Die Dorfgemeinschaft in Zeiten der Judenverfolgung: ein neuer, spannender Blick auf die düstere deutsche Geschichte
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Und mittendrin der Birnbaum
Es ist ein milder Frühsommer, als Dora nach vielen Jahrzehnten in ihren Heimatort Hausen zurückkehrt. Stundenlang wandert sie durch die fremd-vertrauten Straßen – zu ihrem Elternhaus, aber auch zu dem Fachwerkhaus, in dem einst ihre beste Freundin wohnte.
Vom Wissen und Wegschauen: Ein berührender Roman über Zerbrechlichkeit und Hoffnung in dunklen Zeiten.
Als sie entdeckt, dass vor diesem Haus Stolpersteine verlegt wurden, ist Dora fassungslos. Denn dort liegen nur vier Steine, sie weiß aber genau, dass es fünf sein müssten. Einer fehlt, nämlich der ihrer ehemals besten Freundin Fanny. Was ist damals mit ihr geschehen?
Die Dorfgemeinschaft in Zeiten der Judenverfolgung: ein neuer, spannender Blick auf die düstere deutsche Geschichte. Emotional, glänzend recherchiert und mitreißend erzählt.
Dora ging auf das Haus zu. Mit jedem Schritt wurde sie ein bisschen langsamer. Mit jedem Schritt sank ihr Kopf ein bisschen tiefer. Noch konnte sie nicht hingucken. Ob das Haus ihrer Freundin wohl entstellt worden war wie so manch anderes im Dorf? Ob sie es wiedererkennen würde?
Als sie endlich den Kopf hob, wäre sie fast in Tränen ausgebrochen. Es war ganz und gar unglaublich. Es sah genauso aus wie damals. Als wäre die Zeit nicht vergangen. Dora stand und stand, konnte sich gar nicht sattsehen. Gleich musste die Freundin aus dem Haus kommen. Oder aus dem Fenster gucken. Oben links. Und rufen: »Ich komme.«
Bibliografische Daten
1. Auflage
Ute Mank
Ute Mank wurde in Marburg geboren. Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Töchtern, lernte einen Gesundheitsberuf, studierte Erziehungswissenschaften und promovierte später nebenberuflich. Ihr erster Roman ›Wildtriebe‹ erschien 2021 und war für den Klaus-Michael-Kühne-Preis nominiert. Sie lebt mit ihrer Familie in Hessen.
2 - 10 von 67 Leserstimme
Berührende Geschichte
Zum Inhalt:Stundenlang wandert Dora nach vielen Jahrzehnten wieder durch ihren Heimatort ihres. Irgendwie vertraut und doch fremd. Auch ihr Elternhaus und das Haus, in dem ihre beste Freundin damals wohnte. Dort findet sie auch Stolpersteine, doch dort liegen nur 4 Steine, eigentlich müssten es fünf Steine sein. Denn der Stein für ihre Freundin Fanny fehlt, was ist mit ihr passiert. Meine Meinung:Die Geschichte erzählt von einer Zeit, die auch die Protagonistin Dora in schmerzhafte Erinnerung zurück führt. Als Gegenpol gibt es die junge Pina, die relativ unbeschwert nach der Vergangenheit ihres Elternhauses sucht und manchmal unbewusst in alte Wunden von Dora sticht. Der Schreibstil ist sehr angenehm, die kurzen Kapitel verführen einen immer weiter zu lesen, denn man möchte einfach wissen, was mit Fanny passiert ist. Zudem erfährt man mehr über die Zeit der Judenverfolgung. Vieles im Buch berührt einen sehr und ich finde, daß Buch erzählt eine wichtige Geschichte. Fazit:Berührende Geschichte
Berührender Roman über eine dunkle Zeit Deutschlans
