Die Dorfgemeinschaft in Zeiten der Judenverfolgung: ein neuer, spannender Blick auf die düstere deutsche Geschichte
4,99 €
(0,00 € / )
Wird sofort digital versendet
- Versandkostenfreiin Deutschland
- Schneller VersandLieferung 3-5 Werktage
- Sichere ZahlungSSL-verschlüsselt
Details
Und mittendrin der Birnbaum
Es ist ein milder Frühsommer, als Dora nach vielen Jahrzehnten in ihren Heimatort Hausen zurückkehrt. Stundenlang wandert sie durch die fremd-vertrauten Straßen – zu ihrem Elternhaus, aber auch zu dem Fachwerkhaus, in dem einst ihre beste Freundin wohnte.
Vom Wissen und Wegschauen: Ein berührender Roman über Zerbrechlichkeit und Hoffnung in dunklen Zeiten.
Als sie entdeckt, dass vor diesem Haus Stolpersteine verlegt wurden, ist Dora fassungslos. Denn dort liegen nur vier Steine, sie weiß aber genau, dass es fünf sein müssten. Einer fehlt, nämlich der ihrer ehemals besten Freundin Fanny. Was ist damals mit ihr geschehen?
Die Dorfgemeinschaft in Zeiten der Judenverfolgung: ein neuer, spannender Blick auf die düstere deutsche Geschichte. Emotional, glänzend recherchiert und mitreißend erzählt.
Dora ging auf das Haus zu. Mit jedem Schritt wurde sie ein bisschen langsamer. Mit jedem Schritt sank ihr Kopf ein bisschen tiefer. Noch konnte sie nicht hingucken. Ob das Haus ihrer Freundin wohl entstellt worden war wie so manch anderes im Dorf? Ob sie es wiedererkennen würde?
Als sie endlich den Kopf hob, wäre sie fast in Tränen ausgebrochen. Es war ganz und gar unglaublich. Es sah genauso aus wie damals. Als wäre die Zeit nicht vergangen. Dora stand und stand, konnte sich gar nicht sattsehen. Gleich musste die Freundin aus dem Haus kommen. Oder aus dem Fenster gucken. Oben links. Und rufen: »Ich komme.«
Bibliografische Daten
1. Auflage
Autor*innen
Ute Mank
Ute Mank wurde in Marburg geboren. Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Töchtern, lernte einen Gesundheitsberuf, studierte Erziehungswissenschaften und promovierte später nebenberuflich. Ihr erster Roman ›Wildtriebe‹ erschien 2021 und war für den Klaus-Michael-Kühne-Preis nominiert. Sie lebt mit ihrer Familie in Hessen.
Pressematerialien
Leserstimmen
4 - 10 von 74 Leserstimme
Ein Roman über Freundschaft und Erinnerungen
Das Bild auf dem Cover bringt die Thematik des Romans sehr gut zum Ausdruck: Eine Birne von einem fest verwurzelten Birnbaum als Blickfang und zwei abgebildete Mädchen darin als Sinnbild für viele Erinnerungen an eine besondere Mädchenfreundschaft in einem hessischen Dorf zu Beginn des Nationalsozialismus. Dora, inzwischen über achtzig Jahre alt und verwitwet, kehrt zurück in ihr Heimatdorf und nach und nach leben immer mehr Erinnerungen an die früheren Zeiten wieder auf. Das Schicksal ihrer jüdischen, einst besten Freundin Fanny lässt ihr keine Ruhe. Mit Hilfe von Pina, einer unkonventionellen jungen Frau, die jetzt in Fannys früherem Zuhause lebt, versucht sie zu ergründen, was mit Fanny geschehen ist. Durch zeitliche Rückblenden in die NS-Vergangenheit in dem kleinen Ort Hausen wird gut verdeutlicht, was das kollektive Schweigen und Wegsehen einer ganzen Dorfgemeinschaft anrichten kann.Dora muss sich ihrer eigenen Vergangenheit stellen, was nicht leicht für sie ist. Ihre Schuldgefühle lassen sie manches Mal verzweifeln. Doch tapfer beschreitet sie weiter ihren angefangenen Weg der Erinnerungen und versucht so, ihren inneren Frieden zu finden.Ein besonderer Roman über Freundschaft, Mut und Vergänglichkeit.
