»Zadie Smith, Teju Cole und Taiye Selasi sind ohne ihn nicht zu denken – ohne Samuel Selvon, den Pionier der globalen Migrationsliteratur.«
Sigrid Löffler

Samuel Selvon emigrierte 1950 von Trinidad nach London. In einer Kellerwohnung schrieb er seinen Roman ›Die Taugenichtse‹ ... und begründete damit die ›neue Weltliteratur‹.

»Jetzt geht der Selvon-Sound auch auf Deutsch sofort ins Ohr, und da geht er auch nicht mehr weg.«
Lektor Lars Claßen über die Wiederentdeckung


Wer ist der Samuel Selvon?
Samuel Selvon wurde 1923 in Trinidad geboren und schrieb erste Kurzgeschichten unter Pseudonymen wie Ack-Ack und Big Buffer. 1950 ging er nach London, wo er zeitweise in einer kleinen Kellerwohnung in Notting Hill lebte, und da war Notting Hill noch keine Kulisse für Filme mit Julia Roberts und Hugh Grant. Vor allem mit seinem Roman ›Die Taugenichtse‹ von 1956 avancierte er zu einer international anerkannten Stimme, weil er damit einen ganz eigenen, neuen Sound schuf. Er schrieb TV-Drehbücher für die BBC und verließ London 1978 in Richtung Kanada. Er starb 1994 in Trinidad.

Wieso ist er in Deutschland von der Bildfläche verschwunden?
Ist er gar nicht, denn er war nie wirklich da. Zwar ist Samuel Selvon in England schon lange ein Klassiker, aber in Deutschland galten ›Die Taugenichtse‹ immer als unübersetzbar wegen diesem irren Erzählton zwischen kreolischem Straßenslang und balladesker Suada. Miriam Mandelkow hat für uns das Unmögliche möglich macht. Jetzt geht der Selvon-Sound auch auf Deutsch sofort ins Ohr, und da geht er auch nicht mehr weg.

Wie haben Sie Selvon wiederentdeckt?
Durch Sigrid Löfflers wunderbares Buch ›Die neue Weltliteratur‹. Da ist gleich auf den ersten Seiten von Samuel Selvon die Rede, den Löffler als Pionier der globalen Migrationsliteratur bezeichnet. Vielleicht stimmt das ja, vielleicht wären heute so gefeierte Autorinnen wie Zadie Smith, Taiye Selasi und Chimamanda Ngozi Adichie ohne Samuel Selvon gar nicht denkbar. 

Wieso sollten wir ihn heute wieder lesen?
Weil dieses Buch über die ersten Einwanderer Englands mitten ins Herz unserer Gegenwart trifft! Weil es einfach so bedingungslos aufrichtig ist und dabei von einer ganz und gar energetisierenden Vitalität, von einem seltenen subversiven Humor. Weil es mit Verve und Finesse erfahrbar macht, wie sich ein Land ‒ seine Sprache, sein Selbstverständnis ‒ langsam, aber für immer verändert. Und mal im Ernst, wer bitte wird denn nicht schwach bei Sätzen wie diesen: »Es gibt Männer auf dieser Welt, die machen einfach gar nichts, und man denkt, die müssen am Verhungern sterben, aber dann sieht man sie Tag für Tag, und sie sehen kerngesund aus, und sie lachen, und sie palavern wie eine Million Dollar, und Tatsache sehen sie aus, als wenn sie nicht nur länger leben als man selber, sondern auch noch glücklicher sterben.«

 Mehr zum Buch
 Mehr zum Autor
 Sigrid Löffler über Samuel Selvon und die neue Weltliteratur
 Video: Lektor und Übersetzerin im Gespräch
© Autorenbild: Courtesy: The Sam Selvon Collection. The Alma Jordan Library. The University of the West Indies, St. Augustine, Trinidad and Tobago.
 
merkzettel (0)

Es befinden sich keine Artikel in Ihrem Merkzettel


zum Merkzettel
warenkorb (0)

Es befinden sich keine Artikel in Ihrem Warenkorb


Gesamtbetrag:
0,00 €
inkl. MwSt. zzgl. Versand
My dtv

Jetzt registrieren