Im hohen Alter kehrt Dora in ihren Heimatort Hausen zurück. Dort wohnt noch ihr Bruder Heini und ihre Schwägerin Gretel. Sie zieht ins Altenheim „Haus Sonnenschein“ des Ortes. Täglich wandelt sie durch die Straßen. Ihr Elternhaus, Bachkriemers Einkaufsladen und auch das Haus ihrer Freundin Fanny aus Kindertagen stehen noch. Mit jedem Schritt mehr, überfallen sie die Schatten der Vergangenheit.Als sie bei einen ihrer Erkundungsgängen Pina kennenlernt, die nicht aufhört Fragen zu stellen, muss sie sich ihren Erinnerungen stellen…..In angenehm kurzen Kapiteln, wird aus Sicht von Dora, mal die Gegenwart, mal ihre Erinnerungen an die Kindheit und Nazizeit erzählt.Ein kleiner Ort, wo jeder jeden kannte und respektierte, greift die braune Saat der Nazis um sich.Intensiv und ergreifend kann die Autorin ein Bild von Bewohnern zeichnen, die sämtliches Mitgefühl, Menschlichkeit und Respekt gegenüber ihrer jüdischen Nachbarn über Bord werfen. Ausgrenzung, Ausgehverbote sind normal. Als alle Juden aus dem Dorf abgeholt werden, sehen alle zu.Auch Dora, zwar noch Kind, ist insbesondere von den Gruppen fasziniert und tritt voller Überzeugung in den BDM ein. „Die Stimmung, die mit einem Mal in der Luft lag. Das Gefühl, es werde nun alles ganz großartig werden.“„Dora war es damals gewesen, als trügen alle plötzlich die Köpfe höher. Auch sie selbst.“Ihre beste Freundin Fanny ist auch Jüdin. Dora bedauert zwar, dass diese nicht mehr in die Schule kommen kann, macht sich aber nicht so viele Gedanken darüber.Sie bemüht sich sogar so sehr, dass sie auf die Lehrerschule gehen kann und Hausen verlässt. Sie hört nie wieder von Fanny.Das Buch hat mich durchgehend gefordert, zum Nachdenken angeregt, meine Emotionen hochkochen lassen.Dora wurde mir als Figur nie richtig sympathisch. Vielleicht ist es normal, alle Erinnerungen in den hintersten Teil des Gehirns zu schieben, um die eigene Schuld ertragen zu können?Fanny kann vor dem Transport fliehen und wird von Gottfried Schomber gerettet und versteckt. Er lässt sich von der Ideologie der Nazis nicht einfangen. Und Dora fragt sich: „Warum hat dieser Gottfried es geschafft, das Richtige zu tun? Was unterscheidet ihn von mir?“So, wie auch ich mich fragte, wie das alles nur zugelassen werden konnte und ob ich selbst damals der Ideologie widerstanden hätte.Fazit: Eine sehr berührende, authentische Geschichte über Vergangenheitsbewältigung, Schuld und Frieden zu schließen mit seiner eigenen Unzulänglichkeit.
Und mittendrin der Birnenbaum
Und mittendrin der Birnenbaum“ ist eine wunderschöne, emotionale Geschichte, die mich auf eine ganz besondere Art berührt hat. Die Charaktere wirken authentisch und die Handlung hat viele kleine Momente, die zum Nachdenken einladen und gleichzeitig das Herz erwärmen.Das Cover gefällt mir sehr gut, es wirkt etwas Reifer und nicht so verspielt angepasst an die Situation der Geschichte. Wahrscheinlich hätte ich es mir aber nur aufgrund des Cover nicht gekauft. Der Klappentext hat mich überzeugt und gleich gefesselt.Besonders gefallen hat mir die liebevolle und gefühlvolle Art, wie die Geschichte erzählt wird. Es geht um das Leben mit all seinen schönen, aber auch schwierigen Seiten – ohne dabei schwer oder bedrückend zu wirken. Es zeigt eine Frau die im Alter wieder in ihre Heimat zurück kommen und dort mit ihren Erinnerungen kämpft.Ein Buch zum Lachen, Mitfühlen und vielleicht auch für die ein oder andere Träne. Eine Geschichte die vomLeben erzählt von Vergangenheit und Schuld von Freundschaft und Zuversicht.Eine klare Leseempfehlung für alle, die Geschichten mit Gefühl und ganz viel Herz mögen. Natürlich auch mögen muss man Geschichten die eben einen Geschichtlichen Hintergrund zeigen.
