Gutes, ist doch allseits bekannt, dass es nur noch ein Jahr dauert, bis einem der eigene Tod gegenübertritt, wenn man ein solch besonderes Tier tötet. Doch wie wahr ist diese Mähr?Martina Behm hat mit "Hier draussen" einen großartig beobachtenden Roman geschrieben, der mit einer schwarzhumorigen Sprache aufwartet, Beziehungen sachte aufzudröseln weiß und dabei die Spannung immer aufrecht erhält. Wir erfahren hier viel darüber, weshalb es Städter aufs Land zieht und weshalb die Integration nur selten klappt. Wir werden aufgeklärt, wie Dörfler untereinander agieren und warum sie immer alles so machen wollen, wie es schon immer war. Aber vor allem lernen wir das Innenleben vieler Beziehungen kennen, die sich ändern, wenn Kinder ins Leben treten oder essentiell werden, wenn keine (mehr) da sind. Es ist beeindruckend, wie Behm es schafft, Intimes nach außen zu holen; wie sie Bedürfnisse einzelner zart und sanft thematisiert; wie sie durch die unterschiedlichen Charaktere die Gemeinschaft beschreibt; wie sie Konflikte beobachtet, zuspitzt oder durch Schweigen eskalieren lässt; und vor allem: wie sie Patriachat und Kapitalismus bloß stellt, ohne dabei mit dem mahnenden Finger zu zeigen. Behms Sprache ist feinfühlig und schwarzhumorig und gleichzeitig entblößt sie Tragödien schonungslos. Ihre Beobachtungsgabe ist scharf, genauso ihr Gespür Landschaften in den Erzählungen Atem einzuhauchen. Das Erzählte, das stets verschiedenste Beziehungen in den Mittelpunkt stellt, ist frustrierend und hoffnungsvoll zugleich. "Hier draussen" erzählt nicht nur von der Beziehung zweier Menschen, sondern spannt den Bogen über das gesamte Dorf, legt somit den ganzen Mikrokosmos offen. Vorwiegend lesen wir in der Gegenwart, aber - genau wenn es perfekt passt - erfahren wir Hintergründe aus der Vergangenheit. Mein Fazit: Martina Behms "Hier draussen" ist ein grandios gelungener Roman über die frustrierenden, aber auch hoffnungsvollen Beziehungen eines Dorfes untereinander. Es besticht durch eine treffsichere Beobachtungsgabe und ein liebevoll gewebtes Netz an Beziehungen in einem Dorf, das vor allem durch Veränderungen lebt. Das Buch ist ein absolutes Highlight und gehört jetzt schon zu meinen Lieblingsbüchern des Jahres 2025!
Vom Schatten der Dorfromantik
Kaum zu glauben, dass dies ein Debütroman ist! Martina Behn hat einen lässigen Schreibstil, der von einer guten Auffassungsgabe, Tiefgründigkeit und Empathie zeugt.Aus verschiedenen Perspektiven der Dorfbewohner wird still und unaufgeregt das Bild eines Dorfs gezeichnet, dessen scheinbare Idylle im Inneren wankt. Mir haben vor allem die Darstellungen der Beziehungen gefallen, auch wenn sie mich teilweise ziemlich wütend gemacht haben. Was für viele Frauen Realität ist, wird hier eindrucksvoll aufgezeigt.Ich war überrascht von der Dicke des Buchs und habe dementsprechend ein bisschen länger zum Beenden gebraucht, war aber keine Sekunde gelangweilt. Der Mythos der weißen Hirschkuh, die Dorfgeschichten, die im Hintergrund brodeln und nicht zuletzt die Handlung um die Protagonisten Lara und Ingo haben mich ans Buch gefesselt. Ganz große Leseempfehlung!
Dorfleben real und authentisch beschrieben.