großartige Geschichte
Ich war gespannt auf das neue Buch der Autorin, denn ich habe bereits zwei ihrer Bücher gelesen und sehr gemocht. Ich finde den Schreibstil flüssig und konnte die Geschichte direkt fühlen. Das Buch habe ich in wenigen Tagen gelesen und spreche vorab eine Empfehlung aus.Doch worum geht es in der neuen Geschichte der Autorin? Wir lernen ein Mädchen kennen aus einem dunklen Dorf. Doch die Spur verliert sich mit dem Mädchen und eine Freundin erinnert sich. Dora kehrt nach vielen Jahren in ihre Heimat, einem Dorf, zurück. Immer wieder wandert sie durch die vertrauten Straßen, doch auch immer zu dem Haus in dem ihre beste Freundin wohnte. Vor diesem Haus entdeckt sie nun Stolpersteine. Dora kann das nicht verstehen und ist fassungslos. Sie sieht vier Steine, doch sie weiß es sollten eigentlich fünf Stolpersteine sein. Wie kann das sein? Warum fehlt der Stolperstein ihrer Freundin Fanny? Was ist denn damals wirklich passiert?Dieser Roman ist so berührend und auch einfühlsam, trotz der harten und schlimmen Geschehnisse. Die Autorin hat für mich genau den richtigen Ton getroffen beim Schreiben. Es gibt Hoffnung auch in dunklen Zeiten. Das zeigt dieser Roman ganz genau auf.Ich hoffe, dass viele Menschen diese Geschichte lesen werden. Für mich ein Highlight.
Ich bin zutiefst berührt
Das Cover von "Und mittendrin der Birnbaum" von Ute Mank ist optisch ein absoluter Hingucker und würde mich allein schon dadurch auf das Buch aufmerksam machen. Die beiden dort abgebildeten Mädchen, vertraut nebeneinander gehend, in einer goldgelben Birne - was für eine gute Umsetzung zum Titel. Dora, die ältere Protagonistin des Romans, zieht nach dem Tod ihres Ehemannes Paul in ihr Heimatdorf Hausen nach Hessen zurück. Dort bezieht sie ein Zimmer im Seniorenstift "Haus Sonnenschein" und hat Schwierigkeiten sich einzuleben. Obwohl es nicht das zentrale Thema ist, beschreibt die Autorin gerade die Beziehungen unter den Bewohnern auf den Punkt. Bei einem Spaziergang kommt Dora an dem Haus vorbei, in dem ihre jüdische Freundin aus der Kindheit mit ihrer Familie gelebt hatte. Vor dem Haus liegen inzwischen vier Stolpersteine, die der Personen gedenken sollen - aber für die Freundin Fanny ist kein Stein angelegt worden. Was ist mit Fanny, zu der sie keinen Kontakt mehr hatte, geschehen? Konnte sie Hitlers Schergen entgehen? Gemeinsam mit der jungen Frau, die inzwischen in diesem Haus lebt, begibt sie sich auf die Spurensuche und stellt sich damit auch der eigenen Vergangenheit. Es geht um die Aufarbeitung vermeintlicher Schuld, um wegducken und weggucken und die auch oftmals nicht hinterfragte Übernahme rechten Gedankenguts. Der Sprachstil ist klar, packend, eindringlich und äußerst bildhaft. Obwohl ich das Buch in zwei Tagen gelesen habe, denn es war wie ein Sog, ließen mich die relativ kurzen Kapitel immer wieder innehalten und zum Nachdenken anregen. Wie hätte ich mich in jenen Zeiten verhalten, hätte ich Mut bewiesen und damit mein eigenes Leben und das meiner Familie gefährdet, oder wäre ich auch getreu den Nazis hinterhergelaufen und hätte deren Parolen vertreten? Letzteres wäre heute für mich nicht vorstellbar, aber das lässt sich aus dem zeitlichen Abstand heraus natürlich leicht sagen. Dieser Roman hat mich unglaublich berührt und aufgewühlt und ich gehe sogar so weit, dass ich ihn als Pflicht-Schullektüre empfehlen würde. Gerade in der heutigen, leider wieder sehr beängstigenden Zeit, ist es unerlässlich jüngeren Generationen die Schreckensherrschaft Hitlers und seiner Getreuen als Mahnmal vor Augen zu führen. Kein Mensch darf wegen seiner Rasse, seiner Herkunft, seiner Religion oder seiner sexuellen Orientierung ausgegrenzt, geschweige denn verfolgt oder sogar ermordet werden. Wir leben von der Vielfalt. Das Buch ist ein Plädoyer für diese Werte. Es ist ein leiser Roman, mit einer enormen Kraft und gerade das macht die Botschaft von Ute Mank so eindringlich. Bitte unbedingt lesen und auch weiterverschenken!!
