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Buch Verbrenn all meine Briefe, Foto von Autor Alex Schulman und Text Über die Macht der Erinnerung und das, was wir Familie nennen.
Buch Verbrenn all meine Briefe, Foto von Autor Alex Schulman und Text Über die Macht der Erinnerung und das, was wir Familie nennen.
»Intensiv und mitreißend.« Mirjam Marits, Die Presse

Verbrenn all meine Briefe

Drei Menschen. Zwei Generationen. Ein Geheimnis.

Woher kommt diese tiefe Wut, die Alex in sich trägt? Auf der Suche nach Antworten stößt er auf die Geschichte seiner Großmutter, die zeigt, wie sich Leidenschaft und Eifersucht über Jahrzehnte und Generationen hinweg in eine Familie graben können.

Sommer 1932: Die 24-jährige Karin verliebt sich in den jungen Schriftsteller Olof. Aber es gibt ein Problem: Karin ist mit Sven verheiratet, einem stürmischen, hochrangigen Schriftsteller mit einer grausamen Ader. Wird sie es wagen, ihren Mann verlassen und ein anderes Leben mit ihrer neu entdeckten Liebe beginnen? 68 Jahre später fragt sich Karins Enkel Alex, Autor und dreifacher Vater, warum er eine solche Wut in sich trägt; eine Wut, die seinen Kindern Angst macht und eine Kluft zwischen ihm und seiner Frau schafft. Er stößt auf die Geschichte zweier unglücklich Liebender, deren Wogen bis zu ihm reichen. 

»Sein Buch ist kein Krimi und könnte doch aufregender nicht sein.« Christine Westermann, Stern

»Ein wahnsinnig klug gebauter, faszinierender, erschütternder Roman.« Frank Dietschreit, rbb Kultur


Ebenfalls von Alex Schulman bei dtv erschienen sind:

›Die Überlebenden‹

›Endstation Malma‹

Bibliografische Daten

EUR 14,00 [DE] – EUR 14,40 [AT]
ISBN : 978-3-423-14883-2
Erscheinungsdatum: 12.10.2023
6. Auflage
304 Seiten
Format : 11,5 x 19,0 cm
Sprache: Deutsch, Übersetzung: Aus dem Schwedischen von Hanna Granz
Autor*innenporträt

Alex Schulman

Alex Schulman, geboren 1976, ist einer der populärsten schwedischen Schriftsteller. Sein Roman ›Die Überlebenden‹, 2021 bei dtv erschienen, wurde in 30 Sprachen übersetzt. Mit ›Verbrenn all meine Briefe‹, bei dtv 2022, gelang ihm in Schweden 2018 der Durchbruch als literarischer Autor.

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Übersetzer*innenporträt

Hanna Granz

Hanna Granz, geboren 1977, hat unter anderem Werke von Patrik Svensson, Tove Alsterdal, Johanne Lykke Holm und Tone Schunnesson ins Deutsche übersetzt.

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Bei unserer Presseabteilung können Sie unter Angabe des Verwendungszwecks Autor*innenfotos anfordern.

117 von 117 Leserstimmen

Durchschnittliche Bewertung von 4.85 von 5 Sternen


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4 - 10 von 117 Leserstimme

herbstrose am 21.10.2022 17:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Wenn Liebe in zerstörerischen Hass umschlägt …