Das Hörbuch "Hier Draußen" von der Autorin Martina Behm wird gesprochen von Julia Nachtmann. Ihre Stimme war mir sehr sympatisch und es wurde lebendig vorgelesen und das Sprechtempo war perfekt. Ingo und Lara ziehen mit ihren beiden Kindern von Hamburg aufs Land nach Fehrdorf. Der gekaufte Resthof bietet genügend Platz für die ganze Familie und neue Tiere. Lara arbeitet im Homeoffice, doch Ingo muss jeden Tag nach Hamburg pendeln, was ihn sehr nervt. Auf der Heimfahrt läuft im eine weiße Hirschkuh vors Auto. Der Jäger wird verständigt, das Tier ist nicht mehr zu retten und muss erlöst werden. Doch es gibt eine Prophezeihung, derjenige der eine weiße Hirschkuh erlegt, hat nur noch ein Jahr zu leben. Doch nicht nur der Aberglaube macht das Dorfleben schwer. ...Die Autorin erzählt sehr realistisch, mit einer Prise trockenem Humor vom Dorfleben. Ich komme auch vom Dorf und ich habe mich gedanklich sehr oft sagen hören, ja genau, so ist es. Auch als "Fremde" sich ins Dorfleben einzubringen und akzeptiert zu werden ist nicht so einfach. Auf dem Dorf werden Traditionen aufrecht erhalten. Es gibt viele Dorffeste, bei denen sich alle einbringen sollen, egal ob als Arbeitsschicht oder mit Kuchen und Salat Spenden. Die Städter denken oft, auf dem Dorf ist alles idyllisch, leben in und mit der Natur, Ruhe und lauter glückliche, entspannte Menschen. Das dahinter auch oft ein mühseliges Arbeitsleben ohne Urlaubs- und Krankheitstage steht sehen nur die wenigsten. Auch kommt in der Geschichte gut rüber, daß es nicht mehr so einfach ist mit Tierhaltung genügend Geld zu verdienen. Auch mit Geruchsbelästigung und weiten Wegen zum Einkaufen, Arzt und Arbeitsstätte hat man auf dem Land zu kämpfen.Die Dorfbewohnet sind facettenreich und detailliert beschrieben. Da gibt es den Jäger, die Schweinezüchterfamilie, die Öko-WG und Familie Söhnke, die sich auf Geflügel spezialisiert hat. Auch ein paar ältere und schrullige und verschrobene Personen sind dabei.Das Hörbuch hat mich bestens unterhalten, ich kann es sehr empfehlen und ich würde mich freuen bald mehr aus der Feder von Martina Behm zu hören / zu lesen.
Landleben und Aberglaube
Wenn Städter in die ländlichen Dörfer kommen sprechen sie oftmals von „Hier draußen“ und genauso heißt der Debütroman von Martina Behm. Ingo und Lara ziehen mit ihren Kindern aufs Land, um mehr Ruhe zu finden. Aber sie merken schnell, dass nicht alles so harmonisch ist wie es scheint. Ingos Pendelei in die Großstadt haben sie unterschätzt und Lara ist mit Familienarbeit und Beruf überfordert. Und in einer Dorfgemeinschaft muss man auch erst einmal seinen Platz finden. Aber auch da ist nicht alles Gold was glänzt.Und dann passiert Ingo eines Abends auch noch was Schlimmes. Der Familienvater überfährt eine weiße Hirschkuh und es heißt wer solch ein Tier tötet, hätte nur noch ein Jahr zu leben. Ein ganz böses Omen, das sagt zumindest der Aberglaube von Jägern. Und natürlich sorgt dies für große Unruhe im Dorf und einige machen sich Gedanken über ihr Leben und ob sie hier wirklich glücklich sind.Warmherzig erzählt die Autorin nach und nach die Lebensgeschichten einiger Dorfbewohner und macht auch auf die immer größer werdenden Probleme der Landwirte aufmerksam. Dabei fügen sich verschiedene Lebensläufe wie ein Puzzle zusammen. Sie schildert mit feiner Beobachtungsgabe, wie der Traum von der Idylle aufs Land zu ziehen der Realität weichen kann. Und dass auch die Landbewohner mit allerlei Sorgen und Nöten zu kämpfen haben.Ein berührender Roman, der mir sehr gut gefallen hat. Nur manche Beschreibungen finde ich etwas zu ausschweifend. Dennoch finde ich den Roman sehr gelungen und kann ihn empfehlen.
Raus aufs Land: Martina Behm im Gespräch mit Max Moor
Warum ist Max Moor der ideale »Buchpate« für Martina Behms Roman ›Hier draußen‹? Weil er genau weiß, was es heißt, von der Stadt aufs Land zu ziehen – mit all seinen Tücken und Glücksmomenten. Kein Wunder, dass ihn das Buch sofort gepackt hat. Gemeinsam sprechen sie über den Roman, das Stadt- und Landleben und über ihre Premierentour.
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