Berührend und nachdenklich machend
In 'Und mittendrin der Birnbaum' begleiten wir Dora, die als betagte Frau in ihren Heimatort Hausen zurückkehrt. Ein Ort, den sie vor vielen Jahren verlassen hat. Mit der Rückkehr kommen verdrängte Erinnerungen an längst vergangene Zeiten hoch – auch an sehr dunkle. Ute Mank nimmt uns auf eine sehr berührende Art mit in dieses Erinnern. Sie zeichnet bildhaft, wie Dora mit ihren Erinnerungen kämpft – den Guten und den Schlechten, und sich dabei auch selbst hinterfragt. Hätte sie anders handeln können und müssen. Dabei ist Pina, eine junge Erwachsene, ein gelungener Gegenpart zu Dora. Sie sucht unbelastet nach der Vergangenheit ihres Elternhauses und sticht damit teilweise unbewusst in alte Wunden. Die kurzen Kapitel sind gut zu lesen und lassen einen tief in die Geschichte eintauchen. Man wird auf eine sanfte Art zur Auseinandersetzung mit dem Leben der Menschen in der Zeit der Judenverfolgung gestoßen. In Zeiten wie diesen ein sehr wichtiges Buch.
Wenn die Vergangenheit einen doch nie ganz loslässt
„Und mittendrin der Birnbaum“ hat mich durch die eindrückliche und berührende Darstellung der Vergangenheit und ihrer Auswirkungen auf die Menschen sehr bewegt. Besonders gut konnte ich mich in Dora hineinversetzen. Ihr innerer Zwiespalt wird greifbar: Sie versucht, sich aus Selbstschutz von der Vergangenheit zu distanzieren, wird aber gleichzeitig immer wieder zu ihr hingezogen.Sehr eindrucksvoll fand ich die Szenen in der Schule mit dem neuen Nazi-Lehrer. Sie regen zum Nachdenken an, denn gerade Kinder können oft nicht wissen, wie sie mit solchen Situationen umgehen sollen – besonders dann, wenn viele nach Anerkennung suchen und diese mit den falschen Mitteln eingefordert wird.Die Geschichte ist spannend und ergreifend. Immer wieder hatte ich Gänsehaut und wollte unbedingt weiterlesen, um mehr über Fanny und ihre Familie herauszufinden. Besonders Pina, die mutig und neugierig ist, trägt dazu bei, dass die Wahrheit Stück für Stück ans Licht kommt.Auch die Gedanken der Menschen, die den Krieg selbst erlebt haben und bis heute mit ihrer Vergangenheit kämpfen, fand ich sehr bewegend. Ein Satz ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: „Vielleicht blieb von jedem Menschen etwas an den bedeutenden Orten seines Lebens zurück.“ Das ist eine schöne Vorstellung.Die Bedeutung von Bildern wird ebenfalls sehr schön vermittelt und regt dazu an, darüber nachzudenken, wie viel wir aufschieben, weil wir glauben, es sei noch genug Zeit.Insgesamt ist „Und mittendrin der Birnbaum“ eine berührende und spannende Geschichte über Erinnerung, Schuld und die Frage, wie sehr uns die Vergangenheit auch heute noch prägt.
Vom Wissen und Wegschauen
Und mittendrin der Birnbaum, Roman von Ute Mank, 334 Seiten, erschienen im dtv-Verlag.Ein Mädchen dessen Spur sich verliert, eine Freundin die sich erinnertDora kehrt nach dem Tod ihres Mannes und nach vielen Jahren in ihren Heimatort zurück, in eine Seniorenresidenz. Auf ihren Streifzügen durch den Ort entdeckt sie vor einem Haus, das ehemals in jüdischen Besitz war, vier Stolpersteine eingelassen. Doch eigentlich sollten es fünf sein, der Stein für ihre frühere Schulkameradin und beste Freundin Fanny fehlt. Zusammen mit der Enkelin der ehemaligen Käufer, Pina macht sie sich auf die Suche um zu erfahren was mit Fanny geschehen ist. Schon im Prolog fühlte ich mich in der Geschichte angekommen. Auch die ersten Abschnitte sind so interessant geschildert, dass sich sofort Lesefluss eingestellt hat, dann konnte ich das Buch kaum noch aus der Hand legen, denn erst am Ende wird das Schicksal von Fanny offenbar. Die Autorin erzählt ihren Roman in zwei Zeitebenen. Zurück in die dunkelste Vergangenheit deutscher Geschichte, abwechselnd mit den Geschehnissen in der Gegenwart, das hält den Leser nah dran an der Geschichte, erst nach und nach baut sich Fannys Schicksal, Stück für Stück für den Leser auf, der Spannungsbogen ist gleichbleibend hoch, erzählt aus der Sicht Doras bekommt man das Gefühl mittendrin im Geschehen