Als Alex Schulmann bemerkt, dass seine unvermittelten Wutanfälle seine Frau schockieren und seinen Kindern Angst bereiten, versucht er diese zu ergründen und stößt dabei auf ein Familiengeheimnis seiner Großeltern mütterlicherseits. Er erinnert sich an die Ferien, die er bei den Großeltern verbracht hat, an den ewig mürrischen und nie zufriedenen Großvater und an die Großmutter, die stets beflissen war und Angst vor seiner Wut hatte. Das begann im Sommer 1932, als das junge Ehepaar Sven und Karin Stolpe einige Tage Gäste im Hause einer Literaturstiftung waren, wo Sven, der schon damals ein bekannter Autor war, einige Lesungen hielt. Ebenfalls anwesend war auch der noch unbekannte junge Schriftsteller Olof Lagercrantz. Karin, die sich von ihrem berühmten Mann ständig überwacht und bevormundet fühlt, verliebt sich sofort in den zurückhaltenden und schüchternen Olof. Auch er entbrennt in heißer Liebe zu Karin und schreibt schwärmerische Gedichte über und für sie. Das bleibt Sven nicht lange verborgen und Karins Trennungsversuch von ihm endet in einer Katastrophe. Karin fürchtet um ihr Leben … Alex Schulman, geb. 1976 in Hemmesdynge, ist einer der populärsten schwedischen Schriftsteller der Gegenwart. Er studierte Film-, Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Stockholm und ist Autor, Journalist, Blogger und Fernseh- und Radiomoderator. Er schrieb einige Bühnenshows und veröffentlichte ein paar autobiografische Geschichten über seine Familie, bevor ihm 2021 mit „Die Überlebenden“ der große Durchbruch gelang. Sein ein Schweden bereits 2018 erschienener und vielbeachteter Roman „Bränn alla mina brev“ wurde jetzt, 2022, ins Deutsche übersetzt und erschien unter dem Titel „Verbrenn all meine Briefe“ bei der dtv-Verlagsgesellschaft. Alex Schulman ist ein Enkel mütterlicherseits des schwedischen Schriftstellers Sven Stolpe. Er ist seit 2010 in dritter Ehe mit Amanda Schulman verheiratet, hat zwei Töchter und mit ihr einen gemeinsamen Sohn. Dank der intensiven und äußerst akribischen Recherche des Autors erfahren wir, wie sein tyrannischer Großvater Sven Stolpe drei Leben zerstörte, das seiner Frau Karin Stolpe, das von Olof Lagercrantz und nicht zuletzt sein eigenes. Zwar funktioniert Karin weiterhin als Ehefrau, bringt vier Kinder zur Welt, lebt aber nur in der Erinnerung an ihre große Liebe. „Verbrenn all meine Briefe“, bittet sie den Geliebten aus Furcht, sie könnten eines Tages Sven in die Hände fallen. In Olofs Gedichten von 1935 und 1937 ist diese Liebe immer noch zu spüren. Der Roman ist kein Krimi, aber eine spannende, aufregende Geschichte, bei der diese kurze und tragische Liebesgeschichte sehr feinfühlig wieder zum Leben erweckt wird. Behutsam nimmt man Teil an deren Leben, hofft und leidet mit ihnen. Die in jedem Kapitel wechselnden Handlungsstränge, das Kennenlernen der Liebenden in den dreißiger Jahren, die Zeit in den Achtzigern, als der Autor Alex Schulman die Ferien bei seinen Großeltern Sven und Karin verbrachte und sein Leben heute als Erwachsener, Ehemann und Vater, halten die Spannung aufrecht und machen das Lesen abwechslungsreich. Zum Schluss kann man für Schulman nur hoffen, dass er sein Gemüt besänftigen kann und seine Wutausbrüche unter Kontrolle bringt, da er nun ihren Ursprung kennt. Fazit: Einfach nur schön, sehr emotional, ein großes Lesevergnügen!

webster am 19.10.2022 08:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Tolle Auseinandersetzung mit der eigenen Familie