Schmerzhafte Erinnerungen
Durch den sehr eigensinnigen Cover zum neuen Roman von Ute Mank "Und mittendrin der Birnbaum" bin ich auf dieses Buch aufmerksam geworden.Bereits in der Leseprobe habe ich mich direkt abgeholt gefühlt, obwohl die ersten Kapitel eher schwer zu verstehen waren für mich, so hat sich dieses Buch als sehr kluges und auch einfühlreiches Buch für mich entwickelt.Die vorgestellten Hauptcharaktere Dora und Fanny, habe ich direkt ins Herz geschlossen und habe sehr gut mitfühlen können, als Dora Ihre Lebensgeschichte immer mehr preisgegeben hat.Der Spannungsaufbau war klasse sodass ich irgendwann das Buch kaum noch aus der Hand legen wollte. Ich habe mich immer wieder sehr gefreut, weiter lesen zu können.Der Schreibstil war sehr flüssig.Das Thema Judenverfolgung im 2. Weltkrieg ist sehr gut umgesetzt worden und ich finde, es ist ein sehr kluges Buch, was genau zum richtigen Zeitpunkt in Deutschland in die Bücherregale kommt.Ich kann jedem empfehlen, diesen Roman zu lesen, denn es kommt auch sehr viel bekanntes darin vor, obwohl das Buch über dem 2. Weltkrieg handelt.Auf jeden Fall 5 Sterne, ich würde auch mehr vergeben, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte.
Gefühlvoll und eindringlich
Ein absolut berührender Roman, der mich lange nicht losgelassen hat. Man beginnt unwillkürlich, über die eigene Familie nachzudenken – und über sich selbst. Wie haben die eigenen Großeltern den Krieg erlebt? Wo haben sie vielleicht weggeschaut? Und vor allem: Wie würde ich mich in einer solchen Situation verhalten?Ute Mank schreibt unglaublich gefühlvoll und sensibel. Es ist zutiefst bewegend, Dora auf ihrem Weg in die Vergangenheit zu begleiten. Als sie nach vielen Jahrzehnten in ihren Heimatort Hausen zurückkehrt und vor dem ehemaligen Haus ihrer besten Freundin Fanny Stolpersteine entdeckt, wird ihr schmerzlich bewusst, dass einer fehlt – der für Fanny. Was damals mit ihr geschehen ist, wird nach und nach enthüllt, und es ist absolut verständlich, dass Dora sich dafür schämt.Die Dorfgemeinschaft in Zeiten der Judenverfolgung wird hier auf eine neue, eindringliche Weise beleuchtet. Emotional, glänzend recherchiert und mitreißend erzählt – ein wunderbares Buch, das im Kopf und im Herzen bleibt.
Einblicke in die Vergangenheit
Dora ist in Hessen großgeworden und hat dort auch die Zeit des zweiten Weltkriegs erlebt. Nach dem Tod ihres Mannes zieht sie zurück in das kleine Dorf, das früher ihre Heimat war und setzt sich hier, vielleicht erstmalig, mit ihrer Vergangenheit auseinander. Im Zentrum steht ihre Freundin Fanny, ein jüdisches Mädchen, deren Familie ein schweres Schicksal erleiden musste. Unterstützt wird Dora bei den Recherchen von einem Mädchen aus dem Dorf. Ich fand das Buch und die Auseinandersetzung mit den Themen Schuld und Scham sehr spannend. Da ich selbst erst Anfang 30 bin, fand ich es sehr spannend nochmal Einblicke in die Vergangenheit von Deutschland zu bekommen. Ich brauchte etwas, um in der Geschichte anzukommen, dann habe ich das Buch aber relativ schnell gelesen, obwohl es eigentlich gar nicht mein Genre ist und ich mich wenig für historische Romane begeistern kann.