zu sein. Der Schreibstil ist ruhig, tiefgründig und voller leiser Zwischentöne. Die Hausnamen der Dorfbewohner und Eigennamen sind kursiv hervorgehoben, das hat mir gefallen denn auch bei uns im Ort gibt es noch Hausnamen, die Bedeutung dahinter ist oftmals spannend. Das Setting ist gut beschrieben, ich konnte mir den Ort und auch die Personen perfekt vorstellen. Die Figuren sind brillant charakterisiert, ihre Handlungen sind glaubhaft und nachvollziehbar. Die Protagonistin Dora ist eine, von der Vergangenheit, belastete Frau, manchmal hatte ich das Gefühl, dass sie sich hier eine Schuld einredet, für die sie m. M. nach wirklich nicht verantwortlich ist, sie waren zu der Zeit noch Kinder, die Schuld liegt hier bei anderen. Pina war mir sehr sympathisch die junge empathische Frau hilft Dora hartnäckig, die verdrängte Vergangenheit freizulegen. Fanny symbolisiert das Schicksal der Opfer. Dass es damals auch Menschen mit Mitgefühl gab, zeigt die Familie Schomber. Die Szene auf dem Dorfplatz als die Juden abgeholt wurden, und die Bevölkerung dann, also ob nichts geschehen ist, in die Kirche ging, hat mich zu Tränen gerührt. Tief berührt hat mich der Roman zurückgelassen. Es zeigt, dass die Jugend die Erinnerung der Alten braucht und auch die Alten auf die Unvoreingenommenheit der Jugend bauen können. Auch in unserem Garten wächst eine „Köstliche von Charneux“, sie wird mich noch oft ans Buch erinnern. Ute Mank gelang hier ein tiefgründiger und emotionaler Roman über Schuld und Vergebung. Eine absolute Lese- und Kaufempfehlung und 5 Sterne
Von Erinnerungen, Schuld und Vergebung
Eigentlich entscheide ich mich sehr selten auf Grund eines Covers für ein Buch. Doch diese geheimnisvoll leuchtenden Birnen haben es mir angetan. Dazu der Hinweis auf eine alte Geschichte, die bis in die heutige Zeit wirkt, hat mich dann endgültig in den Bann gezogen. Nach über sechzig gemeinsamen Ehejahren verstirbt Paul und lässt Dora allein zurück. Sie beschließt ihr Leben zu ändern und zieht ins Haus Sonnenschein im Ort ihrer Kindheit. Hier, in dem kleinen hessischen Dorf, leben Bruder und Schwägerin und hier beginnt das Erinnern an Zeiten, die sie längst vergessen meinte. Vergessen und verdrängt, wie auch ihre jüdische Freundin Fanny. So beginnt eine aktuelle Geschichte gegen das Vergessen, die gestern und heute verbindet.Die Erinnerungen von Dora über den Beginn der Nazizeit werden sehr lebendig erzählt. Man spürt die freudige Aufbruchstmmung, dann die Gruppendynamik bis zum Gruppenzwang, dann das Verschweigen und Vergessen. Als Doras Freundschaft zu Fanny systematisch zerstört wird, schmerzte mein Herz. Ute Mank gelang es, mir diese Gefühle so nah zu bringen, dass etwas von dieser Ungerechtigkeit fast körperlich spürbar war. Wie schwer es auch für Kinder dieser Zeit war, wie kompliziert, wie ungerecht und so allein gelassen. Diese Gefühlswelt transportiert die Autorin sehr anschaulich und berührend.Dora als junges Mädchen und alte Frau kam mir sehr nahe. Schuldgefühle, die unverarbeitet sind, glaubhaft geschildert. Auch Pina, eine sehr junge Frau im Dorf, kann man mit ihren Fragen gut verstehen. Zwei Generationen, ein Thema und die unterschiedlichen Sichtweisen und Verarbeitungsmethoden sind gut heraus gearbeitet. Ute Mank erzählt diese Geschichte in einer leicht lesbaren, guten Sprache. Klare, kurze Sätze, verständlich, ohne viele Schnörkel, so dass es sich leicht leicht und flüssig liest. Es gelingt ihr, einen angenehmen Spannungsbogen aufzubauen und das Interesse an Doras Geschichte die gesamte Zeit zu halten. Im letzten Teil war es mir kurzzeitig etwas lang. Da hätte der Geschichte etwas Straffung gut getan. Insgesamt ist es ein guter Roman, der auch Jugendliche ansprechen dürfte, denn es ist der Autorin gelungen, diese "alte" Geschichte aktuell in die heutige Zeit zu transportieren, sie nutzt die Stolpersteine und erschafft mit Pina eine Jugendliche, die beide Generationen verbindet.Ich habe diesen Roman gern gelesen uns was es mit den Birnen auf sich hat, wird beim Lesen verraten.