Zuerst wurde Schulmanns Roman „Die Überlebenden“ in Deutschland veröffentlicht. Ein großes Buch, welches ich mit großem Genuss und Gewinn gelesen hatte.Nunmehr legt dtv das zweite Buch Schulmanns in deutscher Übersetzung vor. „Verbrenn all meine Briefe“ entstand gleichwohl vor dem genannten Bestseller „Die Überlebenden“. Schulmann selbst legt Wert darauf, dass es sich bei dem Buch „Verbrenn all meine Briefe“ um einen Roman handelt. Das mag zwar formal korrekt sein (und wer wenn nicht der Autor selbst legt am Ende fest, in welche Kategorie das Buch einzuordnen ist). Gleichwohl handelt es um sehr viel mehr als einen ‚normalen‘ Roman.Schulmann schreibt über seine eigene Familie. Ausgehend von Selbstzweifeln und die Frage, woher die Wut kommt, die er mitunter in sich spürt und die auch von seinen Mitmenschen – nicht zuletzt den Mitgliedern seiner eigenen Familie – negativ wahrgenommen wird. Er glaubt, dass diese Wut bereits bei seiner Mutter und bei seinem Großvater mütterlicherseits zu spüren war und setzt sich in den Kopf, mehr über diesen Großvater in Erfahrung zu bringen. Er beginnt zu recherchieren, was genau sich im Sommer 1932 zwischen seinen Großeltern und dem späteren bekannten Autor und Journalist Olof Lagercrantz abgespielt hat. Nur soviel: Es gibt ein gut gehütetes Geheimnis betreffend seine Großeltern, über welches innerhalb der Familie wenig bekannt ist. Schulmann wechselt zwischen einer anhand von realen Briefen und Tagebucheinträgen nacherzählten Handlung in 1932, seinen Erlebnissen bei seinen Großeltern im Alter von 12 Jahren im Jahr 1988 und der Gegenwart.Heraus kommt ein fesselndes Buch/Roman/Bericht über ein selbstherrliches und grausames Familienoberhaupt, über Fehltritte und deren jahrzehntelange Bestrafung, über Selbsterniedrigung, über ein Leben ohne Freude im Bewusstsein, die größte Liebe des Lebens aufgegeben zu haben.Ich schreibe diese Beurteilung bewusst ohne Namen oder Geschlechterangabe, um Spoiler zu verhindern.Im letzten Teil des Buches erfährt man als Leser eine weitere Wahrheit, die all das zu diesem Zeitpunkt bereits Gelesene nochmals in ein anderes Licht rückt oder besser gesagt den Lichtkegel heller und schärfer stellt.Beeindruckend, wie tief sich Schulmann in die Geschichte seiner Familie eingearbeitet und wie gut er recherchiert hat. Im Ergebnis setzt er die einzelnen Puzzleteilchen zu einem großen, aussagekräftigen Bild zusammen.Der Titel des Buches findet sich in der Handlung wieder. Ein Charakter sieht das Verbrennen aller Briefe als einzige Möglichkeit, sich zu schützen. Vor wem verrät das Buch!Das Buch ist ein Pageturner, als Leser möchte man immer wissen, wie es weitergeht. Das spricht für einen Roman. Das Buch ist gleichermaßen die Geschichte einer Familie – z.T. autobiographisch erzählt. Das hat viel von einer (Auto)Biografie oder einem Bericht.Die Sprache Schulmanns ist toll – das Buch lässt sich sehr gut lesen. Es sollte auch ohne große Leseerfahrung gut machbar sein. Eine klare Empfehlung für jeden/jede/jedes mit oder ohne Familie.

biancaneve_66 am 17.10.2022 18:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Die Wirklichkeit, die niemals eingetroffen ist

Autor Alex fragt sich, woher seine Wut kommt, warum seine drei Kinder Angst vor ihm haben. Er beginnt nachzuforschen und entdeckt eine Linie dieser Wut in der Geschichte seiner Familie. Und er stößt in der Vergangenheit auf die unglückliche Liebesgeschichte von Karin, die mit dem berühmten Schriftsteller Sven verheiratet ist, sich aber eines Tages in Olof verliebt. Das Cover ist beherrscht vom Buchtitel und dem Namen des Autors, das untere Viertel zeigt das Schwarz-Weiß-Foto eines Paares auf einer Wiese liegend. Der Roman wird auf drei Zeitebenen erzählt: als Ich-Erzähler begibt sich Alex in der Gegenwart auf Spurensuche und blickt außerdem auf seine Kindheit zurück; im dritten Erzählstrang erfährt man die Geschehnisse aus Karins Leben. Der Ich-Erzähler nähert sich der Lösung des Familiengeheimnisses sehr behutsam, denn er weiß, dass es sich schon immer auch direkt seinen eigenen Charakter ausgewirkt hat. Der Autor erfüllt dabei die gesamte Geschichte mit einer derartigen Lebendigkeit, dass die Gefühle und Begebenheiten direkt für den Leser spürbar werden. Die Sprache ist den Situationen angepasst, in den gefundenen Briefen sehr bildhaft und in allen Kapiteln durchgehende sehr berührend. Man spürt die Charaktere förmlich, verfolgt gespannt ihrem Erlebten; genauso trifft einen auch die Ausweglosigkeit der Protagonisten, ihr Schweigen und ihr Eingesperrt-Sein in ihre Handlungen, ihre Versuche, mit Situationen und Ängsten klarzukommen. In allem schwingt zwar eine drückende Grundstimmung mit, dennoch hinterlässt der Roman keine Schwere, denn der Protagonist ist seinem Problem auf den Grund gegangen und vermittelt so auch Hoffnung – für alle Beteiligten.Dieser Roman ist absolut lesenswert; er ist intensiv, er berührt und macht betroffen. Ein Glück, dass es Autoren gibt, die diese Intensität in Worte fassen können, und Übersetzer, die diese Intensität auch in andere Sprachen zu übertragen imstande sind.