Verdrängte Schuld
Nach dem Tod ihres Mannes kehrt die betagte Dora nach Jahrzehnten in ihr Heimatdorf Hausen zurück. Ihr Bruder und ihre Schwägerin wohnen noch dort und Dora zieht in das Altenheim des Ortes. Durch die Rückkehr werden Erinnerungen an ihre Kindheit geweckt, schöne, aber auch weniger schöne Gedanken beschäftigen die alte Frau. Zum Beispiel die Freundschaft zu ihrer jüdischen Freundin Fanny, die in diesen unmenschlichen Zeiten zerbrach.Ich habe bereits einige Romane, aber auch Biografien von Zeitzeugen über die Zeit der NS-Herrschaft gelesen. Sie haben mich berührt und mich darin bestärkt, mich verstärkt mit dieser Thematik auseinanderzusetzen.Und mittendrin der Birnbaum hat mich berührt und betroffen gemacht. Doras innere Zerrissenheit, der Freundin die Treue zu halten und dann doch wieder auf den Lehrer und andere zu hören und sich von ihnen einnehmen zu lassen, hat mich sehr beschäftigt. Kann man sich als Kind gegen dieses Gebaren wehren, was nicht einmal der Mehrheit der Erwachsenen gelungen ist?Ute Mank hat die innere Zerrissenheit der Protagonistin sehr gut herausgearbeitet. Die verdrängten Schuldgefühle bestimmen Doras Handeln. Aber Dora stellt sich mutig und tapfer ihren Erinnerungen. Sie versucht, etwas über Fannys Verbleib herauszufinden, um endlich Frieden mit sich selbst schließen zu können.Der Roman schließt mit dem Satz: „Warum weiß man immer erst hinterher, dass man jemanden zum letzten Mal gesehen hat?“ Dieser Satz hat sich förmlich bei mir eingebrannt. Er stimmt. Man weiß nie, wann der andere für immer geht.
Eine hessische Zeitreise
Nach etlichen Jahrzehnten kehrt Dora in ihren hessischen Heimatort zurück, in das kleine Dorf Hausen. Vieles ist ihr vertraut und dennoch nach der langen Zeit fremd. Sie begibt sich zu ihrem Elterhanus, aber auch zu dem Fachwerkhaus, in dem früher ihre Freundin Fanny wohnte. Zu ihrem Erstaunen stellt sie fest, dass vor dem Haus Stolpersteine liegen. Es handelt sich allerdings nur um vier Steine, in dem Haus wohnten aber fünf Menschen. Ein Stein fehlt, jener für Fanny, was Dora sehr nachdenklich macht.Das schöne, liebevoll gestaltete Cover hat mich sofort zum Lesen eingeladen. Ich kann nachvollziehen, wie sich Dora nach Jahrzehnten gefühlt haben muss, in ihr Heimatdorf zurückzukehren. Ihre Unsicherheit, noch dazu lebt sie nun in einem Seniorenwohnheim. Hinzu kommt die Ungewissheit, was damals mit ihrer Freundin Fanny wirklich geschehen ist.Ute Mank nimmt ihre Leser mit auf eine spannende Zeitreise. Die Erzählung verläuft in zwei Zeitebenen, in der Gegenwart sowie in der Zeit des Nationalsozialismus. Interessant fand ich die Hausnamen der Protagonisten, eine alte hessische Tradition, die bis heute besteht. So lautete dar Hausname von Doras Familie Gehanndingels. Ich musste schmunzeln, weil ich das von Verwandten in Hessen auch kenne.Sehr emotional und auf beeindruckende Weise beleuchtet die Autorin ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte. Es macht betroffen, wie die Mehrheit der Dorfgemeinschaft ihre jüdischen Nachbarn im Stich gelassen hat. Mehr noch, einige haben sich an der Verfolgung aktiv beteiligt und sich am Eigentum dieser Menschen bereichert. Der Schreibstil der Autorin hat mich ebenso gefesselt wie ihre authentischen Protagonisten. Ich hatte den Eindruck, der Familie Gehanndingels in ihrer Küche über die Schulter zu blicken und teilte das Entsetzen vieler Schüler angesichts des nationalsozialistisch eingestellten Lehrers Ressel. Doras Wandel im Verhältnis zu ihrer Freundin Fanny hat mich nachdenklich gemacht. Ebenfalls ein Thema in der Erzählung war die eindrucksvolle Tradition des Verlegens von Stolpersteinen vor den Häusern ermordeter Juden. Darüber hinaus die Tatsache, wie sich junge Menschen am Beispiel von Pina heute mit der Vergangenheitsbewältigung befassen.Der Autorin ist es gelungen, Gegenwart und Vergangenheit geschickt miteinander zu verknüpfen. Sie hat historische Fakten gekonnt mit fiktiven Charakteren verbunden. Ein starker Roman, an den ich mich noch lange erinnern werde.