Ein berührender Appell an die Menschlichkeit
Der sehr berührende Roman von Ute Mank "Und mittendrin der Birnbaum" erzählt die Geschichte von Dora, die nach vielen Jahrzehnten in ihr Heimatdorf Hausen zurückkehrt. Dora beginnt sich zu erinnern. Sie bewegt sich durch die Straßen und vorbei an all den Plätzen, die sie als Mädchen besuchte. Vorbei an ihrem Elternhaus und dem Haus, in welchem ihre Freundin lebte. Sie erinnert sich an unbeschwerte Zeiten und die ausgelassenen Spiele und Besuche bei ihrer besten Freundin Fanny. Fanny, ein jüdisches Mädchen mit einer jüdischen Familie, so wie es noch weitere jüdische Bewohner in Hausen gab. Alle lebten friedlich miteinander oder auch nebeneinander her, bis der Ton rauher und Feindbilder aufgestellt wurden. Die Meidung und Ausgrenzung der jüdischen Mitbewohner wird auch von Lehrern in der Schule praktiziert, bis hin zu dem Punkt, wo kein jüdisches Kind mehr die Schule besuchen darf. Jüdische Menschen werden auf offener Straße mit Jauche übergossen, verprügelt, ihre Häuser werden beschmiert.Auch Dora muss als Kind eine Entscheidung treffen, da sie Lehrerin werden möchte. Nur noch ganz heimlich, wenn es bereits dunkel ist und durch die von der Straße abgeschirmte Kellertür, besucht sie hin und wieder Fanny, immer mit dem Gefühl, etwas Verbotenes zu tun.Als alte Frau schaut Dora nun mit Traurigkeit auf diese Zeit zurück. Vorwürfe beschleichen sie und ihr wird bewusst, wer alles damals weggesehen hat und geschehen ließ, was geschah. Selbst sie.Vor dem Haus, das Fanny mit ihren Eltern bewohnte, hat man zur Erinnerung Stolpersteine gelegt. Es soll an die jüdischen Menschen erinnern, die hier einst lebten. Es sind vier an der Zahl, obwohl die Familie zu fünft waren. Diese Tatsache lässt Dora nicht los. Der Stein mit Fanny`s Namen fehlt und so breitet das dringliche Bedürfnis in ihr aus, herausfinden zu wollen, was mit Fanny geschah. Mit einem jungen Mädchen Pina erfährt Dora Unterstützung und erlebt couragierte Hilfe und Mut noch einmal genau hinzusehen.Es geschieht Erstaunliches, was das Leben einiger Menschen enorm umkrempelt.Mich hat der Roman sehr bewegt, zum Teil auch erschüttert. Der Autorin ist der Sprung zwischen Vergangenheit und Gegenwart von Kapitel zu Kapitel sehr gut gelungen. Sie beschreibt eindrucksvoll, wie das Geschehen von damals die Menschen einholt, gerade wenn sie nicht darüber sprechen möchten.Es zeigt auch, dass es immer einige mutige Menschen gibt, die sich anderen annehmen und der Tatsache trotzen, sich dabei selbst in Gefahr zu bringen.Das Buch ist ein Hoffnungsschimmer und ein Appell an uns in unserer heutigen Zeit. Es ruft uns zu Mitmenschlichkeit auf. Wir sollten aus dem Geschehenen lernen und hinsehen und uns einmischen, wenn Ungerechtigkeit geschieht und Hilfe gefragt ist.