tan93ja am 17.10.2022 12:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Sehr bewegende Liebesgeschichte

Das Buch hat mir sehr gut gefallen! Es geht um eine tragisch-schöne Familiengeschichte. Alex begibt sich auf die Suche nach der Ursache seiner tiefsitzenden Wut und findet dabei entsetzliche Dinge aus der Vergangenheit seiner Großeltern heraus. Der Schreibstil ist flüssig und fesselnd. Ich habe Alex gerne bei seiner Suche begleitet. Die Ausschnitte aus den Briefen/Tagebüchern und Fotos (Beschreibungen davon) zwischendurch waren sehr angenehm. Die Geschichte wirkte super authentisch und realistisch. Eine autofiktionale Geschichte, wenn ich es richtig verstanden habe. Erschreckend wie sich eine fehlgeleitete Wut über die Generationen hinweg weitergegeben wird und somit ein frauenfeindliches Denken prägt. Das Ende ist sowohl traurig als auch schön. :) Lest es unbedingt. Ich kann es euch nur ans Herz legen. Ein super wichtiges und schönes Buch.

luna80 am 15.10.2022 20:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Wahnsinnsbuch!

„Er kommuniziert sein Missfallen, in dem er gar nicht kommuniziert oder durch subtile Gesten, wie neulich, als sie sich ein Bad einließ und er plötzlich angelaufen kam und die Badezimmertür hinter ihr schloss. Er erträgt keine Geräusche. Es muss still sein um ihn herum.“ (S. 55)Wir begeben uns in die Jahre 1932, 1988 und die Gegenwart des Protagonisten Alexander, sein sozusagen „buchiges Ich“. Buchiges Ich deshalb, da sich Alex Schulman in Ermittlungen stürzt. Solche, die seine eigene Familie betreffen; gewidmet seiner Großmutter Karin. Detektivisch inspiziert er die Familiengeschichte von vor über 60 Jahren, nimmt Orte, Briefe, Archive und Bibliotheken unter die Lupe, um einem Familiengeheimnis auf die Spur zu kommen. Wir lesen von drei verschiedenen Personen, drei Generationen und damit vielen verbundenen Geschehnissen und Gefühlen, die innerhalb der gesamten Familie, in hässlichen Streitereien und Zermürbungskämpfen oder auch Ohnmacht enden, die man über sich ergehen lassen muss.Sven Stolpe, seines Zeichens erfolgreicher Schriftsteller, angesehen in der Welt, außen hui, innen pfui. Verheiratet mit Karin. Karin, eine Frau, die er unbedingt ehelichen wollte, aber nach kurzer Zeit schon wie einen Fußabtreter behandelt, die er tyrannisiert, niedermacht, malträtiert sie regel-mäßig. Stolpe erkrankt an Tuberkulose und sein Benehmen wird immer grausamer. Auf einer Schreibreise von Stolpe in die Sigtuna-Stiftung lernt Karin Olof kennen. Die beiden verlieben sich ineinander. Und die Reise in die Hölle geht los. Sie treffen sich heimlich, immer in Sorge erwischt zu werden. Als Sven Lunte riecht droht er Karin. Erst erschieße ich deinen Geliebten, dann Dich und dann mich. „Es ist, als würde seine Laune sich in sie hineinfressen und sie krankmachen. So ist es nicht immer gewesen. Anfangs war es, als würde sein Temperament ihnen beiden Aufwind verleihen. Sven war wütend auf die Welt, auf Kritiker, die keine Ahnung hatten, […] Es war zugleich eine Wut, die sie beschützte. […] Dann kam die Veränderung. Sie erinnert sich an das an das erste Mal, als Svens Zorn sich gegen sie richtete“. (S. 132)Zeitgleich lernen wir Alex kennen, Familienvater, aggressiv und offensichtlich mit angsteinflößen-dem Wesen. Seine Frau hält diese Situationen zu Hause nicht mehr aus, droht mit Auszug. Und als Alex erkennt, dass seine Frau und Kinder Angst vor ihm haben, dies anhand kleiner Dinge fest-macht, erkennt er ein Muster. Eines, das ihm sehr gut bekannt ist. Eines, das er selbst immer spür-te, im Hause der Großeltern. Aufs massivste sensibilisiert waren sie alle auf kleine Veränderungen in der Sprache, im Handeln von Großvater Sven. So möchte Alex nicht sein und er beginnt zu forschen, warum er so wurde. Wurden die innerfamiliären Konflikte weitergegeben? Ist diese unbändige Wut, diese Aggression, dieses Verhalten anderen Menschen gegenüber vererbbar? Axel Schulman hat bei mir hier genau ins Schwarze getroffen. Ich konnte das Buch nicht mehr weg-legen, habe es förmlich inhaliert. Der Schreibstil ist intensiv, mitreißend, ehrlich; der Plot klug auf-gebaut, mit viel Leidenschaft geschrieben und das spürte ich intensiv beim Lesen. Mit wenig Be-schreibung hat Schulman tiefe Charaktere gezeichnet. Es hat mich nicht mehr losgelassen. Das Mit-fiebern mit Alex, das Bangen und Hoffen für Karin und Olof. Diese schiere Wut, die sich in mich gefressen hat beim Lesen über diesen narzisstischen Kerl, der diese liebevolle Frau stets tyrannisierte, und die dennoch immer stark war, egal wie klein sie sich fühlte. Sie auf eine Art und Weise fertig machte, die ich nicht begreifen kann und schwer ertrug beim Lesen. Und zeitgleich auch die Ohnmacht, die sie erleben musste in dieser Zeit. Dass es nicht so einfach war, sich einfach loszusagen – schon gar nicht mit so einem Kontrollwahnsinnigen. Für Sven Stolpe ist alles ein Krieg, lesen wir im Buch. Und genauso behandelte er die Welt. Quelle allen Übels ist einfach die Wut, die ganze Generationen vergiftet. 20 Jahre nach ihrem Tod verschafft ihr Enkel mit seinem Buch eine Sicht dieser tollen Frau, die viele uns beim Lesen erkannten, die zur damaligen Zeit aber leider vielen verborgen blieb! Wie unglaublich schön und zugleich traurig ist das!Großartiger Roman und uneingeschränkte Leseempfehlung! … und wie es zum Buchtitel kam, das müsst ihr dringend nachlesen!