Freundinnen
Ute Mank erzählt in ihrem neuen Roman „Und mittendrin der Birnbaum“ von der verbotenen Freundschaft zwischen einem jüdischen und einem deutschen Mädchen zur Zeit des Zweiten Weltkrieges. Die verwitwete Protagonistin Dora kehrt nach Jahrzehnten in ihren Heimatort Hausen zurück um dort ihren Lebensabend zu verbringen. Sie erinnert sich an ihre damalige jüdische Freundin Fanny und geht sie ihrem damaligen Haus. Vor dem Haus entdeckt sie Stolpersteine von Fannys Familie, aber ein Stein mit Fannys Namen fehlt. Fanny war zu Nazizeiten ihre beste Freundin und obwohl es verboten war, hat sie sie zunächst regelmäßig heimlich besucht, sich dann aber nach und nach von ihr abgewandt.Sie hat sich nie großartige Gedanken über die Judenverfolgung gemacht, die auch in ihrem Dort stattfand und über die ihr Fanny erzählt hat und die sie selbst miterlebt hat. Nach und nach gibt sie ihren verschütteten Erinnerungen wieder Raum und zusammen mit einer jungen Frau namens Pina begibt sie sich auf die Suche nach ihrer verschollenen Freundin. Ute Mank schreibt ruhig und sensibel über die damalige Zeit und hat mich mit ihrem Buch sehr berührt.
Wann beginnt Schuld?
„...Vielleicht war es aber auch einfach so, dass, wenn man erst einmal einen Zipfel der Decke, die über der Vergangenheit lag, anhob, immer mehr zum Vorschein kam. Ob man wollte oder nicht…“Die Autorin hat ein bewegendes und tiefgründiges Buch geschrieben. Der Schriftstil ist fein ausgearbeitet. Er verbindet gekonnt Gegenwart und Vergangenheit. Für mich ist der Kernpunkt des Buches die Frage: Wo und wann beginnt Schuld?Am Anfang wird in einem kursiven Kapitel eine Episode aus der Vergangenheit erzählt. Dann wechselt die Handlung ins Heute und Jetzt. Dora hat sich entschlossen, in ein Seniorenheim in ihrem Heimatort zu ziehen. Jahrelang war sie nicht hier. Im Elternhaus wohnen Bruder und Schwägerin. Das Verhältnis zum Bruder ist angespannt. Schon bald fragt sie sich, ob ihre Entscheidung richtig war. Das hat mehrere Gründe. Einer liegt in der Vergangenheit.Beim Spaziergang durch den Ort kommen alte Erinnerungen hoch. Dann sieht sie vor dem Haus ihrer einst besten Freundin vier Stolpersteine. Wo aber ist der Stein für Fanny? Was ist mit ihr damals passiert?Dora lernt Pina kennen. Sie wohnt heute im Haus der jüdischen Familie. Die junge Frau interessiert sich für die Geschichte, die dahinter steckt. Ihre Großeltern sind nicht begeistert. Auch Dora verschweigt, dass sie das Innere des Hauses bestens kennt. Sie war schon auf er Lehrerbildungsanstalt, als die jüdischen Mitbewohner aus dem Ort abtransportiert wurden. Dora hat auch mit ihrer Enkelin Alice nie über die Vergangenheit gesprochen. Das war und ist ein Tabuthema. Nur als Alice von einer Besichtigung des KZ zurückkam, hat sie sich ihre Gedanken gemacht.„...Wir schleppen die Kinder in die KZ, nicht, um sie von der Schuld ihrer Vorfahren wissen zu lassen, sondern weil sie die Schuld auf sich nehmen, sie mittragen, dafür Buße tun sollen. Wir wollen entlastet sein, nicht allein damit leben müssen…“Sehr detailliert wird beschrieben, was in den kleinen Ort in der Nazizeit passiert ist. Dabei wird auch die geschickte Manipulation der jungen Menschen deutlich. Nun aber will niemand mehr daran erinnert werden. Immer wieder schimmert die Schuldfrage durch die Erzählung. Nur wenige sind bereit, darüber zu sprechen. Es ist Pinas Hartnäckigkeit zu verdanken, dass Fannys Schicksal aufgeklärt wird. Sehr einfühlsam werden Doras innere Kämpfe dargestellt.Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen. Seine Eindringlichkeit und die Suche nach der Wahrheit machen es zu einer besonderen Geschichte.
Veranstaltungen & Medientermine
Hermann-Bauer-Weg 2
35043 Marburg
Schillerstraße 1
36304 Alsfeld
Schloss Langenselbold
63505 Langenselbold
Kirchstraße
37520 Osterode am Harz
Petrusstr. 1
59929 Brilon
Am Berge 2
37308 Heilbad Heiligenstadt
Römerstraße 7
63785 Obernburg
Pressestimmen
Sie erzählt von dem Mut, den es braucht, sich der eigenen Vergangenheit zu stellen.
Johanna Schultheiss, 17.09.2026