Sehr packend
Dora zieht mit über 80 Jahren zurück in ihr altes Heimatdorf Hausen. Als sie vor dem Haus ihrer früheren besten Freundin Fanny steht, entdeckt sie vier Stolpersteine. Sie sollen an die Familie erinnern die während des Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben, deport1ert oder ermord3t wurden. Aber die Familie umfasste fünf Menschen,nicht vier. Fanny fehlt. Was ist mit ihr geschehen?Sie erinnert sich an eine Vergangenheit, die sehr bedrückend war. Zusammen mit ihrer Freundin Fanny ist sie hier aufgewachsen. Jedoch haben beide unterschiedliche Leben gelebt. Dora als gut situierte junge Dame, die in der Schule immer vorbildlich war und vom Lehrer gemocht und unterstützt wurde. Und Fanny als Tochter einer jüdischen Familie. Die, die nicht gewollt sind. Die am besten weg sollten. Dora blickt zurück auf eine Zeit, in der viele weggesehen haben. Weil sie es entweder nicht besser wussten oder sich nicht getraut haben dagegen anzugehen. In der Gegenwart erhält sie Unterstützung von der Enkelin die jetzt in Fannys Elternhaus wohnt. Gemeinsam versuchen sie herauszufinden, was damals mit Fanny passiert sein muss, warum es von ihr keinen Stolperstein gibt. Der Schreibstil war total klar und sehr anschaulich. Die Rückblicke in die Vergangenheit waren ziemlich bedrückend,aber haben gut deutlich gemacht, wie sich die Menschen gefühlt haben müssen. Wie sie mit dem Antisemitismus umgegangen sind. Das sich Dora mit einem jungen 19 jährigen Mädchen zusammengetan hat um neue Erkenntnisse zu gewinnen, fand ich super. Das machte auch deutlich, dass sich die junge Generation ebenfalls für dieses Thema interessiert und es einfach nicht in Vergessenheit geraten sollte! Ich habe öfter das Buch weglegen müssen um die gelesenen Dinge erstmal zu verarbeiten.Ich spreche hier eine unbedingte Leseempfehlung aus, für alle die sich für das Thema interessieren.⭐⭐⭐⭐,5 | 5 Sternen
Wenn die Vergangenheit nicht schweigt
Schon das Cover hat mich neugierig gemacht. Die Birne mit den beiden Mädchen darin wirkt auf den ersten Blick eher schlicht, bekommt aber im Laufe der Geschichte immer mehr Bedeutung und passt für mich sehr schön zu Dora und Fanny.Dora kehrt im hohen Alter in ihr Heimatdorf Hausen zurück. Dort holen sie Erinnerungen ein, die sie über viele Jahrzehnte verdrängt hat. Besonders die an ihre frühere beste Freundin Fanny, die aus einer jüdischen Familie stammte. Als Dora vor deren ehemaligem Zuhause vier Stolpersteine entdeckt und ausgerechnet Fannys Name fehlt, beginnt sie sich zu fragen, was damals mit ihr geschehen ist. Gemeinsam mit der jungen Pina nähert sie sich nach und nach einer Vergangenheit, der sie lange ausgewichen ist.Besonders berührt hat mich, dass der Roman nicht nur von der Verfolgung jüdischer Menschen erzählt, sondern auch vom Wegsehen und Schweigen derjenigen, die mitten im Geschehen lebten. Dora muss sich dabei mit ihrem eigenen Verhalten auseinandersetzen. Während Fanny und ihre Familie immer stärker ausgegrenzt wurden, zog sich Dora zunehmend von ihrer Freundin zurück und verfolgte ihre eigenen Zukunftspläne. Gerade diese Zwiespältigkeit fand ich eindringlich, weil die Geschichte damit Fragen aufwirft, auf die man sich aus heutiger Sicht nur schwer eine ehrliche Antwort geben kann.Ute Mank erzählt ruhig und einfühlsam und braucht keine großen dramatischen Szenen, damit die Geschichte wirkt. Mir hat auch die Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart sehr gefallen. Durch Pina trifft eine junge Frau auf Dora, die so lange über das Erlebte geschwiegen hat, und gemeinsam kommen Dinge ans Licht, an die sich manche im Dorf erinnern und die andere lieber ruhen lassen würden.Für mich ist das ein bewegender Roman über Freundschaft, Schuld, Verdrängung und die Frage, welche Verantwortung Menschen auch dann tragen, wenn sie nicht selbst zu den unmittelbar Handelnden gehören. Die Geschichte ist leise erzählt, hat mich aber gerade deshalb sehr beschäftigt. Vor allem die Frage, wie man selbst in Doras Situation gehandelt hätte, lässt sich nach dem Zuschlagen des Buches nicht einfach beiseiteschieben.
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Pressestimmen
Sie erzählt von dem Mut, den es braucht, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen.
Johanna Schultheiss, 17.09.2026