liesmal am 14.10.2022 16:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Verhängnisvolle Vergangenheit

Der Prolog hört sich bedrohlich an, aber obwohl Alex eine ständige Wut in sich trägt und seine Frau und Kinder immer darauf bedacht sind, nichts Falsches zu sagen oder zu tun vor lauter Angst vor den Folgen, so bewundere ich Alex‘ dafür, dass er erkennt, was er selbst mit seiner Art anrichtet, und darum beschließt, sich zu ändern. „Ich trage eine Wut in mir, und dagegen muss ich etwas unternehmen.“Bereits in der Leseprobe erfährt man, dass Alex schon beim ersten Besuch einer Therapeutin klar wird, wo er etwas über den Ursprung seiner Wut finden kann.So beginnt das erste Kapitel im Behandlungszimmer einer Therapeutin – und ich war zu dem Zeitpunkt davon überzeugt, dass wir Alex dort häufiger antreffen werden. Doch der Autor Alex Schulman hat einen anderen Weg für seine Geschichte gewählt. Der Protagonist Alex sucht nach Spuren in der Vergangenheit seiner Familie, um Antworten zu finden. Dabei stößt er auf Antworten, die Alex Schulman gekonnt und mit großem Einfühlungsvermögen erzählt. Es ist die Geschichte einer leidenschaftlichen Liebe, die begleitet wird von Eifersucht und Wut - Angst machend, tieftraurig und hochsensibel. „Was soll aus uns werden?“, fragt sie. „Ich weiß es nicht“, antwortet er. „Wir haben abgehoben. Aber wir wissen noch nicht, wo wir landen.“In Alex Schulman habe ich mit diesem Buch für mich einen neuen Stern am Autorenhimmel entdeckt. Wenn es in diesem Jahr zwei Bücher gibt, die zu meinen besonderen Highlights zählen, dann ist dies eines davon. Darum kann ich nur eine absolute Leseempfehlung aussprechen.

poisonalice am 11.10.2022 16:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Wut und Schmerz

Als ich die Ankündigung für den neuen Roman von Alex Schulman gesehen habe, war ich zuerst begeistert und dann unentschlossen. Der erste ins Deutsche übersetzte Roman („Die Überlebenden“) von ihm im letzten Jahr hatte mich nachhaltig beeindruckt und zugleich verstört. Trotzdem habe ich „Verbrenn all meine Briefe“ gelesen.In aller Kürze zur Handlung: Der Ich-Erzähler hat eine unerklärbare Wut in sich, welche nach und nach sein Leben bestimmt. Seiner Vermutung, dass die Ursprünge dafür in der Geschichte seiner Familie mütterlicherseits liegen könnten, geht er nach, indem er sich mit dem Leben seiner Großeltern auseinandersetzt. Sein Großvater der berühmte Schriftsteller Sven Stolpe und seine Frau Karin spielen dabei die Hauptrolle des Buches. Was geschah im Sommer 1932 und welche Rolle spielte Olof Lagercrantz dabei?Wieder hat mich der Autor mit seiner unglaublich mitreißenden, tiefgründigen aber auch verstörenden Geschichte in seinen Bann gezogen. Die Geschichte von Sven, Karin und Olof liest sich zwar nicht durchgehend flüssig, hat aber eine ungeheure Sogwirkung. Die Figuren bleiben wieder etwas nebulös. Erst nach und nach entfaltet sich die komplexe Geschichte um Wut, Eifersucht, unerfüllte Liebe und psychische Gewalt mit einer gewaltigen Wucht. Die atmosphärisch dichte, wort- und bildgewaltige Sprache zog mich von der ersten Seite an in ihren Bann. Die Wut, der Schmerz und die Tragik der Geschichte sind nahezu greif- und spürbar. Ich habe mit Olof, aber vor allem mit Karin gelitten. Ihr lebenslanges Martyrium war für mich oft schwer auszuhalten.Durch die Einschübe der Tagebuchseiten von Olof Lagercrantz wurde die Handlung für mich noch realer. Überhaupt empfand ich das Buch als mehr als nur einen Roman, eher wie eine Autobiographie. Mich würde doch schon sehr interessieren wieviel der Geschichte wirklich wahr ist. Sicher kann man mit den bekannten Suchmaschinen im Internet über das Leben von Sven Stolpe und Olof Lagercrantz recherchieren, aber wieviel Realität im Buch steckt, weiß nur der Autor selbst. Sehr großen Respekt habe ich deshalb vor dem Autor, welcher in diesem Buch wieder einen Teil seiner Familiengeschichte aufgearbeitet und offenbart hat. Man merkt wie persönlich dieses Buch für ihn ist.Sehr gut gefallen hat mir auch das Buchcover, welches in Farb- und Bildgestaltung zum vorherigen Buch passt.Mein Fazit: dieses Buch ist lesens- und empfehlenswert! Alex Schulman ist ein großartiger Erzähler. Er weiß mit Worten und Sprache in einer fabelhaften Intensität umzugehen. Mich hat das Buch begeistert, auch wenn das Thema letztlich sehr tragisch und traurig war.

barbara62 am 09.10.2022 18:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Familienpuzzle

Wie viele unserer Gefühle und Verhaltensmuster sind vererbt? Diese Frage war Ausgangspunkt für die Recherchen des 1976 geborenen, in Schweden mittlerweile viel gelesenen Autors Alex Schulman. Seine eigene unkontrollierte Wut, Reizbarkeit und Überreaktion auf Rückschläge gefährdeten seine Familie, an seinen Kindern erkannte er die ihm aus der eigenen Kindheit vertrauten Anzeichen von Angst und vorbeugendem Schutzverhalten. Eine Familienaufstellung ergab Aggressionspotential auf der mütterlichen Seite:"Ich will die Dunkelheit in mir verstehen, die dabei ist, mein Verhältnis zu meiner Familie zu zerstören. Ich bin auf der Jagd nach meiner Wut." (S. 31)Kindheitserinnerungen an Besuche bei den Großeltern ließen im Großvater Sven Stolpe (1905 – 1996) die Schlüsselfigur vermuten, einem bedeutenden schwedischen Schriftsteller, Übersetzer, Journalisten, Literaturkritiker und tiefgläubigen Christen, verheiratet mit der Übersetzerin Karin Stolpe (1907 – 2003):"Auf unterschiedliche Weise zerstörte Stolpe das Leben seiner Kinder. Und das Gift wirkt über Generationen fort. Wir lernten alle, einander und die Welt zu hassen." (S. 40)Früh nahm Alex Schulman die große Angst und Unterwürfigkeit der Großmutter vor dem despotischen Großvater wahr, der vernichtende und demütigende Urteile über Familienmitglieder wie Kollegen fällte.Ein echter ThrillerWas Alex Schulman bei seinen puzzleartigen Recherchen aufdeckte, nimmt es leicht mit einem Thriller auf. Anhand der Bücher und Briefe seines Großvaters, bei Recherchen in Archiven und an Originalschauplätzen, insbesondere jedoch mit dem Tagebuch von Olof Lagercrantz (1911 – 2002), einem ebenfalls bedeutenden Schriftsteller, Kritiker und langjährigen Chefredakteur der Tageszeitung Dagens Nyheter, sowie dessen Korrespondenz mit Karin konnte er aufdecken, was sich hinter Svens Bemerkung verbarg, er wäre im Sommer 1932 „Opfer eines sexuellen Attentats“ (S. 52) geworden, durch das er „den Glauben an die Menschheit verlor“ (S. 50): eine ebenso wahre wie zutiefst bewegende, schließlich lebensgefährliche Liebesgeschichte. Minutiös sind die Tage zwischen dem 20. Juni und dem 9. Juli 1932 rekonstruiert, gebannt bin ich diesem missglückten Ausbruchsversuch aus einer albtraumhaften Ehe mit einem nüchternen Tyrannen und Narzissten gefolgt. Bis an ihr Lebensende träumte Karin vom "Land, das nicht ist" (S. 261), der Romantiker Olof versteckte seine Sehnsucht nie vor seiner Familie und besang „die Liebe seines Lebens“ (S. 127) bis zuletzt in Büchern und Gedichten.Ein wahrer RomanAber nicht nur was erzählt wird, auch das Wie ist grandios. Die drei Zeitebenen Sommer 1932, ein Besuch bei den Großeltern 1988 und die Gegenwart sind meisterhaft verwoben, Charaktere stimmig gezeichnet, die Sprache konzentriert und klar. Immer wieder hinterfragt Alex Schulman selbstkritisch seine Motivation und die Auswirkungen auf seine Zukunft. Meine anfängliche Skepsis wegen der Intimität verflog rasch, denn einerseits sind die Geschehnisse so offensichtlich, dass die Literaturwissenschaft sie irgendwann aufgedeckt hätte, andererseits hat die Familie Lagercrantz der Einbindung von Tagebucheinträgen und Briefen zugestimmt und Alex Schulman holt für jedes seiner familienbiografischen Bücher die Zustimmung seiner Brüdern ein. Außerdem ist der Roman, und als solchen bezeichnet ihn Alex Schulman trotz der Quellentreue, kein Vernichtungsbuch, wie es Sven Stolpe beispielsweise über Olof Lagercrantz verfasste; im Gegenteil gibt es zuletzt sogar einen Erklärungsversuch für sein Verhalten.Habe ich den familienbiografischen Roman "Die Überlebenden" von Alex Schulman 2021 sehr gern gelesen, so gefiel mir nun das im schwedischen Original schon 2018 erschienene, 2022 verfilmte "Verbrenn all meine Briefe" sogar noch besser. Ein neuer literarischer Autor, von dem ich mir garantiert kein Buch mehr entgehen lasse!

wortknistern am 09.10.2022 17:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 5 von 5 Sternen

Absolutes Highlight!

“Ich schaue mir die Übersicht und all die Verwüstungen auf der Seite meiner Mutter. Die Wut, die sich weitervererbt hatte. Wie sehr hatte sie mir eigentlich geschadet?” (S. 21) Protagonist Alex verliert leicht die Fassung, eines Tages realisiert er mit Schrecken: Seine Töchter haben Angst vor ihm, die Beziehung zu seiner Frau leidet unter den Wutausbrüchen. Bei einer Therapeutin soll er Familienbeziehungen zeichnen und stellt fest, dass die Familie seiner Mutter von Dysfunktionalität und lebenslang andauernden Streitereien durchzogen ist. Woher kommt diese Wut, die sich offenbar in seiner Familie über Generationen hinweg weitervererbt hat? Um das herauszufinden, beschäftigt er sich mit seinen seinen Großeltern, dem berühmten Schriftsteller und ausgeprägten Narzisst Sven Stolpe, seiner Frau Karin, einer verhängnissvollen Affäre mit dem Schriftsteller Olof Lagercrantz und einer maximal toxischen Beziehung.Die Leseprobe von “Verbrenn all meine Briefe” hatte mich etwas überraschend total begeistert - so sehr, dass ich am Ende vom Prolog Tränen in den Augen hatte. In kürzester Zeit hatte mich das Buch komplett gefesselt und ärgerlicherweise hatte ich es genau zu einer Zeit begonnen, als ich relativ wenig Lesezeit hatte. Den ganzen Tag habe ich mich darauf gefreut, endlich weiterlesen zu können und zu erfahren, wie es mit Karin, Olof und Sven weitergeht. Die Geschichte ist grandios erzählt und wenn ich gekonnt hätte, hätte ich es an einem Nachmittag fertig gelesen. Jedes Mal wenn ich dachte: That’s it, ekliger kann ein Mensch nicht mehr werden, hat Sven Stolpe sich nochmal selbst übertroffen, mein Herz ist an so vielen Stellen für Karin mitgebrochen und ich habe mitgefiebert (und gehofft) ob/dass sie es schafft, ihn und die Beziehung doch zu verlassen. Dicke Triggerwarnung für toxische Beziehung und emotionalen sowie phyischen Missbrauch an der Stelle. Mein einziger Kritikpunkt ist, dass ich vom Klappentext und dem Prolog von einer anderen Gewichtung ausgegangen bin. Ich dachte, der Protagonist erkundet seine Familiengeschichte, um den Ursprung der weitervererbten Wut zu entdecken und zu verstehen, aber dass dann mehr Reflexion über eben jene Vererbung und deren Einfluss auf seine Gegenwart (und Ehefrau + Kinder) stattfindet. Stattdessen ist dies aber nur der “Rahmen”, der die Suche in der Familiengeschichte begründet. Schade, denn gerade diese Reflexionen hätte ich sehr spannend gefunden - nichts desto trotz war das Buch aber für mich ein absolutes Highlight!

gwinnifer am 09.10.2022 15:10 Uhr

Durchschnittliche Bewertung von 4 von 5 Sternen

Gut, weil wahr

Nach der Leseprobe war ich sehr gespannt auf Alex Schulmans „neuen“ Roman (der ja tatsächlich schon vor vier Jahren erschienen ist). Ich war gespannt auf seine eigene Reise, zu den Wurzeln zu seiner Wut.Wir folgen ihm dann auf seiner Recherche durch seine Familiengeschichte. Zwischendrin werden Kapitel eingeschoben, die ein entscheidendes Jahr in der Beziehung seiner Großeltern beschreiben. Am Anfang fand ich es etwas schleppend, weil ich weder Geschichte noch Schreibstil sehr besonders fand. Doch nach und nach wollte ich wissen, wie es weitergeht. Die Geschichte hat mich doch noch in den Bann gezogen, weil es eine wahre Geschichte ist, die sich bis auf die heutige Generation in Schulmans Familie auswirkt. Ich weiß nicht, ob die gleiche Geschichte mich noch beschäftigen würde, wenn sie rein fiktional gewesen wäre. Wer sich über Familiengeschichten und Konflikte zwischen Generationen interessiert, wird dieses Buch jedoch bestimmt gern lesen.

»Sein Buch ist kein Krimi und könnte doch aufregender nicht sein.« 
  Christine Westermann

»Es ist wunderschön, es ist todtraurig, aber vor allem fühlt es sich unglaublich wahrhaftig an.«  
Sveriges Radio Kulturnytt 
 
 »Eine unglaubliche Geschichte. Diese Leidenschaft! Ein großes Lesevergnügen.«  
Dagens Nyheter